• Ute Braun

Fenster zur Weihnacht

Aktualisiert: 28. Dez 2020

Den ganzen Advent über wurde ein neues Fenster an unserem Gemeindehaus mit Bildern zur Geschichte "Die 4 Lichter des Hirten Simon" von Gerda Marie Scheidl und Marcus Pfister erschienen im Nord-Süd-Verlag gestaltet. Das letzte Fenster wurde an Weihnachten enthüllt.

Alle Fenster und die dazugehörige Geschichte sind noch bis zum 6.Januar 2021 im weihnachtlich geschmückten Kirchgarten zu sehen. Von 16.30 Uhr - 20 Uhr sind sie beleuchtet.

Alle, die nicht vorbeikommen können, finden die Bilder und Geschichte hier:



1. Fenster:


Vor 2000 Jahren hütete der Hirte Simon mit dem Hirten Jakob die Schafe von Abdon. Simon war erst neun Jahre alt, Jakob aber war groß und stark. Er legte seinen Arm schützend um Simon als sie durch dichten Nebel wanderten.


Auf einmal sprang ein schneeweißes Lamm herbei. Es blökte ängst­lich. Jakob nahm das Lamm und legte es Simon in die Arme. „Hier“, sagte er. „Du darfst unser kleinstes Lamm tragen. Hüte es gut!“


Simon freute sich und ließ das Lamm nachts sogar unter seinem Mantel schlafen. Das gab beiden Wärme und Zutrauen. Nach sechs Tagen wurde es Zeit sich für die Heimkehr zu richten.

Simon wollte helfen, aber Jakob meinte, er soll sich mit dem Lamm ausruhen. Simon ließ sich unter einem Olivenbaum nieder und schloss müde die Augen. Da breitete sich ein wundersamer Duft aus, ein Duft von Rosen, Lilien und Mandelblüten. Simon versuchte die Augen zu öffnen, aber die Lider waren so schwer. Er hörte auch einen fröhlichen Gesang – im­mer deutlicher – dann auf einmal Stille. Auch der Duft verflüchtigte sich. Simon öffnete die Augen und Jakob stand vor ihm. „Wo ist das Lamm?“


Simon erschrak und sprang hoch. Er rief nach dem Lamm. Doch kein vertrautes Blöcken war zu hören. Er suchte überall – vergeblich. „Komm wir müssen die Herde heimtreiben“, sagte Jakob. Simon trot­tete traurig neben der Herde her. Wo war sein Lamm? Abdon war sehr verärgert, als sie ohne das Lamm zurückkehrten und glaubte auch nicht an diesen Traum, den Simon erzählte. „Geschlafen hast du, statt aufzupassen! Mach dich sofort auf den Weg, das Lamm zu suchen und wage es nicht ohne es zurückzukom­men!“ drohte Abdon.


Jakob wollte Simon nicht ganz alleine gehen lassen. Er holte in seiner Kammer eine Laterne mit vier Lichtern, die er einmal von einem Wanderer bekommen hatte mit den Worten: “Sie werden dem leuch­ten, der in Not ist.“ Jakob gab sie Simon und sagte: „Trage die vier Lichter mit Sorge, dann werden sie dir auf dem Weg leuchten. Zuversichtlich machte sich Simon auf den Weg, sein Lamm zu suchen. (Quelle: Liturgiebörse der Diözese Feldkirch)


2. Fenster:


Die ganze Nacht und den ganzen Tag hatte Simon den Hügel abgesucht, aber keine Spur von seinem Lamm entdeckt. Schon ging die Sonne wieder unter. Sollte er überhaupt noch weitersuchen: War nicht alle sinnlos? Er gab die Hoffnung beinahe auf. Da, regte sich nicht etwas hinter dem Felsen? War es sein Lamm? „Lamm, kleines Lamm, komm!“ lockte Simon hoffnungsvoll.


„Ho!“ brummte eine tiefe Männerstimme. „Was suchst du? Ein Lamm?“ Vom ihm stand ein großer Mann. Simon erschrak und wollte davonlaufen. „Vor mir brauchst du nicht davonlaufen“, sagte der Mann. „ Doch wenn du ein Lamm suchst, dann findest du es im Olivenhain hinter jenem Felsen. Ich habe es gesehen. Es ist klein und schneeweiß.“



„Das ist mein Lamm!“ freute sich Simon. „Du hast mein Lamm gefunden! Danke. Kann ich dir irgendwie helfen?“ „Helfen? Mir kann niemand helfen. Mein Weg ist im Dunkeln“, sagt der Mann leise. „ Dunkel? Nein!“ rief Simon und hielt dem Mann eines seiner Lichter hin. „Hier, nimm es. Es wird deinen Weg erhellen. Was soll ich mit vier Lichtern, wenn du keines hast? Drei Lichter sind genug für mich.“


„Du willst mir ein Licht schenken? Mir?“ wunderte sich der Mann und nahm das Licht. „Du bist der erste Mensch, der freundlich zu mir ist. Danke. Danke mein Junge!“ sagte der Mann, und im Weggehen flüstert er vor sich hin: „Dabei bin ich ein Dieb.“







3. Fenster:


Die Nacht war hereingebrochen. Simon lief in den Olivenhain, um endlich sein Lamm zu finden. Aber von seinem Lamm war nichts zu sehen. Hatte es sich versteckt? Dort, in der Höhle, regte sich etwas.


