Ökumenisches Friedensgebet in der Kapelle St. Wolfgang Hildmannsfeld am 10.06.2022

Aktualisiert: 11. Juni






Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, den 10.06 2022, um 18:30 Uhr

in der Hildmannsfelder Kapelle St. Wolfgang

mit Pfarrerin Ute Braun und Pfarrer Manfred Woschek








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Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.




" Sammle meine Tränen in deinen Krug "


Zum Einzug: Orgelspiel, anschl.:


Lied: Tebje Pajom (auf Liedblatt) https://www.youtube.com/watch?v=7m-QBrIbZB0


Eröffnung und Einführung:

Wir haben uns versammelt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.) Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus sei mit euch. (Und mit deinem Geiste.) Liebe Schwestern und Brüder, noch immer wütet der Krieg in der Ukraine - inzwischen schon 3 1/2 Monate lang. Eine Zeit, in der viele Menschen großes Leid erfahren mussten und viele Tränen geflossen sind.

Wir haben uns heute wieder in ökumenischer Verbundenheit zum Friedensgebet versammelt. Beten ist ein Akt des Widerstandes gegen die Todesmächte. Denn im Gebet stellen wir uns auf die Seite Gottes, der ein Freund des Lebens ist und den Tod nicht will.


Im Gebet stellen wir uns auch auf die Seite aller, die unter dem Krieg zu leiden haben: Wir zeigen ihnen: Ihr seid nicht vergessen, wir sind an eurer Seite.

Mit dem folgenden Gebet bringen wir die Not aller vor Gott, die unter dem Krieg zu leiden haben, und leihen ihnen unsere Stimme.


Gemeinsames Gebet:

Herr, unser Gott: Wir spüren die Wunden unserer Welt. Unsere Welt leidet am Krieg, sie leidet an Unmenschlichkeit und Lieblosigkeit. Sie leidet an jedem Schlag, an jedem Schuss, an jeder Bombe. Wir betrachten diese Wunde mit Angst und Sorge, haben Angst, dass sie sich ausbreitet, statt zu heilen.

Wir bitten dich für alle Menschen, die von der gewaltsamen Auseinandersetzung betroffen sind: für die zahllosen Opfer, die ihr Leben lassen müssen, für die Familien, die um Menschen bangen, für die Frauen und Kinder, die unter der Gewalt und den katastrophalen Verhältnissen leiden und zu unschuldigen Opfern werden, für die vielen Opfer, die durch Verwundung Schmerzen leiden oder durch die Grausamkeit verstört sind, für die Soldaten, die Angst haben vor dem Tod. Herr, lass die Regierenden ernsthaft nach Wegen zum Frieden suchen und den Krieg möglichst schnell beenden.

Herr, wir bitten auch für uns: lass uns immer wieder neu für den Frieden beten. Lass uns immer wieder den Mut finden, uns für den Frieden einzusetzen, durch verbindende Worte und Taten, durch Teilen, durch Abbau von Trennendem und vor allem: durch Widerstehen der Gewalt. Schenke uns dazu die Kraft und deinen Segen.

Schenke den Wunden der Welt Heilung durch Jesus Christus, deinen Sohn, der die Welt mit dir versöhnt hat. Amen.


Lied: GL 437,1-4 Meine engen Grenzen… https://www.youtube.com/watch?v=qzV7rnYwXtI


Erste Lesung: Ps 56,2-9

Wir hören eine Lesung aus dem Buch der Psalmen.

Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach; meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag. Täglich stellen meine Gegner mir nach; ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen. An dem Tag, da ich mich fürchten muss, setze ich auf dich mein Vertrauen. Ich preise Gottes Wort. Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun? Sie verdrehen meine Worte den ganzen Tag; auf mein Verderben gehtihr ganzes Sinnen. Sie lauern und spähen und beobachten genau meine Schritte; denn sie trachten mir nach dem Leben. Sie haben gefrevelt; es gibt für sie kein Entrinnen. In deinem Zorn, o Gott, wirf die Völker zu Boden! Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir. Sammle meine Tränen in einemKrug, zeichne sie auf in deinem Buch! -


Kurze Stille


Geistlicher Impuls:

„Sammle meine Tränen in einem Krug; zeichne sie auf in deinemBuch“ - so hieß es eben im Psalm 56. Ja, Tränen sind in den 14 Wochen des Krieges schon genug geweint worden und werden leider noch viele geweint werden: Tränen des Schmerzens, Tränen der Verzweiflung, Tränen beim Abschied, Tränen der Trauer, verzweifelte Tränen, sehnsuchtsvolle Tränen, Tränen der Wut und Tränen der Liebe. Sind die Tränen umsonst vergossen? Nimmt jemand Notiz von den Tränen der Menschen?

