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Gottesdienst am 4. Advent, 18.12.2022 in Scherzheim



Gottesdienst am 4 Advent, 18. 12. 2022,

um 10:00 Uhr in Scherzheim mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Praeludium


Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Überlegen Sie sich doch in diesen vorweihnachtlichen Tagen, was Ihnen wirklich Freude bereiten würde. Bedenken Sie dabei, ob Sie mit Ihrem Leben, wie es sich jetzt gestaltet, zufrieden sein können. Und rechnen Sie dazu, wie schnell unsere Zufriedenheit, unsere Vorfreude durchkreuzt werden können. Hören wir heute, dass uns nichts abhalten soll, uns in unserem Herrn und Heiland zu freuen und seinen Frieden anzunehmen, der höher ist als alle menschliche Vernunft!

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu unserem Gottesdienst und wünsche jedem von uns heute einen fried- und freudvollen 4. Adventssonntag!


Lied: 17, 1-4 Wir sagen euch an

https://www.youtube.com/watch?v=3i0P_nj4Zuc


Votum und Gruß


Wechselpsalm: 949 (NG) 102

Ehr sei dem Vater…


Wir wollen beten:

Göttlicher Vater, der du die Mächtigen vom Thron stößt,

Der du die Niedrigen erhöhst:

Du bist in Christus in diese Welt gekommen und willst,

Dass die Freude über deine Ankunft uns ergreift.

Komme jetzt zu uns in diesen Gottesdienst

Und wende alles ab, was unsere Vorfreude trüben könnte.

Setze uns durch deine Freudenbotschaft in Bewegung

Und mache uns zu Boten,

Die deine Freude, deinen Frieden hinaustragen in deine Welt.

Darum bitten wir dich und rufen zu dir: (Kyrie)


Gott hat sich unser erbarmt. Denn Gott spricht in 2. Korinther 6: „Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen, siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“. - Ehre sei Gott in der Höhe! (Gloria)


Lied: 19, 1-3 O komm, o komm

https://www.youtube.com/watch?v=HRw98x5EpAY


Herr, unser Gott, du wartest nicht, bis wir dich gefunden haben. Du kommst selbst zu uns. Führe uns in diesen Tagen aus der Hetze und Unruhe in die Stille; aus der Ober-flächlichkeit in die Andacht; aus aller Resignation und Streit in die Freude. Dir sei Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.


Lesung: Lukas 1, 26-38

„Mein Herz dichtet ein feines Lied, einem König will ich es singen“. Halleluja!


Lied: 9, 4-6 Ihr Mächtigen auf Erden

https://www.youtube.com/watch?v=LTxNsdTth9I


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.


Predigttext: Philipper 4, 4-7 (Übertragung von Jörg Zink)


„Freut euch, dass Christus euch hält und trägt! Ich sage es noch einmal: Seid fröhlich miteinander und sorgt, dass eure Güte allen Menschen Freude macht. Denn der Herr ist nahe. Macht euch keine Sorgen! Wenn ihr zu bitten habt, dann redet mit Gott im Gebet; sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm. Der Friede Gottes, der so viel mehr wert ist, als unsere Gedanken verstehen, sei ein Schutzwall und eine Wacht um eure Herzen und um eure Gedanken, dass nichts und niemand euch von Jesus Christus trennen möge“.


Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige und segne unser Hören durch deinen Hl. Geist. Amen.


Liebe Gemeinde!

Der Heilige Abend steht vor der Tür, in 6 Tagen ist es so weit. Wie soll dieser Abend gelingen? Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Abend und welche Erwartungen verknüpfen Sie in diesem Jahr daran? Sind es die glänzenden Kinderaugen unserer Kleinsten, wenn sie den prächtig geschmückten Tannenbaum mit den brennenden Kerzen sehen oder wenn sie ungeduldig ihre Geschenke auspacken? Ist es das Geheimnis des Gotteskindes in der Krippe, das viele Menschen in seinen Bann zieht? Ist es die traditionelle Familiengemeinschaft oder das Singen der altbekannten Weihnachtslieder oder ein besonderes Essen, das diesen Abend würdigt? Ist es gar der sehnsüchtige Wunsch nach Frieden im eigenen Leben und in der Familie und in diesem Jahr besonders der Wunsch nach weltweitem Frieden? Oder ist es der leise rieselnde Schnee, der unsere Erde in ein unschuldiges Weiß und in eine verzauberte Stille hüllt? -Ja, wir hätten schon unsere Wünsche nicht nur an den Heiligen Abend, sondern an das gesamte Christfest. Doch nicht bei jedem und auch nicht überall wird es so sein. Die einen haben womöglich in den letzten Wochen einen lieben Menschen verloren. Und andere müssen erleiden, dass bei dem bevorstehenden Fest leider die Waffen nicht schweigen werden - im Gegenteil: dass die Kälte und die Nöte, die Ängste und die Verluste die gesamte Vorfreude zunichte machen. Nein, wir können keine echte Weihnachtsfreude herbei befehlen.


