Gottesdienst am 1. Advent, den 28.11.2021 in Lichtenau



Gottesdienst am 1. Advent, den 28.11 2021, um 10 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun



Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnesund des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 24 (EG 711.2)

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

dass der König der Ehre einziehe.

Wer ist der König der Ehre?

Es ist der Herr, stark und mächtig,

der Herr, mächtig im Streit.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,

dass der König der Ehre einziehe.

Wer ist der König der Ehre?

Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Ehre sei dem Vater…

Eingangsgebet

Herr, Tor und Tür möchten wir dir öffnen, damit du einziehen kannst in unser Leben. Wir brauchen dich, Gott!

Wir brauchen den Frieden, den du bringst. Besonders jetzt in diesen Tagen, wo sich wieder soviel Verunsicherung breit macht.

Wir brauchen deinen Zuspruch, weil wir in dem vielen, was wir hören, kaum mehr wissen, was richtig und wichtig ist.

Wir brauchen dein Licht, das alle Dunkelheit durchbricht – die Dunkelheit von Angst und Trauer, die Dunkelheit von Krankheit und Not.

Wir brauchen deine Nähe, die uns zur Ruhe schenkt, und durchatmen lässt, in die wir uns bergen können, wenn wir nicht weiter wissen.

Komm zu uns Gott – zieh bei uns ein: in unsere Herzen, Häuser und Lebenssituationen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Schriftlesung: Matthäus 21,1-9

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht :

»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«

Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Lied: Wie soll ich dich empfangen (EG 11,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=bqq_6GC6ZQc

1) Wie soll ich dich empfangen und wie begegn' ich dir?

O aller Welt Verlangen, O meiner Seelen Zier!

O Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Fackel bei,

Damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2) Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin,

Und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.

Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis

Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß.

3) Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud?

Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid,

Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht,

da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.

Predigtgedanken zu Jeremia 23,5-8

Text: 5) Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.

6) Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR unsere Gerechtigkeit«.

7) Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«,

8) sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.



„Hoffnung“ steht hier vorne auf unserem Adventstisch.

Hoffnung – sie gehört für mich ganz fest zum Advent. In diesem Jahr noch mehr als sonst. Ja vielleicht sogar noch mehr als im vergangenen Jahr, als wir auch schon unter besonderen Bedingungen die Adventszeit miteinander gefeiert haben.

Hoffnung – sie kommt gemeinsam mit der Sehnsucht. Die beiden gehen quasi „Hand in Hand“. Wenn ich mich nach etwas sehne, hoffe ich, dass es eintrifft.

Wobei ich manchmal das Gefühl habe, die Hoffnung blickt noch etwas optimistischer in die Zukunft als die Sehnsucht.


Hoffnung! Würde ich jetzt eine Umfrage darüber machen, worauf Sie hoffen, was würden Sie mir wohl antworten?

Bei unseren Konfis klang durch, dass sie auf mehr Ruhe hoffen – der Schulstress hält sie in Atem. Eine Arbeit nach der anderen. Fast scheint es, als würden die Lehrer jetzt noch schnell alle Arbeiten und Referate einfordern, damit sie verlässliche Noten machen können, falls es doch wieder zu Schulschließungen kommt und Fernunterricht angesagt ist.

Hoffnung – viele Menschen sind in diesen Wochen unglaublich angespannt. Man beäugt sich kritisch. Wer ist geimpft und wer nicht – warum oder warum nicht? Die einen fühlen sich ausgeschlossen, die anderen bedroht und wieder andere sind einfach nur ratlos und hilflos.

Im letzten Jahr hatten wir es noch gelebt, dass wir einander untersützen, schauen, wo geht es jemandem nicht gut, wie können wir einander helfen. In diesem Jahr klingt der Ton in meinen Ohren deutlich unfreundlicher. Die Nerven liegen bei vielen blank. Da wird man auch ungerecht, überschreitet Grenzen, verletzt, diskriminiert, schließt aus.

Unweigerlich drehen sich die Gesprächsthemen wieder um Corona – dabei sehnen wir uns alle wieder nach anderen auch ganz belanglosen Themen.

Hoffnung – wir alle hatten gehofft, dass wir diesen Winter besser überstehen – wir Weihnachten wieder im gewohnten Rahmen feiern können. Und jetzt sieht es so aus, als käme es fast noch schlimmer als im letzten Jahr.

Ich spüre die Angst bei den Menschen – den älteren, den Kranken, den Eltern um ihre Kinder.

Wir alle sehnen uns nach Ruhe und einem Stück Leichtigkeit. Wir hoffen darauf, dass es endlich wieder gut ist – wir wieder halbwegs „normal“ leben können.

Und so hoffen wir auch darauf, dass die neue Regierung sich bald so zusammen gerauft hat, dass sie klar und verlässlich auch mit der aktuellen Lage umgehen kann.


Hoffnung!

