Gottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, 08.08.2021



Gottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, 8. August 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Ute Braun


(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gruß: Der Herr sei mit euch… …und mit deinem Geist.

Juden und Christen – eine lange Geschichte verbindet sie. Beide habe ihre Geschichte mit dem einen Gott, an den wir glauben. Beide verstehen sich als „Volk Gottes“. Die einen sind aus den anderen hervorgegangen – vor knapp 2000 Jahren. Aber das wurde von Zeit zu Zeit auch vergessen und man hat einander verfolgt und unterdrückt.

Heute am sog. „Israelsonntag“ kommt diese lange gemeinsame Geschichte in den Blick…Gottes Geschichte mit seinem Volk!

Psalm: Ps 122 (NL 961)

Ich freute mich über die, die mir sagten:

Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN!

Nun stehen unsere Füße

in deinen Toren, Jerusalem.

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt,

in der man zusammenkommen soll,

wohin die Stämme hinaufziehen,

die Stämme des HERRN,

wie es geboten ist dem Volke Israel,

zu preisen den Namen des HERRN.

Denn dort stehen Throne zum Gericht,

die Throne des Hauses David.

Wünschet Jerusalem Frieden!

Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

Es möge Friede sein in deinen Mauern

und Glück in deinen Palästen!

Um meiner Brüder und Freunde willen

will ich dir Frieden wünschen.

Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes,

will ich dein Bestes suchen.

Ehre sei dem Vater…

Eingangsgebet:

Gott,

du willst bei uns wohnen – in unseren Häusern, Kirchen, Tempeln und Synagogen – in unseren Herzen.

Du erwählst dir Menschen: Abraham und Sarah, Jesaja und Jeremia, Petrus und Paulus, Maria Magdalena und Salome, Juden und Christen. In ihren Geschichten spiegelt sich auch unser Leben – was leicht ist darin und schwer. Wo Schuld geschah und Vergebung nötig ist. Wo unsere Wurzel liegt und wohin unser Weg weist.

Lass uns nie mehr vergessen, dass wir zusammen gehören – dass wir auserwählt sind, als die, die an dich glauben – als die, bei denen du wohnen willst. Als dein Volk aus Glaubensgeschwistern.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Lied: Kommt herbei, singt dem Herrn (EG 617,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=XNWBtD3VkdM

1) Kommt herbei, singt dem Herrn, ruft ihm zu, der uns befreit. (2x)

Singend lasst uns vor ihn treten, mehr als Worte sagt ein Lied. (2x)

2) Er ist Gott, Gott für uns, er allein ist letzter Halt. (2x)

Überall ist er und nirgends, Höhen, Tiefen, sie sind sein.(2x)

3) Ja, er heißt: Gott für uns; wir die Menschen, die er liebt. (2x)

Darum können wir ihm folgen, können wir sein Wort verstehn. (2x)

Schriftlesung: 2.Mose 19,1-6

Im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, an diesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai. Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und Israel lagerte sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Predigtgedanken:

3 Monate ist es her, dass sie aus Ägypten ausgezogen sind. Geflohen vor dem Pharao und seinen Soldaten.

In ein Land wollten sie ziehen, wo Milch und Honig fließt. Und wo sind sie gelandet? Hier in der Wüste. Soweit das Auge reicht: Sand und Felsen. Die Sonne brennt vom Himmel: unbarmherzig.

Müde sind sie und erschöpft. Die ersten murren schon: Worauf haben wir uns da eingelassen? Hätten wir nicht lieber in Ägypten bleiben sollen? Und wo ist eigentlich unser Gott? Am Schilfmeer war er noch bei uns – sichtbar sogar in Wolken- und Feuersäule. Aber jetzt? Hat er uns etwa in dieser Wüste sitzen lassen?

Wüstenzeiten – selbst ohne Sand und brennende Hitze – sie sind so anstrengend. Wir haben das Gefühl, nicht wirklich voran zu kommen. Alles ist so mühsam. Wir sind erschöpft, wie ausgedörrt. Und Gott – manchmal können wir ihn spüren. Da ist er ganz nah. Manchmal…

Aber es gibt auch Zeiten, da fühlt es sich an, als hätte er uns irgendwo ausgesetzt und vergessen. In die Wüste geschickt….

Mose steigt auf den Berg Sinai. Dort unterhält er sich mit Gott. Beneidenswert. Meine Schüler finden das immer ganz toll. Der kann mit Gott reden? Er kann ihn alles fragen und bekommt Antworten? Warum ist das heute nicht mehr so? Wir würden auch gern direkt mit Gott reden wollen.