Und nehmen wir einmal an, heute oder morgen würde ein handfester Streit in unser Haus einfallen. Egal, wie dieser Streit entstanden ist, urplötzlich ist dieser ungebetene Gast, dieser Störenfried, bei uns eingezogen und hat die gesamte Weihnachtsfreude ins Tiefkühlfach gelegt!


So etwa könnte es in der antiken Stadt Philippi gewesen sein: Zwei Frauen, Evodia und Syntyche, hatten sich gestritten. Der Apostel Paulus, dem viel an der Gemeinde in Philippi lag, schrieb seinen Glaubensgeschwistern einen Brief und klammerte darin diesen Streit nicht aus. Vielmehr ermahnte er diese beiden Frauen, übrigens zwei hervorragenden Mit-arbeiterinnen in der jungen Gemeinde, Einigkeit und Herzlichkeit wieder herzustellen.

Zunächst fordert Paulus seine Gemeinde in Philippi und somit auch dieses beiden Frauen auf, sich im Herren zu freuen; also darüber froh und dankbar zu sein, dass Christus sie hält und trägt! Auch wenn diese Aufforderung zur Freude in dieser Situation etwas seltsam in unseren Ohren klingen sollte, ist dies doch ein Rat, darüber nachzudenken, wie gerade in den Störfällen unseres Lebens die Freude, auch die Weihnachts-freude, gelingen könnte - gleichgültig, ob es in vielen Fällen nur ein harmloser Streitpunkt ist oder ob es sich um handfeste und gravierende Auseinandersetzungen handelt.

Paulus rät: „Freut euch im Herrn!“ Und er unterstreicht dies mit den Worten: „Seid fröhlich miteinander!“ - Denn allein von Gott habt ihr das Leben geschenkt bekommen! Vergesst also in eurem Streit nicht, dass Gott euch das Leben gegeben hat - nicht nur mit allem, was euer Leben gegenwärtig trübt oder beschwert, sondern auch mit allen frohen Ereignissen und beglückenden Stunden. - Gerade in den gefährdeten Augen-blicken unseres Lebens sollen und dürfen wir zu unserem göttlichen Vater aufschauen. Auch in den Streit- und Störfällen unseres Lebens ist er unser guter Hirte, der weiß, was er jedem einzelnen zumutet und auflädt.

Natürlich: das Christfest kann dann sehr schnell zu etwas anderem werden, als wir uns vorher ausgemalt hatten. Doch dieses Fest fällt ja nicht aus, wenn in unserem Leben etwas dazwischen kommt; unsere Planungen und Erwartungen erhalten höchstens ein anderes Gewicht. Doch Paulus betont: „Der Herr ist nahe und bleibt nahe!“ und das heißt doch: Mit dem Sohn Gottes kommt die Liebe Gottes auf unsere Erde, auch wenn sie hier keinen Platz haben dürfte. Und das bedeutet: Wer sich trotz Streit und Enttäuschung, trotz Niederlage und Trauer zu Jesus Christus hinziehen lässt, der wird durch ihn verwandelt. Für den gilt die Erkenntnis, die Paulus im Galaterbrief festgehalten hat: „Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir!“


