Gottesdienst am 4. Advent, den 19.12.2021 in Lichtenau



Gottesdienst am 4. Advent, den 19.12 2021, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich





Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Praeludium

Ihnen allen, liebe Gemeinde, einen guten Morgen und heute einen gesegneten 4. Adventssonntag!

Gott, der das Weltall erschaffen und die Erde geformt und uns Menschen jetzt zu dieser Zeit gewollt hat, dieser Gott wird Mensch! Heute wollen wir diese Botschaft, die unsere Welt wie keine andere verändert hat, bereits anklingen lassen. Schön, dass Sie - Corona zum Trotz - da sind! Dass wir gemeinsam nun diesen Gottesdienst feiern können und dürfen! Herzlich willkommen! An der Orgel begrüße ich Frau Haag. Und die Lesung übernimmt Frau Pip. Vielen Dank!

Lied: 11, 1+3+4 Wie soll ich dich

https://www.youtube.com/watch?v=54lL1fAApmQ

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Gott, der Vater Jesu Christi und Vater aller Menschen, sei mit Euch! Und ist deinem Geiste!

Wechselpsalm: 777 (Magnificat)


Meine Seele erhebt den HERRN, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder; denn er hat große Dinge an mir getan,

der da mächtig ist und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu

Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm

und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern

und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.


177.2 Ehr sei dem



Wir wollen beten:

Göttlicher Vater, danke dafür, dass wir in diesem Gottesdienst noch einmal vor dem Christfest innehalten. Denn wir wollen uns darauf vorbereiten, welch unerhörte Botschaft du uns ausrichten lässt: Du, der heilige Gott, du wirst ein Mensch wie wir. Du willst alles Menschliche auf dich nehmen und erdulden, um uns darin ganz nahe zu sein. Du willst das tragen, was wir wegen unserer Sünde eigentlich zu tragen verdient hätten. Schenke uns allen nun nicht nur die rechte Verwunderung darüber, sondern auch deine unermessliche Liebe und Treue. Amen.

Lied: 18, 1+2 Seht, die gute Zeit

https://www.youtube.com/watch?v=TNXeYyAJ80Y


Lesung und zugleich Predigttext: Lukas 1, 26-38.

26 Der Engel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde! Ein Engel müsste man sein! Ein Engel, der direkt vom Himmel kommt. Dann könnte man viel überzeugender als ein gewöhnlicher Pfarrer eine erlösende Botschaft verkündigen! Es müsste ja nicht gleich die Geburt des Messias sein. Aber die Geburt eines Kindes, das eines Tages einen Wirkstoff gegen Krebs oder Aids oder Multiple Sklerose oder Diabetes oder vor allem gegen Corona mit all seinen unterschiedlichsten Mutanden entdecken würde, das wäre doch etwas! Auf jeden Fall eine Erlösung für manche unter uns - ein Aufatmen in ein unbeschwerteres Leben!

Oder die Botschaft von der Ankunft eines Menschen, der eines Tages einen Weg finden wird, den Reichtum auf dieser Welt gerechter zu verteilen, oder die Umweltbelastungen radikal einzuschränken, oder allen kriegerischen Auseinandersetzungen ein Ende zu bereiten! - Auch das wären befreiende und befriedende Botschaften!

Aber solche Botschaften habe ich nicht. Ich habe nur die alte Geschichte von einem Engel, der einer Frau die Ankunft Gottes auf Erden ankündigt. Keiner besonderen Frau, sondern einer blutjungen Frau, fast noch ein Mädchen, einem Menschen eigentlich wie Dir und mir. Diese Botschaft von der Ankunft Gottes in ihrem Leben habe ich. Eine unspektakuläre Botschaft. Denn durch die Stalltür wird er in unser Leben eintreten, nicht durch die schöne Pforte oder das Hauptportal. Davon erzählt diese alte Botschaft von Maria und dem Engel.

Damals hatte Gott erkannt, dass es an der Zeit sei, den unendlichen Abstand zwischen sich und den Menschen aufzuheben. Ich stelle mir das in meiner Naivität so vor: Gott bestellte damals seine Engel in einen Planungsstab mit der Zielvorgabe, eine Botschaft auszuarbeiten, die allen Menschen versichert: Ich, dein Gott, bin immer bei dir: in den Höhen deines Lebens wie auch in den Tiefen. Weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges - nichts kann mich von dir trennen! Natürlich gab es innerhalb des Planungsstabes eine Rückfrage an die Zentrale, ob es nicht einfacher sei, die Schöpfung ein wenig umzugestalten: Z.B. dafür zu sorgen, dass kein Mensch in jungen Jahren sterben muss, oder dass es auf Erden eine unerschöpfliche Energie und Wohlstand gibt, so dass keine Kriege mehr geführt werden müssten. Aber die Zentrale funkte zurück: Die von Gott gewollte Erlösung gelte für die real existierende Schöpfung, so wie sie nun einmal sei!

