• Ute Braun

Gottesdienst am 08.11.2020 (3.letzter Sonntag im Kirchenjahr)



Gottesdienst am 3.letzten Sonntag im Kirchenjahr, den 08.11.2020, in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)




Orgelvorspiel


Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Psalm 139 (in Auszügen)

Gott, du hast meine Nieren geschaffen,

mich im Bauch meiner Mutter gebildet.

Ich danke dir dafür,

dass ich so unglaublich wunderbar geschaffen bin.

Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind.

Nichts war dir unbekannt an meinem Körperbau,

als ich im Verborgenen geschaffen wurde –

ein buntes Gewebe in den Tiefen der Erde

.Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen,

da sahen deine Augen schon mein Wesen.

Ja, alles steht in deinem Buch geschrieben:

Die Tage meines Lebens sind vorgezeichnet,

noch bevor ich zur Welt gekommen bin.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz!

Verstehe mich und begreife, was ich denke!

Schau doch, ob ich auf einem falschen Weg bin!

Und führe mich auf dem Weg, der Zukunft hat!


Eingangsgebet

Guter Gott,

oft gehen wir an den wunderbaren Dingen vorbei,

mit denen du uns beschenkst.

Dabei gibt es so vieles, Tag für Tag.

Jedem Menschen schenkst du andere Gaben:

Die einen machst du stark – die anderen schlau – und wieder andere einfühlsam.

Viele von uns können sich jeden Tag über ein liebes Haustier freuen, sich mit guten Freunden in der Schule oder privat treffen, im Kreis der Familie zusammen sein und ihr Leben gestalten.

Am Tag und auch in der Nacht schenkst du uns deine Gnade.Dafür danken wir dir.

Sei auch jetzt bei uns – in diesem Gottesdienst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.


Schriftlesung: Philipper 3,12-16

Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel erreicht habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat.

Ich bilde mir nicht ein, Brüder und Schwestern, dass ich es schon geschafft habe. Aber die Entscheidung ist gefallen! Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

So wollen wir denken – wenn wir uns zu den »Vollkommenen« zählen. Wenn ihr in irgendeiner Einzelheit anderer Meinung seid, wird euch Gott auch das noch offenbaren. Aber lasst uns auf jeden Fall auf dem Weg bleiben, den wir als richtig erkannt haben.


Lied: Such wer da will ein ander Ziel… (EG 346,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=y2U5z1JTskY


1) Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden.

2) Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben.

3) Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret;

er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.


Vorstellung der neuen Konfirmanden (Gruppe „ROT“)


PREDIGT über Matthäus 13,44 von Pfarrerin Ute Braun


Konfi ist wie eine Schatzsuche!“ Mit diesem Gedanken haben sich unsere neuen Konfirmanden in ihrer letzten Konfi-Stunde auseinander gesetzt. Ein kleiner Text aus dem Matthäusevangelium hat uns bei den Überlegungen dazu geleitet.

Ich lese aus Mattäus 13 Vers 44:


Die neue Welt Gottes ist mit einem Schatz zu vergleichen, der in einem Acker vergraben war: Ein Mensch fand ihn und deckte ihn schnell wieder zu. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz.


Was verbinden wir denn mit dem Begriff „Schatz“?

Geld, Gold, Edelsteine oder Schmuck? Auf jeden Fall etwas Wertvolles. Es ist einmalig und kostbar für uns. Etwas, das wir finden – ganz überraschend vielleicht – oder auch weil wir danach suchen.

Es kann etwas ganz Kleines sein, das wir hüten. Oder etwas, das wir nicht aus unserem Leben wegdenken möchten, wie z. B. unsere Familien und Freunde.

Es kann auch etwas sein, aus dem etwas Tolles, Großes hervorwächst – wie ein besonderer Samen.

All das und noch viel mehr fiel unseren Konfis zum Begriff „Schatz“ ein…

Aber damit war die Suche noch nicht zu Ende.

Ich stellte die Behauptung auf, dass jeder unserer Konfis ein „Schatz“ ist – ja, dass jeder Mensch ein Schatz ist. Jeder ist einmalig, wertvoll, kostbar.

Auch dazu fiel den Jugendlichen so manches ein, was einen Menschen zu etwas Besonderem macht.

Da ist natürlich das Aussehen – der Fingerabdruck – die DNA.