Wo dies der Fall ist, da muss ich den Hl. Abend und das Weihnachtsfest nicht mehr machen, also nicht mehr organisieren und planen. Vielmehr ist dann Weihnachten bereits zu mir gekommen, weil Christus zu mir gekommen ist! Er, Christus, ist einfach da - auch am heutigen 18. Dezember oder irgendwann mitten im Jahr und hoffentlich in 6 Tagen. Und dann entsteht eine Freude, die mehr wiegt als unsere Idealvorstellung von diesem Fest am Ende des Jahres. Denn ich freue mich in dem Herrn, weil er mich hält und trägt! Und mit dieser Freude, die aus einer tiefgläubigen und vertrauensvollen Beziehung zu Gott erwächst, ist mir die „äußerliche“ Sorge um meinen Heiligen Abend abgenommen. Darum schreibt Paulus hier: „Macht euch keine Sorgen!“ - Natürlich melden sich bei einer solchen Aufforderung sofort unsere Zweifel. Denn der Streit oder meine Enttäuschung, meine Einsamkeit und meine Trauer verschwinden gerade am Hl. Abend nicht von selbst.


Wie meint Paulus dies also, wenn er schreibt: „Sorgt, dass eure Güte allen Menschen Freude macht, denn der Herr ist nahe!?“ Wenn wir gütig sind oder nachgiebig, dann werden wir schnell als einfältig und dumm abgestempelt; als Menschen, denen es an Durchsetzungsvermögen mangelt. Doch Paulus möchte uns damit sagen: „Halt! Hier liegt ein wesentlicher Punkt, der oft übersehen wird. Es gibt viele Argumente dafür, im Leben gütig und nachgiebig zu sein. Wenn Christus uns jedoch das Wesentliche des Christfestes bringt und nicht wir mit unseren Plänen und Vorstellungen, dann ist doch alles, was wir unternehmen und vorbereiten, zweitrangig. Genauso, wie uns die Geburt dieses Kindes geschenkt wurde, so wurde uns unsere ganze Lebenszeit geschenkt! Und dann sollten wir auch für das Wesentliche, das wir bekommen haben, dankbar sein! Denn alles, mag es noch so schön und beglückend sein, noch so traurig und sorgenvoll, all dies ist nicht das Leben selbst. Nur in unserem himmlischen Vater haben wir das Leben in seiner ganzen Fülle! Also müssen wir das Leben, unser Leben, nicht erst noch vorplanen und durchorganisieren. - Und ähnlich verhält es sich im Bezug auf das Streiten: Ist die Sache, um die es gerade geht, es wirklich wert? Hängt davon wirklich unser ganzes Leben ab? Ja, würde gerade in dieser vorweihnacht-lichen Zeit und das ganze Jahr über uns als Christen eine gewisse Güte und Nachgiebigkeit gut zu Gesicht stehen? Würde dadurch unser Miteinander nicht ein Stückchen barmherziger und friedvoller?


Wenn wir uns folglich in Nachgiebigkeit und Güte einüben, dann rückt die Aufforderung: „Macht euch keine Sorgen“ ins richtige Licht. Denn dadurch werden unsere Probleme und Planungen nicht beiseite geschoben, doch sie verlieren ihre humorlose Strenge. Sie werden eben auf eine liebevollere und menschlichere Weise bewältigt!


Paulus geht noch einen Schritt weiter: Bei ihm wirkt sich eine solche christliche Haltung auch auf das Beten aus. Wer sein Leben in Sinne Gottes leben will, der wird Gott auch immer wieder mit Bitten und Gebeten angehen. Denn er erkennt in seinem Gespräch mit Gott, was ihm fehlt und was Gott ihm zukommen lassen sollte. Und wer darüber hinaus sein Leben als ein Geschenk Gottes bewertet, der wird viel mehr danken! Und selbst seinen Bitten spürt man es ab, ob sie in Dankbarkeit eingebettet sind. Denn wenn er Gott auf seiner Seite hat, dann hat er eigentlich alles!


Und schon wieder kann sich Zweifel regen: Ist das nicht ein fauler Friede, wenn er durch eine solche Einstellung erreicht wird? Denn ich denke jetzt z.B. an Streit, der nicht einfach so ausbricht, vielmehr der Eheleute an den Rand der Scheidung bringt und viele vors Gericht. Ich denke an politischen Streit, der nicht nur Erneuerungen blockiert, sondern ganze Völker in den Krieg hineinzieht. Bringt also die Empfehlung des Paulus zu Milde, Güte und Nachgiebigkeit nicht unendliche Qualen über einzelne Menschen und ganze Völker? Mein Verstand sagt: Damit kommst du nicht weit. Doch Paulus hat geschrieben: „Das ist der Friede, der höher ist als alle menschliche Vernunft!“ Der also mehr ist als das, was wir mit unserem menschlichen Verstand verstehen können!


