Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, den 23.01.2022 in Lichtenau



Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, den 23.01 2022, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrerin Ute Braun



Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Lied: Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69,1+3+4)

https://www.youtube.com/watch?v=ZvkWZeDeL8U


1) Der Morgenstern ist aufgedrungen, er leucht' daher zu dieser Stunde hoch über Berg und tiefe Tal, vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.

3) Christus im Himmel wohl bedachte, wie er uns reich und selig machte und wieder brächt ins Paradies, darum er Gottes Himmel gar verließ.

4) O heilger Morgenstern, wir preisen dich heute hoch mit frohen Weisen; du leuchtest vielen nah und fern, so leucht auch uns, Herr Christ, du Morgenstern!

Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)


Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)


Psalm: Psalm 86 (NL 938)


HERR, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dein. Hilf du, mein Gott, deinem Knechte,

der sich verlässt auf dich.


Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.

Vernimm, HERR, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens!


In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!

Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und niemand kann tun, was du tust.


Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr,

und deinen Namen ehren,

dass du so groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist.


Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit;

erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.


Ehre sei dem Vater...

Gebet:

Gott, deine Liebe kennt keine Grenzen.

Zu dir kommen wir, weil wir deine Kraft brauchen.

Schenk uns Mut, der unsere Ängste überwindet und unsere Hoffnungen zur Tat werden lässt, darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit dir und dem heiligen Geist leben und Leben schenkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Amen)

Lesung: Matthäus 8,5-13

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.

Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Lied: Meine engen Grenzen (NL 178,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=qzV7rnYwXtI


1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. II: Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich? :II

2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich. II: Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich? :II

3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. II: Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich? :II

4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. II: Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich? :II


Predigtgedanken zu Matthäus 8,5-13

„Meine engen Grenzen“ – so haben wir gerade gesungen. Als Eugen Eckert dieses Lied 1981 gedichtet hat, gab es noch Grenzen, die inzwischen gefallen sind. Vor allem die Grenze zwischen Ost und West in Deutschland.

Andere Grenzen bestehen nach wie vor. Manche scheinen sogar ähnlich unüberwindlich zu sein wie die Berliner Mauer damals.

Ich meine damit keine Grenzen zwischen Ländern und Nationen, sondern Grenzen zwischen Menschen, zwischen Lebensentwürfen, Glaubenssätzen, Überzeugungen und Weltsichten.

Menschen ziehen Grenzen zu anderen, mit denen sie nichts oder nichts mehr zu tun haben wollen.

Andere grenzen sich so stark von ihrem Umfeld ab, dass auch keine Dialogmöglichkeit mehr besteht.

Manche Grenzen bestehen aus Vorurteilen oder Nicht-Wissen – andere aus einer persönlichen Unsicherheit und Angst heraus. Wieder andere wurden aufgebaut aus Streit und tiefen Verletzungen oder auch Enttäuschungen.

Und dann gibt es natürlich noch die ganz persönlichen Grenzen, an die jeder von uns stoßen kann – weil wir eben nicht alles so kontrollieren und steuern können, wie wir das manchmal gerne würden.

Solche zwischenmenschlichen und auch ganz persönlichen Grenzen kennen wir wohl alle in der einen oder anderen Form.


In unserem Predigttext heute begegnen uns zahlreiche Grenzen.

Da haben wir diesen „Knecht“ – ein junger Bursche wohl noch, der gelähmt und mit großen Schmerzen da liegt. Seine Grenzen sind erst mal rein äußerlich: er kann seinen Dienst nicht tun, kann sich nicht bewegen. Und je nachdem, was er hat und wie er seine Krankheit deutet, macht es ihm Angst. Ein Gefühl, das ihn nochmal mehr auf sich selbst zurück wirft, ihn abgrenzt von seinen Kameraden, mit denen er gemeinsam im römischen Heer seinen Dienst tut.


Dann haben wir da den römischen Hauptmann, der sich um seinen kranken Knecht sorgt. Offenbar fühlt sich der Hauptmann in besonderer Weise für seinen Knecht verantwortlich. Vermutlich hat er seine Möglichkeiten schon alle ausgeschöpft. Hat vielleicht das eine oder andere Hausmittel schon selbst ausprobiert und auch die Ärzte aus dem Regiment konsultiert. Nichts hat geholfen – und nun ist er mit seinem Latein am Ende. Ein Mann, der es gewohnt ist, einen Befehl auszusprechen, der sofort befolgt wird, muss hier nun erfahren, dass seine Macht begrenzt ist. Hier kann er nun keine Lösung herbei-befehlen.

Er ist machtlos – in mehrfachem Sinn.

Er macht sich auf den Weg zu Jesus – und überschreitet damit eine Glaubens- und Überzeugungsgrenze.

Wie weit muss er sich wohl innerlich herablassen, dass er als starker Besatzer nun diesen Wunderheiler um Hilfe bittet?

Oder auch: wie grenzenlos ist sein Vertrauen in diesen ihm unbekannten Menschen, mit dem ihn weder Glaube noch Kultur noch Landessprache verbindet, dass er ihn nun um Hilfe bittet?


Dann gibt es in der Geschichte die Zuschauer dieser Begegnung zwischen Jesus und dem Hauptmann. Sie werden nicht ausdrücklich erwähnt, aber Jesus richtet seine Worte an sie. Vielleicht sind es seine Jünger, vielleicht ein paar Bewohner Kapernaums, die das Geschehen miterleben. Sie leben und denken jedenfalls in den Grenzen ihrer Glaubensvorschriften. Ein Jude, der einem ungläubigen Römer hilft, dazu noch dem Besatzer, dem Feind - das geht in ihrer Augen gar nicht.


