Ökumenisches Friedensgebet in Lichtenau am 8.07.2022






Ökumenisches Friedensgebet am Freitag, den 8.07 2022, um 18:30 Uhr

in der evangelischen Kirche in Lichtenau

mit Pfarrer Manfred Woschek und Pfarrerin Ute Braun








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Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

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Musik zum Eingang


danach Gemeindelied: Tebje Pajom (einmal instrumental vorspielen, ohne Wiederholungen, singen mit Wiederholungen) https://www.youtube.com/watch?v=7m-QBrIbZB0

Votum: (Braun)

Wir sind hier zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Friede des Herrn sei mit euch allen.

Eröffnung: (Braun)

Immer noch halten die Kämpfe in der Ukraine an. Die Nachrichten, die bei uns ankommen, sind unterschiedlich und lassen nicht wirklich einschätzen, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Wie ein Tauziehen erscheint es – mal nehmen die einen ein Gebiet ein, mal können die anderen Truppen zurückdrängen. Die Zerstörung, die all das hinterlässt, ist enorm. Die Angst, die viele fliehen lässt, groß.

Und auch wir merken die Auswirkungen dieses Krieges hier bei uns: in steigenden Energie- und Lebensmittelkosten, eine ansteigende Inflation, Unsicherheit und Unruhe ganz verschiedener Art in den Menschen.

Unsere Medien tun ihr Übriges dazu: sie berichten unmittelbar von den Kriegsorten, zerstörter Infrastruktur, von Aufnahmegespräche in NATO und EU, von geplanten Truppenverlegungen und möglichen Reaktionen darauf. Und jetzt schon wird darüber spekuliert, was passieren könnte, wenn Russland den Gashahn zudreht…

Als wenn das Ganze nicht schon bedrückend genug ist, tragen die Medien meiner Wahrnehmung nach auch noch ein gutes Stück dazu bei, dass Angst wächst und Unsicherheiten sich verstärken. Welche Macht doch Bilder haben…

Auch an mir geht das nicht spurlos vorüber. Umso wichtiger ist es mir heute Abend, neben diese Schreckensbilder auch Hoffnungsbilder zu setzen. Überlieferte Bilder in Liedern und Texten, aber auch reale Bilder wie diese Kinderbilder, die seit Beginn des Krieges in der Ukraine hier in den Fenstern unserer Kirche liegen.

Auch der Psalm 8 ist so ein Bild – ein Bild, das Zuversicht in unsere Herzen legen will, aber auch unsere Verantwortung als Kinder Gottes aufzeigt. Wir sprechen ihn gemeinsam in einer modernen Übertragung:

Psalm 8 (nach Peter Spangenberg) - gemeinsam

Herr Gott, lieber Vater, rund um die Erde und in allen Winkeln des Weltalls kennt man dich und sieht deine Wunder. Kinder, ja schon Säuglinge, sind Zeichen dafür, wie du das Leben liebst, damit auch den Bösen und den Gierigen klar wird: Nur bei dir ist das Leben in besten Händen. Wenn ich nachts nach oben sehe und das Firmament bestaune, deinen riesigen Himmel mit Mond und Sternen, mit Milchstraße und Sternschnuppen - alles stammt von dir! Was bin ich dann schon? So klein! So winzig! Ein Menschenkind! Und du denkst an mich?! Du hältst mich auch in deiner Hand? Ich soll dir dienen? Ich soll wirklich ein Zeichen von dir sein? Ein kleiner Mensch soll mithelfen, deine Erde zu bewachen? Mit allem, was dazugehört: mit Schafen und Rindern, Ameisen und Elefanten, Vögeln und Fischen, Moosen und Felsen, Tälern und Bergen, mit den Meeren und den Erdteilen?! Das ist wunderbar. Herrlich ist das! Lieber Gott, du machst das Leben hell und gut, und in der ganzen Welt sollen die Menschen davon singen.

Schriftlesung: Jeremia 11,1-10 (Woschek)

Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia:

Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des HERRN ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des HERRN. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht, sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt das Land mit dem Stock seines Mundes und tötet den Frevler mit dem Hauch seiner Lippen. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften und die Treue der Gürtel um seine Lenden. Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des HERRN, so wie die Wasser das Meer bedecken.

An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen und seine Ruhe wird herrlich sein.


Lied: Unfriede herrscht auf der Erde (EG 663) https://www.youtube.com/watch?v=XKCbzscqb3Y

Gedanken (Bilder werden mit Beamer angezeigt)



Als im März der Krieg in der Ukraine durch den Einmarsch Russlands eine neue Dimension einnahm, habe ich mit meinen Grundschulkinder Friedensbilder gemalt.

