Ökumenisches Friedensgebet am 20.05.2022 in Maria am Wege Muckenschopf

Aktualisiert: 21. Mai






Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, den 20.05 2022, um 18:30 Uhr

in Maria am Wege, Muckenschopf mit Pfarrerin Ute Braun und Pfarrer Manfred Woschek








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Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.




Musik zum Eingang

danach Gemeindelied: Tebje Pajom (einmal instrumental vorspielen, ohne Wiederholungen) https://www.youtube.com/watch?v=7m-QBrIbZB0


Eröffnung:


Menschen geborgen unter dem Mantel Marias, so kann man es auf dem Relief draußen an der Kapelle sehen.

Eine kleine katholische Kapelle mitten im evangelischen Hanauerland. Wie eine kleine Insel mag diese Kapelle „Maria am Wege“ den Stiftern damals erschienen sein.

Eine Insel suchen wir in diesen Wochen auch, wo wir Trost und Zuspruch finden in all dem, was uns unruhig macht, uns beschäftigt und belastet. Zuflucht suchen wir angesichts des einfach nicht enden wollenden Krieges in der Ukraine aber auch an andern Orten; vor den Nachrichten, die seit nunmehr drei Monaten immer wieder das gleiche Schreckliche berichten; vor der Angst, der Sorge, der Unsicherheit, wohin das Ganze sich entwickeln kann - vor der Hilflosigkeit, die uns überkommt, weil alles, was wir tun können, so gering erscheint angesichts der Gewalt und des Unrechts.

Für heute Abend soll uns diese kleine Kapelle Zufluchtsort und Insel sein – um zu gedenken, zu beten, zu hoffen. Wir tun dies im Namen unseres Gottes: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Als Maria erfuhr, was für ein Kind sie zur Welt bringen würde, stimmte sie ein Lied an: Ein Lob- und Danklied, aber auch ein Hoffnungslied, dass mit diesem Kind das Unrecht weltlicher Herrscher beendet wird und ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit aufgerichtet wird.

Wir beten im Wechsel Worte des Magnifikats und eine Übertragung in unsere Zeit.



Magnificat mit Übertragung (im Wechsel)


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen gut zu anderen sind und füreinander sorgen. Darin zeigt sich etwas von Gott.


B: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen einen Streit beenden und sich wieder vertragen. Darin zeigt sich etwas von Gott.


B: Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen sich einsetzen für Schwächere, denen Unrecht geschieht. Darin zeigt sich etwas von Gott.


B: Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen Worte sprechen, die andere froh machen und ihnen die Angst wegnehmen. Darin zeigt sich etwas von Gott.


B: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen teilen und verzichten zum Wohl von anderen. Darin zeigt sich etwas von Gott.


B: Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.


A: Manchmal geschieht es, dass Menschen ohne Vorurteile und Hintergedanken auf Fremde zugehen.

Darin zeigt sich etwas von Gott. Manchmal wird Gottes Reich Wirklichkeit – auch heute!


B: Amen.



Schriftlesung: Jeremia 29,10-14 (Woschek)


Wir hören eine Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia:

So spricht der Herr: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.


Lied: Gib Frieden, Herr, gib Frieden (EG 430,1-4) https://www.youtube.com/watch?v=qdCsuGkQOA8



Gedanken I


Als Pietà von Mariupol ging ihr Bild um die Welt: die Schwangere auf einer Bahre inmitten grauer Trümmer. Die versucht, ihr Kind zu halten und zu schützen. Doch auch die, die sie tragen auf der Suche nach Schutz, und mit ihr um‘s Leben rennen, können nichts mehr tun. Am Ende hat es nicht gereicht. Die todbringenden Bomben, bewusst und zielgenau abgeworfen, haben auch dieses Leben ausgelöscht. So, wie alle Wahrhaftigkeit, jegliches Recht und Mitgefühl ausgerottet werden sollen. Und jedes Lachen und jedes Herzen und jeder Sonnenstrahl. Alles, was Leben und Freundlichkeit auf der Erde bedeutet.

Am Ende keine Rettung für die Pietà von Mariupol. Diese Schmerzensmutter wird nicht mehr weinen, nicht mehr das gemarterte Kind im Schoß umsorgen, nicht mehr träumen, was mit ihm hätte werden können.

Überhaupt: nicht mehr auf neues Leben und Zukunft hoffen und daran erinnern, was es dafür braucht.