Und schließlich ist da noch Jesus selbst. Matthäus beschreibt ihn in seinem Evangelium von Anfang an als Retter für die ganze Welt. Nicht gebunden an Glaubens-, Kultur- und Landesgrenzen. Schon in seiner Kindheitsgeschichte legt Matthäus es so an, dass hier schon Menschen aus anderen Kulturkreisen zu dem neugeborenen König kommen. Und auch in seinen Wunderheilungen und Verkündigungen legt Matthäus besonderes Gewicht darauf, dass Jesus zu allen Menschen gesandt ist – nicht nur zu denen mit jüdischem Glaubenshintergrund.

Beinahe lernend wird es im Matthäusevangelium immer wieder erzählt, wie Jesus Andersglaubenden begegnet und sich mehr und mehr öffnet – eigene Vorstellungsgrenzen überwindet und immer aufgeschlossener wird im Umgang mit den Menschen, die ihn um Hilfe bitten – so wie hier der Hauptmann.

Jesus ist in dieser Begegnung sofort zur Hilfe bereit – und wird nun überrascht von dem weiten und grenzenlosen Zutrauen des Hauptmanns: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“

So ein Vertrauen ist Jesus noch überhaupt nie begegnet – dieser Mann traut ihm eine Heilung aus der Ferne zu.

Unfassbar und grenzenlos!


Begrenzte Vorstellungen begegnen grenzenlosem Vertrauen – so erzählt Matthäus es in seiner Geschichte.

Und er zieht sogar noch ein Resümee, das weit über diese Geschichte und das Hier und Jetzt hinausweist: „Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis“

Für Matthäus ist das seine Form, seine Zuhörer mit ihren Grenzen im Kopf zum Umdenken zu bewegen.

Und zugleich ist es eine Zusage an die Christen in seiner Gemeinde, die aus anderen Hintergründen kommen.

Ihnen sagt er: auch für euch ist der Retter gekommen, ihr habt Platz an seinem Tisch!


„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite!“ – heißt es in dem Lied von Eugen Eckert.

Das ist genau die Weite, von der auch unsere Geschichte heute erzählt. Eine Weite aber auch, die uns heutigen Menschen gut tun würde mit unseren je eigenen Grenzen, hinter denen wir uns verschanzen; den Grenzen, die wir in unseren Köpfen und Herzen haben; den Grenzen, die wir zu anderen Menschen aufbauen, aus welchen Gründen auch immer; den Grenzen aus Schuld, Angst, Verletzung oder anderem Baumaterial.

Doch wie kommen wir da hin – aus den Grenzen hinaus in die Weite?

„Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ – sagt der Hauptmann in der Geschichte. In der katholischen Abendmahlsliturgie gibt es ganz ähnliche Worte:

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“, heißt es da.

Ich glaube, das ist ein Schlüssel um so manche Grenze in Weite zu verwandeln: nämlich dass Gott in uns wirkt, unsere Seele heilt, unsere Denk- und Vorstellungsmöglichkeiten öffnet und unser Herz weit macht – für uns selbst aber auch für die Menschen, denen wir begegnen. Amen.

Lied: Nun jauchzt dem Herren alle Welt (EG 288,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=bfCQSptD184


1) Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt, kommt mit Frohlocken, säumet nicht, kommt vor sein heilig Angesicht.

2) Erkennt, dass Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.

3) Er hat uns ferner wohl bedacht, und uns zu seinem Volk gemacht; zu Schafen, die er ist bereit, zu führen stets auf gute Weid.

Gedenken an Verstorbene





Fürbittengebet:


Gott,

in deinem Sohn hast du Grenzen überwunden – im Denken, im Handeln, ja sogar im Tod.

Du willst auch uns in die Weite führen – uns befreien aus den Grenzen in unserer Welt.


Wir denken an Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen. Manche leiden unter schweren Krankheiten. Viele alte Menschen leben allein. Junge Menschen können sich niemandem anvertrauen.

Für sie alle bitten wir, dass ihnen andere Menschen begegnen und sie deine grenzenlose Liebe erfahren lassen.


Wir denken an alle, die unter den Grenzen leiden, die zwischen Menschen gezogen werden. In vielen Ländern werden Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft verfolgt. Andere erfahren Hass und Gewalt, weil sie sich in ihrem Aussehen, ihrer Herkunft oder in ihrem Lebensstil von anderen unterscheiden.

Für sie alle bitten wir, lass sie Gerechtigkeit und Hoffnung erfahren.


Wir denken an alle, die vor der unüberwindlichen Grenze zwischen Tod und Leben stehen.

Für die Kranken, die auf Heilung und Leben hoffen.

Für die Sterbenden und die, die sie begleiten.

Für die Trauernden, die an der Lebensgrenze sich für immer von einem geliebten Menschen verabschieden mussten.

Wir bitten dich um Trost, Licht im Dunkel und Menschen, die bei ihnen aushalten.


Und wir bitten auch für uns selbst, wie wir oft in engen Grenzen und Festlegungen denken und urteilen. Lass uns deine Zuwendung spüren und schenke uns ein offenes Denken frei von Vorurteilen und ein weites Herz für die Menschen, die uns begegnen.

In der Stille bringen wir die Menschen vor dich, für die wir ganz persönlich bitten wollen: STILLE -


Vaterunser

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: Geh aus mein Herz (EG 503,1+3+9)

https://www.youtube.com/watch?v=ED1TPTGmRak


1) Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

3) Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder, die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

9) Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du's uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden, und güldnen Schlosse werden!

Abkündigungen

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig,

der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. (Amen, Amen, Amen)

Orgelnachspiel




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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