Simon rannte hin. War es sein Lamm? Nein, es war ein Wolf. Schon schnappte er nach seinem Mantel. Simon zitterte und versuchte, sich loszureißen. Sofort gab der Wolf ihn frei Er winselte und leckte seine Pfote.


Da erst sah Simon die blutende Wunde an seiner Pfote. Alle Angst war verflogen. Schnell riss er ein Stück Stoff von seinem Mantel ab und verband vorsichtig die Wunde. "Nun bleib brav liegen", sagte er, "damit die Wunde heilen kann."


Simon stand auf, um weiterzugehen und sein Lamm zu suchen. Doch der Wolf zerrte wieder an seinem Mantel und sah ihn an. "Ich soll bei dir bleiben? Ist es das, was du sagen möchtest?" Simon streichelte den Wolf. "Das kann ich nicht, ich muss mein Lamm suchen. Vielleicht braucht es meine Hilfe, wie du."


Nach kurzem Überlegen stellte er eines seiner Lichter neben den Wolf. "Hier Wolf, hast du ein Licht. Es wird dich wärmen. Zwei Lichter sind genug für mich. Jakob wird das begreifen." Dankbar blickte der Wolf ihm nach.



4.Fenster:

Wo sollte Simon noch das Lamm suchen? Lange irrte er umher, bis er bei Tagesanbruch in eine kleine Stadt kam. In einer Straße traf er einen Bettler an. "Eine Gabe, nur eine kleine Gabe!" rief der Mann. "Ich habe doch selber nichts", sagte Simon und blieb stehen. "Ich bin nur der Hirte Simon und habe mein Lamm verloren."


"Ein Lamm?" "Ja, es ist mir davongelaufen. Hast du es vielleicht gesehen?"

"O nein! Ich sehe nur Hunger und Not", antwortete der Alte. "Ich lebe mit den Ärmsten weit draußen in einer finsteren, kalten Grotte." "Nimm wenigstens dieses Licht von mir", sagte Simon. "Es wird euch etwas Wärme und Licht geben. Mehr habe ich nicht", fügte er hinzu. Der Alte nahm das Licht und stand auf. "Danke!" Hoffentlich findest du bald dein Lamm." Und jeder ging seinen Weg.









5. Fenster (Weihnachten)


Simon hatte im Städtchen herumgefragt. Vergeblich. Keiner hatte sein Lamm gesehen. Er war entmutigt. Sein letztes Licht leuchtete auch nur noch schwach. Als die Nacht hereinbrach, setzte er sich draußen vor der Stadt müde an den Wegrand.


Da hüllte ihn wieder dieser wundersame Duft ein. Der Duft von Rosen, Lilien und Mandelblüten. Woher kam dieser betörende Duft? Simon stand auf. Nun hörte er auch den fröhlichen Gesang. Er schaute sich um. Da entdeckte er Licht in einem Stall. Er ging darauf zu und trat zögernd ein.


Simon konnte kaum etwas erkennen. Er blieb stehen und blinzelte. Da schimmerte etwas weiß im Halbdunkel. Es war sein Lamm, sein verlorenes Lamm!


"Tritt näher", sagte eine freundliche Stimme. Simon konnte nicht antworten. Er war so glücklich. Dann sah er das Kind. Es lag auf Stroh ganz dicht bei seinem schneeweißen Lamm.


Simon kniete nieder und schenkte dem Kind sein letztes kleines Licht. Nur noch schwach glühte die Flamme. Wie von unsichtbarer Hand entzündet, flammte das Licht auf. Sein Leuchten breitete sich aus und erfüllte den ärmlichen Raum mit festlichem Glanz.


Am Himmel strahlten die Sterne heller und heller, und der frohe Gesang klang weit hinaus zu den Hirten auf dem Feld.



(Quelle: Die vier Lichter des Hirten Simon; von Gerda Marie Scheidl und Marcus Pfister erschienen im Nord-Süd-Verlag)



Übrigens: direkt unter den Fenstern des Hirten Simon befindet sich noch ein anderes Fenster.

Hier kann man unsere Krippenfiguren besuchen, die in anderen Jahren auf der Krippenspielbühne in unserer Kirche stehen. Und wer ganz genau schaut, findet dort und an anderen Orten in Lichtenau (nahe bei der Kirche) Abschnitte des Weihnachtsevangeliums nach Lukas 2!





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