Gottesdienst am 2. Advent, den 06.12.2020



Gottesdienst am 2. Advent, den 06.12.2020, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Vikarin Nadine Kempf


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Votum

Gott über uns. Gott um uns. Gott in uns.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


https://www.youtube.com/watch?v=0KsD97nv3u4


NK:

Mit dieser musikalischen Einstimmung begrüße ich Sie alle recht herzlich an diesem 2. Advent! Frau Braun hat nicht zu viel versprochen und so freue ich mich, dass ich heute hier stehe und mit Ihnen gemeinsam Gottesdienst feiern kann.

„Machet die Tore weit!“, komponiert im 17. Jhd. von Andreas Hammerschmidt.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Machen wir uns auf den Weg, in dieser Zeit. Machen wir uns bereit, für den König!



Hören wir Psalm 24.


Psalm 24

Ein Psalm Davids.

1 Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 2 Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. 3 Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? 4 Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: 5 der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. 6 Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs. 7 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! 8 Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. 9 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! 10 Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.



Gloria Patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.

Gebet

Gott, eine besondere Zeit hat begonnen:

Advent. Die zweite Kerze brennt.

Wir sollen uns öffnen mit Herzen und Sinnen.

Dir zujubeln – dem König der Ehren.

Dabei ist uns in diesem Jahr gar nicht zum Jubeln zu Mute.

Die Umstände mit dem Virus lähmen uns, lassen uns einsam zurück, bringen uns an unsere Grenzen.

Herr, wir bitten dich: Komm du in unsere Mitte.

In unser Fragen. In unsere Kraftlosigkeit. In unser Ausharren und in unser Hoffen.

Komm du in unsere Mitte, dass wir bereit werden, dich zu empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.

Lumpen, Kleider, Kron' und Palmzweig'. Hören wir das Evangelium für diesen Sonntag.


Biblischer Text: Matthäus 21

1Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

4Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sach 9,9): 5»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! 10Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? 11Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Lied EG 11 „Wie soll ich dich empfangen“ https://www.youtube.com/watch?v=ZnyYRz1Kc_w

1) Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir,

o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.


2) Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen / in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, / so gut es kann und weiß.


3) Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, / da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht.


4) Ich lag in schweren Banden, / du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, / du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren / und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, / wie irdisch Reichtum tut.


5) Nichts, nichts hat dich getrieben / zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, / damit du alle Welt in ihren tausend Plagen / und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, / so fest umfangen hast.


Predigt zu Sach 9,9f.


Liebe Gemeinde.


Ich stehe in der Küche. Auf dem Fenstersims das Radio. Es trällert vor sich hin. Dann ein bekanntes Lied. Silbermond – eine Band mit Stephanie Kloß als Frontsängerin. Sie singt: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit. In einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.“

Ich schau aus dem Fenster. Die ersten Schneeblumen. Lausche. Gepackt voller Sehnsucht träume ich von dieser Sicherheit.

Dann im November. Vor zwei, drei Wochen im Konfi. Da habt ihr überlegt: „Woran leiden Menschen heute?“ Eure Antworten: „Krieg, Hunger, Gewalt, Mobbing, Corona.“

(Unsicherheit als ein Leiden)

Ich für mich ergänze: Unsicherheit und Angst. Unsicherheit und Angst begegnen mir in diesen Krisenzeiten so oft. In der Schule, in der Gemeinde, privat: Was ist, wenn ich mich an dem Virus anstecke? Was ist mit den Menschen, die alleine sind? Was ist, wenn Kurzarbeit anhält?

Im Konfi habt ihr weiter gedacht: „Was würde den Menschen gut tun? Nach was sehnen sich diese Menschen?“

Eure Antworten: „Dass es aufhört! Dass Frieden herrscht! Dass Machthaber aufhören, ihre Macht auszunutzen, und gerecht handeln! Dass sich jemand auf die Seite derer stellt, die gemobbt werden! Dass Essen gerecht verteilt wird! Dass es einen Impfstoff gibt!“

Mir kommt wieder das Lied in den Sinn: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit. In einer Welt in der nichts sicher scheint.“ Ja, denke ich. Was wir in diesen Zeiten brauchen ist ein kleines bisschen Sicherheit. Etwas, worauf wir uns verlassen können! Was uns Hoffnung schenkt und Mut!


Wechseln wir die Bühne. Israel um 300 v. Chr. Hellenistisches Zeitalter. Der Prophet Sacharja greift zum Stift. Für ihn herrschen ungewisse Zeiten. Was ihn beschäftigt: Wie sieht die Zukunft des Landes aus? Wird es jemals wieder friedlich zugehen? Wer steht für Israel ein? Und: Wann kommt Gott zurück – zurück nach Zion, auf den Heiligen Berg?

Sacharja denkt zurück: Die Spuren der letzten Jahrhunderte kleben an Mauern und in Herzen. So viel Folter und Schmerz. Exil – erst veranlasst durch die Babylonier (597/6 v. Chr.). 10 Jahre später der große Knall. Peng. Der Tempel in Jerusalem - zerstört. Dann kommen die Perser an die Macht (539 v. Chr.). Neue Hoffnung. Der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem wird erlaubt – Hurra! Im Gegenzug muss dem persischen König Treue geschworen werden. Es folgt die nächste Schlacht 332. Alexander der Große zieht ein. Aber auch er bleibt nicht ewig. Und jetzt? Wie soll es bitte weitergehen mit Jerusalem?

