Gottesdienst am 1. Advent, den 29.11.2020



Gottesdienst am 1. Advent, den 29.11.2020, um 10 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)


Musikstück: Macht hoch die Tür

https://www.youtube.com/watch?v=0RUDd2-F5_I

Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Benedictus“ als Eingangspsalm (Basisbibel)

»Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!

Denn er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen und hat es befreit.

Er hat uns einen starken Retter gesandt,

einen Nachkommen seines Dieners David.

So hat Gott es von jeher angekündigt

durch den Mund seiner heiligen Propheten –

einen Retter, der uns befreit von unseren Feinden

und aus der Gewalt aller, die uns hassen.

Damit hat Gott auch unseren Vätern

seine Barmherzigkeit erwiesen.

Er hat an den heiligen Bund gedacht,

den er mit ihnen geschlossen hat.

Ja, er hat an den Eid gedacht,

den er unserem Vater Abraham geschworen hat:

uns aus der Hand von Feinden zu retten.

Dann können wir ohne Angst Gottesdienst feiern –

heilig und nach seinem Willen, in seiner Gegenwart,

solange wir leben.

Aber auch du, Kind,

wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden.

Du wirst dem Herrn vorangehen

und die Wege für ihn bereit machen.

Du schenkst seinem Volk die Erkenntnis,

dass der Herr es retten will

und ihm die Schuld vergibt.

Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.

Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe.

Es leuchtet denen,

die im Dunkel und im Schatten des Todes leben.

Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.«

Eingangsgebet

Herr, unser Gott,

bei dir ist Finsternis nicht finster,

und Dunkelheit ist bei dir wie Licht.

Der Adventsmorgen scheint auf,

und die Nacht leuchtet wie der Tag.

So nimm all das weg,

was uns diese Zeit dunkel und unnahbar macht.

Lass in uns aufleuchten

das adventliche Kommen deines Sohnes,

unseres Herrn und Bruders Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schriftlesung: Jesaja 35,3-10

Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!

Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht!

Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.«

Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.

Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Musikstück: O Heiland reiß die Himmel auf (EG 7,1+4+5)

https://www.youtube.com/watch?v=huAnC9ZVgNQ

1. O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab, vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloß und Riegel für!

4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm tröst uns hier im Jammertal.

5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn' deinen Schein in Finsternis wir alle sein.

Predigtgedanken zu Jesaja 35

Es ist Advent. Am Adventskranz brennt die erste Kerze. Die vertrauten Lieder erklingen.

Normalerweise eine Zeit, die uns gut tut. Uns erwartungsvoll und freudig stimmt.

Die Kinder fiebern Weihnachten entgegen, die Erwachsenen versuchen ein wenig adventliche Vorfreude mit Kerzen, Schmuck und Weihnachtsgebäck in ihre Häuser zu bringen.

Und auch in diesem Jahr wird das in vielen Familien so sein. Vielleicht in diesem Jahr sogar etwas bewusster, weil man in den zurückliegenden Monaten entdeckt hat, wie wertvoll solche Zeit zu Hause und mit der Familie sein kann.

Für andere aber will sich die Freude und die „Adventsstimmung“ nicht so recht einstellen. Ein wenig sorgenvoll schauen sie dem Weihnachtsfest entgegen: Wie kann es in diesem Jahr sein?

Wie kann die Familie zusammen Weinachten feiern? Wem kann man begegnen – wem nicht?

Für viele zieht mit dem Advent und dem Monat Dezember ein weiterer Sorgenmonat ein. Sorge um die wirtschaftliche Existenz. Sorge um die eigene Gesundheit und der Menschen, die ihnen nahe stehen.

Und für wieder andere wird es im Advent nun keineswegs ruhiger und stimmungsvoll, sondern ihr Einsatz in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und an anderen Orten verlangt weiterhin viel Kraft, Phantasie und auch Sorgfalt von ihnen ab.

Anstrengend und mühsam empfinden viele diese Wochen und Monate – und viele sind genervt und erschöpft, weil irgendwie keine echte Perspektive vor Augen ist.

Es ist Advent – und ich überlege mir, ob wir in diesem Jahr nicht die ursprüngliche Bedeutung des Advents besonders erfahren und auch brauchen.

Für die frühen Christen bedeutete „Advent“ nämlich tatsächlich „Ankunft“. Sie warteten darauf, dass Christus wiederkommt und das zu Ende bringt, was er zu Lebzeiten begonnen hat: sein Friedensreich aufzurichten!

