Gottesdienst am 1. Christtag, den 25.12.2021 in Lichtenau



Gottesdienst am 1. Christtag, den 25.12 2021, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrerin Ute Braun



Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Praeludium: Musikverein

Votum:

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Spruch:

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. (Ehre sei dem Vater...)

Gebet:

Mit all unseren Gefühlen kommen wir heute zu dir, Gott, wollen uns berühren lassen von alten Worten und vertrauten Liedern:

Wir staunen über das Geheimnis von Weihnachten: Du wirst Mensch unter Menschen. Wir können das nicht wirklich begreifen. Öffne unsere Herzen, dass wir dein Wort aufnehmen, es in uns wachse und Frucht bringe. Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der uns Leben schenken will jetzt und in Ewigkeit.

(Gemeinde: Amen)

Lied: Herbei o ihr Gläubgen (45,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=n8DKYxerQ8Y

1) Herbei, o ihr Gläub'gen, fröhlich triumphieret,

o kommet, o kommet nach Bethlehem!

Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren!

O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten,

o lasset uns anbeten den König!

2) Du König der Ehren, Herrscher der Heerscharen,

verschmähst nicht zu ruhn in Marien Schoß,

Gott, wahrer Gott von Ewigkeit geboren.

O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten,

o lasset uns anbeten den König!

3) Kommt, singet dem Herren, singt, ihr Engelchöre!

Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen:

"Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden!"

O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten,

o lasset uns anbeten den König!

Ansprache mit dem Weihnachtsevangelium aus Matthäus 1,18-25

In der letzten Reli-Stunde jetzt vor den Weihnachtsferien – ich war noch gar nicht recht im Klassenzimmer drin – fragte mich eine von den Viertklässlerinnen. „Frau Braun, wer ist der Papa von Jesus? In der Weihnachtsgeschichte steht, seine Eltern heißen Maria und Josef. Meine Eltern haben gesagt: Jesus ist Gottes Sohn. Was stimmt denn nun?“

So und da stand ich nun noch im Mantel und die Schultaschen in der Hand und hatte dieses erwartungsvolle Kind vor mir.

Natürlich habe ich lang genug studiert um ihre eine theologisch ausgefeilte Antwort zu geben – aber half das diesem Kind? Wohl kaum. Tja und schließlich hielt ich mich in meiner Erklärung ein bisschen ans Matthäus-Evangelium, der die Sache mit den Vätern Jesu so erzählt:

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.

Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.

Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.

Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.


Ganz anders als das Lukasevangelium rückt Matthäus den Mann an Marias Seite ein wenig ins Licht: Josef.

In einem langen Stammbaum, den er kurz vor unserem Predigtabschnitt wiedergibt, zeigt Matthäus: Josef ist der Nachkomme Davids. Er ist derjenige, der gewährleistet, dass das Kind Jesus tatsächlich aus dem Königsgeschlecht Davids stammt, wie es die alten Verheißungen über den Messias sagen.


Josef scheint aber kein Mann großer Worte zu sein – zumindest werden nirgends in der Bibel Worte von ihm überliefert…

Er ist ein guter Mann, erzählt Matthäus: fromm, verantwortungsbewusst, um den Ruf seiner Partnerin besorgt – aber auch nicht auf den Kopf gefallen…

Josef wird nun in dieser Erzählung damit konfrontiert, dass seine Verlobte Maria schwanger ist – allerdings nicht von ihm. Dass da bei Josef gewisse Zweifel an seiner Verlobten aufkommen, kann man nur zu gut verstehen. Und doch will Josef Maria nicht in Verruf bringen. Er will sie nicht bloß stellen und er will auch kein großes Gerede darüber. Aber es einfach so hinnehmen, will er auch nicht. Heimlich verlassen will er sie. Dann wird zwar wahrscheinlich er in Verruf kommen, weil er seine Verlobte im Stich lässt, aber all das scheint besser zu sein, als mit dem Kind eines anderen leben zu müssen und eine Frau an der Seite zu haben, der er nicht mehr vertraut.


Josef – ich mag ihn irgendwie – wahrscheinlich weil er so menschlich denkt… Eigentlich hat er ein gutes Herz, aber für dumm verkaufen lässt er sich auch nicht… Was auch immer Maria ihm erzählt haben mag über das Kind, das in ihr heranwächst, es scheint Josef nicht überzeugt zu haben. Die Vorstellung einer Jungfrauengeburt war auch für ihn eine echte Herausforderung des Glaubens.

Ja, Josef hat für sich schon alles beschlossen: er beendet die Beziehung und geht. Doch dann passiert die Geschichte mit dem Traum. Ihm erscheint ein Engel. :„Fürchte dich nicht!“ – sagt der – so wie die anderen Engel im anderen Evangelium es zu den Hirten sagen. „Fürchte dich nicht – nimm Maria an und nimm das Kind in ihr an - so als wäre es dein eigenes.“


Der Engel bestätigt die unglaubliche Geschichte, dass das Kind, das in Maria heranwächst, Gottes Kind ist. Dass sie keine Frau ist, die die Treue gebrochen hat, sondern vielmehr eine Frau ist, die von Gott als besonders treu befunden wurde und deswegen dieses Kind Gottes zur Welt bringen soll.

Und er, Josef, er soll ihr dabei helfen, soll ihr vertrauen, zu ihr stehen. Er wird gebraucht. Maria und das Kind brauchen ihn. Und auch Gott braucht ihn als irdischen Vater zu seinem Kind.


Offenbar hat der Engel im Traum Josef überzeugen oder zumindest beruhigen können, denn Josef bleibt. Er nimmt seine Verlobte zu sich, steht zu ihr, bis das Kind auf der Welt ist. Und er setzt sich auch mit all seiner Kraft für dieses Kind ein.

Er ist vielleicht nicht der Erzeuger dieses Kindes – aber dennoch sein Vater. Seine Aufgabe ist es, ihm nicht nur eine irdische Heimat und einen Platz im Stammbaum zu geben, sondern vor allem, ihn zu beschützen und ihm ein wenig von dem mitzugeben, was sein Sohn für sein Leben brauchen wird.

Ja, schon kurze Zeit später muss Josef beweisen, wie ernst es ihm mit seinen Vaterpflichten ist. Als der König Herodes seine Häscher ausschickt, um den neuen König zu finden, flieht Josef mit seiner Familie nach Ägypten. Er beschützt sie, verteidigt sie, er nimmt seine Vaterrolle jetzt ganz ernst…

Ja selbst als sein Kind älter wird, füllt er seine Vaterrolle aus. Wie es dem jüdischen Gesetz entspricht, bringt er ihn zur Beschneidung in den Tempel, er unterweist ihn in den Schriften der Thora, und nimmt ihn mit in den Tempel als Jesus alt genug dafür ist. Ja, er lehrt ihn sogar sein Handwerk. Sein Sohn wird Zimmermann, ganz wie der Vater.


Jesus – Gott rettet! Immanuel – Gott mit uns! Diese Namen soll Josef seinem Sohn geben. In diesen Namen wird schon zum Ausdruck gebracht, was die Aufgabe dieses Kindes sein soll: das Volk retten, Menschen die Nähe Gottes erfahren lassen.

Aber bevor dieses Kind seinen Auftrag erfüllen kann, braucht es selbst einen, der es rettet und beschützt. Es braucht selbst jemanden, der für ihn da ist. Ihm in mehrfachem Sinn ins Leben hilft. Und wer könnte da besser geeignet sein als jener stille, zuverlässige Handwerker.

Ja, Josef ist zwar kein Mann der großen Worte, aber ein Mann der Tat, mit Herz und Verstand, mit Mut und Verantwortungsgefühl.


Josef – ich überleg mir, was in ihm vorging – damals nach seinem Traum. Konnte er das alles wirklich glauben? War die Versuchung nicht doch groß, das alles einfach als Nachtgespinnst zur Seite zu schieben? Wie oft mag sich Josef gefragt haben, ob er das richtige getan hat – damals als er Maria doch zu sich nahm.

War das „Fürchte dich nicht!“ des Engels wirklich stark genug, um all seine Zweifel zu vertreiben? Und wie oft in seinem Leben wird er sich an diesem „Fürchte dich nicht“ des Engels noch festhalten müssen.

Josef hat geglaubt, was sein Verstand nicht fassen konnte – Engel im Traum, Jungfrauengeburt, Kind des Heiligen Geistes…

Er hat vertraut – den Worten Gottes, den Hinweisen des Engels, der Treue Marias…

Hätte er all das nicht getan, hätte er Maria verlassen, sie ihrem Schicksal oder gar der damaligen Gesetzgebung überlassen, es hätte vielleicht nie einen Jesus von Nazareth, Sohn der Maria, gegeben…

Und wenn doch eine schützende Hand über Mutter und Kind gewesen wäre, wäre dennoch ungewiss, ob dieser kleine Junge zu einem mutigen Mann hätte heranwachsen können, der Menschen rettet und Gottes Nähe verkündigt. Ohne einen Vater, der ihn beschützt und ihm später das Wissen mitgibt, das er für sein Leben und seinen Broterwerb braucht, wäre wohl vieles ganz anders verlaufen.


Gott hat Maria UND Josef gebraucht, damit er in diesem Kind zur Welt kommen konnte. Er war darauf angewiesen, dass Menschen ihm vertrauen und bereit sind, sich von ihm ihr Leben und ihre Lebensplanung durcheinander bringen zu lassen.

Er war auch darauf angewiesen, dass diese Menschen nicht nur vorübergehend für ihn da sind, sondern eine lebenslange Verpflichtung eingehen.


„Fürchte dich nicht!“ – „Hab Vertrauen!“ – diese Worte des Engels haben dazu geführt, dass Josef seine Zweifel, Vorbehalte, ja sein Misstrauen zur Seite schieben konnte. Sie haben ihn ermutigt, diesem Kind einen Platz in der Welt zu ermöglichen.


Josef – er ist uns so ähnlich – mit seinen Fragen und Zweifeln, mit seinem Schweigen und Hinterdenken, mit seinen stillen Plänen, mit seinem guten aber auch verletzlichen Herz. So vieles, was er erlebt hat, ließ sich so wenig vereinbaren mit seinem handfesten Denken…

…und doch hat er vertraut – Gott vertraut – hat auf den Engel gehört, ihm gehorcht und Maria zu sich genommen. Ihm wurde ein Kind geboren, einfach so – ein Geschenk vom Himmel…und er hat es angenommen und ins Herz geschlossen.


Ob wir Josef darin nicht auch ähnlich werden können? Zu vertrauen auch wenn der Verstand es ganz anders bewertet? Da zu sein, auch wenn es anstrengend und schwierig ist? Bereit, Gott einen Platz in unserem Leben zu geben und auf unsere Weise für diesen Gott da zu sein?

Wie Josef wurde auch uns ein Kind geboren – einfach so – ein Geschenk des Himmels! Können wir es auch annehmen, ins Herz schließen und das tun, was richtig ist – so wie Josef es getan hat?


Gott braucht uns. Wir sollen ihm helfen, in unsere Welt zu kommen

Gott braucht uns, so wie wir sind – mit unseren Zweifeln und Fragezeichen – mit unserer Unsicherheit und Angst – mit unseren ganz menschlichen Plänen und dem Bedürfnis uns auch manchmal zu verdrücken.


…uns wird das Kind geboren – und wir sollen es ins Herz schließen als wäre es unser eigenes Kind…

Wir sollen ihm helfen, seinen Platz in der Welt einzunehmen und groß zu werden…so dass viele Menschen erfahren können: in ihm ist Gott selbst. In ihm ist Gott für uns da! In ihm kommt Gott uns zu Hilfe!

Er, der uns von Anfang an und immer wieder zusagt:

Ich bin bei dir! Fürchte dich nicht!

Amen.

Lied: Vom Himmel hoch (EG 24,1-3+15)

https://www.youtube.com/watch?v=uusuvbBLo9s

1) Vom Himmel hoch da komm ich her,

ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel,

davon ich singen und sagen will.

2) Euch ist ein Kindlein heut geborn

von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein,

das soll eu'r Freud und Wonne sein.

3) Es ist der Herr Christ, unser Gott,

der will euch führn aus aller Not, er will euer Heiland selber sein,

von allen Sünden machen rein.

15) Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,

der uns schenkt seinen ein'gen Sohn.

Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr.

Überleitung zum Abendmahl (Präfation):

Gott, wann immer du dich offenbarst und in uns wirkst, bleibst du ein Geheimnis. In Jesus Christus bist du Mensch geworden. Im Brot und im Saft der Trauben kommst du zu uns, verwandelst uns in Menschen, die von dir und deinem Wort leben.

Wir staunen, öffnen unsere Herzen ganz weit und stimmen ein in den Lobgesang der Engel

Gemeinde: Heilig, Heilig...