Ferien-Gottesdienst am 11. Sonntag nach Trinitatis, 15.08.2021



Ferien-Gottesdienst am 11. Sonntag nach Trinitatis, 15. August 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Ute Braun


(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel


Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gruß: Der Herr sei mit euch… …und mit deinem Geist.


Statt Psalm:

„Saumselig“ - ein Text von Susanne Niemeyer

(https://www.freudenwort.de/engelimbiss/)

Heute war ein guter Tag. Ich habe keine Wand gestrichen, auch habe ich den Kühlschrank nicht abgetaut.

Ich habe kein Problem gelöst, nicht ein einziges. Aber auch keines schlimmer gemacht. Das Gras ist ungemäht geblieben. Die Zeitung liegt ungelesen auf dem Küchentisch.

Ich habe mich nicht angestrengt, mein Geld habe ich nicht vermehrt (ich wüsste auch nicht, wie). Ich bin mit niemandem in Streit geraten, habe nichts besser gewusst, und auch die Zeit habe ich nicht versucht, anzuhalten.

Saumselig bin ich durch den Tag gegangen. Das ist ein Wort, das auf der Zunge zergeht. Versäumen steckt darin. Manchmal muss man was ausfallen lassen, damit das Glück einen antrifft.

Meine Seele ist sehr glücklich darüber, abkömmlich zu sein. Sie ist unterwegs in anderen Sphären, ist Zitronenfaltern hinterher-geflogen und hat Himbeeren gepflückt.

Gegen Mittag habe ich sie im Gras liegen sehen, ihre Träume waren blau.

Abends hatte sie dann so ein Lächeln im Gesicht, als wüsste sie etwas, das ich noch nicht weiß. Eine Ahnung von mir, wie ich bin, wenn ich nicht muss.

Eingangsgebet:

Guter Gott,

Es sind Ferien. Viele haben frei, mache sind schon verreist oder bald. Andere sind zu Hause, leben in den Tag, genießen es, dass gerade nichts „muss“.

Es ist ruhiger um uns – irgendwie gelassener. Das merken auch die, die arbeiten.

Wir atmen durch und dann auf!

Lassen uns die Sonnenstrahlen auf die Nase scheinen, lauschen dem Wind, der in den Blätter rascheln und pflücken die reifen Mirabellen vom Baum.

Hab Dank, Gott, dass es solche Auszeiten gibt – wo unser Körper und Geist aber auch unsere Seele aufatmen kann. Zeit uns zu begegnen – aber auch dir, Gott. Komm uns nahe – darum bitten wir. Amen.


Lied: Morgenlicht leuchtet (455,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=Z37CrRL4EUc

1.) Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.

Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,

Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2.) Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.

So lag auf erstem Gras erster Tau.

Dank für die Spuren Gottes im Garten, g

rünende Frische, vollkommnes Blau.

3.) Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,

Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!

Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!

Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.



Schriftlesung: Markus 6,30-32

Die Apostel kamen zu Jesus zurück. Sie berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Er sagte zu ihnen: »Kommt mit an einen ruhigen Ort, nur ihr allein, und ruht euch ein wenig aus.« Denn ständig kamen und gingen die Leute. Sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen. Also fuhren sie mit dem Boot an eine abgelegene Stelle, um für sich allein zu sein.


Predigtgedanken:

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, wie ruhig es im Moment ist? Morgens vor allem fällt es mir auf. Und das nicht nur, weil die Schule neben an gerade geschlossen ist. Keine Kinder, die schon um 7 zur Betreuung gebracht werden – keine Laubbläser, die noch schnell die Schulhof räumen…

Nein, auch sonst fällt es mir auf. Weniger Autos sind unterwegs – die Menschen gehen langsamer – lächeln… ja, durch die ich Ferien scheinen alle irgendwie ruhiger, entspannter unterwegs zu sein.

Manche sind verreist – andere machen es sich zu Hause gemütlich – und selbst die, die arbeiten – wie wir im Pfarramt ja auch – sind von mehr Ruhe umgeben.

Mir tut das gut. Und ich empfinde diese Ferienwochen auch deutlich anders, wie die unwirkliche Stille in den verschiedenen Lockdowns. Da war es auch still – aber viele Menschen waren angespannt. Ja, es war eine andere Ruhe als jetzt. Jetzt atmet alles ein wenig Ferienstimmung. Und das spürt man und atmet unwillkürlich durch und auf.


„Ruht euch ein wenig aus!" sagt Jesus zu seinen Jüngern.

Er hatte sie erstmals ganz allein losgeschickt, um von Gott zu erzählen und den Menschen zu helfen.

Und nun waren sie zurückgekehrt – voller Eindrücke, Erfolgen aber auch Fragen. Sie brauchen den Austausch – sie brauchen aber auch den Rückzugsort.