Der Beter des Psalms 56 ist überzeugt: Gott weiß um unsere Not und um unsere Tränen. Sie bleiben ihm nicht verborgen. Gott nimmt nicht nur flüchtig Kenntnis von unseren Tränen, gleichsam im Vorübergehen. Er zählt jede einzelne von ihnen. Er sammelt die Tränen der Menschen gleichsam wie in einem Krug.

Wir können die quälende Frage nach dem Warum des großen Leids so vieler Menschen nicht beantworten. Doch wir vertrauen darauf, dass unsere Tränen nicht sinnlos vergossen werden.

So bringen wir dir, Gott die Tränen aller, die Opfer des Krieges und der menschlichenWillkür geworden sind;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen der Menschen, deren Leben durch Hass und Terror zerstört wird;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen derer, die verletzt werden;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen derer, die aus ihrer Heimat vertrieben werden oder auf der Flucht sind;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen der Kinder, deren Herz voller Angst und Unruhe ist;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen der Väter, die von ihren Familien Abschied nehmen müssen;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen aller, die sich in die U-Bahn-Stationen und die Schutzbunker geflüchtet haben;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen der alten Menschen, die zurückbleiben;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen derer, die Hunger und Durst leiden;

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

die Tränen aller, die einen Toten zu beklagen haben.

(- Glasnuggets in Krug einfüllen - Stille -)

Gott, sammle alle diese vergossenen Tränen in deinen Krug.


Meditatives Orgelspiel


Überleitung zur 2. Lesung:

Wir glauben, dass Gott sich mit dem Leid und dem Tod in dieser Welt nicht abfinden kann und wird. Wir vertrauen darauf, dass am Ende der Tage geschehen wird, was uns in der Offenbarung des Johannes zugesagt ist:


Zweite Lesung: Offb 21,1-5

Lesung aus der Offenbarung des Johannes.

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. -


Kurze Stille


Geistlicher Impuls:

In der eben gehörten Lesung aus der Johannesoffenbarung erblicken wir das große, weltumspannende Hoffnungsbild, die gewaltige Vision des Sehers Johannes, als er in der Zeit der Christenverfolgung um das Jahr 90 n.Chr. auf der griechischen Insel Patmos gefangen saß. Johannes sieht einen "neuen Himmel" und eine "neue Erde". Das heißt: der Himmel und die Erde, die wir jetzt mit unseren Augen sehen, die wird es dann nicht mehr geben. Gott wird diese Welt völlig neu erschaffen.

Und dann erblickt Johannes die Vollendung im Bild des himmlischen Jerusalem, das sich mit unserer Erde verbindet. Die heilige Stadt wird ihm zum Bild für die Gemeinschaft aus allen Völkern und Sprachen, in deren Mitte Gott selbst in seiner Lichtfülle aufleuchtet - ein ewiger Gemeinschaft, ein Ort ewigen Friedens. Es wird der Tag kommen, an dem Gott abwischen wird alle Tränen von unseren Augen.

Das ist ein sehr menschliches und warmherziges Bild am Ende der Bibel: So wie eine Mutter ihr Kind auf den Schoß nimmt und ihm die Tränen abwischt vom Gesicht, genau so wird Gott jeden einzelnen von uns nach dieser Zeit bei sich aufnehmen und ihn trösten. Da fällt vom Ende der Bibel her ein Licht auf die Dunkelheit der Trauer.

Vom himmlischen Jerusalem her fällt aber auch ein Licht auf unsere Ängste. Vom himmlischen Jerusalem heißt es, dass alle Tore und Türen darin offenstehen. Keiner braucht mehr Angst zu haben. Keiner braucht aus Angst seine Türen abzuschließen. Auch die himmlische Stadt selbst braucht ihre Tore nicht mehr zu verschließen. Eine Stadtmauer ist nicht mehr notwendig. Das Böse ist besiegt. Das Meer, nach biblischer Vorstellung die Heimat der Dämonen und Ungeheuer, existiert nicht mehr. Es hat in der neuen Welt Gottes keinen Raum. Alle Exzesse der Gewalt und des Terrors, alle Bedrohungen des Lebens haben keinen Raum mehr in der neuen Welt Gottes. Das Böse und Furchterregende ist am Ende verschollen und vergessen - auf immer. Da fällt vom himmlischen Jerusalem her ein Licht auf unsere Angst.

