Gottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis, 19.09.2021

Aktualisiert: Okt 2



Ökumenischer Gottesdienst zur „Woche der Nachhaltigkeit“ am 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 2021

im Münster in Schwarzach um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Braun, Pfarrer Woschek und Gemeinde Referentin Brugger


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Zum Einzug: Orgelspiel; anschl.:

Lied: KR 103/Ökum.LB Eine Handvoll Erde…

(Str. 1-3 – im Liedheft)

https://www.youtube.com/watch?v=Y2F_TeTVb5E


Eröffnung und Einführung: (Pfr. Woschek)

Wir haben uns hier versammelt

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

um die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,

die Liebe Gottes, des Vaters,

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes zu empfangen.

Amen.


Herzlich willkommen zu unserem ökumenischen Gottesdienst.

Anlass dafür ist die diesjährige Woche der Nachhaltigkeit,

die mit dem heutigen Tag beginnt.

Sie hat als Thema

ein Bibelwort aus dem 9. Kapitel des Lukasevangeliums:

„Was würde es dem Menschen nützen,

wenn er die ganze Welt gewinnt,

dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lk 9,25)

Es nützt nichts, beruflich erfolgreich zu sein

und dabei die eigene Gesundheit zu ruinieren.

Es nützt nicht viel, gut vernetzt zu sein,

wenn darunter keine tragenden Freundschaften sind.

Es nützt auch nicht viel, immer mehr Wissen anzuhäufen,

wenn daraus kein kluges Handeln entsteht.

Ebenso nützt es uns Menschen auf Dauer nichts,

der Tier- und Pflanzenwelt

immer mehr den Lebensraum zu rauben,

wenn dann Viren aus dieser Tierwelt

auf uns Menschen überspringen –

und unser ganzes Zusammenleben gefährdet wird.

Zu fragen ist:

Wie finden wir heraus aus dieser Spirale der Zerstörung,

mit der wir die Welt und uns selbst gleichzeitig beschädigen?

Wie kommen wir zu einem Leben,

das zum Gewinn wird

für uns und für unsere gesamte Mit-Welt?

Statt selbst Schaden zu nehmen

und zugleich Schaden zu verursachen?

Für diese alte Grundfrage

gibt es in unserer Zeit sogar ein Sehnsuchtswort:

„Nachhaltigkeit“.

In ihm steckt die tiefe Sehnsucht nach Leben mit Zukunft.

Aber wie geht das? Können wir das schaffen?

Oder geht es hier gar nicht in erster Linie um unser „Schaffen“?

Gibt es hier eine gute Spur Gottes wieder zu entdecken,

der wir uns anvertrauen können?

Eine Spur, die uns und allem Lebendigen

wirklich und langfristig nützt?

Eine erste Antwort gibt uns der Psalm 92.

Er gehört zur jüdischen Sabbatliturgie am Freitagabend.

Lasst uns ihn nun abwechselnd beten.

Sie finden ihn auf dem Liedblatt.





Psalm 92 (Auszüge – abwechselnd beten; im Liedheft)

(Evang. LektorIn)

V Wie groß sind deine Werke, HERR, *

wie tief deine Gedanken!

A Wie groß sind deine Werke, HERR, *

wie tief deine Gedanken!

Gut ist es, dem HERRN zu danken, *

deinem Namen, du Höchster, zu singen und zu spielen,

am Morgen deine Huld zu verkünden

und in den Nächten deine Treue, *

zur zehnsaitigen Laute und zur Harfe,

zum Spiel auf der Leier.

Denn du, HERR, hast mich durch dein Wirken froh gemacht, *

über die Werke deiner Hände will ich jubeln.

Wie groß sind deine Werke, HERR, *

wie tief deine Gedanken!

Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht, *

ein Tor kann es nicht verstehen.

Der Gerechte sprießt wie die Palme, *

er wächst wie die Zeder des Libanon.

Gepflanzt im Haus des HERRN, *

sprießen sie in den Höfen unseres Gottes.

Sie tragen Frucht noch im Alter *

und bleiben voll Saft und Frische;

sie verkünden: Der HERR ist redlich, mein Fels! *

An ihm ist kein Unrecht.