Allein: die Leute sehen das anders. Schon wieder sammelt sich eine große Menschengruppe um sie herum – es bleibt nicht mal Zeit zum Essen.

So lädt Jesus seine Jünger nun zu einer kleinen Auszeit ein- mit dem Boot über den See, an einem einsamen Ort, wo sie Ruhe finden.

Sie brauchen Abstand – Abstand von allem, um regenerieren zu können. Mich hat das erinnert an die Diskussionen im letzten Jahr, wie dringend es sein muss, dass wir während der Pandemie verreisen. Man soll lieber Urlaub zu Hause machen, hieß es da. Mit gutem Grund. Sicher. Aber je nach dem, was und wo man arbeitet und wie viel Arbeit man mit nach Hause nimmt, braucht man von Zeit zu Zeit auch einen wirklichen Abstand zu dem Ganzen. Einen anderen Ort – und sei es nur mit dem Boot auf die andere See-Seite, wie es Jesus mit seine Jüngern macht!


Wozu brauchen wir überhaupt Ferien – oder Ruhephasen?

Die Vertreter der Wirtschaft sagen: Damit der Mensch sich regeneriert und wieder fit wird für die Arbeit und die Firma! Die jüngeren Urlauber sagen vielleicht: Damit wir einen draufmachen können und richtig Spaß haben! Und die älteren sagen vielleicht: damit wir mal was anderes sehen. Jetzt haben wir die Zeit dafür.

Und was sagt das Evangelium? – Die Verse hier klingen nach: Damit ihr euch nicht selber verliert - in der Arbeit, in der Hektik und im Trubel. Nicht die Zerstreuung ist das Ziel und die Ablenkung, sondern die Sammlung - ein gesammeltes Herz, das zur Ruhe kommt, zu sich selber und zu Gott.


Eine kleine Geschichte aus Indien bringt das, wie ich finde, gut auf den Punkt: „Ein Biologe hatte für eine Himalaya-Expedition eine Gruppe einheimischer Träger angeheuert. Der Forscher war in großer Eile, denn er wollte schnell an sein Ziel ankommen. Nachdem die Gruppe den ersten Pass überschritten hatte, erlaubte er ihnen eine kurze Rast. Nach einigen Minuten rief er aber wieder zum Aufbruch. Die Träger blieben einfach sitzen, als hätten sie Ihn gar nicht gehört. Sie schwiegen und ihr Blick war zu Boden gerichtet. Als der Forscher sie nochmals aufforderte, weiterzugehen, schauten einige von ihnen in ganz verwundert an. Schließlich sage einer: „Wir können nicht weiter gehen. Wir müssen warten, bis unsere Seele nachgekommen ist.“


Das ist eigentlich ein schönes Bild. In unserem Alltag haben wir so viel zu verarbeiten. Das geht schon bei den Kindern los, die die ganzen Eindrücke und Lernfortschritte irgendwie verpacken müssen. Und dann die Erwachsenen mit ihrem Spagat von Beruf – Familie – Privatleben.

Wenn dann noch Sorgen um Finanzen, Gesundheit oder Angehörige hinzukommen, dann kriegen wir das so nebenher einfach nicht verschafft. Dann müssen auch wir unserer Seele Zeit geben, nachzukommen.

Und wenn wir der Seele diese Zeit lassen – uns tatsächlich mal hinsetzen und ausspannen, die „Seele baumeln lassen“ wie man so sagt, dann merken wir oft es richtig, was da so alles in uns schafft und mal verarbeitet und verpackt werden muss. Das ist viel, richtig viel!


Und was passiert, wenn wir das nicht tun – wenn wir uns, unserem Körper, Geist und Seele keine Auszeit gönnen?

Bernhard von Clairvaux schrieb seinem ehemaligen Schüler, der inzwischen als Eugen II Papst geworden war:

„Es wäre klug, Du entziehst dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst. An den Punkt, wo das Herz hart wird… Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst?

Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst! Ich sage nicht: "Tu das immer." Ich sage nicht: "Tu das oft." Aber ich sage: "Tu das immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da…“


Urlaub, Ferien, Auszeit um sich zu regenerieren – um sich zu sammeln, damit die Seele nachkommen kann – um nicht hart zu werden – ja aus Selbst-Fürsorge.

Aber es gibt da noch was.

Ich denke an die Schöpfungsgeschichte – 6 Tage hat Gott die Welt geschaffen und am 7. Tage ruhte er, heißt es da.

Und er sah alles an, was er geschaffen hatte – und siehe es war sehr gut…


Wir brauchen solche Auszeiten auch, um mal wieder wahrzunehmen, was an Schönem um uns ist.

Im Garten sitzen und die Sonne spüren.

Durch die Wiesen laufen und wahrnehmen, wie die Tautropfen auf dem Gras glitzern.