Der Seher Johannes hört die Stimme Gottes: „Seht, ich mache alles neu!“ Es geht um eine allumfassende Erneuerung der Welt. Und es geht um Hoffnung für die ganze Welt. Vor Gott ist nichts so klein, so schwach, so unvollkommen, so aussichtslos, dass Er es nicht von Grund auf erneuern, heilen, aufhellen, vollenden könnte - wenn nicht jetzt in dieser Zeit, so doch in der kommenden Welt. Die Botschaft von der Erneuerung der ganzen Welt will uns Mut geben, schon heute Trauer, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Resignation angesichts des Leids in der Welt zu überwinden. Und auch den Mut, gegen das Leid anzugehen - mögen unsere eigenen Kräften und Möglichkeiten auch noch so klein sein. -


Lied: GL 850,1+2+4 Erhöre uns, Herr…


Bitte um Frieden (mit Liedruf: Herr, erbarme dich…):

B Wir hören und sehen voll Entsetzen die Nachrichten aus der Ukraine. Wir alle sind betroffen über das unsagbare Leid, das über die Menschen dort gekommen ist. Wir alle sorgen uns um den Frieden bei uns und haben Angst, wie es weitergeht. Wir müssen erfahren, wie die Hoffnungen auf Frieden durch das Kalkül von wenigen enttäuscht werden.

In einem alten Gebet heißt es: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.“ Und Jesus ruft uns immer wieder auf, mit unseren Bitten zu unserem Vater zu kommen.

Rufen wir zu ihm und bitten wir ihn um seinen Frieden für unsere Zeit:


Liedruf: KR 184 (P/A) Herr, erbarme dich…


W Für die Menschen in der Ukraine, die in großer Angst vor Krieg und Gewalt in ihrem Land ausharren; für alle, die sich vor der Gefahr in Sicherheit flüchteten und für jene, die versuchen, ihr Land und ihr Recht auf ein friedliches Leben zu verteidigen.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…


B Für alle, die unter den Völkern Einfluss haben und politische und militärische Macht ausüben und die vor schwierigen Entscheidungen stehen; für alle, die sich in diesem Konflikt für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen; aber auch für jene, für die ein Menschenleben nicht viel zählt und die keine Bereitschaft zur Verständigung zeigen.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…


W Für alle, die vor Ort Hilfe leisten und für die Menschen da sind; für diejenigen, die das Leben ihrer Mitmenschen verteidigen wollen, für die Rettungskräfte, die Verwundeten und Flüchtlingen helfen.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…


B Für die christlichen Kirchen in der Ukraine, die den Menschen aus der Kraft des Evangeliums mit Trost und Hilfe beistehen; für alle, die sich dort um Versöhnung und Frieden zwischen den Volksgruppen bemühen.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…


W Für die Menschen in allen Krisengebieten dieser Welt, die unter Gewalt und Not leiden müssen; für die vielen Flüchtlinge, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf gefährliche Wege begeben; für die vielen Kinder, die in Leid und Angst aufwachsen müssen.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…


B Für alle, die den Kriegshandlungen in der Ukraine schon zum Opfer gefallen sind; für alle, die Opfer von Aggression und Gewalt wurden; für alle, die sie beklagen und betrauern.


Liedruf: KR 184 (ALLE) Herr, erbarme dich…



Vater Unser:


Wir beten um das Kommen des Gottesreiches, des Reiches des Friedens und der Versöhnung – so wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:


(Alle:)

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segenslied: KR 155,1-4 Gottes guter Segen… https://www.youtube.com/watch?v=u6Hya0TJjtE


Segen:

B Gott, du Quelle des Lebens, du Atem unserer Sehnsucht, du Urgrund allen Seins: Segne uns mit dem Licht deiner Gegenwart, das unsere Fragen durchglüht und unseren Ängsten standhält.

W Segne uns, damit wir ein Segen sind und mit zärtlichen Händen und einem hörenden Herzen, mit offenen Augen und mutigen Schritten dem Frieden den Weg bereiten.

B Segne uns, dass wir einander segnen und stärken und hoffen lehren wider alle Hoffnungslosigkeit, weil du unserem Hoffen Flügel schenkst.

W Das schenke uns der gütige und barmherzige Gott, der Vater + und der Sohn + und der Heilige Geist. Amen.


Hinweis auf Kollekte


Entlassruf


Zum Auszug: Orgelspiel





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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