Jahrhunderte – schwankend zwischen Hoffen und Bangen. So groß ist die Sehnsucht nach Befreiung, Sicherheit und Frieden.

Der Prophet Sacharja, er greift zum Stift. Zwischen Blut und Kriegsgeschrei, hinein in fliegende Pfeile und Schleudersteine, schreibt er:

Sach 9,9f.

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Es ist, wie wenn ein lautes Signal ertönt inmitten von Jerusalem, das durch alle Lautsprecher geht. Wie ein Leuchtfunken am Himmel. Die Worte hallen nach. Gott spricht. Und mit was für einer Wucht: „Siehe, es kommt ein König. Ein irdischer. Er wird Gerechtigkeit leben. Durch und durch. Ihm werde ich helfen, das neue Königreich zu bauen. Anders aber als ihr es denkt: Mit einem Mann des Friedens. Arm, gebeugt, sanftmütig. In Demut verzichtend auf Macht und Rang. Mit einem Wort wird er regieren: Shalom! Frieden! Keine militärische Gestalt, nein. Einen Mann des Friedens wer ich euch schicken! Ja, los! Worauf wartet ihr? Freut euch!“


Mit diesen zwei Versen unterbricht Sacharja das blutige Kampfszenario. Einen Esel setzt er den Kriegspferden entgegen. Einen Friedensfürst stellt er in Aussicht. Aber nicht mit Fragezeichen – sondern mit einem Ausrufezeichen!


Ein Friedensfürst, wie Jesus es ist für uns. Kein König mit samtigen Kleidern und Krone. Nein. Jesus, der Messias, zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. (Mt 21) Wir haben es in der Schriftlesung gehört. Jesus lässt sich anders feiern: Aus Kleidern und Lumpen richten sie ihm den roten Teppich. Jesus. Gott. Mensch. König. Retter für uns. So nah liegen Ostern und Advent zusammen.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Es gilt! Damals. Heute!

Ich denke zurück an die Konfi-Stunde. „Und was haben Situationen von heute mit Versen aus der Bibel zu tun?“ Ihr so: „Dass die damals auch schon dieselben Themen hatten wie wir heute. Dass das heute immer noch gilt, was damals aufgeschrieben wurde.“


Ich lächle in mich hinein und nicke. Stimmt, denke ich. Die Unsicherheit, die Hoffnungslosigkeit, ich kann sie spüren bei Sacharja – und bei uns. Einfach kein schönes Gefühl.

Jetzt summe ich diesen Vers von Silbermond: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit. In einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.“

Fast wie ein Gebet.


Und Gott – er hört es. Sacharjas Worte sind seine Antwort:

Ich bin deine Sicherheit. Ich komme und ich bleibe! Siehe, dein König kommt zu dir! Mit großer Sicherheit! Ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht. Mit großer Sicherheit! Er kommt hinein in diesen Advent 2020. Mit großer Sicherheit! Gott schenkt sich uns als Mann des Friedens, als Schöpferin der Welt. Das gilt. Mit großer Sicherheit!

Darum: Machet die Tore weit. Und die Türen in der Welt hoch! Dein König kommt zu dir! Mit großer Sicherheit, auch dieses Jahr! Amen.

Lied EG 1,1-5 „Macht hoch die Tür“ https://www.youtube.com/watch?v=e2NA6hHVTSw 1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.


2) Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.


4) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu'r Herz zum Tempel zubereit'. Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, ja, Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.


5) Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.


Fürbitt-Gebet

Wir beten:

Du Friedenskönig, Jesus Christus, die ganze Welt wartet: auf das Ende der Pandemie, auf das Schweigen der Waffen, auf die Versöhnung der Verfeindeten, auf die Gerechtigkeit für die Verachteten, auf die Heilung der Wunden, auf das Versiegen der Tränen.

Die ganze Welt wartet:

auf Trost, Liebe, Frieden.

Wir bitten dich:

Komm, du Friedenskönig, Jesus Christus, damit die Mächtigen weise werden. Komm, damit die Obdachlosen Schutz finden, damit die Armen satt werden.

Wir bitten dich: Komm zu uns, in unsere Gemeinde, damit die Kraftlosen Halt gewinnen und die Fragenden Antworten finden.

Komm, damit die Kranken aufatmen und die Trauernden Trost finden.

Komm, damit du uns Licht bist und wir Licht sein können für andere. Worum wir dich sonst noch bitten, was uns sonst noch auf der Seele liegt, das bringen wir in der Stille vor dich: Stille.

Gemeinsam beten wir:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied EG 13,1-3 https://www.youtube.com/watch?v=tDal59RiGjI Tochter Zion, freue dich

1) Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

2) Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3) Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

Empfangt Gottes Segen für den Weg, auf den wir uns machen.

Segen


Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen.




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - finden Sie auf: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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