Was ist für euch Frieden? Wie sieht Frieden aus? Wie soll der Friede in der Ukraine aussehen? Und welche Friedensbilder finden wir in der Bibel?

Dieses Mädchen aus der 4 Klasse hat das Symbol der Friedenstaube gewählt. Und in den einen Flügel ihre ganz persönlichen Friedensvorstellungen geschrieben. In den anderen Flügel nahm sie Bilder auf aus dem Text von Jeremia, den wir gerade gehört haben.

So reichen ihre Friedensvorstellungen von einem freundlichen Miteinander im alltäglichen Umgang bis hin zu den eschatologischen Friedens-Bilder bei Jeremia, wenn dann eines Tages Lamm und Wolf friedlich beieinander liegen.


Hier wurde das Friedensbild schon sehr viel konkreter. Es muss doch möglich sein, dass die beiden Geschwistervölker Frieden schließen, sich die Hand reichen, so dachte sich diese Viertklässlerin. So machen es die Kinder in der Schule doch auch, wenn sie dem anderen wehgetan haben. Sich entschuldigen, die Hand reichen, wieder Freunde sein. Sogar Putin hat sie in diese Menschenkette hineingestellt. Und beinahe übersieht man es: zwischen den Menschen steht auch noch ein Panzer. Er ist schon ganz eingesunken in der Erde und von Pflanzen überwachsen. Ihn braucht keiner mehr!


So ein Panzer findet sich auch auf diesem Bild von zwei Jungs aus der 2. Klasse.



Auch auf ihm wachsen schon Blumen. In dem Haus da kann man sicher wohnen, ohne Angst zu haben oder fliehen zu müssen. Man lebt in Sicherheit. Und das Flugzeug, das oben drüber fliegt, wirft keine Bomben ab, sondern Geschenke und Bonbons. Spontan werde ich an das Lied „Kinder an die Macht“ von Herbert Grönemeyer erinnert, wo die Armee aus Gummibärchen und die Panzer aus Marzipan bestehen, sodass man Kriege einfach aufessen kann. Einfacher Plan! Kindlich genial!

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, sagt Jesus, „werdet ihr nie in Gottes Reich kommen!“ Ob er dabei auch dieses kindliche, einfache Denken im Blick hatte – wie man eben auch miteinander umgehen kann. Wie man zuversichtlich und hoffnungsfroh Friedensbilder in sich trägt und Krieg einfach keine Denkvorstellung ist.

Auf besondere Weise berührt hat mich dann aber dieses Bild:


Was diese beiden Zweitklässler gemalt haben, erkennt man nicht ohne Erklärung. Auch ich musste nachfragen – und erhielt folgende Erklärung: „Das ist ein Vertragungspark. Da gibt es Wasserrutschen und alles Mögliche andere. Da geht man hin, wenn man miteinander Streit hat. Dann rutscht man zusammen diese Bahnen hinunter, wird von Wasserfontänen in die Luft geschleudert und taucht in die Tiefen hinab, und wenn man nachher aus der Bahn raus kommt, dann hat man sich wieder vertragen.“ Auch das: kindlich genial!

Ich stell mir vor, wie anders es auf unserer Erde aussehen würde, wenn die Politiker nicht an einem Verhandlungstisch zusammen sitzen, sondern sich in einem Spaßbad treffen. Oder auch zusammen wandern gehen, eine Radtour machen oder an dem gemeinsamen Meer sitzen, das zu ihren beiden Ländern gehört, und sich berühren lassen von der Schönheit um sie her.




Ob man dann nicht ganz automatisch nach ganz anderen Lösungen suchen würde, um Konflikte und Streitfragen zu klären? Wie man friedlich zusammen leben kann, ohne Angst voreinander haben zu müssen?

Vielleicht schütteln Sie jetzt den Kopf über mich. Aber ich glaube, genau das war auch die Absicht der Propheten und ihrer Friedensbilder, in denen Lamm und Wolf beieinander liegen, die Ziegen mit den Panthern spielen und der Säugling seine Hand in das Loch der Schlange stecken kann, ohne dass ihm etwas passiert. Bilder und Visionen, wie es anders sein könnte!

Nun könnte man einwenden, wir sind keine Kinder mehr und wir sind zu erwachsen für solche Kinderbilder und Friedensfantasien. Doch da würde uns jetzt Paulus widersprechen: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ sagte er.

Der Geist Gottes treibt uns, damit wir uns als Kinder Gottes für ein friedliches Miteinander auf dieser Erde einsetzen. Um Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen, die mit uns auf dieser Erde leben – aber auch für die Menschen, die nach uns kommen: für unsere Kinder, Neffen, Nichten, Enkel und Urenkel. Für die Kinder hier bei uns – aber auch für die Kinder in den Kriegsgebieten und die auf der Schattenseite des Lebens.