A Wie groß sind deine Werke, HERR, *

wie tief deine Gedanken


Gebet: (Pfrin. Braun)

Lebendiger Gott,

wir danken dir für die unbändige Lebenskraft,

mit der du deine Schöpfung beschenkt hast.

Wir danken dir für den fruchtbaren Boden,

das erfrischende Wasser, den Sonnenstrahl, das Samenkorn,

die Knospe und die Blüte.

Sie singen dir ein Loblied – genauso wie die Tiere es tun.

Mit ihnen danken wir dir für das Geschenk des Lebens:

für die Luft zum Atmen, für alles, was uns umgibt.

Wir bitten dich:

Hilf uns zu staunen über die Vielfalt in deiner Schöpfung

und sie behutsam mitzugestalten.

Hilf uns zu erkennen, was Unrecht ist –

und was wir daran ändern können.

Hilf uns auch, das gemeinsam zu tragen,

was wir nicht verändern können.

Gott, du bist unser Fels in schwerer Zeit.

Du gibst deine Schöpfung und uns nicht auf.

Hilf uns, dir zu vertrauen

in all den großen Ängsten um das Leben,

die wir mit uns tragen in dieser Zeit.

Und hilf uns, gute Frucht zu bringen mit unserem Leben –

dir zur Ehre und der ganzen Schöpfung zum Segen. Amen.


Aktion / Anspiel: Was siehst du?


(Zwei Personen – A + B - schauen jeweils durch ein Fernglas -

oder halten sich die Hand über die Augen

und schauen in die Ferne - in verschiedene Richtungen.)

A: Was siehst Du?

B: Ich sehe nichts... es wirkt wie eine Wüste.

Überall das Gleiche - wohin ich auch schaue:

Saatgutfelder einer Fabrik,

die uns die Felder genommen hat.

Ich sehe hier keine Perspektive für uns.

Hier kann ich nicht bleiben.

Und was siehst Du?

A: Ich sehe Felder und Gärten:

Auf ihnen wachsen verschiedene Gemüse und Früchte.

Ich sehe Menschen, die ihr eigenes Land bewirtschaften.

Hier habe ich eine Perspektive.

Hier will ich bleiben.

B: Ich sehe: Hier herrscht das kalte Recht des Stärkeren.

Das Land wurde den Bauern abgenommen;

nur eine Sorte Getreide wird angebaut.

Die Schwächeren unterliegen hier.

Sie haben keine Perspektive.

A: Ich sehe: Hier herrscht Gerechtigkeit und Sicherheit.

Vielfältiges kann wachsen.

Alle dürfen sich einbringen mit dem was sie können

und werden fair behandelt.

Viele sind Teilhaber an einem großen Ganzen.

Sie bekommen, was sie zum Leben brauchen.

Das ist eine gute Perspektive für alle.

B: Ich sehe: Menschen und Natur werden ausgebeutet

für den Profit anderer.

Sie leiden und können hier nicht überleben.

Für sie gibt es keine Perspektive, um zu bleiben.

A: Ich sehe: Gottes Schöpfung wird wertgeschätzt.

Viele bemühen sich, sie zu erhalten.

Hier gibt es Perspektiven für alle.

B: Ich sehe: Menschen gehen gewalttätig aufeinander los.

Hier zu leben ist gefährlich.

Hier zu bleiben ist keine Perspektive!

A: Ich sehe: Ein Land, in dem Friede herrscht

und in dem alle in Sicherheit wohnen können.

Welch eine schöne Perspektive! ---


Kurze Stille


Lied: GL 481 / EvGB 262 Sonne der Gerechtigkeit…

(Str. 1+5+6 – im Liedheft)

https://www.youtube.com/watch?v=ZASzYE75EYA


Überleitung zur Schriftlesung: (Pfr. Woschek)

„Sonne der Gerechtigkeit, / gehe auf zu unsrer Zeit“

haben wir eben gesungen.

Und: „Lass uns deine Herrlichkeit / sehen auch in dieser Zeit“.

Wie Jesus sich das vorgestellt hat,

das hören wir nun in der Lesung aus dem Lukasevangelium.


Bibeltext: Lukas 4, 18–19 (Gute-Nachricht-Bibel)

(Evang. LektorIn)

Am Sabbat

besucht Jesus die Synagoge in seiner Heimatstadt Nazareth.