Und so überlegten die Engel, wie die Botschaft von der Nähe Gottes den real existierenden Menschen zu übermitteln sei. Der erste Engel meinte, man könne eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte zwischen Gott und den Menschen erzählen. Aber andere Engel meinten, das hätten bereits dir Propheten im AT erzählt. Und die Menschen hätten darauf nur geantwortet: Das sei doch alles nur Dichtung, und von daher nicht wahr, nicht real.

Ein anderer Engel sagte: Gott selbst muss den Menschen ganz nahe kommen. Er darf nicht fernab im Weltall bleiben. Er muss Mensch werden mit allem, was dazu gehört: mit einer Geburt wie alle anderen, aufwachsen wie alle anderen; vielleicht sollte er etwas sonderlich sein, so dass seine eigene Familie ihn für verrückt hält; er sollte auf Unverständnis stoßen und auch Krankheit und den Tod erleiden. Nur wenn Gott in einem wirklichen Leben real da sei, nur dann können wir Engel den Menschen glaubhaft versichern, dass Gott in allen Situationen ihres Lebens in ihrer Nähe und für sie da sei!

Diesem Vorschlag stimmten alle Engel begeistert zu. Ja, es müsse für Gott keine Extrawurst gebraten werden. Gott selbst müsse - wie die Menschen auch - sein Leben mit allen Höhen und Tiefen leben. Das Problem jedoch war: Wie erkennen die Menschen, dass da nicht irgendein Mensch geboren wurde, sondern Gott selbst? Großes Rätselraten im Planungsstab der Engel. - Einige schlugen vor, das göttliche Kind von einer älteren Frau gebären zu lassen, die eigentlich keine Kinder mehr bekommen könnte. Aber solche Beispiele gäbe es genug. - Nein, die Mutter des göttlichen Kindes sollte nicht unfruchtbar, sondern unberührt sei, meinten andere. Also eine Geburt ohne eine Zeugung. Das würde die Menschen aufhorchen lassen, zumal die Menschen die Sexualität sowieso überbewerten, als gäbe es nur noch die Frage, wer mit wem schläft. - Und ein Engel betonte: Wenn Gott so - also mit Hilfe seines Geistes - auf die Welt käme, dann geschähe dies ohne das Zutun der Menschen.

Nun erhoben sich andere Bedenken: Eine Jungfrauengeburt? Wer sollte das verstehen? Das ist doch gegen die Natur! Dann werden die Menschen dies höchstens als ein medizinisches Wunder einstufen und glauben, jetzt hätten sie das Phänomen „Jungfrauengeburt“ verstanden. Oder sie würden dies als ein kindliches Märchen bewerten, weil es für einen „gesunden Menschenverstand“ unmöglich sei.

Als die Engel sich nicht einigen konnten, entschieden sie, in 2 der 4 Evangelien, die über das Leben Jesu berichten, die Jungfrauengeburt überhaupt nicht zu erwähnen. Denn die Geburt des Gottes-Sohnes sei so selbstverständlich wie die Geburt eines jeden anderen Menschen auch. Die Menschen sollten erkennen, dass der christliche Glaube nicht allein an dem Dogma der Jungfrauengeburt hängt. Man sollte an die Menschwerdung Gottes glauben können unabhängig davon, ob man an eine „Jungfrauengeburt“ glaubt oder nicht! Schließlich habe Maria selbst nicht so recht an eine Jungfrauengeburt geglaubt; wie hätte sie sonst ihren 1. Sohn für verrückt halten können, als der behauptete, er sei der Sohn Gottes!