Um das immer wieder im Blick zu haben, brauchen wir solche Bilder und Visionen. Wir brauchen eine Vorstellung, wie es anders sein könnte. Wir brauchen sie, um nicht aufzugeben, zu resignieren oder gar selbst mit Gewalt zu reagieren.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, sagt Jesus, „werdet ihr nie in Gottes Reich kommen!“ Das „Reich Gottes“ ist eine Welt des Friedens, an der wir selbst mitbauen. Als Kindern Gottes ist sie uns anvertraut – und die Friedensfantasien der Kinder können vielleicht eine erste Anregung sein, wie wir das Unsrige beitragen können für Frieden hier bei uns aber auch in der Welt. Amen.

Lied/Video einspielen:

Komm wir ziehn in den Frieden (Beamer!) https://www.youtube.com/watch?v=PhWhPLk9O08


Glaubensbekenntnis – Kindercredo aus Canberra (Woschek)

L: Wir glauben an Gott, der uns liebt und der will, dass wir uns alle lieben.

G: Das ist unser Gott.

L: Wir glauben an Jesus, der sich den Kindern zuwandte und sie in seine Arme nahm. Er wollte eine Welt, in der alle Menschen in Frieden zusammenleben.

G: Das ist Jesus Christus.

L: Wir glauben an den Heiligen Geist, der mit uns am Werk ist, bis alles gut und wahr ist.

G: Das ist der Heilige Geist.

L: Wir können die Kirche sein, die die Menschen an Gott erinnert, weil wir einander lieben.

G: Das glauben wir. Amen.


Lied: Wenn einer zu reden… (Kreuzungen 387,1-5) https://www.youtube.com/watch?v=ZZvZMV-aFss

Fürbitten: (Woschek = W / Braun = B / G = Gemeinde)


W: Ewiger Gott, deine Weisheit verwandelt uns in Menschen des Friedens und der Gerechtigkeit. Mach uns hellhörig und verstehend und bereit, an deinem Reich des Friedens mitzubauen. Wir bitten dich für Familien, die ein Kind aufgenommen haben, für Familien in Trennung und Zerrissenheit, für Menschen, die unserer Sorge anvertraut sind.


G: Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens!


B: Für verlassene und seelisch verletzte junge Menschen, deren Verzweiflung in Hass umzuschlagen droht. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von Krieg und Gewalt betroffen sind, besonders für die in der Ukraine und Russland, aber auch für die in Afghanistan, Syrien und den anderen Kriegsgebieten unserer Erde, für alle, die vor der Gewalt geflohen sind in fremde Länder.


G: Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens!


W: Für alle, die Verantwortung tragen und Macht ausüben, dass sie die Würde der Menschen achten und bereit werden, nach Wegen der Verständigung zu suchen; für uns selbst, dass wir einander in Respekt und Güte begegnen.


G: Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens!


B: Für das Gespräch zwischen den Religionen und Konfessionen, für Völker und Kulturen: Um mutige und zugleich behutsame Schritte auf dem gemeinsamen Weg unserer Gottsuche und um offene Gesten der Versöhnung. Leite uns durch deine Friedenverheißungen, die allen Menschen gelten.


G: Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens!


W: Gott des Friedens, mach deine Verheißungen wahr, beschenke uns und unsere Kinder mit den Früchten deiner Gerechtigkeit. Schenke uns deinen Frieden. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Friedenskönig. Amen


Lasst uns nun miteinander um das Kommen des Reiches Gottes bitten, wie Jesus es uns gelehrt hat:


Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.



Kollektenansage: Nothilfe für die Ukraine (Woschek)


In der Kollekte am Ausgang erbitten wir Ihre Spende zugunsten der kirchlichen Hilfswerke "Caritas International" und "Diakonie Katastrophenhilfe". Sie leisten unbürokratisch und direkt vor Ort wertvolle humanitäre Hilfe in der Ukraine.

Lied: Herr wir bitten, komm und segne uns (EG 610,1-3) https://www.youtube.com/watch?v=2G_v2GTPQOw


Segen: (Braun = B/Woschek = W)


B: Geht in diesen Abend mit dem Segen des dreieinigen Gottes.

Geht mit dem Segen des Schöpfers dieser Welt, der Versöhnung schafft zwischen Gott und Mensch, Himmel und Erde.

W: Geht mit dem Segen unseres Herrn, des Friede-Fürsten, der uns Menschen Bruder wurde und Erlöser aus Unfrieden und Ungerechtigkeit.

B: Geht mit dem Segen des Heiligen Geistes, der uns auf den Weg Jesus Christi weist, damit wir ihm nachfolgen und selbst zu Friedenstiftern werden.

W: So segne euch der in der Liebe allmächtige Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen


Orgelnachspiel






All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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