Erntedankgottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis, 23. Oktober 2022




Erntedankgottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis, in Muckenschopf anlässlich der Kirbe am 23. Oktober 2022 um 10:00 Uhr mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Musikalisches Vorspiel (Herr Fritz)


„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“.

Herzlich grüße und begrüße ich Sie alle, liebe Gemeinde, zu diesem Gottesdienst heute Morgen! Heute wird hier in Muckenschopf Kirbe gefeiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist aus diesem Grunde gewünscht worden, dass wir einen Erntedankgottesdienst feiern. Denn unser Leben, dazu alles, was wir haben, auch unsere Feste, die wir feiern dürfen, dies alles sind Geschenke. Wir empfangen sie von Gott, der uns und alles, was ist und was lebt, geschaffen hat. Ihm danken wir. Ihm singen wir. Ihm wollen wir vertrauen auch in der gegenwärtigen schwierigen Zeit, in der sich unsere Welt befindet!


Lied: 331, 1+5+9 Großer Gott, wir loben dich


Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.


Gott, der Schöpfer und Geber aller Gaben, sei mit Euch!


Und mit deinem Geiste!


Wechselpsalm: NG 951.2 (Konfirmandin und ich) Ehr sei..





Lasset uns beten:

Gott, Schöpfer der Welt und des Lebens!

Du lässt uns säen und ernten, forschen und finden. Dafür danken wir dir heute und bitten dich: Vergib, wenn wir die Früchte unserer Arbeit und die Freuden unseres Lebens nur uns selbst zuschreiben, wo doch alles an deinem Segen liegt. Erinnere uns daran, dass wir nicht vom Brot allein leben, sondern dass wir ebenso das Wort brauchen, das aus deinem Munde kommt. Erinnere uns auch daran, dass du uns soviel gibst, dass wir mit anderen teilen können. In der Zuversicht, dass du unser Gebet erhörst, rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich!


Gott hat sich unser erbarmt. Denn Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Ehre sei Gott in der Höhe!


Gott, Quelle des Lebens, zu unserer Freude hast du diese Erde erschaffen, schön und fruchtbar. Was auf ihr wächst, macht unser Herz froh und dankbar. Denn es ernährt Mensch und Tier. Hilf uns bewahren, was du uns Jahr für Jahr schenkst. Hilf uns, gerecht verwalten, was du uns anvertraust. Lass nicht zu, dass Menschen in ihrem Kriegswahn deine Erde und das Leben auf ihr zerstören. - Das bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir in der Gemeinschaft des Hl.Geistes lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen.


Lied: 515, 1+2+6 Laudato si


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.


Liedpredigt zu EG 508 Wir pflügen und wir streuen





Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige und segne unser Hören durch deinen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Dankeschön“ - dieses Wort ist ein wunderbares Wort; ein Wort, das verzaubern kann! „Dankeschön“ - denn Danken macht das Leben wirklich schön! Das „Danken“ besitzt eine unglaubliche Kraft. Eine Kraft, die wir natürlich auch an uns selbst spüren. Besonders wenn jemand überraschend und unverhofft „Dankeschön“ zu uns sagt, dann huscht fast von selbst ein Lächeln in unser Gesicht. Wenn ein Kind in seiner Freude über ein Geschenk uns anschaut und ein „Danke“ ausspricht, dann sind wir glücklich.


Danke. Die Kraft des Dankens können wir an einem Tag wie heute spüren, wenn wir Dank sagen für die Ernte. Wenn wir darüber nachdenken und erkennen, dass alles, was wir essen, umgewandelte Erde ist, dass Tiere und Pflanzen auch zu unserem Wohle Dinge fertigbringen, die wir nicht zustande bringen, dann kommen wir ins dankbare Staunen. (Staunen für die Früchte, Blumen usw. - Danke für das Herrichten und Schmücken!) Ja, wir dürfen jetzt im Herbst zurückschauen auf die Ernte dieses Sommers, auf die Ernte dieses Jahres. - Ich geh noch ein Stück weiter und sage: Auch auf die Ernte im Beruf, in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen und in allem, was unser Leben lebenswert und liebenswert macht!


Ein großer Lehrer des Danke-Sagens ist für uns Matthias Claudius. Sein Dank-Lied „Wir pflügen und wir streuen“ kann uns immer und heute besonders bei unserem Danken unterstützen. Es will unseren Dank noch fröhlicher und tiefer machen, weil es unseren Blick auf die Lebensmittel - also die Mittel zum Leben - wendet. „Wir pflügen und wir streuen“: Singen wir die erste Strophe.