Und die Menschen, von denen das Neue Testament in den Anfangskapiteln der Evangelien (also unseren heutigen „Adventsgeschichten“) erzählt, sehnen sich nach einem Friedenskönig. Nach einem Gesandten Gottes, der sie von der Bedrückung durch die Römer befreit. Der Gerechtigkeit und Frieden aufrichtet. Sie hoffen darauf, dass die Verheißungen aus dem Alten Testament sich endlich erfüllen: dass der Retter kommt, den sie so dringend brauchen!

Diese Seite des Advents ist in der Regel in unserem alltäglichen Denken nicht so im Bewusstsein. Aber ich glaube, in diesem Jahr könnte das anders sein.

Wir haben uns in den letzten Konfi-Stunden mit solchen biblischen Verheißungen befasst. Welche Menschen sind da im Blick? Verse wie „Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ – wurde von den Jugendlichen auf unsere Zeit übertragen. Auf Menschen, die ihr Leben als „dunkel“ empfinden und sich nach einem Licht sehnen, das ihnen Hoffnung gibt.

„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen“ – dieser Vers fand Beispiele in unserem heutigen Leben, wo Menschen gebeugt werden von Anforderungen, Ängsten und Krankheiten.

Und der Retter, den die Menschen des Alten Testamentes herbeisehnten, war für die Jugendlichen heute gar nicht mehr so eine fremde Vorstellung. Im Gegenteil: ihnen fielen so manche Lebenssituationen heute ein, wo ein „Retter“ dringend nötig wäre. Dass dieser Retter heute für die Jugendlichen unter anderem die Aufgabe hätte, Corona zu besiegen, mag dann auch gar nicht mehr erstaunen.

Ja, auf einmal war es gar nicht mehr so weit weg, was die Menschen sich damals ersehnt hatten. Einen „Retter“ könnten wir heute auch brauchen, der Angst, Sorge und Krankheit vertreibt – der uns Frieden bringt – in uns und um uns.

Auch der Text aus Jesaja 35 ist so eine alte Verheißung, ja ein Mutmachtext: Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!“, heißt es da.

Mir fallen in diesen Wochen so manche müden Hände und verzagten Herzen ein. Auch an mir kann ich es an manchen Tagen entdecken. Und ich vermute viele von Ihnen geht es da nicht anders!

Erschöpft, genervt, müde von den besonderen Umständen, in denen wir seit Monaten leben, und von der Flut der ständig neuen Meldungen und Zahlen, die uns täglich erreichen.

Da fällt es einem schon schwer Vorfreude oder gar jubelnde Freude zu empfinden.

Und doch: es ist Advent.

Und wenn ich mir diese alten Texte der Propheten und der frühen Christen anschaue, kann ich von ihnen etwas lernen: sie haben nicht aufgehört zu hoffen. Sie haben das Vertrauen nicht aufgegeben, dass es anders werden kann.

Sie hielten an ihrem Glauben fest, suchten immer wieder neu Zuflucht und Hilfe bei ihrem Gott.

Ja, sie erwarteten über Jahrhunderte hinweg, dass ihr Gott zu ihnen kommt.

Sie konnten es nicht herbeizwingen und auch nicht beschleunigen. Sie mussten Geduld haben – weit mehr noch als wir heute und über eine viel längere Zeitspanne hinweg. Aber sie hofften weiter. UND: sie sprachen einander immer wieder Mut und Hoffnung zu.

Und für manche wurde das Warten ja dann auch erfüllt – in dem Menschen Jesus Christus, der diese Hoffnung auf eine neue und andere Zeit verkörperte. Der ihnen die Gewissheit brachte, dass Gott für sie da ist. Ja, sie empfanden es so, dass in Jesus Gott selbst zu ihnen gekommen war.

Als ich die Konfirmanden am Ende der Stunde letzten Mittwoch fragte, was für sie nun nach all dem, was wir die Stunde über entdeckt haben, Advent bedeutet, formulierte es eine Konfirmandin so: „Der Advent ist dazu gedacht, dass Menschen zur Besinnung und zur Ruhe kommen und dann ihre Umwelt wahrnehmen… Jesus soll ein Vorbild für alle Menschen sein, dass wir so wie er anderen Menschen helfen… Im Advent rücken wir Menschen zusammen und wir feiern etwas Positives, nämlich dass die Welt nicht untergeht wegen Corona, sondern dass wir etwas dagegen unternehmen können. Zusammenhalten. Natürlich wäre es toll, wenn so ein Retter, ein 2.Jesus, heute käme, aber ich denke, wir Menschen können auch viel zusammen schaffen.“

Und ein anderer Konfirmand sagte: „wir feiern heute immer noch Advent, damit man nicht die Hoffnung verliert“

Im Grunde formulierten die Jugendlichen damit genau das, was auch dem Propheten Jesaja ein Anliegen ist, mit seinem Apell: Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!“

Wir brauchen einander – um uns gegenseitig zu stärken, zu trösten, füreinander da zu sein. Es ist das eine, Kontakte zu meiden, um Infektionen zu reduzieren – aber viel wichtiger ist doch, dass wir vor lauter „Rückzug“ in die eigenen vier Wände, nicht die anderen aus dem Blick verlieren, die gerade Zuspruch, Trost und Hoffnung brauchen.

Und für uns als Christen kommt noch etwas hinzu: wir erinnern uns in der Adventszeit und an Weihnachten daran, dass Gott uns Menschen nahe kommt. Dass er uns nicht allein lässt, mit den Herausforderungen, die wir meistern müssen.

Und diese Hoffnung, dass das heute immer noch gilt, fordert uns Christen erst recht dazu auf, tätig zu werden: Menschen konkret zu unterstützen, Hoffnungslicht in ihr Dunkel zu bringen, für andere da sein.

Jeder von uns hat Menschen in seiner Nachbarschaft, in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, die gerade Zuspruch, Hoffnung oder konkrete Hilfe brauchen.

Und: Jeder von uns kann es selbst mal sein, der dankbar ist, wenn da ein Anruf, ein Brief, eine Postkarte oder Mail kommt, die einem Mut machen oder Freude schenken. Oder wenn uns ganz konkrete Hilfe angeboten wird.

Das Geheimnis von Weihnachten ist, dass Gott in einem Menschen zu Welt kam. Auch in diesem Jahr will er das – in uns und durch uns. Darum sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt und wird euch helfen“. Amen.

Musikstück: Seht die gute Zeit ist nah (EG 18)

https://www.youtube.com/watch?v=vd9u84ub-qo

1. Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde.

2. Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde, Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.

Fürbitten

Gott,

du kommst in einem Menschen zu Welt, schenkst Hoffnung und Trost.

So bitten wir dich für alle Menschen, die Trost und Hoffnung brauchen, dass wir die richtigen Worte und Gesten für sie finden.

Wir bitten dich für die Verzagten und Ängstlichen, die unter der aktuellen Situation leiden – komm du selbst zu ihnen und erfülle sie mit deiner Kraft und Gegenwart.

Wir bitten dich für die Müden und Erschöpften, die sich täglich abarbeiten in Krankenhäusern und Kliniken, aber auch an vielen anderen Einsatzorten, wo die Verantwortung schwer wiegt, die sie zu tragen haben. Führe sie immer wieder zu Quellen, an denen sie ausruhen und neue Kraft schöpfen können.

Wir bitten dich für unsere Gemeinden, dass wir ein Ort sein können, wo Menschen Zuflucht finden und dir begegnen.

Wir bitten dich für Kinder und Erwachsene in dieser Zeit, dass sie Liebe und Geborgenheit erfahren und geben können.

Wir bitten dich für alle Kranken und Einsamen, dass sie Menschen haben, die bei ihnen sind und wo es Menschen nicht mehr können, komm du selbst zu ihnen mit deinem Trost und Segen.

Herr komm du uns nahe in dieser Adventszeit – dass wir nicht aufhören zu hoffen und deine Hoffnung weiterzutragen.

In der Stille vertrauen wir dir an, wo wir deine Nähe brauchen, dein Kommen erhoffen:

STILLE - Vater unser…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied Es kommt die Zeit (NL 37,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=eC-fbZ_zLCQ

1. Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen, wenn Friede und Freude und Gerechtigkeit die Kreatur erlöst. Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.

2. Es kommt die Zeit, in der die Völker sich versöhnen, wenn alle befreit sind und zusammenstehn im einen Haus der Welt. Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.

3. Es kommt die Zeit, da wird der Erdkreis neu ergrünen mit Wasser, Luft, Feuer, wenn der Menschen Geist des Schöpfers Plan bewahrt. Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - finden Sie auf: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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