• Ute Braun

Gottesdienst am 22.11.2020 (Ewigkeitssonntag)



Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 22.11.2020, auf drei Friedhöfen in unserer Gemeinde mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Musikstück: Wachet auf…

https://www.youtube.com/watch?v=gY2MyzM1rW8


Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnesund des Heiligen Geistes. Amen.


Eingangsspruch (aus Offenbarung 21)

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; und ich hörte eine große Stimme, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.


Eingangsgebet

Gott, du warst dabei, als ich gezeugt wurde,

als ich geboren wurde, hast meinen ersten Herzschlag begleitet.

Gott, du bist dabei in meinem Leben,

nimmst Anteil, lässt mich nicht allein.

Auch wenn ich dich nicht immer spüre,

so weiß ich mich dennoch geborgen in deiner Liebe.

Gott, du wirst auch dabei sein, wenn das Leben vergeht

und das Herz zu schlagen aufhört.

Denn du bist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Im Vertrauen, dass du dabei bist, sind wir heute auch hier auf dem Friedhof.

Im Vertrauen, dass du dabei warst, erinnern wir uns hier und heute noch einmal an unsere Verstorbenen.

Im Vertrauen dass du dabei bleibst, halten wir uns an der Hoffnung fest, dass die, die wir loslassen mussten, schon längst bei dir aufgehoben sind in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.


Schriftlesung: Johannes 20 in Auszügen (Basisbibel)

Am ersten Wochentag nach dem Sabbat ging Maria aus Magdala zum Grab. Es war früh am Morgen und noch dunkel.

Da sah sie, dass der Stein vor der Grabkammer entfernt worden war. Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte.

Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein.

Da sah sie zwei Engel. Sie trugen leuchtend weiße Gewänder und saßen dort, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte.

Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende.

Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?«

Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn fortgebracht. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!«

Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war.

Jesus fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?«

Maria dachte: Er ist der Gärtner. Darum sagte sie zu ihm: »Herr, wenn du ihn fortgeschafft hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!«

Jesus sagte zu ihr: »Maria!«

Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: »Rabbuni!«


Musikstück: Meine Zeit (EG 644,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=juoSpLJB9o0

Refrain: Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.


1. Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.

Vater, du wirst bei mir sein.

Refrain: Meine Zeit steht in deinen Händen…

2. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen mich gefangen, jagen mich. Herr ich rufe: Komm und mach mich frei!

Führe du mich Schritt für Schritt.

Refrain: Meine Zeit steht in deinen Händen

3. Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn. Hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag, wo sie geblieben sind.

Refrain: Meine Zeit steht in deinen Händen

Predigtgedanken zu Johannes 20

Ganz bewusst habe ich diesen Ausschnitt aus der Ostergeschichte für heute ausgewählt:

Eine trauernde Frau, die auf den Friedhof kommt, um dem noch einmal nahe zu sein, den sie vermisst.

Auf einem Friedhof, der sicher anders aussah als unserer hier, aber der auch damals ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens war. Ganz ähnlich also wie heute.

Und das, was von Maria so menschlich erzählt wird, erinnert Sie vielleicht auch an die Gefühle, die Sie in den letzten Monaten durchlebt haben.


Auch Sie mussten sich im vergangenen Jahr von einem Menschen verabschieden, der ein wichtiger Teil Ihres Lebens war. Mancher Abschied fiel etwas leichter, weil der Mensch, den Sie gehen lassen mussten, ein hohes Alter erreicht hat und sein Leben im besten Sinne gelebt hat.

Manche Abschiede empfanden Sie vielleicht sogar als Erlösung, weil eine lange schwere Krankheit für den Sterbenden und auch für Sie schwer auszuhalten war.

Viele der Abschiede tun aber einfach weh, weil wir einen Menschen loslassen mussten, den wir noch so gerne bei uns behalten hätten.

Ähnlich wie es von Maria erzählt wird. Sie hatte der Tod ihres Lehrers und Freundes völlig unvorbereitet getroffen. Sie hatten doch noch so viele Pläne für ihr Leben gehabt.


An diesem Morgen kommt Maria zum Grab. Dem noch einmal nahe sein, den Sie loslassen musste. Ihm noch etwas Gutes tun. Und ich glaube, auch dieses Bedürfnis können wir nachempfinden: Wir alle haben wohl solche Orte, die wir auf besondere Weise mit unseren Verstorbenen verbinden. Für manche ist es das Grab. Sie kommen immer wieder her, stellen neue Blumen auf, legen bunten Steine und Figuren hin, zünden Kerzen an. Kleine symbolische Gesten, um wenigstens ETWAS tun zu können. Andere haben vielleicht einen ganz anderen Ort, wo Sie dem Verstorbenen nahe sein können. Ein Ausflugsziel, wo man immer wieder war, eine Bank im Hof, ein Plätzchen im eigenen Garten.

Wir brauchen solche Orte für unsere Trauer – um uns zu erinnern und uns weiter verbunden zu fühlen.


Maria in der Geschichte wird dieser Ort nun genommen. Das Grab ist leer. Der Mensch, dem sie nahe sein will, ist weg.

Maria ist so in ihrem Schmerz gefangen, dass sie nichts mehr sieht und nichts mehr hört. Die Worte der Engel, sie dringen gar nicht mehr zu ihr durch. Und auch den Mann, der zu ihr tritt, erkennt sie nicht.

