• Ute Braun

Gottesdienst am 11.10.2020 (18. Sonntag nach Trinitatis)



Gottesdienst mit Pfarrerin Ute Braun am Sonntag, den 11.10.2020, um 10 Uhr in unserer Evangelischen Kirche in Lichtenau.


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben).

Orgelvorspiel


Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 1 in moderner Übertragung (NL 901.2)

Der kann zufrieden sein, der nicht genötigt wird,

des Lied zu singen, des Brot er isst,

der Ja nicht sagt, wenn er Nein sagen muss.

Der kann gelassen seiner Wege gehen,

der sich nicht verläuft auf gängiger Laufbahn,

auf breitem Besitz,

der weder verschaukeln noch verschleudern sich lässt

zwischen halber Wahrheit und ganzen Lügen.

Wohl dem, den es freut, ins Lot zu kommen.

Der steht wie ein Baum.

Und wenn er Durst hat nach Gerechtigkeit,

dann sucht er die Quelle.

Da kann er haben, wenn er will, das Wasser des Lebens

umsonst.

(Arnim Juhre)

Eingangsgebet:

Herr, du hast uns gesagt und gezeigt, was gut ist und gut tut.

Du hast uns den Weg ins Leben gewiesen.

Deine Gebote vor Augen, tun wir doch nicht immer, was dem Leben dient.

Wir bitten dich, vergib uns.

Stärke unser Vertrauen und lass uns wachsen in der Liebe zu dir und den Menschen.

Erfülle uns heute mit Freude und Zuversicht, dir nachzufolgen und lass uns deine Gegenwart spüren.

Amen.

Evangelium: Markus 10,17-27

Als Jesus hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!

Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!

Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?

Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Lied: Wohl denen, die da wandeln (EG 295,1+2+4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1) Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit,

nach seinem Worte handeln und leben allezeit;

die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss' halten,

sind stets bei ihm in Gnad.

2) Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit,

weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit.

Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten,

verlass mich nimmermehr.

4) Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich,

so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich;

dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden,

durch deine Hand bereit'.


Predigtgedanken zu 5.Mose 30,11-14 (von Pfarrerin Ute Braun)


„Das schaff ich ja nie“, mag der junge Mann in unserem Evangelium gedacht haben, als er nach Jesu Worten traurig davon ging.

Er hatte wirklich die besten Absichten gehabt – hatte sein Leben lang die Gebote befolgt, hätte so viel gegeben, um zu den Nachfolgern Jesu zu gehören. Aber alles hergeben? Nein, das schaffte er einfach nicht!

„Das schaffen wir ja nie“ – mögen die Israeliten gedacht haben, als sie über viele Stunden Moses Rede zugehört hatten.

Nach 40 Jahren Wanderung durch die Wüste, waren sie nun kurz davor das gelobte Land zu erreichen.

Es war eine harte Zeit gewesen – zermürbend – ermüdend – für alle. Aber besonders für Mose!

Wie froh und erleichtert waren sie damals gewesen, als sie Ägypten verlassen durften und in die Freiheit zogen.

Wie hart stellte sich das Leben in dieser Freiheit dann aber heraus.

Krankheiten, Hunger, Zweifel – echte Dürrezeiten.

Dazu ein Volk das ständig murrte.

Und bald schon gab es die ersten Konflikte.

Streitigkeiten untereinander, Diebstähle – das ganze Programm.

Auch bei den Regelungen ihrer Speisegebote und ihrer religiösen Praxis gab es immer wieder Fragen und Auseinandersetzungen. Und immer wieder: ganz viel Zweifel.

Wo war der Gott denn, der sie aus Ägypten befreit hatte?

Und Mose hatte sich dann wirklich sehr bemüht, ihnen ihren Gott immer wieder nahezu bringen: durch Erzählungen und durch eine ganze Reihe an Geboten, die das Zusammenleben regeln sollten und auch ihr Glaubensleben.

