Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis, 11.07.2021



Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juli. 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Ute Braun


(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das Thema an diesem 6. Sonntag nach Trinitatis ist die Taufe - ein Zeichen Gottes an uns - einmalig und individuell. Der Psalm 139 nimmt uns mit hinein:

Psalm: 139 in Auswahl

HERR, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, HERR, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;

wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;

prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

Eingangsgebet:

Gott des Lebens,

du kennst uns. Du bist um uns. Von allen Seiten umgibst du uns. Als wir getauft wurden, hast du versprochen, bei uns zu sein, mit uns zu gehen, durch Licht und Finsternis.

Vor dir brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Ehrlich und gütig schaust du auf unser Leben.

Schenke uns heute in diesem Gottesdienst deine Nähe.

Tröste uns und richte uns auf. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Lied: Lobet den Herren alle, die ihn ehren (EG 447,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=0JYuE0e32ug

1) Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

2) Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!

3) Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

Schriftlesung: Matthäus 28,16-20

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Predigtgedanken:

X-Mal haben wir diese Worte schon gehört – Taufbefehl – oder gar Missionsbefehlt wird er oft genannt.

Bei uns wird er grundsätzlich gesprochen, wenn wir eine Taufe feiern. Ganz egal ob Erwachsener oder Kind. Denn diese Verse sind der Grund warum wir überhaupt taufen. Jesu Auftrag an seine Nachfolger, an uns: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“

X-Mal haben wir sie gehört – und deswegen hören wir vielleicht gar nicht mehr, was für eine Zumutung diese Worte sind – von Anfang an waren!

Durch die Frauen am Grab hatte Jesus seine Jünger auf den Berg bestellt. Der Berg, auf dem bei Matthäus immer einschneidende Ereignisse passieren: die Bergpredigt war dort gehalten worden – und auch die Versuchung durch den Teufel…

Jetzt stehen die Jünger da. Sie sind noch ganz durcheinander. Da war das leere Grab – die Frauen mit ihren Geschichten von Engeln und einem auferstandenen Jesus – und nun steht Jesus selbst vor ihnen. Hier auf dem Berg.

Unglaublich. Im wahrsten Sinne des Wortes – denn so recht können die Jünger nicht glauben, was sie da hören und sehen.

Geht hin, macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie…lehrt sie…

Wie stellt Jesus sich das vor?

Sollten sie jetzt wie er durchs Land ziehen und den Leuten von Gott erzählen? Das konnten sie nicht. Wie auch? Sie waren Fischer, Zöllner, Handwerker, einfach Leute… Keine großen Redner. Sie waren Schüler von Jesus gewesen – und es hätte noch viel für sie zu lernen gegeben. Jetzt schon in die Lehrer-Rolle zu schlüpfen, das können sie sich nicht vorstellen.

Und Taufe – wie sollten sie denn die Leute taufen? Sollten sie wie einst Johannes der Täufer in den Jordan stehen und taufen, wer vorbei kommt. Jesus selbst hatte nicht getauft – aber sie sollen es jetzt tun? Wie denn und wo?

Nein, diese Fußstapfen waren doch deutlich zu groß für sie.

Was für eine Zumutung – auch für die Menschen, an die sich Matthäus mit seinem Evangelium richtet.

Gut 50 Jahre nach Jesu Tod, sieht ihre Glaubenspraxis schon anders aus. Tatsächlich war die Erwachsenentaufe zu einem Erkennungszeichen geworden. Wer Christ sein wollte, wurde getauft – auf den Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Auch die Lehre hatte sich ausgebreitet. Sie lehrten in Synagogen und Tempeln – in Häusern und an offenen Plätzen – ganz so, wie es Jesus auch getan hatte. Und ihre Zielgruppe waren natürlich in erster Linie die Menschen, die sie dort in den Synagogen auch trafen: die jüdische Gemeinde.

Auf ihrem Gauben und Wissen konnten sie mit ihrer Lehre von Jesus aufbauen.

Aber Matthäus ging noch weiter: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ – lässt er Jesus dort auf dem Berg sagen. Matthäus ist der, der von Anfang an in seinem Evangelium betont, dass die Macht Jesu nicht an ein Volk, an ein Land oder an eine Religion gebunden ist. Sie ist umfassend – über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg.

So kommen bei ihm schon die Weisen aus dem Morgenland und beten Jesus an – ein Himmelszeichen erscheint, das von diesem Kind berichtet. Zum erwachsenen Jesus kommen bei Jesus vergleichsweise viele „Ausländer“ und erfahren Hilfe. Und bei seiner Auferstehung, bebt die Erde und die Gräber springen auf. Ja, bei Matthäus hat Jesus Macht über „Himmel und Erde“ – und seine Botschaft gilt allen Völkern.

Der Auftrag der matthäischen Gemeinde ist nun, das auch so fortzuführen. Hinzugehen – zu lehren – zu taufen… ALLE Völker. Raus aus dem Gewohnten. Hin zu anderen Menschen in anderen Ländern und mit anderen Glaubenshintergründen. Der christliche Glaube sollte nicht exklusiv für ein paar Auserwählte sein – sondern alle Menschen auf der ganzen Welt erreichen…

Was für eine Zumutung für diese kleine Gemeinde irgendwo in Syrien…

Und heute? Heute ist es tatsächlich so, dass der christliche Glaube auf der ganzen Welt bekannt ist. Getauft wird auch weltweit –sogar mit den Worten Jesu, die hier im Matthäusevangelium überliefert sind.