Es sind aber auch unsere Eigenschaften, die uns einmalig machen – wie wir denken, fühlen, handeln und reden. Wie wir uns verhalten.

Und im Psalm 139, den wir vorhin gehört haben, kommt noch etwas dazu: wir sind in Gottes Augen einmalig. Er hat uns geschaffen – ja, er hat uns sogar „wunderbar“ erschaffen. Er kennt uns – und er kannte uns sogar schon, bevor wir zur Welt kamen. Er hat unser ganzes Leben vor Augen – die Tage, die wir schon gelebt haben, und die, die noch vor uns liegen. In seinen Augen sind wir unendlich wertvoll und kostbar. So erzählt es zumindest die Bibel.


Die neue Welt Gottes ist mit einem Schatz zu vergleichen, der in einem Acker vergraben war: Ein Mensch fand ihn und deckte ihn schnell wieder zu. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz.


„Die neue Welt Gottes ist wie ein Schatz…“

Was ist das – diese neue Welt Gottes? Was macht sie so wertvoll, dass ein Mensch dafür alles hergeben würde? Sogar mit ganzem Einsatz, wie es Paulus im Philipperbrief beschreibt.

Es war für mich sehr spannend, was die Jugendlichen da nannten. So eine „neue Welt“, für die man alles hergeben würde, das wäre eine Welt ohne Krieg und Streit. Eine Welt, in der die Menschen füreinander einstehen. Eine Welt ohne Leiden und Krankheit. Eine Welt ohne Klimawandel. Aber vor allem eine Welt, in der es gerecht zugeht. Keine Spaltung in arm und reich. Jeder ist gleich viel wert – jeder hat genug zum Leben.

Ja, es war die Vision einer Welt, wie sie in der Bibel immer wieder beschrieben wird – und wie sie Jesus auch vor Augen hatte.

Und auf einmal ist so ein kleiner Bibeltext, der schon fast 2000 Jahre alt ist, ganz nah: ja, so eine Welt ersehnen wir uns immer noch. Für sie würden wir vieles, wenn nicht sogar alles hergeben. Geld und Gold und Edelsteine verblassen angesichts der Perspektive, in so einer friedlichen und gerechten, ja, „heilen“ Welt leben zu können.

So jedenfalls empfanden es die Konfirmanden – und vielleicht geht es Ihnen ja ganz ähnlich!

Denn das, was wir in unserer Welt erleben, ist weit davon entfernt, eine „heile“ Welt zu sein.


Und was mache ich jetzt angesichts dieser Welt, in der ich lebe, mit meinem Glauben. Kann ich da noch glauben? Kann ich an einen Gott glauben, der sich für uns Menschen interessiert, sie begleitet und liebt?

Als Kinder ist unser Glaube da ganz unerschütterlich! Gott hat uns lieb. Er passt auf uns auf. Er hört uns zu. Er sorgt für uns. Das sind für Kinder ganz einfache Sätze.

Aber im Jugendalter hinterfragen wir all das, was wir im Kindesalter so selbstverständlich glaubten.

Immer wieder wird abgeklopft: wie krieg ich das zusammen? Naturwissenschaft und Bibel – ein liebevoller Gott und das Leiden der Menschen – ein Gott, der für uns sorgt, und eine Welt, die aus dem Gleichgewicht gerät?

Was mache ich angesichts all dieser Fragen mit meinem Glauben? Werfe ich alles über Bord, was ich bisher geglaubt habe – oder fange ich an, die alten Texte neu und anders zu lesen?


Im Konfi – und auch in unseren Gottesdiensten - begegnen uns viele solcher „alten Texte“. Wir lernen unsere christlichen Traditionen kennen, die auch schon über Jahrhunderte hinweg überliefert werden und Generationen von Konfirmanden gelernt haben. Und immer wieder neu hinterfrage ich sie: hält das, was ich dort lese, was mir andere vermittelt haben, was ich glaube, dem Stand, was ich erlebe?

In der Konfi-Zeit – aber ich glaube auch in unserem ganzen Glaubensleben - geht es immer wieder darum: was haben diese alten Texte mit mir zu tun? Wie passt dieser überlieferte Glauben zu meinem Leben? Welche Antworten finde ich da für meine Fragen an Gott und den Glauben. Finde ich sie überhaupt?

Es sind viele Fragen, mit denen unsere neuen Konfis ihre Zeit bei uns beginnen. Einige dieser Fragen haben sie auf ihre Schatzkisten notiert, die ich in der Kirche aufgehängt habe.