Wer tut es nun für sie? Wer schreit für sie zum Himmel für die Gemordeten und Hungernden in der Ukraine, für die still gewordenen Kinder und die auf den Straßen nach irgendwohin? Wer schreit Gott herbei und seine Macht, Schutzschild der Bedrängten zu sein? Wer schreit sich heiser nach Gottes Gerechtigkeit, Tag und Nacht, zur Vergeltung für alles Morden und für alle Verachtung der Nächsten, bis sie kommt?

Bis Menschen aufstehen unter dem Schutz des offenen Himmels. Bis Recht aufblüht aus der verkohlten Erde. Bis Frieden kommt und bleibt… Wer?

(Text: Sabine Dreßler, https://www.ekkw.de/aktuell/meldung/aktuell_34878.htm)



Stille


Gedanken II

„Mutter mit totem Sohn“ - so nennt Käthe Kollwitz ihre Plastik. Ein Bild davon sehen Sie auf dem ausgeteilten Blatt. Es ist ihr Weg, mit dem Tod ihres Sohnes umzugehen.


Ihr Sohn Peter wollte mit aller Macht Soldat werden im Ersten Weltkrieg. Berauscht wie viele seiner Generation von dem Gedanken, dass dieser Krieg eine Katharsis sein und eine neue Welt schaffen wird. Weil er noch nicht volljährig ist, braucht er die Erlaubnis seines Vaters. Bild Käthe Kollwitz "Pieta" Der aber verweigert sie. Erst als sich seine Frau auf die Seite von Peter stellt, willigt er ein.


Es kommt, wie befürchtet: Peter stirbt im dritten Kriegsjahr 1917. Käthe Kollwitz zerbricht schier an diesem Schmerz. Sie verarbeitet ihn in ihrer Kunst. Sie erschafft die Plastik „Mutter mit totem Sohn“. So etwas wie eine Pieta, wie eine trauernde Maria mit Jesus im Arm.

Diese Trauernde hält den Leichnam in einer schützend-umfangenden Geste zwischen ihren Knien, sein Kopf ist zurückgefallen und an ihre Brust gelehnt. Mutter und Kind – ein spirituelles Kraftpaket der Liebe. Großformatig steht sie heute in der Neuen Wache Berlin für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

„Es ist genug gestorben. Keiner darf mehr fallen.“, sagt Käthe Kollwitz. Und „Nie wieder Krieg“ druckt sie auf Plakate. Doch es kam anders - auch für Käthe Kollwitz. 1942 fällt ihr Enkel in Russland.

Ihre letzte Lithographie - auch auf dem Liedblatt abgedruckt - ist wieder die Darstellung einer Mutter – dieses Mal eine, die ihre Kinder schützend unter ihrem Mantel birgt.


Fast scheint es, als hätte Käthe Kollwitz ganz bewusst zwei typische Mariendarstellungen gewählt, um ihren Schmerz, ihre Trauer und ihre Hilflosigkeit zum Ausdruck zu bringen: Bild Käthe Kollwitz Maria unter dem Kreuz, die als Pietà ihren toten Sohn im Arm hält, und die Mutter, die ihre Kinder schützend unter dem Mantel bringt. Ganz ähnlich wie ein Schutzmantelmadonna oder auch die Maria draußen an der Kapelle.


Stille


Gedanken III

Maria als Schutzmantelmadonna – sie wurde zum Bild für eine Mutter, die ihr Kind schützen will um jeden Preis. So wie es viele Frauen in den Kriegsgebieten aktuell tun – und auch die, die mit ihren Kindern die Flucht angetreten haben. Und dabei denken wir nicht nur an die Flüchtlinge aus der Ukraine, sondern auch an die aus Afghanistan, Syrien und all den anderen Kriegs- und Krisengebieten unserer Zeit.

In Maria – der Frau unter dem Kreuz – finden sich aber auch all die Väter und Mütter wieder, die um gefallene Söhne trauern auf allen Seiten aller Kriege.


Stille


Überleitung zum Psalm 91

Wo können wir hin mit unserer Hilflosigkeit und unseren Ängsten? Wo können die Trauernden hin mit ihrem Schmerz und ihrer Not?

Im Psalm 91 wird uns ein Ort angeboten, wo wir uns bergen dürfen.

Beten wir ihn gemeinsam – Sie finden ihn auf dem Liedblatt.