Vielleicht ist auch das eine Erfahrung, die Sie im letzten Jahr gemacht haben? Da war die Trauerfeier, tröstende Worte von Freunden und Nachbarn. Sie hörten sie alle. Aber nur wenige davon drangen durch. Erst später beim Nachlesen der Ansprache und der Kondolenzkarten nahmen Sie wahr, wer alles an Sie gedacht hat. Wieviele es waren, die versucht haben, Sie zu trösten und für Sie dazu sein. Welche Worte erst mit der Zeit zu Ihnen durchdrangen.


Bei Maria ist es schließlich nur ein Wort, das bis in ihr Innerstes vordringt. Vielleicht ist es auch die Art, wie der andere ihren Namen ausspricht. Die Wärme, die darin mitklingt. Die Gewissheit, dass der andere genau sie meint. Sie mit ihrer Trauer und ihrem Schmerz.

Solche Menschen brauchen wir, wenn wir trauern. Menschen, die uns sehen, wirklich sehen. Die spüren, was wir brauchen. Die vielleicht nicht viele Worte machen, aber in das wenige, was sie sagen, all die Wärme und Anteilnahme legen, die wir brauchen. Menschen, denen etwas an uns liegt.

Und ich hoffe, dass auch Sie solche Menschen um sich hatten und noch haben.


Ja, ich habe diesen Ausschnitt aus der Ostergeschichte ganz bewusst gewählt. Wegen des Ortes, an dem sie spielt und wo wir heute unseren Gottesdienst feiern, wegen der Gefühle, die dort beschrieben sind und unseren heute so ähneln. Aber auch, weil wir die Hoffnung brauchen, die in dieser Ostergeschichte erzählt wird:

Die Ostergeschichten in der Bibel wollen uns nämlich eines vor Augen halten: mit unserem Tod ist nicht alles zu Ende, wie viele glauben. Es gibt etwas, das weiterführt. Es gibt etwas, das stärker ist als der Tod. Es gibt die Zusage einer neuen, ganz anderen Wirklichkeit.

Jesus hat diese neue und andere Wirklichkeit immer wieder mit Bildern umschrieben: als Haus mit vielen Wohnungen, als Himmelreich, als Abrahams Schoß oder als Paradies.

Doch so unterschiedlich diese Bilder auch waren, sie hatten eines gemeinsam: Jesus und seine Nachfolger waren davon überzeugt, dass diese neue und andere Wirklichkeit nach unserem Tod von Frieden und Trost geprägt ist. Ganz ähnlich wie es in den Worten aus der Offenbarung zu Beginn anklang: Gott wird bei ihnen wohnen. Er wird alle Tränen abwischen. Es gibt keinen Schmerz mehr, kein Leiden und keinen Tod.

Und ich glaube, genau diese Zusage, diese Hoffnung brauchen wir – ganz besonders an so einem Ort wie hier und an so einem Tag wie heute.

Wir brauchen die Zusage, dass die, die wir loslassen mussten, irgendwo aufgehoben ist. Wir brauchen, die Hoffnung, dass sie nun ihren Frieden haben.

Und wir brauchen diese Hoffnung auch darum, damit wir mehr und mehr loslassen können. Damit wir unser Leben hier und jetzt weiterleben zu können. Damit auch wir Frieden finden und Trauer und Schmerz heilen können. Diesen Frieden, den wünsche ich Ihnen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Musikstück: Jesus, meine Zuversicht

https://www.youtube.com/watch?v=4Y5Pm2ptlpk

1) Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben.

Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben,

was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht?

2) Jesus, er mein Heiland, lebt; ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt. Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?

3) Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, dass mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann.



Gedenken der Verstorbenen

Unsere Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind.

Heute hören wir noch einmal den Klang ihrer Namen.

Mit ihren Namen verbinden sich Erinnerungen, Gefühle, gemeinsam erlebtes Leben.

Wir zünden für jeden verstorbenen Menschen, den wir nennen, eine Kerze an. Und wir entzünden am Schluss eine weitere Kerze für alle, um die wir trauern und die heute nicht ausdrücklich mehr genannt werden.

Wir zünden die Kerzen an der Osterkerze an: Zeichen dafür, dass wir im Leben und im Tod mit Jesus Christus und seiner Auferstehung verbunden sind.

Die Angehörigen, die heute hier auf den Friedhof gekommen sind, lade ich ein, nach dem Gottesdienst das Licht für das Grab mitzunehmen.


(Verlesen der Namen)


Paulus schreibt: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.


Fürbitten

Gott des Lebens,

du versprichst uns, die Tränen zu trocknen.

Wir bitten dich heute für alle, die in diesem Jahr von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten.

Fange ihre Tränen auf. Schenke ihnen Menschen, mit denen sie ihre Trauer teilen können. Stärke ihre Hoffnung, dass du am Ende alle Tränen abwischen wirst.


Wir bitten dich für Menschen, deren Leben bedroht ist.

Kranke ohne Aussicht auf Heilung. Menschen auf der Flucht. Sterbende.

Sei bei allen, die dich brauchen, und gib uns allen den Mut, miteinander Tränen zu weinen und Sprachlosigkeit auszuhalten.


Wir bitten dich auch für alle, die Leidenden beistehen:

Ärztinnen und Pfleger, Familienangehörige und Seelsorger, Therapeuten und Bestatter.

Wir bitten dich um Kraft und langen Atem, um den Mut auch Schweigen auszuhalten, und um Orte zum Erholen.


Und alles, was uns noch ganz persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich: Vater unser…


Lied Von guten Mächten

https://www.youtube.com/watch?v=pdFLhQH8R-U

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. So will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht. Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet

So lass uns hören jenen vollen Klang

Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet

All deiner Kinder hohen Lobgesang.


Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - finden Sie auf: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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