Nachts in die Stille lauschen und hören, wie die Schleiereule im Kirchturm leise vor sich hin faucht, ehe sie dann beinahe lautlos die Flügel ausbreitet und ihre nächtliche Jagd beginnt.

Ja, wir brauchen sogar ein gewisses Maß an Nichts-Tun, an Langeweile und an Leere – wo wir nichts anderes tun als wahrnehmen, staunen, still werden…

Das öffnet uns einen neuen Zugang zu uns selbst, zu unserem Inneren aber auch zu Gott.


„Saumselig“ hieß das vorhin in dem Text von Susanne Niemeyer – Muße ist ein anderes Wort dafür…

Zur Ruhe kommen, einkehren bei uns selbst, Zeit haben, nicht getrieben sein, ganz „im Hier und Jetzt“ leben. Und dabei auch in sich hineinhorchen. Horchen auf das, was meine Seele flüstert oder auch Gott in mich hineinlegt…

Das muss auch gar nicht ausschließlich im Urlaub sein – das kann auch mal abends nach Feierabend sein – oder sonntags…

Allerdings geben uns die Ferien – ein paar Ruhetage am Stück – auch den Freiraum, die „Muße“ erst mal wieder einzuüben… wieder neu zu lernen, nichts zu tun und in uns hinzulauschen…


Bei Jesus und seinen Jüngern wurde es dann allerdings erstmal nichts mit Ruhe, Sammlung und Einkehr. Die Leute waren ihnen nämlich gefolgt. Und weil Jesus Mitleid mit ihnen hatte, hat er ihnen den restlichen Tag dann von Gott erzählt und sie nachher sogar noch alle mit Brot und Fisch versorgt…

Ja, für Jesus und seine Jünger wurde es nichts mit der Ruhe – aber für seine 5000 Zuhörer dagegen schon: An dem Tag mussten sie nichts mehr tun – noch nicht mal einkaufen und Essen kochen.

Sie konnten lauschen – auf die Worte Jesu, die er in sie legte.

Sie konnten sich stärken: mit Brot und Fisch – aber auch mit neuen Perspektiven und wohltuenden Zusagen.

Und dann konnten sie zurückkehren in ihren Alltag – erfüllt und gestärkt.

So wünsche ich uns allen weiterhin erholsame Ferienwochen. Mögen sie das für uns bereit halten, was wir brauchen: Rückzug und Ruhe – Muße und süßes Nichtstun – von Gott erfüllt werden und gestärkt in den Alltag zurückkehren.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Lied: Geh aus mein Herz (EG 503,1+3+6+7)

https://www.youtube.com/watch?v=t6X2jFQeWxg

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

3) Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

6) Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise, in seinem schwachen Reise.

7) Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte, das menschliche Gemüte.

Fürbittengebet:

Herr, unser Gott!

Es sind Ferien – Zeit um langsamer machen, um durchzuatmen und aufzuatmen. Das tut uns gut.

Wir bitten für alle, die Ferien haben, dass sie den Alltag loslassen können und sich erholen.

Wir bitten für die, deren Arbeit so viel Raum in ihrem Leben einnimmt, dass sie kaum abschalten können. Lass auch sie Auszeiten nutzen.

Wir bitten für die, die so große Sorgen haben, dass sie zwar erschöpft sind aber dennoch kein Gedanke an Ferien aufkommen kann. Besonders denken wir an die Opfer der Flutkatastrophe in der Pfalz und in NRW.

Wir denken auch an die Menschen, die in den Orten leben oder Urlaub machen, wo die schweren Brände sind.


Gott wir bitten für uns alle – dass wir unsere Kräfte einteilen und auch unsere Zeit.

Dass wir die Ruhephasen einhalten, die wir brauchen, um gesund zu bleiben an Leib und Seele.

Und alles was uns persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich:

STILLE

Vater unser im Himmel.


Lied: Schalom der Herr segne uns (NL74,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=Rsf4Y6IN_tQ

Refrain: Schalom, Schalom, der Herr segne uns.

Schalom, Schalom, der Herr segne uns.

1) Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Er sei neben dir, dass sein Arm dich beschütze.

Refrain: Schalom, Schalom, der Herr segne uns.

2) Der Herr sei hinter dir, um dich vor Feinden zu bewahren.

Er sei unter dir. Er hält dich wenn du fällst.

Refrain: Schalom, Schalom, der Herr segne uns.

3) Der Herr sei in dir, um dich in Traurigkeit zu trösten.

Er sei um dich her, den Bösen abzuwehren.

Refrain: Schalom, Schalom, der Herr segne uns.

4) Der Herr sei über dir, um seinen Reichtum dir zu geben.

So umgebe dich der Herr von allen Seiten.


Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. (Amen, Amen, Amen)


Orgelnachspiel


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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