Dort wird ihm für die Lesung

die Schriftrolle des Propheten Jesaja gereicht.

Jesus rollt sie auf und liest:

Der Geist des Herrn ruht auf mir,

weil er mich berufen und bevollmächtigt hat.

Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen.

Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen,

den Blinden sage ich, dass sie sehen werden,

und den Unterdrückten,

dass sie von jeder Gewalt befreit sein sollen.

Ich verkünde ihnen ein Jahr,

in dem der Herr seine Gnade zeigt.


Begrüßung der MitarbeiterInnen vom Bühler Weltladen

(Pfr. Woschek)



Ansprache von Herrn Krippl

aus dem Leitungsteam des Bühler Weltladens



Mögliche Inhalte / Bausteine:

Weltladen möchte durch seinen Einsatz für den fairen Handel

a) für eine gerechte Entlohnung der Erzeuger sorgen,

b) sich für ein anderes Miteinander der Akteure entlang der

Lieferkette einsetzen;

c) den Menschen in den Mittelpunkt stellen, und nicht den

Profit;

d) auf Missstände im globalen Handel aufmerksam machen;

e) damit – zumindest im Kleinen – für eine gerechtere Welt

eintreten.

Vgl.: Charta des Fairen Handels:

„Die Bewegung des Fairen Handels teilt die Vision einer Welt,

in der sich Handelsstrukturen und -praktiken

an Gerechtigkeit, Gleichberechtigung

und nachhaltiger Entwicklung orientieren,

so dass alle Menschen durch ihre Arbeit

einen angemessenen und würdigen Lebensunterhalt

aufrechterhalten und ihr Potenzial voll entfalten können.“

Die Welt ist nicht gerecht.

Vom aktuellen Welthandelssystem

profitiert nur ein kleiner Teil der Menschheit,

während unzählige Menschen –

vor allem in den Ländern des Globalen Südens -

trotz harter Arbeit ums tägliche Überleben kämpfen.

Der Faire Handel stellt dem

eine eigene Vision der Globalisierung entgegen –

seit fast 50 Jahren.

Der Faire Handel ist zu Beginn der 1970er Jahre entstanden –

in einer Zeit, in der in Deutschland Zehntausende

gegen ungerechte Regeln im Welthandel protestierten.

Konfessionelle Jugendverbände

wollten unter dem Motto „Lernen durch Handeln“

auf die ungerechten Welthandelsstrukturen

aufmerksam machen.

Im Jahr 2001 haben sich

vier internationale Dachorganisationen des Fairen Handels

auf folgende Definition des Fairen Handels verständigt:

„Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft,

die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht

und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.

Durch bessere Handelsbedingungen

und die Sicherung sozialer Rechte

für benachteiligte Produzent/innen und Arbeiter/innen –

insbesondere in den Ländern des Südens –

leistet der Faire Handel

einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich

(gemeinsam mit Verbraucher/innen)

für die Unterstützung der Produzent/innen,

die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit

zur Veränderung der Regeln und der Praxis

des konventionellen Welthandels.“

2018 haben

die World Fair Trade Organization und Fairtrade International

die Charta des Fairen Handels erarbeitet.

Sie legt die grundlegenden Werte des Fairen Handels fest

und definiert eine gemeinsame Vision

zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele

der Vereinten Nationen (SDGs).

Der Faire Handel

verbessert die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Menschen

am Anfang der Lieferkette

und schafft so Zukunftsperspektiven

für derzeit rund 2,5 Mio. Menschen in mehr als 70 Ländern.

Trotz der belegten positiven Wirkungen des Fairen Handels

ist der Weg zu einem gerechten Welthandel noch weit.

Zum einen müssen die Umsätze des Fairen Handels

weiter deutlich steigen, damit mehr Menschen

von seinen Leistungen profitieren können.

Zum anderen

dienen zahlreiche internationale Handelsabkommen

in erster Linie den Interessen der Länder des Nordens,

statt Perspektiven für die Menschen im Süden zu schaffen.

Eine Ausweitung des Fairen Handels ist also nach wie vor

dringend geboten.


Meditatives Orgelspiel


Predigt: (Pfrin. Braun)


„Nachhaltigkeit“ - ein Sehnsuchtswort. So hat es Pfr. Woschek bei seiner Einleitung genannt, denn in ihm steckt die tiefe Sehnsucht nach Leben mit Zukunft.