Matthias Claudius hat dieses Lied ursprünglich nicht für den Gottesdienst geschrieben, sondern für ein Erntedankfest auf dem Lande. Es war ein Bauernlied, das im Wechsel gesungen wurde zwischen einem Vorsänger und „allen Bauern“. Es ist im Original etwas anders, als wir es heute kennen und beginnt mit Anklängen an die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel. (Ich zitiere): „Im Anfang war’s auf Erden nur finster, wüst und leer; und sollt was sein und werden, musst es woanders her“.


Matthias Claudius besingt das Wunder des Werdens. Das Wunder, dass durch Gottes Schöpferkraft aus anorganischen Stoffen organische werden; also etwas Essbares und Genießbares. (Einen Stein können wir nicht essen, aber einen Apfel!) Sein Lied ist somit ein Dank-Bekenntnis: „Ich danke dir, Gott, dass alles so ist, wie es ist! Du hast alles wunderbar gemacht und eingerichtet“. Und wenn wir genau hinsehen, dann müssen wir diesem Dank-Bekenntnis zustimmen. Dank für unser Leben, unsere Begabungen und für das, was wir erarbeiten (also ernten) dürfen. Aber auch Dank für Tag und Nacht, für Sonne und Regen, für die Gesetzmäßigkeiten in Gottes unendlichem Universum! - „Er sendet Tau und Regen“. Singen wir die zweite Strophe.


Haben Sie einen „grünen Daumen“? Manchen Menschen sagt man nach, dass in ihrer Hand und durch ihre Hand alles besonders gut wächst. Zum Wachsen braucht es natürlich neben Tau und Regen, neben Wind und Sonne Hände und Überlegungen, die gestalten. Auch wenn die Sicht von Matthias Claudius an dieser Stelle etwas zu romantisch ist, wickelt Gott doch seinen Segen in jene Naturgesetze ein, die ein Gärtner benutzt, um beispielsweise einen Nutzgarten oder einen Ziergarten anzulegen. Darum bei allem menschlichen Überlegen und Gestalten die Einsicht: „Von Gott kommt alles her!“ Das gilt auch in den heutigen landwirtschaftlichen Produktionsprozessen mit den riesigen Traktoren, Sä- und Düngemaschinen. Wenn wir allerdings das Bild, das uns Claudius hier vor Augen malt, ernst nehmen, dann bedeuten alle diese Naturgesetze, alles Wissen und Arbeiten in Garten und Flur nur die Hülle, bedeuten quasi das Papier, in das Gott „seinen Segen“ eingewickelt hat. Das wurde uns doch auch in diesem Sommer deutlich, dass die Pflanzen - per Hand oder maschinell gesät, gedünkt, gespritzt - in der Hitze verbrennen und wir Menschen untätig zuschauen müssen, fehlt der Segen Gottes - in diesem Fall sein segnender Regen. Gott sendet Jahr für Jahr „Tau und Regen, Sonn- und Mondenschein“ Gott wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein“! Es geht Matthias Claudius nicht nur um ein romantisches Bild, es geht ihm darum, dass Gottes Segen vom Anfang an bis zum heutigen Tage in dieser Welt verborgen ist!


Hier stellt sich für mich die Frage, wie schonend bzw. Wie zerstörend gehen wir mit diesem einmaligen Planeten Erde um, wo nur wenige Prozent Ackerfläche fast 8 Milliarden Menschen zu ernähren haben? Es darf nicht sein, dass einerseits alles zubetoniert wird und dass es andererseits ein immer währendes Wachsen mit bestmöglichen Gewinnen zu geben hat. Da ist schnell Gottes eingewickelter Segen durch die Raff- und Habgier von uns Menschen vernichtet! - -


Die dritte und die vierte Strophe wenden sich von der Nahrungskette hin zu einer großartigen Natur mit allen Erscheinungen, die uns zum Staunen und Danken ein- laden. Singen wir die nun die dritte Strophe.


„Von Gott kommt alles her“. Alles. Nicht nur das Nahe und Ferne, wie es Claudius noch beschrieben hat, auch alles, was aus unzähligen Ländern zu uns via Containerschiff oder Flugzeug her geliefert wird. So essen wir Lebensmittel aus aller Herren Länder und würzen unsere Gerichte immer exotischer. Weil dies alles für sehr viele Menschen (vor allem für Stadtmenschen und Heranwachsende, die Lebensmittel nur aus Discointerläden kennen) zutrifft, wird oft sehr verschwenderisch mit diesen Mitteln zum Leben umgegangen. Wir müssen unseren Kindern und Enkel beibringen und vorleben, wie kostbar die natürlich gewachsenen Lebensmittel sind! - Ein besonderer Tag, ein Danktag wie heute oder ein Tischgebet könnte uns zu dankbareren und verantwortlicheren Menschen machen! Wir alle haben unendliche Gründe, dankbar zu sein: Für die Strohhalme, für die Sterne, für den Johannisbeersaft, für den Apfel, für die Wolken und für die, die frühmorgens für uns das Brot backen. - Singen wir die vierte Strophe.


