Gottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juni 2022



Gottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juni 2022 um 10:00 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrerin Ute Braun



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Lied: EG 161,1-3: Liebster Jesu wir sind hier

https://www.youtube.com/watch?v=sf7xGML3fgU

Votum: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)


Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)

Psalm: Psalm 34 (NL 914.2)


Ich will den HERRN loben allezeit;

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,

dass es die Elenden hören und sich freuen.

Preiset mit mir den HERRN

und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir

und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,

und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der HERR

und half ihm aus allen seinen Nöten.

Der Engel des HERRN lagert sich um die her,

die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.

Wohl dem, der auf ihn trauet!

Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!

Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

Reiche müssen darben und hungern;

aber die den HERRN suchen,

haben keinen Mangel an irgendeinem Gut

Ehre sei dem Vater...

Eingangsgebet:

Du, Gott, bist barmherzig.

Du siehst uns freundlich an.

Öffne unsere Augen – dann sehen wir deine Güte.

Öffne unsere Ohren – dann hören wir deine Ermunterungen.

Öffne unsere Lippen – dann singen wir dir zum Lob.

Dies bitten wir durch Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

(Amen)

Schriftlesung: 1. Johannes 4,16b-21:

Gott ist Liebe.

Und wer in der Liebe lebt, ist mit Gott verbunden,

und Gott ist mit ihm verbunden.

Darin hat die Liebe bei uns ihr Ziel erreicht:

Am Tag des Gerichts werden wir voller Zuversicht sein.

Denn wie Jesus Christus mit dem Vater verbunden ist,

so sind es auch wir in dieser Welt.

In der Liebe gibt es keine Furcht,

sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.

Denn die Furcht rechnet mit Strafe.

Bei dem, der sich fürchtet,

hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht.

Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

Wer behauptet: »Ich liebe Gott!«,

aber seinen Bruder und seine Schwester hasst,

ist ein Lügner.

Denn wer seine Geschwister nicht liebt, die er sieht,

kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.

Dieses Gebot hat uns Gott gegeben:

Wer ihn liebt, soll auch seine Geschwister lieben.

Lied: EG 365,1+2+4: Von Gott will ich nicht lassen

https://www.youtube.com/watch?v=D6RT8-ndVEg

PREDIGT über Lukas 16,19-31

Jesus erzählt ein Gleichnis

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.

Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.

Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.

Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.


„So sicher wie in Abrahams Schoß“... diesen Ausdruck kennen Sie sicherlich. Aber war Ihnen bewusst, dass diese Geschichte dazugehört?

Ich muss zugeben, dass ich etwas Mühe mit dieser Geschichte habe, denn sie passt so gar nicht zu der Theologie, die mich geprägt hat. Es ist irgendwie eine harte Geschichte, unbarmherzig, schwarz/weiß-gezeichnet.


Wir begegnen einem Mann –sein Name scheint nicht wichtig zu sein. Er ist reich und hat eine Vorliebe für kostbare Gewänder. Gekleidet in Purpur und wertvolles Leinen lebt er alle Tage herrlich und in Freuden.

Er fühlt sich offenbar so sicher wie in Abrahams Schoß, und scheint sich auch nicht viel Gedanken darüber zu machen, was um ihn herum geschieht. Er ist sich selbst der Nächste.


Nur wenige Schritte entfernt begegnen wir einem zweiten Mann. Genauer: direkt vor der Tür des Reichen. Sein Leben unterscheidet sich grundlegend von dem des anderen. Er ist arm und bettelt. Er hofft auf die Essensreste, die beim Reichen abfallen. Darüber hinaus wird er von zahlreichen Geschwüren am Körper geplagt, doch auch das scheint keinen zu kümmern – außer ein paar Straßenhunden, die kommen, um die Geschwüre zu lecken – auch das noch.

Sicher wie in Abrahams Schoß fühlt der sich bestimmt nicht. Im Gegenteil sein tägliches Leben ist bestimmt von der Angst ums bloße Überleben. Sein Name ist Lazarus – was so viel heißt, wie „Gott hilft“. Doch es fällt schwer an diesem Menschen die Hilfe Gottes zu sehen – ob er sie selbst noch erwartet?


Als Zuhörer dieser Geschichte hat man schnell Position bezogen. Wir haben Mitleid mit dem Armen vor der Tür, verurteilen den Reichen, der doch ganz sicher ein paar Reste für den Bettler vor seiner Tür übriggehabt hätte und der wohl auch Mittel und Möglichkeiten hätte, die Wunden medizinisch versorgen zu lassen und den Mann zu kleiden.

Doch die Geschichte, wie Lukas sie erzählt, bezieht keine Stellung. Sie stellt nur die Bilder vor unsere Augen und überlässt alles Weitere uns.