Unser Predigttext entführt uns nach Babylon im Jahr 600 vor Christus. Die Menschen zur Zeit Jeremias hoffen darauf, dass endlich der erwartete Messias kommt.

Im Exil sehnen sie sich zurück in ihre Heimat. Als zerstückeltes und verstreutes Volk wünschen sie sich wieder zusammen zu leben als EIN Volk in EINEM Land. Bedroht und umgeben von Feinden sehnen sie sich nach Frieden. Dem Machtwechsel im Land Babylons unterworfen und der Willkür des Herrschers ausgeliefert, sehnen sie sich nach einem starken verlässlichen König, der endlich Recht und Gerechtigkeit aufrichtet. Ihr eigener König hat längst keine Macht mehr, und als er noch an der Macht war, war er alles andere als ein gerechter König.

Wie wohltuend müssen die Verheißungen Jeremias auf diese sehnsüchtig wartenden Menschen gewirkt haben:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen.“


Hoffnung!

Etwa 600 Jahre später hoffen die Menschen immer noch auf ihren gerechten König, auf den Messias. Zwar sind einige von ihnen inzwischen wieder in ihrer Heimat angelangt, aber lange noch nicht haben sie die Rechte und Sicherheiten, die sie sich wünschen. Im Moment stehen sie unter der Herrschaft des römischen Kaisers.

Sie hoffen, dass in Jesus von Nazareth nun endlich der ersehnte König bei ihnen einzieht. Dass er gerecht ist und für Frieden sorgt.

Als er auf einem Esel in Jerusalem einzieht, fühlen sich viele bestätigt. Denn so steht es schon in den alten Schriften. Sanftmütig kommt er und reitet auf einem Esel!

Andere sind enttäuscht. Sie hatten auf einen König gehofft, der mit Macht die Besatzer vertreibt und seinen Platz im Land einnimmt.

Und wieder andere erkennen erst nach Jesu Tod und Auferstehung, dass er es doch war, auf den sie so lange gehofft hatten – nur trat er eben ganz anders auf, als sie sich das vorgestellt hatten.


Hoffnung! – was diese alten Texte zum Ausdruck bringen, ist gar nicht so viel anders als das, wonach wir uns heute sehnen.

Wir hoffen auf Ruhe und Frieden – um uns und in uns.

Auf eine gute Regierung, die transparent handelt und die Menschen im Blick hat, für die sie verantwortlich ist.

Wir hoffen auf jemanden, der weiß, was er tut, und auch weiß, was zu tun ist. Und auf jemanden, der sieht, was die Menschen brauchen.

Was wir an den alten Advents- und Weihnachtsgeschichten lernen können auch für unsere Situation heute ist, dass der Frieden, nach dem wir uns sehnen, aus uns selbst kommen muss. Wie wir anderen begegnen, sie sehen, hören und zu verstehen versuchen – ist das Entscheidende.

Uns wird mit vielen Bildern die Zusage gemacht, dass Gott auch – oder gerade – in die Lebenssituation hineinkommt, die uns belastet.

So erzählt die Weihnachtsgeschichte von Armut, Obdachsuche, Stall, Bedrohung und Flucht.

Und vom erwachsenen Jesus wird erzählt, dass er zu den Menschen ging, die seine Hilfe brauchten – auch zu den anders denkenden und anders glauben – zu den Abgelehnten und Isolierten – in die Angst- und Quarantänegebiete. Zu den Kranken und Alten und Einsamen – aber auch zu den Kindern, den Unruhigen und Ratlosen.

Und auch Jeremia mit seinen Worten will seinem Volk im Exil vor allem eines deutlich machen: ihr seid nicht allein – auch nicht hier in der Fremde – Gott kommtt euch zu Hilfe.


Hoffnung.

Am Adventskranz brennt die erste Kerze.

So im Tageslicht fällt es kaum auf – aber im Dunklen erhellt auch eine einzige Kerze einen Raum schon ganz ordentlich.

Die Lieder und Texte, die wir in diesen Wochen hören – sie können uns nahe kommen, wenn wir sie hören als das, was sie immer waren: Sehnsuchtsworte, Hoffnungszeichen, Trost und Zusage.

Sie verheißen kein „Morgen ist alles gut!“ – aber sie verheißen: „Ihr seid nicht allein!“

Diese Zusage stillt nicht unsere Sehnsucht – aber sie lässt uns hoffen. Hoffen, dass auch diese Zeit, die uns hilflos macht, vorbei geht – hoffen, dass es auch wieder heller für uns wird.

Hoffnung und Sehnsucht sie gehören zu uns – und es ist gut und wichtig, dass wir hoffen und sehnen – denn so lange wir das tun, haben wir nicht resigniert, sondern rechnen noch damit, dass es auch wieder anders wird.

„Siehe, es wir die Zeit kommen!“, spricht der Herr.

Amen.

Lied: Macht hoch die Tür (EG 1,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=e2NA6hHVTSw

1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.