In diesem Frieden, in diesem göttlichen Frieden werden wir Erfahrungen machen, wie auch Jesus sie gemacht hat: positive und negative. Aber aufs Ganze gesehen können nur Güte, Milde, Nachgiebigkeit und Dankbarkeit einzelne Menschen, Familien und ganze Völker heilen. Genauso wie der Weihnachtsfriede von Bethlehem trotz der ungastlichen Menschen dieses Ortes, trotz des armseligen Viehstalls, trotz des möglichen Kindermordes durch Herodes, trotz allen Unrechts, das in der Zwischenzeit auch im Namen der Kirche und im Laufe der Kirchengeschichte leider geschehen ist, genauso wie der Weihnachtsfriede von Bethlehem tiefe heilende Wirkungen in unserer Weltgeschichte, innerhalb der Diakonie und im Leben eines einzelnen Menschen gehabt hat! Diese Wirkungen, Wirkungen des Friedens und der Liebe, sollten wir strahlen lassen. Die Freude, die dadurch entsteht, erzeugen nicht wir, Gott lässt sie in uns erblühen! Denn seine Liebe schenkt uns einen Frieden und zugleich eine Freude, was das Denkvermögen eines jeden unter uns weit übersteigt! Darum: „Freuet euch, denn Christus hält und trägt euch!“ Amen.


Lied: 18, 1-2 Seht, die gute Zeit

https://www.youtube.com/watch?v=gp3bEauC6uQ


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für die Kinder und Jugendlichen überall in der Welt,

Dass sie ihre kleinen und großen Hoffnungen nicht verlieren;

Dass sie in diese Welt hineinwachsen können

Und darin Geborgenheit und Zukunft finden.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns Gott!


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für Eheleute, Familien und andere Lebensgemeinschaften,

Dass sie Freundlichkeit und Offenheit ausstrahlen,

Dass sie ihre Konflikte bewältigen mit Vergebung und Liebe,

Dass sie Wege zueinander und miteinander finden

Und lernen, Enttäuschungen zu verkraften.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott!


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für alle, die um ihres Glaubens,

um der Wahrheit und der Gerechtigkeit willen

Verfolgt werden und leiden müssen,

Dass sie ihre Hoffnung nicht verlieren auf Gottes Welt,

In der Gerechtigkeit wohnt.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott!


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für die Menschen in Gefängnissen und Straflagern,

Für die Schuldigen und Unschuldigen,

Für alle, die wegen Krieg und Terror auf der Flucht sind,

Dass sie sich nicht aufgeben und verzweifeln,

Dass sie Menschen begegnen,

Die zu ihnen stehen und sie aufrichten.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott!


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für die Einsamen und älteren Menschen,

Für die Menschen in Pflegeheimen

und für alle, die ausgegrenzt sind,

Dass sie Menschen finden, die sich ihnen zuwenden,

Dass sie die Mauern des Alleinseins überwinden.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott!


Lasst uns ein Licht anzünden und bitten:

Für die Kranken und auch für die Sterbenden,

Dass sie nicht allein gelassen werden,

Sondern menschliche Nähe und Wärme spüren,

Dass sie aus Gottes Beistand Hoffnung schöpfen

Und sich bei ihm geborgen wissen - jetzt und in Ewigkeit.

(Licht)

Lasst uns rufen: Erhöre uns, Gott!


Gott, dein Kommen bringt unserer Welt Hoffnung.

Umgib uns mit deinem Licht,

Damit wir Licht werden für andere,

Damit wir glauben und dir vertrauen. Amen.


Und miteinander und füreinander beten wir, wie uns Jesus Christus zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel…


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch:

Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun. Amen.


Abkündigungen


Lied: 82, 1-3 (NG) Suchen und fragen

https://www.youtube.com/watch?v=nkVia3ZnASk


Wochenspruch:

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Denn der Herr ist nahe!“


Segen


Postludium




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste






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