40 Jahre lang hatte er das gemacht. Und nun war seine Zeit bald abgelaufen.

Er hatte keine Kraft mehr – und er wusste, dass er selbst das Gelobte Land auf der anderen Seite des Jordans nicht mehr betreten würde.

Ja, er hatte sogar schon einen Nachfolger bestellt: Josua, der das Volk in das neue Land hineinführen sollte.

Das letzte, was Mose nun noch wichtig war, war das Volk nochmal an alles zu erinnern, was sie erlebt, gehört und gelernt haben. Und dazu gehörten auch die vielen, vielen Lebensregeln. Wenn sie die befolgen würden, dann könnten sie im neuen Land in Frieden und unter Gottes Segen leben!

„Das schaffen wir ja nie“, dachten die Israeliten.

Die 10 Gebote – ja, die kannten sie. Sie trugen sie auf 2 Steintafeln mit sich, konnten sie nachlesen…

Aber die Gebote, die Mose ihnen nun nochmal ins Gedächtnis rief, waren mehr als 600.

Das war ihnen zu schwer, zu hoch – das schafften sie nie!

Und als hätte Mose, den inneren Widerspruch seines Volkes gehört, sagte er zu ihnen folgende Worte, die uns im 5.Mose 30 überliefert sind:

„Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“

Fast muss man ein bisschen schmunzeln über diese Worte. Es klingt so, als möchte Mose gleich allen Ausreden vorbeugen:

Ihr müsst nicht in den Himmel reisen, um die Gebote zu holen. Ihr müsst auch nicht über das weite Meer fahren, um sie zu befolgen. Ihr müsst noch nicht mal auf einen Berg klettern, um sie – wie damals die 10 Gebote – herunter zu holen. Ihr tragt sie bei euch – in euch.

Das Wort ist euch ganz nah – in eurem Mund, wenn ihr immer weiter erzählt, was wir mit Gott erlebt haben. Ihr tragt es in eurem Herzen. Ihr müsst es nur noch leben.

Leichter gesagt als getan?

Ich überlege mir, wie es mit den Geboten ist, die unser Leben bestimmen? Viele Gesetzesbücher füllen sie. Zu viele, um sie alle auswendig zu wissen.

Zu schwer, zu hoch?

Doch wenn wir genauer in uns hinein horchen, dann wissen wir, dass wir die wirklich wichtigen Gebote, die, die wir brauchen um ein gutes und friedliches Leben zu führen, in uns tragen. Wir sind damit aufgewachsen – von klein auf.

Sie wurden uns weitererzählt: von Mund zu Mund, von Generation zu Generation.

Wir tragen sie im Herzen – dort wo im Alten Israel der Sitz des Denkens und Fühlens lag – dort wo das Gewissen verankert ist.

Ja, wir tragen sie in uns. Bei jedem Fehltritt, den wir tun, meldet es sich sofort – unser Gewissen.

Wir wissen es eigentlich, wie wir zu leben und zu handeln haben – allein: wir halten uns nicht immer daran!

„Das schaff ich ja nie!“

Auch wir haben diesen Satz schon oftmals gesagt oder zumindest gedacht. Nicht unbedingt in dem Zusammenhang wie es das Volk Israel bei Mose tat – denn unsere Fragen kreisen selten darum, ob wir alle 600 oder mehr Lebensregeln wissen und befolgen.

Nein, unsere Anfrage berührt eher die Frage des jungen Mannes aus dem Evangelium: wie führe ich ein gutes und befreites Leben? Wie gestalte ich mein Leben, dass Gottes Segen darin spürbar wird.

Es fängt ja schon bei unseren ganz persönlichen, alltäglichen Herausforderungen an: wie schaff ich das? Wie kann ich erfüllen, was andere von mir erwarten? Wie kann ich leisten, was mein Arbeitgeber, meine Familie und ich selbst von mir fordern? Wie schaffe ich all das, ohne zu scheitern oder daran zu zerbrechen?