Ach ja, es würde so vieles vereinfachen, wenn man Gott von Zeit zu Zeit einfach fragen könnte. Sag mal, was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Und wenn wir darauf auch eine Antwort bekämen. Wenn wir uns mit ihm beratschlagen könnten, wenn wir Hilfestellungen für unser Leben brauchen – und seine Antwort käme klar verständlich und unüberhörbar bei uns an… Das wäre schon super…

Wobei auch beim Volk Israel kam es nicht direkt an. Mose war der Vermittler – und manchmal blieb das, was Gott sagte auch irgendwie geheimnisvoll.

Wie hatte er sich ihnen vorgestellt? „Ich werde sein, der ich sein werde“? Was war das denn für ein Name?

Und jetzt sagte er: er hätte sie getragen wie auf Adlerflügeln?

Naja, ganz so wunderbar getragen hatten sie sich eigentlich nicht gefühlt auf ihrem Marsch durch die Wüste.

Andererseits: so ein Adler, der brachte seinen Jungen ja auf sehr spezielle Weise das Fliegen bei. Ein Startversuche aus dem Nest heraus. Ein erstes zaghaftes Flügelschlagen – dann der Sturz in die Tiefe – doch bevor das Adlerjunge auf der Erde aufschlagen kann, fliegt der Adler unter das Junge, fängt es mit dem Körper auf und trägt es wieder hoch in die Luft – für den zweiten Versuch. Immer wieder – bis das Junge fliegen kann.

Das war ja schon irgendwie ganz passend zu ihrem Gott und ihren ersten Schritten in der Freiheit. Immer wieder waren sie unsicher, zweifelten, suchten, fragten, stolperten und stürzten. Aber nie ins Bodenlose – Gott fing sie immer wieder auf, richtete sie auf! War da!

„Ich werde sein, der ich sein werde“ – hieß das nicht auch: „ich werde da sein“, „für euch da sein“?

Und nun schließt er diesen Bund mit ihnen: ihr seid mein Volk! Ich habe euch erwählt!

„Erwählt“ – das heißt: ich bin für jemand etwas Besonderes. Er achtet auf mich, sorgt sich um mich, hütet mich wie seinen Augapfel. Gott erwählt ein ganzes Volk. Ihr seid mein Volk!

Nicht weil ihr so toll seid, so groß und stark, so treu und mächtig. All das seid ihr eigentlich überhaupt nicht – sondern einfach nur weil ich euch liebe: so wie ihr seid, mit euren Ecken und Kanten, Fehlern und Stolperschritten.

Mein heiliges Volk!

Und „heilig“ seid ihr nicht, weil ihr so große Glaubensvorbilder seid – sondern weil ihr eben zu mir gehört habt. Mir seid ihr heilig!

Wir Christen haben diese Zusage schnell auf uns übertragen: wir sind in Christus hinzugenommen worden in dieses Volk – wir sind die Erwählten, die Kinder Gottes.

Und manche gehen sogar so weit, zu sagen: jetzt sind WIR das heilige Volk Gottes – wir haben das Volk Israel abgelöst.

Eine fatale Überzeugung – die zu viel Schuld und Gewalt geführt hat in der christlichen Geschichte.

Im 3. Reich natürlich – eine Schuld, die wir immer noch versuchen zu bearbeiten – auch als Kirchen.

Lange haben wir gesagt: so etwas darf nicht mehr geschehen…

Doch heute müssen wir uns eingestehen: der Antisemitismus ist wieder auf dem Vormarsch. Jüdische Synagogen, Schulen und andere Einrichtungen werden bewacht. Die jüdische Gemeinde lebt immer mit einer gewissen Angst, Opfer von Anfeindungen oder Anschlägen zu werden. Und der Anschlag auf die Synagoge in Halle vor knapp 2 Jahren zeigte ja, dass diese Angst leider nicht unbegründet ist.

Und neben dem offenen Antisemitismus gibt es auch den versteckten – gerade auch in den Reihen der Christen.

Wie oft habe ich schon zu hören bekommen, dass wir die Juden missionieren müssen, damit auch sie an Christus als den Messias glauben.

Warum können wir die Vielfalt unseres Glaubens an den einen Gott nicht einfach mal so stehen lassen?

Ihr seid mein heiliges Volk!

Unser Glaube ist aus dem jüdischen Glauben herausgewachsen. Vieles was zu ihrem Glauben gehört, hat auch einen Platz in unserer Religion.