Nun mussten die Engel noch die passende Zeit und den passenden Ort für dieses Geschehen auswählten. Zunächst dachten sie an das Jahr 2021. Denn da sei um Weihnachten herum wegen der Kriege und der vielen Diktaturen, wegen der Umweltproblematik und der Corona-Pandemie, wegen der Hetze und der Gewaltbereitschaft eine kräftige Friedensbotschaft der göttlichen Liebe notwendig. Und am besten sollte dies an einem Ort geschehen, wo dies alles besonders akut sei: Vielleicht an der polnisch-belarussischen Grenze oder in Afghanistan oder in einem Land mit vielen CoronaInfizierten. Aber dann hatten die Engel doch Bedenken: Das Medienzeitalter würde die eigentliche Botschaft von der bedingungslosen Nähe und Liebe Gottes zu den Menschen überhaupt nicht zu Wort kommen lassen. Der Sohn Gottes würde zu einem Medienstar. Seine Geburt würde live übertragen werden. Und später bekäme er eine eigene Talkshow. Und seine Mutter würde eines dieser schlagzeilenträchtigen Enthüllungsbücher schreiben mit dem Titel: „Nichts als die Wahrheit“. Und so wählten die Engel den alten Orient als Ort des Geschehens und Israel, weil Gott sich dort schon einmal offenbart hatte. Es war die Zeit vor rund 2000 Jahren, die Zeit der großen Geschichtenerzähler, die die Sprache der Bilder beherrschten und wussten, dass es zwischen „wahr“ und „unwahr“ noch viel mehr gibt! Denn Geschichten müssen nicht unbedingt historisch zutreffend sein und können doch sehr viel Wahrheit enthalten!

Ja, und so schickte der Planungsstab der Engel schließlich den Engel Gabriel nach Nazareth mit der Botschaft an Maria, die wir vorhin gehört hatten. Und gleichzeitig schickte man viele Engel an alle Menschen. Und ein Engel ist auch unterwegs zu jedem von uns, die wir - wie Maria - gar nichts Besonderes sind, sondern einfache Menschen wie so viele andere auch. Und dieser Engel sagt uns: Gott ist in Jesus Mensch geworden! Gott ist Dir ganz nahe! Gott ist nicht nur „da oben“, der nicht wüsste, wie dreckig es uns Menschen hier unten gehen kann. - Im Gestank und Dreck eines Kuhstalles fing sein Leben an, und in der Verlassenheit des Todes am Kreuz endete es. - Ja, Gott weiß sehr wohl, was es in einem Menschenleben von der Wiege bis zur Bahre an Leidensstationen geben kann: Denn er hatte sich mit seinen Eltern gestritten. Er fühlte sich unverstanden. Er verlor Freunde. Er wurde verspottet, gemieden und hatte Angst. Er zweifelte an Gott-Vater. Er starb - alles wie wir! Und er ist auferstanden - und so auch wir! „Wahrer Mensch und wahrer Gott!“ Wie will man das anschaulich erklären, so dass es alle verstehen?

Ich denke, liebe Gemeinde, da ist die Geschichte von der Jungfrauengeburt eine gute Lösung. Ob Maria nun eine Jungfrau oder eine junge Frau war, das ist für den, der glaubt, relativ uninteressant. Viel wichtiger ist die grundlegende Aussage dieser Geschichte: Unser Gott ist ein menschlicher Gott! Gott, der Herr, mag im Himmel thronen! Und doch ist Dir Dein göttlicher Vater niemals fern! In seinem Sohn ist er Dir ganz nahe - heute und morgen und allezeit! Amen.

Lied: 8, 1-4 Es kommt ein Schiff https://www.youtube.com/watch?v=GOrBQd7LFk0

Lasset uns beten: Gott, du sendest immer wieder und auch heute Engel aus, die deine Botschaft der Liebe verkündigen. Mache auch uns zu Boten deiner Liebe. Wir bitten dich: erhöre uns! Gott, du willst in uns geboren werden und in unseren Herzen wohnen. Öffne unsere Herzenstüren, damit du bei jedem von uns einziehen kannst. Wir bitten dich: Erhöre uns! Gott, du hast ins Jesus, deinem Sohn, alles Irdische erlebt und erlitten - von der Geburt angefangen bis hin zum Tod am Kreuz. Sei du an unserer Seite bei allem, was wir zu erleiden haben. Wir bitten dich: Erhöre uns! Gott, schenke uns deinen göttlichen Geist, damit wir in allem dir vertrauen, auch wenn wir deine Entscheidungen nicht immer verstehen. Wir bitten dich: Erhöre uns! Gott, lass uns in diesen Tagen nicht nur an uns selbst denken, sondern uns denen zuwenden, denen wir mit Worten und Taten helfend zur Seite stehen können. Wir bitten dich: Erhöre uns! Gott, mehre die Vorfreude in uns, damit wir in wenigen Tagen das Fest der Familie, der eigenen und deiner weltweiten Glaubensfamilie, feiern können. Wir bitten dich: Erhöre uns!

Und miteinander und füreinander beten wir weiter, wie Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen; regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun. Amen.

Abkündigungen.

Lied: 16, 2+3 Dem alle Engel dienen https://www.youtube.com/watch?v=eqCFO6TKH2s

Segen

Postludium



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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