Und die Versuchung ist groß, die Hände in den Schoß zu legen und zu sagen: Ziel erreicht, Auftrag erfüllt.

Aber stimmt das denn? Haben wir den Auftrag erfüllt?

„Geht hin – macht zu Jüngern, indem er sie tauft und lehrt…“

Wir taufen. Wir lehren. In Reli-Unterricht, Taufunterricht und Konfi…

Aber gehen wir hin? Gehen wir zu den Leuten hin? Bringen wir unseren Glauben zu den Menschen?

Mein Gefühl ist, wir haben uns in unseren Kirchenmauern so gut eingerichtet und den Auftrag Jesu schon so fest in unsere Liturgie eingepasst, dass wir es anscheinend nicht mehr nötig haben, ihn so zu erfüllen, wie Jesus ihn gemeint hat. „Geht hin“ – steht da. Nicht: „wartet, dass sie kommen!“

In der Pandemiezeit haben wir das an manchen Stellen ein wenig durchbrochen – da haben wir nach anderen Formen gesucht, um bei den Leuten zu sein. Um das Wort Gottes in die Häuser zu bringen. Oder auch die konkrete Hilfe und Anteilnahme. Aber wir haben es dann auch schnell wieder zurückgefahren, als sich die Lage entspannte.

Der Auftrag Jesu war immer eine Zumutung – aber es war auch immer der Auftakt zu neuen und anderen Formen, Glauben zu leben und den Menschen nahe zu bringen – in der jeweiligen Zeit und Herausforderung. Und ich glaube, jetzt ist es wieder an der Zeit – neu und anders zu denken. Gewohnte und festgefahren Wege zu verlassen, neue Formen zu finden, um den Glauben für die verschiedensten Menschen nah und kirchenferner erfahrbar zu machen.

„Geht hin – macht zu Jüngern, indem er sie tauft und lehrt…“

„Wie soll das denn gehen?“ „Also, ich kann das nicht…“ - denken Sie jetzt vielleicht so still bei sich…

Ja, genau so dachten auch die Menschen in der matthäischen Gemeinde und die Jünger auf dem Berg…

Die Frage ist nur, ob wir es bei dem „Wie soll das denn gehen?“ bewenden lassen – oder ob wir es nicht einfach versuchen…

Die Menschen um Matthäus und die Jünger Jesu, die haben es versucht. Mit ihren Ideen, mit ihren Möglichkeiten und aus ihrem Glaube heraus. Denn neben aller Zumutung hörten sie auch die Zusage Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Mit dieser Zusage wagten sie es – hinzugehen, das Gewohnte zu verlassen und neue Wege zu beschreiten…

Die Zusage Jesu – sie gilt heute immer noch…

…ist sie noch stark genug, uns aus unseren Kirchenmauern zu locken und zu den Menschen zu führen? Was meinen Sie?

Nötig wäre es. Sehr sogar! Amen.

Lied: Du hast mich Herr zu dir gerufen (EG 210,1-5)

https://www.youtube.com/watch?v=9oOQD-Ew3P4

1) Du hast mich, Herr, zu dir gerufen, und in der Taufe bekenn ich dich. Ich will dir folgen, will bei dir bleiben und will dir treu sein; gib du mir Kraft.

2) Wie du gestorben und erstanden, sterb und erstehe ich, Herr, mit dir. Ich will dir folgen, will bei dir bleiben und will dir treu sein; gib du mir Kraft.

3) Gib meinem Leben große Freude und Kraft, für andere dazusein. Ich will dir folgen, will bei dir bleiben und will dir treu sein; gib du mir Kraft.

4) Wenn Angst und Zweifel in mir wachsen, dann schenke du mir neuen Mut. Ich will dir folgen, will bei dir bleiben und will dir treu sein; gib du mir Kraft.

5) Herr, sende mich wie deine Jünger, und gehe du mir selbst voran. Ich will dir folgen, will bei dir bleiben und will dir treu sein; gib du mir Kraft.

Fürbittengebet:

Barmherziger Gott,

immer wieder hast du uns zugesagt, dass du bei uns Menschen sein willst alle Tage bis ans Ende der Zeiten. So führt uns der Weg zu dir in die Welt, in der wir leben.

Wir bringen vor dich unsere Bitten um Frieden in unserem Land und zwischen den Völkern; um Gerechtigkeit für die vielen, die unter Unrecht und Ungerechtigkeit leiden.

Wir bringen vor dich unsere Bitten für unsere Gemeinde und die christliche Kirchen weltweit – lass uns Wege finden und neue Wege betreten, um dein Wort weiterzutragen und unseren Glauben zu leben.

Wir bringen vor dich unsere Bitten um Trost für die Menschen, die allein sind oder krank. Für alle, die um einen Angehörigen trauern.

In der Stille bringen wir die Bitten vor dich, die uns selbst bewegen: STILLE

Vater unser im Himmel.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Ich sage ja (NL 158,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=6LW4rcrfzc8

1) Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

2) Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist.

3) Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

4) Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen

Orgelnachspiel





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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