• Ute Braun

Brief zum ursprünglichen Konfirmationstermin

Liebe Konfis, liebe Konfi-Familien,

liebe Gemeindeglieder!

Eigentlich hätten wir an diesem Sonntag (3.5.2020) Konfirmation gefeiert!


Damit Ihr und Sie merken, dass auch ich es im Bewusstsein habe, habe ich euch Konfis und euren Familien heute einen Brief vorbeigebracht, sowie ein kleines Kreuz aus Speckstein (s. Foto).

Den Brief habt ihr Konfis natürlich personalisiert erhalten – auch mit eurem persönlichen Konfi-Spruch, den ihr euch bereits ausgesucht hattet.

Hier auf der Homepage veröffentlichen wir ihn nun etwas allgemeiner!

Ich wünsche euch Konfis und euren Familien morgen einen schönen Tag – macht doch etwas Besonderes daraus – trotz allem!

Und unsere Gemeinde bitte ich, morgen ganz besonders an unsere Jugendlichen und ihre Familien zu denken!


Ihre und Eure Ute Braun, Pfarrerin

Und hier nun der Brief:

Lichtenau, zum 3.5.2020

Lieber Konfi, liebe Konfi-Familie,

eigentlich wäre an diesem Sonntag Konfirmation gewesen.

Und nun ist alles anders gekommen. Leider!

Umso wichtiger ist mir, dass du, lieber Konfi, und Sie, liebe Konfi-Familie, wissen, dass ich diesen Sonntag ganz bewusst mit diesem Gedanken verbringen werde, dass das Euer Konfirmationssonntag hätte sein sollen. Und ich werde an diesem Tag in Gedanken viel bei euch Konfis sein und bei dem, was wir in den zurückliegenden Monaten schon zusammen erlebt haben!

Und vielleicht können auch Sie, liebe Konfi-Familie, diesen Tag für ihren Konfi zu einem besonderen Tag machen – mit einem schönen Frühstück, einem kleinen Ausflug, einem leckeren Kuchen…

…und vielleicht auch nochmal bewusst gemeinsam diese Zeilen lesen oder sie auch Großeltern und Paten am Telefon oder über Skype vorlesen…

Du, lieber Konfi, hast dir bereits deinen Konfirmationsspruch ausgesucht:

( - Konfi-Spruch! –)

Und verbunden mit dem Konfirmationsspruch ist im Konfirmationsgottesdienst dann die persönliche Segnung!

Mit Segen verbinde ich im Moment viel die Geschichte von Noah und dem Regenbogen. Du und Sie kennen sie sicher! Das Bild von Sieger Köder hier drückt sie für mich gerade sehr passend aus.

Nachdem Noah und seine Familie 40 Tage und Nächte in der Arche verbracht hatten (auch eine Art Quarantäne), um sich vor der Sintflut zu schützen, war nun die Zeit gekommen, die Arche wieder zu verlassen… die weiße Taube zeigte an, dass es draußen wieder sicher war…

Noah feierte daraufhin einen Dankgottesdienst und Gott schloss seinen Bund mit Noah – einen Segensbund!

Segen heißt allerdings nicht, dass wir vor allem bewahrt sind – so sehr wir uns das auch wünschen! Auch unter dem Segen Gottes gibt es genug, was unser Leben durchkreuzt und gefährdet oder – wie wir es im Moment erleben – unsere Lebenspläne.

Aber: Segen bedeutet, dass ich durch diese Herausforderungen nicht allein muss. Dass ich Hilfe bekomme, einen Helfer habe – so wie es im Psalm 23 anklang, den ihr Konfis letztens ins Bild gesetzt habt. Segen heißt, dass ich darauf hoffen darf, dass es auch wieder anders wird! So wie es auch in vielen eurer Osterbilder zum Ausdruck kam! Segen heißt, dass ich etwas habe, an dem ich mich festhalten kann und dass es jemanden gibt, der mich hält!

In dem Bild von Sieger Köder wird das sehr eindrücklich gezeigt: unten das Wasser als Ausdruck dessen, was unser Leben gefährdet. Oben der bunte Regenbogen und die weißen Tauben als Friedensboten. Und dazwischen der Mensch, mit allem, was in seinem Leben geschehen kann.

Auch der Regenbogen in der Natur spiegelt beides wieder: Er taucht erst auf, wenn gleichzeitig Regen fällt und die Sonne scheint. Und ebenso gehören auch zu unserem Leben Sonnen- und Regentage.

Der Regenbogen ist so für uns zu einem Hoffnungssymbol geworden – Hoffnung darauf, dass es wieder anders, besser, gut wird!

Und ich glaube, in dieser merkwürdigen Zeit, die unser Leben und unsere Pläne so durchkreuzt, können wir alle gar nicht genug Hoffnung brauchen!

Ein kleines Hoffnungszeichen will ich dir, lieber Konfi, auch heute zu deinem ursprünglichen Konfirmationstermin schicken. Ein Hoffnungskreuz – mit einem Regenbogen… Und in dem Regenbogen wächst sogar etwas auf und weiter… Auch ein Hoffnungsbild.

Das Kreuz ist das zentrale Symbol unseres Christentums. Das leere Kreuz vereint in sich Leiden UND Auferstehung Jesu. Dieses Kreuz hier ist aus Speckstein – und auch wenn die einzelnen Kreuze sich ähnlich sind, ist jedes doch ein Unikat. So wie ihr Konfis es auch seid!

Es ist klein genug, dass man es in der Hand halten kann – eckig genug, damit man es dann auch richtig spürt, wenn man es in der Hand hält – und stabil genug, so dass man auch mal fest zudrücken kann, wenn man es in der Hand hält.

In manchen Situationen hilft es, wenn man etwas und damit auch sich selbst so bewusst spüren kann…

Verbunden mit diesem Hoffnungskreuz und meinem Brief an dich und an Sie, sind die Grüße aus unserer Gemeinde: von allen Kirchengemeinderäten, unserer Vikarin Frau Kempf und unseren Konfi-Teamern.

Verbunden damit sind aber in besonderer Weise auch meine Segenswünsche, die ich in unsichtbarer Form diesem Brief beilege.

In diesem alten irischen Segen finde ich sie schön aufgenommen:

Gott gebe dir

für jeden Sturm einen Regenbogen,

für jede Träne ein Lachen,

für jede Sorge eine Aussicht

und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.

Für jedes Problem, das das Leben schickt,

einen Freund, es zu teilen,

für jeden Seufzer ein schönes Lied

und eine Antwort auf jedes Gebet.

So segne dich, lieber Konfi, und Sie, liebe Konfi-Familie, der Gott, der bei uns ist und bleibt, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Deine und Ihre

Ute Braun, Pfarrerin

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