Psalm 91 (Bibel in gerechter Sprache)

Wer in der Bergung Gottes in der Höhe wohnt, im Schatten der mächtigen Gottheit übernachtet, spricht zur Ewigen: Mein sicherer Ort und meine Burg, meine Gottheit, auf die ich vertraue. Gott zieht dich aus der Schlinge des Vogelfängers, aus der tödlichen Pest. Gottes Schwingen bedecken dich. Unter Gottes Flügeln birgst du dich. Schild und Schutzmauer ist Gottes Verlässlichkeit. Du musst dich nicht fürchten vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der am Tage fliegt, vor der Pest, die in der Finsternis umherschleicht, vor der Seuche, die am Mittag wütet. Es fallen tausend zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten – dir naht es nicht. Mit eigenen Augen schaust du, siehst, wie denen, die Unrecht tun, vergolten wird. Ja, du, Ewige, mein sicherer Ort! Du hast Gott in der Höhe zu deinem Obdach gemacht. Kein Unheil wird dich treffen. Leid wird sich deinem Zelt nicht nähern. Gottes Engel haben den Auftrag, dich auf allen deinen Wegen zu bewahren. In der hohlen Hand tragen sie dich, damit dein Fuß nicht an einen Stein stoße.


Lied: Bleib bei mir Herr (EG 488,1-4) https://www.youtube.com/watch?v=3rBAc1vLzhw


Fürbitten: dazwischen: Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157) https://www.youtube.com/watch?v=4HYLxfRL2dk


W: Gott, wir wollen beten für die Menschen, die unter Gewalt und Unterdrückung leiden,

die in Angst und Unfrieden leben müssen, denen nach dem Leben getrachtet wird, im Großen wie im Kleinen, für die, die Opfer sind von Hass, Krieg und Terror.


Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157)


B: Wir wollen beten für die Menschen, die sich auf der Flucht vor Krieg und Gewalt befinden, die ihre Angehörigen verloren haben und ihre Heimat, für die Kinder, deren Leben schon zerstört ist, bevor es begonnen hat, die nichts anderes lernen als Hass und Gewalt.


Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157)


W: Wir wollen beten für die Menschen, die alle Hoffnung auf Frieden verloren haben, die müde geworden sind dafür zu kämpfen, dass der Mensch nicht Opfer des Menschen werde, die nicht mehr glauben, dass es anders werden könne.


Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157)


B: Wir wollen beten auch für die Menschen, die nicht kleinzukriegen sind, die verantwortlich leben wollen und sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden, die wissen, was es heißt, gegen Biertischmentalität anzugehen, gegen Unverständnis und Dummheit


Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157)


W: Wir wollen beten für die Menschen, die vom Friedensgeist des Evangeliums angesteckt sind, die überall auf der Welt Zeichen des Friedens und der Hoffnung pflanzen, die es wagen, in einer Welt der Gewalt gewaltlos zu leben.


Herr, erbarme dich (EG 178.11; GL 157)


B: Wir wollen beten für uns selbst, dass wir der Gewalt und dem Bösen widerstehen, dass wir die Kraft besitzen auch weiterhin an einer Welt mitzubauen, in der Frieden und Gerechtigkeit wohnen, dass wir es schaffen, die Mauern von Angst, Gewalt und Hass zu durchbrechen. Herr, lenke du unsere Schritte auf den Weg des Friedens

durch Christus unseren Herrn. Amen.


Überleitung zum Vaterunser

Lasst uns nun mit den Worten unseres Herrn Jesus Christus um das Kommen des Reiches Gottes bitten, das ein Reich des Friedens und der Liebe ist:


Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Kollektenansage: Nothilfe für die Ukraine

Um vom Krieg betroffenen Menschen Hilfe zukommen zu lassen, erbitten wir am Ausgang eine Spende. Mit dem Erlös werden die beiden kirchlichen Katastrophenhilfsdienste "Caritas International" und "Diakonie Katastrophenhilfe" unterstützt.


Vorstellung einer privaten Hilfsaktion


Lied: Wo Menschen sich vergessen (NL 93,1-3) https://www.youtube.com/watch?v=gaUVv2pkB10


Segen:


B: Geht in diesen Abend mit dem Segen des dreieinigen Gottes.


W: Geht mit dem Segen des Schöpfers dieser Welt, der Versöhnung schafft zwischen Gott und Mensch, Himmel und Erde.


B: Geht mit dem Segen unseres Herrn, des Friede-Fürsten, der uns Menschen Bruder wurde und Erlöser aus Unfrieden und Ungerechtigkeit.


W: Geht mit dem Segen des Heiligen Geistes, der uns auf den Weg Jesus Christi weist, damit wir ihm nachfolgen und selbst zu Friedenstiftern werden.


B + W: So segne euch der in der Liebe allmächtige Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen


Orgelnachspiel




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste









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