Ein Leben mit Zukunft – der Faire Handel und die Arbeit der Eine-Welt-Läden ist ein Teil davon – ein wichtiger Teil.

Aber damit verbunden ist noch viel mehr: die gerechte Verteilung der Güter in der Welt gehört da dazu – Gerechtigkeit und das Leben in Frieden – Kampf gegen Armut – Zugang für alle Menschen zu Bildung und ärztlicher Versorgung.

Vielleicht winken Sie jetzt ab und sagen sich: das wissen wir ja alles – das ist ja nix Neues. Dafür brauche ich keine faire Woche und keinen Ökumenischen Gottesdienst. Doch dann erlauben Sie mir die Rückfrage: wissen Sie es nur, oder leben Sie es auch?

Ich ertappe mich immer mal wieder dabei, dass ich mich hier in Deutschland, im westlichen Europa, in der Regel sehr sicher fühle. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen: das beginnt bei ausreichend Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser und reicht bis zu einer qualifizierten ärztlichen Versorgung. Und gerade weil ich mich hier so sicher fühle, verliere ich dann manchmal die anderen aus dem Blick. Mache ich mir oft keine Gedanken darüber, was es für Menschen in Nicaragua und anderen Orten bedeutet, wenn ich hier Kaffee oder auch Schokolade zu Billigpreisen kaufe. Beim Kauf neuer Bekleidung achte ich auf die aktuelle Mode und auch auf eine gute Verarbeitung – aber schaue ich auch danach, unter welchen Bedingungen diese Kleidungsstücke produziert wurden? Ob die Schneider angemessen entlohnt wurden, durchs Einfärben keine Gewässer verschmutzt wurden oder Arbeiter gesundheitlichen Risiken durch ätzende Chemikalien ausgesetzt wurden? Habe ich im Blick, dass für manche Technik, die ich hier nutze, Kinder in Mienen geschickt werden, um wertvolle Rohstoffe zu bergen, die für die Herstellung von Akkus, Computerbauteile und andere Technik gebraucht werden?

Nachhaltig, Fair – das hat all das im Blick: gerechte Löhne, Zukunft für alle Menschen – auch im Blick auf Bildung und Versorgung – Schutz von Geschöpfen und Umwelt. Einen Umgang mit unserer Welt, der auch unseren Kindern und Enkeln noch eine lebenswerte Zukunft auf dieser Erde ermöglicht.

„Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“

Die Frage ist so formuliert, dass uns die Antwort schon auf die Zunge gelegt wird: nichts würde es ihm nützen – gar nichts! Denn der Punkt ist, dass wir nicht für uns allein leben – nicht in unserer Gemeinde, nicht in unserem Land und schon gar nicht in unserer Welt. Wir sind vernetzt und verbunden – ob wir das wollen oder nicht. Was wir tun, hat Auswirkungen auf mein eigenes Leben aber auch auf das vieler anderer – ja sogar auf die Welt als Ganzes. Und wie schnell das dann gehen kann, das auf einmal die ganze Welt aus dem Gleichgewicht gerät, und es sich dann auch bei uns gar nicht mehr so sicher anfühlt, das haben wir ja in den letzten 1 ½ Jahren ganz hautnah erfahren können.

Nachhaltigkeit – ein Sehnsuchtswort… und unser Auftrag ist es, dafür zu sorgen, dass es nicht ein Sehnsuchtswort bleibt sondern Wirklichkeit wird – für uns alle!

In der Schöpfungsgeschichte ganz am Anfang wird es schon so erzählt: uns Menschen wurde die Verantwortung für die ganze Schöpfung übertragen – nicht zum Ausnutzen, ja Ausbeuten – sondern um zu bewahren und zu schützen. Das ist unser Auftrag!

In den Worten Jesu kommt zum Ausdruck, was uns als Christen aufgetragen ist: Fürsorge für den Armen, Freiheit für die Gefangenen und Unterdrückten, Schuldenerlass – ein Gnadenjahr oder besser noch: Gnadenjahre für alle Menschen.

Und als Jesus über die Nachfolge spricht, da sagt er diese Worte, die über der Fairen Woche in diesem Jahr steht:

„Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“