An einem Danktag wie heute dürfen wir nicht nur an uns selbst denken. Das Geheimnis des Dankens besteht darin, dass ich nicht bei mir allein bleibe. Beim Danken weite ich mein Denken. Dadurch erkenne ich, dass ich mich anderen verdanke. Ich verdanke mein Leben Gott, dem Schöpfer, und zugleich meinen Eltern. Was ich bin, das verdanke ich außerdem vielen Menschen, die mich ins Leben geführt und begleitet habe. Menschen, die mit mir lachen und weinen, die mich aushalten und sich mit mir freuen. Menschen, die mit mir reden und mit mir zusammen entscheiden.


Durch einen Tag wie heute dürfen wir zu großen Endeckern werden, damit uns bewusst wird, wofür wir danken dürfen: für die Eindrücke eines Ausfluges, für die Schönheit einer Landschaft, für ein gutes Essen, für das unverwechselbares Gesicht eines Menschen, für die Sonnenstrahlen an einem Herbsttag, für die Früchte und die Blumen. Dankbare Menschen merken, wie kostbar alles sein kann: die Gemeinschaft mit anderen, der Friede auf dieser Erde, der Tag, der uns heute geschenkt ist; die vielfältige Ernte, die wir Jahr für Jahr und Tag für Tag einfahren dürfen! Für die Menschen neben uns und die Luft, die wir atmen! - Denn: Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn! - Gott, wir sagen heute aus ehrlichem und dankbaren Herzen: Dankeschön! Amen.


Lied: 508 Kehrvers (3x: Männer, Frauen, Gemeinde)


Lasset uns beten: (Herr, erbarme dich!)

Du, unser Gott, wir danken dir!

Die Ernte dieses Jahres hast du für uns wachsen lassen. Nach dem Sommer danken wir dir für alles, was du uns zum Leben gegeben hast: Für unser tägliches Brot; für den Beruf und die Arbeit, die wir haben; für den Mut, Neues zu entdecken. Hilf allen, die nicht genug zum Leben haben. Lass uns dankbar sein für das, was wir haben. Und lass es miteinander teilen. Wir rufen: Herr, erbarme dich!


Wir danken dir für alle, die sich für die Güter des Lebens einsetzen. Heute sagen wir besonders Dank für die Menschen in der Landwirtschaft. Für alles, was sie nicht nur für ihr Einkommen, sondern was sie auch für uns und unsere Region tun. Gib ihnen Kraft, Energie und trotz aller steigenden Kosten Zuversicht. Wir rufen: Herr, erbarme dich!


Du, unser Gott, wir danken dir für unsere Kinder und Enkel. Sie sind die Freude unseres Lebens. Sie sind die Zukunft unserer Welt. Lass sie in Frieden und in Liebe aufwachsen und leben, damit sie glückliche und zuversichtliche Menschen sind oder werden. Wir rufen: Herr, erbarme dich!


Wir bitten dich auch für alle Menschen nah und fern, die krank, traurig und verzweifelt sind. Deren Ernte in diesem Jahr trübe und karg gewesen ist. Für alle, die im Herbst ihres Lebens stehen und die merken, wie ihre Lebenskräfte nachlassen. Sei ihnen nahe und hilf ihnen, ihr Leben zu tragen und auf dich und Jesus Christus zu schauen. Wir rufen: Herr, erbarme dich!


Guter Gott, wir bitten dich für unsere Welt. Lass gerade Christinnen und Christen in allen Ländern dieser Erde für den Frieden eintreten. Lass deinen Geist und mit ihm deine Liebe in die Herzen aller Menschen einziehen, damit sie miteinander die Güter deiner Erde gut und gerecht verwalten und verteilen. Lass Toleranz, Mitgefühl und Respekt unter uns allen wachsen und reifen. Wir rufen: Herr, erbarme dich!


Und miteinander und füreinander beten wir, wie uns der Herr zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen. Er regiere Eure Gedanken. Er bestimme Euer Tun. Amen.


Lied: 171, 1+3+4


Abkündigungen


Wochenspruch: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“. (Micha 6, 8)


Wünsche und Segen


Postludium






All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage:

https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste



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