Und vielleicht sind darunter sogar Fragen, die auch Sie als Erwachsene haben oder einmal hatten?


„Konfi ist eine Art Schatzsuche“ – ja, ich würde sogar sagen, unser Glaubensleben ist immer wieder eine Art Schatzsuche.

Da muss man suchen und fragen – zwischendrin findet man etwas, das einen weiterträgt – das einen innerlich reich macht.

Manchmal scheinen die Schätze unseres Glaubens aber auch verborgen zu sein – tief im Acker unsere Sorgen, Ängste und Zweifel verbuddelt, so dass wir grad gar nicht dran kommen.

Aber diese Schatzsuche nach dem, was unser Leben heil macht – was uns trägt und hoffen lässt – was uns so wertvoll ist, dass wir alles dafür hergeben würden – diese Suche lohnt sich. So erzählt es Jesus in seinem Gleichnis.

Sie lohnt sich, weil es ein Anfang ist für etwas völlig Neues – für eine Welt, in der es sich gut leben lässt – für eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig stützt – für eine Vision, wie Zusammenleben aussehen kann – und für die Bereitschaft, sich dafür immer wieder einzusetzen.


Ich freu mich darauf, mit unseren 20 neuen Konfis auf „Schatzsuche“ zu gehen – mit ihnen Antworten zu suchen auf ihre Fragen – mit ihnen gemeinsam zu entdecken, wie kostbar und wertvoll dieser Glaube heute noch ist, obwohl er schon über Jahrhunderte hinweg überliefert ist. Und: dass dieser Glaube uns auch heute noch Halt und Orientierung sein will.

Eine Suche, zu der ich auch Sie einladen möchte – gemeinsam mit unseren Konfis im Gottesdienst – aber auch in Gesprächen zu Hause – oder einfach nur für sich.

Amen.


Lied: Suchen und fragen (NL 82,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=NM-IH6xiq-w


1) Suchen und fragen, hoffen und sehn,

miteinander glauben und sich verstehn,

lachen, sich öffnen, tanzen, befrein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

2) Klagende hören, Trauernde sehn,

aneinander glauben und sich verstehn,

auf unsere Armut lässt Gott sich ein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

3) Planen und bauen, Neuland begehn,

füreinander glauben und sich verstehn,

leben für viele, Brot sein und Wein:

So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.


Fürbitten

Gott, gemeinsam sind wir auf der Suche – nach dem was unser Leben heil macht, was unserer Welt dient und unseren Glauben stärkt.

So bitten wir dich heute für unsere neuen Konfirmanden:dass sie ihre Fragen immer wieder einbringen, neugierig bleiben auf der Suche nach dir und sich bei uns aufgehoben fühlen.

Und wir bitten dich, Gott: lass dich von ihnen finden!

Wir bitten dich für uns als Gemeinde: dass wir die Konfirmanden als besonderen Schatz in unserer Mitte aufnehmen – dass wir uns von ihnen anstecken lassen, immer wieder neu dein Wort mit unserem Glauben und mit unserem Leben ins Gespräch zu bringen.

Wir bitten dich für alle Menschen, die auf der Suche sind – die sich danach sehnen, dass sie etwas finden, das ihrem Leben Halt gibt oder einen tieferen Sinn. Für Menschen, die nach Trost suchen – bei anderen Menschen aber auch im Glauben an dich.Komm du ihnen spürbar nahe!

Besonders bitten wir dich heute für die Familien, die um einen Angehörigen trauern.

Wir sehnen uns alle nach einer heilen Welt. Einer Welt ohne Leid! Einer Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit auch wirklich gelebt werden. Für diesen besonderen Schatz wollen wir uns immer wieder einsetzen, und wir bitten dich, dass du uns dafür stärkst, damit wir nicht aufgeben.

Wir alle Gott suchen in diesen Wochen und Monaten nach Perspektiven, nach Hoffnungszeichen, nach Hilfe…

In der Stille bringen wir all das vor dich, was wir suchen, erhoffen, ersehnen:

STILLE

Gemeinsam beten wir weiter: Vater unser…


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.


Lied Vertraut den neuen Wegen (EG 395, 1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=SCRTdbH1VOM


1) Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

2) Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

3) Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.


Segen

Es segne und behüte euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - finden Sie auf: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




16 Ansichten