Sie sind in gewisser Weise unsere großen Geschwister – von denen wir lernen können.

Ihre Geschichte, wie sie in der Bibel erzählt wird, ist immer auch ein Spiegel für unsere eigenen Geschichte: ganz persönlich aber auch als Glaubensgemeinschaft und als Volk.

Wir können aus ihren Fehlern lernen – aber auch aus ihrem Vertrauen. Aus ihrem Gottvertrauen.

Schlussendlich wird dieses heilige Volk nicht nur 3 Monate in der Wüste sein sondern 40 Jahre. In der damaligen Zeit ein ganzes Menschenleben! Und was sie auf diesem langen Weg erfahren, lässt sich immer wieder verbinden mit unserem Leben heute und unseren Erfahrungen in wüsten und dürren Lebensabschnitten. Lernen wir von und mit ihnen! In der Hoffnung, dass wir (Juden UND Christen) rückblickend irgendwann sagen können: wir sind angekommen – Gott hat uns geführt – auf Adlerflügeln getragen – er ist unser Gott – und wir sind sein erwähltes Volk. Amen.

Lied: Ose schalom bimromav (NL 17)

https://www.youtube.com/watch?v=2UZbB_ll4qQ

1) Der Frieden gibt in den Höh'n, schaffe auch Frieden für uns alle und für ganz Israel, und sprecht, und sprecht: Amen! (2x)

Frieden gibt der Herr, Frieden gibt der Herr, Frieden uns allen und für ganz Israel. Frieden gibt der Herr, Frieden gibt der Herr, Frieden uns allen und seiner ganzen Welt.

Frieden gibt er uns, Frieden gibt er uns, Frieden gibt er uns und für ganz Israel. Frieden gibt der Herr, Frieden gibt der Herr, Frieden uns allen und für ganz Israel. Frieden gibt der Herr, Frieden gibt der Herr, Frieden uns allen und seiner ganzen Welt.

2) Ose schalom bimromav hu ja-ase schalom alenu

we al kol Jisrael we imru, imru: Amen! (2x)

Ja-ase schalom, ja-ase schalom,

schalom alenu we al kol Jisrael! (5x)

Fürbittengebet mit Versen aus dem Psalm 122:

Wünschet Jerusalem Frieden!

Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

Voller Hoffnung bitten wir dich Gott, dass du die barmherzig begleitest, die sich als dein Volk verstehen. Lass deine Augen ruhen auf den Kindern Israels. Begleite die Geschicke des Staates Israels und seiner Nachbarn mit ihren jeweiligen Politikern. Wir hoffen auf ein Jerusalem, von dem der Friede ausgeht für alle.

Es möge Friede sein in deinen Mauern

und Glück in deinen Palästen!

Voller Hoffnung bitten wir, dass äußere Wunden und innere Verletzungen heilen, die jüdischen Mitbürgern in Deutschland zugefügt wurden und werden, oft auch von Christinnen und Christen.

Um meiner Brüder und Freunde willen

will ich dir Frieden wünschen.

Voller Hoffnung bitten wir dich: Stärke Juden und Christen auf ihren je eigenen Wegen. Gib uns den Blick für einander, wo wir getrennt gehen. Gib uns allen den Mut, dass wir, die wir an dich glauben, heilend in der Welt wirken.

Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes,

will ich dein Bestes suchen.

Voller Hoffnung bitten wir dich für unsere Kirche, die ihren Glaubensschatz aus dem Reichtum der jüdischen Tradition weiterträgt. Wir bitten für Menschen unterschiedlichen Glaubens, wenn sie sich begegnen in der Schule, bei der Arbeit, in der Freizeit: dass sie einander vertrauensvoll wahrnehmen und freundlich gesonnen sind. Dass sie ein Zeichen werden für den Frieden, den du Gott versprichst.

In der Stille bringen wir die Bitten vor dich, die uns selbst bewegen: STILLE

Vater unser im Himmel.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Hevenu schalom (EG 433)

https://www.youtube.com/watch?v=mZ_nbinWkvE

Hevenu schalom alejchem; Hevenu schalom alejchem; Hevenu schalom alejchem; Hevenu schalom, schalom, schalom alejchem.

(Wir wünschen Frieden euch allen; Wir wünschen Frieden euch allen; Wir wünschen Frieden euch allen; Wir wünschen Frieden, Frieden, Frieden aller Welt.)

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. (Amen, Amen, Amen)

Orgelnachspiel


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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