Eines Tages stirbt der Arme – und die Engel Gottes tragen ihn in Abrahams Schoß. Einen besseren und sicheren Platz kann man sich nicht vorstellen. Hier erfährt Lazarus, dass Gott hilft. Dass Gott zurechtrückt, was ihm zu Lebzeiten nicht gegönnt war: Hilfe, Schutz, Geborgenheit.

Auch der Reiche stirbt. Doch da gibt es keine Engel, und schon gar nicht Abrahams Schoß. Der Reiche stirbt und wird begraben. Schluss! Mehr wird zunächst nicht gesagt.


Ausgleichende Gerechtigkeit – so könnte man das nennen. Ein Motiv, das uns aus zahlreichen Märchen bekannt ist, ein Motiv das aber auch schon in den alttestamentlichen Texten ausgedrückt wird und auch im Neuen Testament immer wieder anklingt: Der Niedrige wird erhöht und der Hohe wird erniedrigt.

Im Grunde genommen könnte die Geschichte nun damit enden. Ganz so, wie in unseren Märchen. Aber für den Evangelisten Lukas ist es noch nicht zu Ende, er will seinen Zuhörer noch mehr mit auf den Weg geben, und deshalb führt er die Geschichte weiter.

Er beschreibt die Szene weiter: der Reiche landete in der absoluten Gottesferne und dort leidet er Höllenqualen. Er sieht Lazarus sicher in Abrahams Schoß, was seine Lage noch einmal unerträglicher macht, und er hat auch die Möglichkeit sich mit ihnen zu unterhalten.

So entwickelt sich nun ein Dialog. Zwischen dem Reichen und Abraham. Lazarus wird nicht einbezogen, obwohl es die ganze Zeit um ihn geht.

Nur eine Fingerspitze voll Wasser wünscht er sich, um seien Qualen zu erleichtern. Könnte nicht Lazarus mal eben herüberkommen?

Nein! Abraham lehnt diese Bitte ab.

Er spricht diesen Ausgleich an: Dir ging es zu Lebzeiten gut, Lazarus schlecht. Hier hat sich das Blatt nun gewendet!

Und zum anderen: selbst wenn Abraham und Lazarus wollten: es gibt keine Verbindung zwischen den beiden Orten.

Zu Lebzeiten, war es nur eine Tür, die den Hilfsbedürftigen von dem trennte, der ihm helfen könnte. Eine Tür, die jederzeit hätte geöffnet werden können, aber nicht geöffnet wurde. Nun aber gibt es einen unüberwindlichen Abgrund zwischen den beiden.

Spätestens jetzt versteht der Zuhörer, wie auch der Reiche in der Geschichte: die Schuld des Reichen lag nicht darin, dass er etwas Falsches getan hat, sondern dass er nichts getan hat. „Unterlassene Hilfeleistung“ heißt das bei uns heute – und jetzt ist es zu spät noch irgendetwas zu ändern.

Zu spät! Man ist versucht, Mitleid zu haben mit dem Reichen. Besonders dann, wenn man auch schon die Erfahrung gemacht hat, dass manche Chance einfach unwiederbringlich vorbei ist, dass es ein „zu spät“ gibt. Zu spät, um anders zu handeln, zu spät, um sich auszusprechen, zu spät, um irgendetwas noch zu klären.


Als der Reiche versteht, dass es für ihn persönlich keine Hilfe gibt, denkt er an seine Familie, an seine Brüder, die offensichtlich ganz ähnlich leben wie er. Lazarus muss sie warnen.

Auch diese Bitte wird abgelehnt. Die Brüder haben das Gesetz und die Propheten – oder mit anderen Worten, die Brüder wissen eigentlich ganz genau, wie sie zu leben haben; es gibt keine Entschuldigung, wenn sie es nicht tun.

Aber der Reiche versucht es noch einmal: wenn ein Toter zurückkäme, dann würden sie glauben, dann würden sie umkehren und ihr Leben ändern.

Doch wieder wird die Bitte ausgeschlagen. Jemand, der nicht den Worten der Propheten glaubt, wird auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten auferstünde.


Hier endet die Geschichte und überlässt es wieder dem Zuhörer Stellung zu beziehen. Zuhörern, die ebenfalls das Gesetz und die Propheten kennen. Zuhörer, die sogar erfahren oder zumindest gehört haben, dass doch einer von den Toten auferstanden ist. Einer, der dieselben Worte an sie weitergegeben hat, wie Mose und die Propheten.

Ob man will oder nicht, wird man auf einmal in die Perspektive der Brüder gedrängt: wir haben das Gesetz und die Propheten, und nun müssen wir entsprechend leben. Diese Perspektive ist alles andere als beruhigend, und wer sich von den Zuhörern bisher so sicher wie in Abrahams Schoß fühlte, wird jetzt aufgerüttelt.


