Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, den 29.04.2022 in Lichtenau Ulm






Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, den 29.04 2022, um 18:30 Uhr

in Lichtenau Ulm mit Pfarrerin Ute Braun und Pfarrer Manfred Woschek








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Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.




Einzug: Orgelspiel

Lied: Tebje pajom - O Herr, gib Frieden

https://www.youtube.com/watch?v=7m-QBrIbZB0

Eröffnung / Einführung: (Pfarrer Woschek)

Wir haben uns hier versammelt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes begleite Euch heute und allezeit. Amen.

Seit über 9 Wochen tobt der Krieg in der Ukraine. Immer neue Schreckensmeldungen Bombardierungen und Artilleriebeschüsse ziviler Einrichtungen, Tötungen von Einwohnern, die anschließend in Massengräbern verscharrt werden, Fluchtkorridore, die zunächst vereinbart, dann aber wieder gesperrt werden, auseinandergerissene Familien auf der Flucht ….

In vielen unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern werden schreckliche Erinnerungen wach. Eine Neunzigjährige erzählt:

Die Berichte aus der Ukraine wühlen mich persönlich sehr auf, weil ich das alles im Alter von 8 bis 12 Jahren selber erlebt habe. Das kommt alles wieder hoch: Die Luftangriffe in Düsseldorf im Keller; Bomben, Luftminen und Brandbomben nebenan; am Morgen Lauf durch die immer noch brennenden und einstürzenden Häuser, um zu schauen, ob meine Freunde noch lebten; Tieffliegerangriffe auf alles, was sich bewegt; nach dem großen Angriff auf Oberhausen und Duisburg zu Fuß von Oberhausen mit meiner Mutter durch die brennenden Städte zurück nach Kaiserswerth; Abtransport aus der Kriegszone, der dann aber nicht klappte; sechs Wochen im Keller eines Krankenhauses mit ca. 30 Personen auf Strohschütte bei zum Teil pausenlosen Beschuss der alten romanischen Basilika direkt daneben … Ich sehe mich in den Kindern wieder, deren Bilder wir heute sehen ...

Geschichte scheint sich zu wiederholen - als wenn die Menschheit nichts aus der Vergangenheit gelernt hätte…

Wechselgebet: (V=Pfr.in Braun, A=Alle - auf Liedblatt)


V Gott des Friedens und der Versöhnung: Wohin sollen wir uns wenden mit unserer Empörung, mit unserer Trauer, mit unserer quälenden Hilflosigkeit angesichts der Konflikte, die derzeit toben?

A So viele Menschen, die in Ruhe leben wollen, werden bedroht, werden aus ihrer Heimat vertrieben, werden getötet.

V Wir sehen die Bilder derer, die um Angehörige und um Freunde weinen. Wir hören hasserfüllte Parolen, die auch in unserem Land laut werden. Wir werden zerrissen von widersprüchlichen Gefühlen, auch von der Angst, was aus dem allen noch werden wird.

A Wir wenden uns an dich, Gott, und bitten für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt, dass endlich Ruhe einkehrt in die Kampfgebiete, und Feindschaft überwunden wird.

V Tröste alle, die um Opfer der Gewalt trauern. Heile die verwundeten Seelen, in die sich das Grauen eingegraben hat.

A Barmherziger und gerechter Gott: Erfülle uns mit dem Geist der Besonnenheit und der Hoffnung. Mach uns streitbar gegen menschenverachtende Parolen, und immun gegen das Gift von Hass und Kriegstreiberei. Gründe uns in deinem Wort, das Friedenstiftern Zukunft verheißt. Amen.

Lied: Gib uns Frieden… (Kreuzungen 137,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=_z2vOkWkiAI

Schriftlesung: Genesis 8,4-12; 9,8-9.13 (LektorIn)


Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Genesis. Am 17. Tag des 7. Monats setzte die Arche auf einem Gipfel des Araratgebirges auf. Das Wasser fiel ständig weiter, bis am 1.Tag des 10. Monats die Berggipfel sichtbar wurden. Nach vierzig Tagen öffnete Noach die Dachluke, die er gemacht hatte, und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange hin und her, bis die Erde trocken war. Noach ließ auch eine Taube fliegen, um zu erfahren, ob das Wasser von der Erde abgeflossen war. Sie fand aber keine Stelle, wo sie sich niederlassen konnte; denn die ganze Erde war noch von Wasser bedeckt. Deshalb kehrte sie zur Arche zurück. Noach streckte die Hand aus und holte sie wieder herein. Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum zweiten Mal fliegen. Sie kam gegen Abend zurück und hielt einen frischen Ölbaumzweig im Schnabel. Da wusste Noach, dass das Wasser abgeflossen war. Er wartete noch einmal sieben Tage, dann ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen. Diesmal kehrte sie nicht mehr zurück. Gott sagte zu Noach und zu seinen Söhnen: "Ich schließe meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und auch mit allen Tieren, die bei euch in der Arche waren und künftig mit euch auf der Erde leben. Ich gebe euch die feste Zusage: Ich will das Leben nicht ein zweites Mal vernichten. Die Flut soll nicht noch einmal über die Erde hereinbrechen. Das ist der Bund, den ich für alle Zeiten mit euch und mit allen lebenden Wesen bei euch schließe. Als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache. ---

Bildbetrachtung (Pfr. Woschek)

Zu dieser Schriftstelle hat der Künstlerpfarrer Sieger Köder ein Bild gemalt, das Sie auf dem ausgeteilten Blatt sehen können.



Die Geschichte des Noach mit Arche, Flut, Untergang und Regenbogen ist Bild und Abbild täglich erlebter und erfahrener Geschichte. In dieser Welt gibt es Ereignisse und Katastrophen, die über die Menschen hereinbrechen, gibt es Tod und Tote, gehen Völker und Städte unter und werden durch den Strudel verhängnisvoller Verstrickungen hinuntergerissen oder einfach weggeschwemmt. Das Bild von Sieger Köder übersieht im unteren Teil diese Untiefen nicht, verschweigt nicht, dass es eine Flut von schrecklichen Ereignissen gibt, die Menschen in den Tod stürzen, die sintflutartig über sie hereinbrechen, verschuldet und unverschuldet. Todesnachrichten überschwemmen die Welt, Hoffnungszeichen sind rar.

Die Botschaft des Noach hält dagegen. In aller Frage nach dem Warum dieser Schrecken, in aller Sinnlosigkeit von Untergang und Leiden traut Noach seinem Gott. Dessen Treuezusage und die Verheißung einer Zukunft in allem Dunkel - davon kündet der Regenbogen im oberen Teil des Bildes; er verbindet Himmel und Erde, er reicht bis in die tiefsten Tiefen und schließt alles ein - bergend, schützend, belebend. Noachs Gott schenkt ein Haus, das auf einem mächtigen Felsen verankert ist; es hält stand, auch wenn die Stürme und Fluten noch so toben. Gott ist Heimat, Arche, Halt und Grund. Wer auf ihn setzt, baut nicht auf Sand, der mit dem Kommen der Flut einfach weggespült wird.

Noachs Glaube an die Zukunft, an eine bleibende Lebensverheißung kommt nicht aus ihm selbst. Dieser Glaube ist Geschenk des menschenfreundlichen Gottes.

Der Regenbogen spiegelt sich im Gesicht des Noach und auf seinem Haus. Gott schenkt ihm dieses Zeichen: Ich lasse dich nicht untergehen.

Die Taube mit dem grünen Olivenzweig wird zur Botschafterin von Rettung und Frieden - für Noach Grund, die Arme auszubreiten und dankbar aufzunehmen, was sie verkündet: Das Leben hat gesiegt. --

Lied: Von guten Mächten (GL 775,1+2+6)

https://www.youtube.com/watch?v=aN7dGz6NH5M

Überleitung zum ökumenischen Friedensgebet 2022: Wir laden Sie jetzt ein, das Ökumenische Friedensgebet 2022 mitzusprechen. Als dieses Gebet formuliert wurde, war die derzeitige Kriegs-Situation in der Ukraine noch nicht abzusehen. Aber der Gebetstext trifft unsere heutige Situation. Er kann unsere Zuversicht stärken - trotz und in vielem.

Lasst uns gemeinsam beten:

Ökumenisches Friedensgebet 2022:

Gott des Lebens, wir sehnen uns danach, miteinander in Frieden zu leben. Wenn Egoismus und Ungerechtigkeit überhandnehmen, wenn Gewalt zwischen Menschen ausbricht, wenn Versöhnung nicht möglich erscheint, bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

Wenn Unterschiede in Sprache, Kultur oder Glauben uns vergessen lassen, dass wir deine Geschöpfe sind und dass du uns die Schöpfung als gemeinsame Heimat anvertraut hast, bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

Wenn Menschen gegen Menschen ausgespielt werden, wenn Macht ausgenutzt wird, um andere auszubeuten, wenn Tatsachen verdreht werden, um andere zu täuschen, bist du es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen und der Korruption zu widerstehen. Schenke uns mutige Frauen und Männer, die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt an Leib und Seele hinterlassen.

Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden, um den Frieden zu fördern. In welcher Sprache wir dich auch als „Fürst des Friedens“ bekennen, lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein gegen Gewalt und gegen Unrecht. Amen.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit (GL 481/EG 262, Strophen 1+4+5+6)

https://www.youtube.com/watch?v=8khCbiB69sc

Fürbitten: (Pfr. Woschek=Wo, Pfr.in Braun=Br )

mit Liedruf GL 157/EG 178,11

https://www.youtube.com/watch?v=4HYLxfRL2dk


Wo Guter Gott, Du spannst den Regenbogen über uns als Zeichen des Friedens und der Versöhnung. Wir bitten dich:

Für alle Frauen, Männer und Kinder, die durch die Krieg und Gewalt an Leib und Seele verwundet sind, für die, die den Verlust von Angehörigen und Freunden

durch Attentate, Gewalt und Krieg beklagen.

Wir beten darum, dass sie mit ihrem Leid weiterleben können und dass die Welt sieht und hört, wie es zum Himmel schreit.


Liedruf: Herr, erbarme dich…


Br Wir beten für die, die andere Menschen bekämpfen, dass sie erkennen, dass auch auf der anderen Seite Menschen stehen, die sich nach Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit sehnen.


Liedruf: Herr, erbarme dich…

Wo Wir beten für die Verantwortlichen in Politik und Militär, dass sie die Weisheit entwickeln, andere als militärische Lösungen zu finden.


Liedruf: Herr, erbarme dich…

Br Wir beten für die Christinnen und Christen in den von Krieg und Terror betroffenen Ländern, dass sie nicht müde werden, sich an die Seite der Opfer zu stellen, ihr Leiden zu lindern, die Friedensbotschaft Jesu Christi zu verkündigen und geschützte Räume zu bieten, in denen sich Angehörige der verfeindeten Parteien begegnen können.


Liedruf: Herr, erbarme dich…

Wo Wir beten für Juden, Christen und Muslime, dass sie das Friedenspotential ihrer jeweiligen Religion immer wieder neu entdecken

und fruchtbar machen.


Liedruf: Herr, erbarme dich…


Br Wir beten für die internationale Gemeinschaft, dass sie nicht wegschaut, sondern ihre politische Verantwortung wahrnimmt für Frieden und für die gerechte Verteilung der Güter.


Liedruf: Herr, erbarme dich…


Wo So bitten wir um eine friedliche Entwicklung für alle Länder unsrer Erde. Wir bitten Gott um seinen Frieden, der höher ist als alle menschliche Vernunft. Amen.

Überleitung zum Vaterunser: (Pfr. Woschek)

Das Vaterunser, das Gebet Jesu, ist das Gebet für all diejenigen, die sich mit dem Zustand unserer Welt nicht abfinden, die noch Visionen haben und Frieden und Versöhnung anstreben, die um ihre Grenzen dabei wissen und die dennoch und trotz allem auf eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit setzen. Sie setzen darauf, dass in allen Lebenssituationen der Gott des Lebens, der Gott Jesu, angerufen werden kann, dass er präsent ist, da ist, mit uns auf dem Weg.

So lasst uns miteinander beten:

Vater Unser

Lied: Du bist da, wo Menschen (Kreuzungen 77,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=u9oZZ-R_ACk

Wechselgebet: (V=Pfr.in Braun/A=Alle - auf Liedblatt)


V Gott, wir danken dir, dass du kein Gott bist, der aus göttlicher Herrlichkeit und Weltenferne auf das Elend der Menschen herabsieht, sondern dass du das Elend und die Not siehst und Partei ergreifst für die Unterdrückten.

A Zeige dich auch heute als dieser Gott! Bekehre die Mächtigen, die auf ihr Recht pochen und dabei Menschen und Völker überfallen, unterdrücken und ausbeuten.

V Hilf, dass alle Menschen erfahren, dass überall das versprochene Land ist, wo sie leben können in Freiheit und Fülle, heiliger Boden, wo wir dir begegnen.

A Zeige dich auch heute als dieser Gott! Nimm alle Religionen, alle christlichen Kirchen dafür in Dienst! Lass sie nicht über die Menschen herrschen, sondern ihnen zum Leben dienen in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.

V So bitten wir durch und mit Jesus, unserem Bruder, dem Zeugen deiner Menschenfreundlichkeit und Liebe, mächtig und ohnmächtig in seinem solidarischen Leben und Sterben.

A Du hast ihn bestätigt durch die Auferweckung zu dir als Zeichen der Hoffnung auch für uns. Amen.

Segen: (Pfr. Woschek=Wo; Pfr.in Braun= Br)


WO Gott, unser Herr, der Euch überall und zu jeder Zeit sieht und hört, schütze Euch, wende Sorge und Not von Euch ab und lasse Euch in Seinem Frieden leben. -

Br Es segne Euch Gott, der Vater. Er sei der Raum, in dem Ihr lebt. -

Wo Es segne Euch Jesus Christus, der Sohn. Er sei der Weg auf dem Ihr geht. -

Br Es segne Euch Gott, der Heilige Geist. Er sei das Licht, das Euch zur Wahrheit führt. -

Wo Das schenke Euch Gott, der ein Gott des Lebens ist, der Vater + und der Sohn + und der Heilige Geist. Amen.

Gehet hin in Frieden. - (Dank sei Gott, dem Herrn.)

Zum Auszug: Orgelspiel

https://www.youtube.com/watch?v=o7GO1stt0UU



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste






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