Und es wird noch viel überwältigender, wenn ich von meinem eigenen Leben wegschaue auf meine Verantwortung in der Gesellschaft und in der Welt.

Wie soll ich all das schaffen?

Auch da weiß ich im Grunde, wie ich zu leben und zu handeln habe – und zugleich fühle ich mich davon überfordert. Es ist so viel, was da im Argen liegt. So viel, wofür ich kämpfen, mich einsetzen müsste.

Unerreichbar scheint mir das – als wäre es weit entfernt im Himmel oder über dem weiten Meer!

Und ich bin versucht mich wegzuducken, herauszureden.

Es ist zu groß, zu schwer, zu umfassend – das schaff ich nicht. Dann lass ich es lieber gleich! Oder?

„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“

Für mich ist dieses „Wort“ Gottes viel mehr, als Gebote und Lebensregeln.

Für mich steckt darin auch jede Zusage, die Gott uns Menschen macht. Jeder Segenszuspruch. Jeder Trost.

All die Zusagen, die er mir macht, wenn ich mal wieder denke: das schaff ich ja nie!

Es ist sein „Ich bin mit dir“, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Es ist sein „Ich stärke dich“, wenn ich mich müde oder überfordert fühle.

Es ist sein „Ich tröste dich“, wenn ich um einen Menschen trauere.

Es ist sein „Ich halte dich“, wenn ich mich alleingelassen fühle oder Angst habe.

Ja, es ist sogar sein „Ich vergebe dir“, wenn ich mal wieder scheitere und einem anderen schade oder ihn verletze. Der Zuspruch, den ich dann brauche, um neu zu beginnen und es anders zu machen.

Wir tragen diese Worte in unserem Herzen. Sie wollen uns helfen – unser Leben zu meistern und Gottes Segen darin zu erfahren. Heute und jeden Tag.

Amen.

Lied: Schenke mir Gott ein hörendes Herz (NL 190,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1.) Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt.

Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. (2x)

2.) Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt.

Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. (2x)

3.) Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag.

Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. (2x)

Schlussgebet:

Guter Gott,

du schenkst uns dein Wort – als Orientierung für unser Handeln, als Zuspruch in allen Herausforderungen, als Grundlage unseres Glaubens.

Du hast es uns ins Herz gelegt, damit wir es leben.

Es macht uns Mut, neue Erfahrungen zu wagen, Schuld zu vergeben, Schwache zu unterstützen, Mutlose aufzurichten, für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen!

Wir bitten dich um dein tröstendes Wort für alle, die trauern.

Wir bitten um deine Wegweisung, für alle, die auf der Suche sind und sich in der Welt zu verlieren drohen.

Um dein liebevolles Wort bitten wir, damit es Menschen umhüllt, die sich verlassen fühlen.

Öffne unser Herz, Gott, damit wir unser Denken und Handeln verändern.

Lass uns gegen Hass und Gewalt aufstehen und uns stark machen für mehr Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt.

Lass dein Wort in unseren Kirchen mächtig sein, dass sie Orte der Zuflucht und der Geborgenheit sind gerade in diesen unruhigen Zeiten.

Bewege uns durch dein Wort, Gott, damit wir Kindern und Jugendlichen freundliche Ratgeber sind, auf die sie sich verlassen können.

Lass uns für Alte, Kranke und Sterbende gute Begleiter sein, die zuhören und trösten können.

Und wo wir selbst uns schwach und hilflos fühlen, da richte du uns selbst auf, mit deinem Wort, das uns für das Leben stärkt.

STILLE


Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.


Lied: Lass uns in deinem Namen, Herr (NL 172,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr,

heute und morgen zu handeln.

2. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr,

heute die Wahrheit zu leben.

3. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr,

heute von vorn zu beginnen.

4. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr,

mit dir zu Menschen zu werden.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen.


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