Hart, unbarmherzig, schwarz/weiß. Und so gar nicht passend zu unserem evangelisch christlichen Denken, dass allein der Glaube uns gerecht macht. Dass wir uns das Heil, den Platz in Abrahams Schoß (wenn man das Bild weiterverwenden will) nicht erarbeiten oder verdienen können, sondern dass es uns im Glauben geschenkt wird.


Und was mache ich mit den anderen Geschichten im Lukasevangelium, die klare Zusagen machen?

Oder helfen gerade sie zum besseren Verstehen?

Ich denke da an die Geschichte vom „verlorenen Sohn“. Er hat auch falsch gelebt, falsch gehandelt – aber der Vater nimmt in wieder auf, als er nach Hause kommt. Er vergibt!

Ich denke an die Geschichte vom verlorenen Schaf, dem der Hirte unermüdlich suchend hinterherläuft und dann voller Freude wieder nach Hause trägt.

Und ich denke an die Begegnung zwischen Jesus und dem Zöllner Zachäus. Zachäus, der sich die Freundschaft von Jesus bestimmt nicht verdient hat, aber der sie dennoch geschenkt bekommt. Zachäus, der in dieser Begegnung versteht, dass er einen Neuanfang geschenkt bekommen hat, und der daraus auch tatsächlich einen Neuanfang für sich macht. Und er tut das nicht aus Angst davor, in einer Gottesferne leben zu müssen, die für uns die Hölle wäre, sondern er tut es aus Freude und Dankbarkeit darüber, dass ihm diese Möglichkeit geschenkt wurde.


Ich glaube: genau das ist es, was Lukas auch mit dieser Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus seinen Zuhörern – also auch uns heute – mit auf den Weg geben will:

Gott hat uns Möglichkeiten gegeben, gut und gerecht zu leben. Im Gesetz und in den Propheten ist uns alles gesagt. Darüber hinaus hat er sogar seinen Sohn von den Toten auferstehen lassen, damit wir begreifen, wie wichtig wir ihm sind.

Und aus dieser Verbindung heraus, können und sollen wir unser Leben – und vor allem auch unser Zusammenleben – gestalten.

Es ist nicht nötig, dass wir immer wieder schmerzhaft erfahren, dass es „zu spät“ ist, anders zu handeln!

Wir können wahrnehmen, wo wir falsch handeln, oder vielleicht auch einfach nicht sehen, wo unsere Hilfe nötig ist. „Lazarusse“ vor der Tür gibt es auf jeden Fall genug. Und unsere Möglichkeiten eine Stück Sicherheit oder Geborgenheit wie in „Abrahams Schoß“ anderen zu ermöglichen, ist wohl genauso vielfältig, wie es Menschen und Nöte gibt.


Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Predigtlied: NL 173,1-4: Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen

https://www.youtube.com/watch?v=cEUvQVisR9M

Fürbittengebet:


Dreieiniger Gott,

du hast uns diese Welt mit allen, die darauf leben anvertraut. Wir bitten dich:

Für deine Kirche: Öffne ihr die Augen für die Not der Menschen und lass sie deine Liebe glaubwürdig bezeugen.


Für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft: Stärke in ihnen die Bereitschaft, sich für die Menschen einzusetzen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.


Für die Armen und Hungernden, für die Flüchtlinge und Vertriebenen: Gib ihnen Hoffnung und Hilfe, und lass sie das Vertrauen auf dich nicht verlieren.


Für uns alle: Lass unser Leben geborgen sein in dir, befreie uns von der falschen Sorge um uns selbst und hilf uns die Menschen um uns wahrzunehmen, die unsere Hilfe brauchen.


Für Kinder und Jugendliche: Schenke ihnen gute Erfahrungen und Begegnungen, und lass sie entdecken, wie schön es ist, zu helfen und zu teilen.


Für kranke und pflegebedürftige Menschen: Stell ihnen liebevolle und hilfsbereite Menschen zur Seite und erfülle du sie mit Hoffnung und Kraft.

Gott, dein Ohr ist offen für unsere Bitten, dein Herz ist offen, für die Not in dieser Welt – darum bringen wir nun in der Stille vor dich, was uns selbst bewegt...

(STILLE)

Gott, wir danken dir, dass du uns erhörst und einmal alle Not wenden wirst. gemeinsam beten wir zu dir:


Vater unser im Himmel.

Schlusslied: EG 170,1-4: Komm, Herr, segne uns

https://www.youtube.com/watch?v=pozynuYo7pw

Segen


Der Herr segne euch und behüte euch,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig,

der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

(Amen, Amen, Amen)

Orgelnachspiel




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage:

https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




3 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen