Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, 31. Juli 2022

Aktualisiert: vor 3 Tagen



Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis, 31. Juli 2022 um 10:00 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich


Orgel: Herr Mühleck Lesung: Frau Vogel



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Praeludium

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Gott gibt uns jeden Tag unser tägliches Brot und dazu weitere vielfältige Nahrungsmittel. Aber Gott weiß auch, dass kein Mensch allein vom Brot lebt. Wir alle brauchen auch Nahrung für unsere Seele, Gemeinschaft und Anerkennung, Hoffnung und Zuversicht, Gottvertrauen und Glaubensgewissheit. Keiner von uns - und wenn er noch so reich wäre - soll Mangel leiden an diesem Brot. Christus will in jeder Lebenslage, in der wir uns befinden, dieses Brot des Lebens für uns sein.

Schön, dass ich Sie alle zu diesem Gottesdienst begrüßen darf! Ich wünsche Ihnen nicht nur einen gesegneten Sonntag, sondern auch die Erkenntnis, dass Gott jeden von uns mit seinem göttlichen Wort, dem Brot des Lebens, speisen möchte!

An der Orgel begrüße ich Herrn Mühlleck.

Die Lesung hat Frau Vogel übernommen.

Herzlichen Dank!


Lied: 166, 1+2+6 Tut mir auf die schöne Pforte

https://www.youtube.com/watch?v=WQ_EFroAbmo


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Der Herr, der euch mit dem Brot des Lebens speisen möchte, sei mit euch!

Und mit deinem Geiste!

Wechselpsalm: Psalm 107 I, (953.1)


Danket dem HERRN; denn Er ist freundlich,

und Seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN,

die Er aus der Not erlöst hat,

die Er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,

und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren

und deren Seele verschmachtete,

die dann zum HERRN riefen in ihrer Not

und Er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,

dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem HERRN danken für Seine Güte

und für Seine Wunder,

die Er an den Menschenkindern tut,

dass Er sättigt die durstige Seele

und die Hungrigen füllt mit Gutem.


Ehr sei dem Vater…


Lasset uns beten:

Göttlicher Vater, wir bedenken vor dir unseren Hunger nach Liebe und Vertrauen, nach Verständnis und Anerkennung sowie unsere Unfähigkeit, diesen Hunger in uns und bei anderen zu stillen. Weil von dir das Brot der Erde und das Brot des Himmels kommt, bitten wir: Hilf uns, deine Gaben täglich dankend anzunehmen und ebenso dankbar auszuteilen an alle, die sie brauchen. Lass uns deinen Sohn zum Brot des Lebens werden, damit der Hunger unserer Seele gestillt wird und wir Frieden und Hoffnung erhalten. Wirke mit deinem göttlichen Geist in unserer Mitte, damit wir mithelfen, den Hunger derer, die sich in Glaubenswüsten und Zweifel befinden, zu stillen. In der Hoffnung, dass du uns hörst und erhörst, rufen wir: Herr, erbarme dich! (Kyrie)

Gott hat sich unser in Jesus Christus erbarmt. Darum sagt er auch zu uns: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“. (Joh 6, 35) Ehre sei Gott in der Höhe! (Gloria)

Lied: 463 Alle guten Gaben (3x)

https://www.youtube.com/watch?v=p93RcBbcqMs


Wunderbarer Gott, du schenkst uns alles, was wir zum Leben brauchen. Und du schenkst uns Christus, deinen Sohn, der für uns das Brot des Lebens ist. Reich ist deine Güte für alle Menschen. Mache unsere Herzen weit und täglich für dich bereit. Amen.

Bevor wir, liebe Gemeinde, den heutigen Predigttext aus Johannes 6, 1-15 hören, ein paar wenige, jedoch bedenkenswerte Gedanken:

Wann hatten Sie zum letzten Mal so richtig Hunger gehabt?

Was hatten Sie heute Morgen frühstücken dürfen?

Wann hatten Sie ausgiebig brunchen können?

Wie hoch war Ihre letzte Spende an „Brot-für-die-Welt?“

Hat teilen und spenden Sie ärmer gemacht?

Werfen Sie Lebensmittel weg? Kaufen Sie manchmal zu viel?

Gehören Sie zu den Menschen, die immer noch mehr haben möchten?

Ist Ihnen bewusst, dass fast 1 Milliarde Menschen unter ständigem Hunger leiden?

Dass ein Sommer mit Hitzerekorden und kaum Niederschlag eine ausreichende Ernte für alle Menschen erschwert?

Dass jeder Mensch mehr braucht als sein tägliches Brot und alle anderen Lebensmittel zusammen?

Dass Nahrungsmittel (Weizen) ganz bewusst als Kriegswaffe eingesetzt werden?

Dass Spekulanten an der Börse den Weizenpreis künstlich in die Höhe treiben?

Dass eigentlich ausreichend genug Nahrung für alle Menschen vorhanden wäre?

Dass wir mit dem Geld, das Kriege und die Herstellung von Waffen verschlingt, ein Paradies auf Erden bauen könnten?

(Kurze meditative Musik)

Predigttext: Johannes 6, 1-15 (Frau Vogel)

Liebe Gemeinde,

Jesus begegnet den unterschiedlichsten Menschen: Zum Beispiel Menschen bei der Hochzeit zu Kana, einem Fest der Freude. Oder: Dem alten Nikodemus, einem Pharisäer, der Jesus in der Nacht aufsucht und über die Geburt des neuen Lebens befragt. Oder: Einer Samariterin, der er am Jakobsbrunnen Wasser des Lebens anbietet.


Jetzt sehen wir Jesus am Ostufer des Sees Genezareth, einer einsamen Öde, wo die Wüste beginnt und sich normalerweise kein Mensch hin verirrt.

Dennoch ist gerade ein langer Menschenzug dabei, dort hinzugehen, um Jesus zu begegnen. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass Jesus kein angeberischer Schwätzer ist, vielmehr ein Redner mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung und ein Heiland mit wunderbarsten Heilfähigkeiten. Dort am Ostufer soll er sein. Und deshalb sind viele in diese Einöde aufgebrochen: Kranke und Wissbegierige, Erwartungsvolle und Sensations-hungrige.


Und da sehen wir Jesus auf einem Berg - umgeben von seinen Jüngern. Hierhin haben sie sich ganz bewusst zurückgezogen. Denn hier haben sie Ruhe. - Doch als Jesus die Augen hebt, sieht er Scharen von Menschen heranrücken. Und wie reagiert Jesus? Nicht mit Enttäuschung, nicht mit Ärger, nicht mit Flucht. Er will die Menschen vielmehr versorgen, bewirten, erfreuen und fragt deshalb: „Wo kaufen wir Brot?“ - Ich glaube nicht, dass er mit dieser Frage Philippus auf die Probe stellen wollte. Denn die nächste Bäckerei war mit Sicherheit viel zu weit weg. Und in welcher Bäckerei hätten sie Brot für so viele Menschen kaufen können? Eher ist diese Frage: „Wo kaufen wir Brot“? Ein versteckter Hinweis auf das Brot, das kein Mensch sich selber geben, sich vielmehr von Gott nur schenken lassen kann!

Und während Philippus noch rechnet, hat Andreas sich schon umgeschaut und einen Jungen ausfindig gemacht, der 5 Gerstenbrote (das Brot der armen Leute) und 2 Fische bei sich hat. - Doch was ist das für so viele Menschen? Das würde vielleicht für 5 Leute reichen, aber nicht für 5000 Männer! Während also Philippus und Andreas noch hilflos dastehen, übernimmt Jesus die Regie und kapituliert nicht. „Lasst die Leute sich lagern!“


Hier auf dem Gras sollen sie es sich bequem machen. Für mich ein Hinweis auf den Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue.“ - Jesus, der gute Hirte, der für seine Schafe sorgt.

Wie ein Hausvater nimmt Jesus die Brote, dankt und verteilt. Und genauso auch die Fische…


Immer wieder haben Menschen versucht, diese Brotverteilung und Nahrungsvermehrung zu verstehen und zu erklären: Zum Beispiel: Als die Menschen sahen, wie bereitwillig der Junge seine ganze Verpflegung hergibt, da haben auch sie ihre Rücksäcke und Umhängetaschen geöffnet und alles herausgeholt, was sie mitgebracht hatten: Ein herzliches Teilen am Rande der Wüste. -

Nein, so erzählt es weder der Evangelist Johannes noch die anderen 3 Evangelisten, denen dieses Ereignis ebenfalls wichtig war. Vielmehr: Jesus sieht und fragt und spricht und nimmt und dankt und gibt! Er ist der Handelnde!


Friedrich Hiller, Pfarrer und Liedermacher - um 1700 gelebt - hat Schweres erlitten: Weil er seine Stimme verlor und nicht mehr predigen konnte, wollte die Kirche ihn entlassen. Mittellos stand er da mit Frau und 11 Kindern. Und trotzdem dichtete er:

„Wenn wir von Tag zu Tagen, was da ist, überschlagen

Und rechnen dann die Menge, so sind wir im Gedränge.

Doch wenn wir mit Vertrauen ihm auf die Hände schauen,

So nähret allerwegen uns ein geheimer Segen.

Wie dieses mag geschehen, das kann man nicht verstehen;

Allein man sieht am Ende, es ging durch Gottes Hände!“


Diesen geheimen Segen dürfen wir nicht weg erklären! Es bleibt dabei: Jesus gibt und schenkt. Und alle werden satt!


Und alle werden satt. Und weil überdies noch übrig bleibt, fordert Jesus seine Jünger auf: „Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkomme!“ - Und sie füllten 12 Körbe mit Brocken. - Wir verstehen: 12 Körbe, 12 Jünger, 12 Stämme Israels. Zwölf - alle werden satt! (Es wird uns jedoch nichts erzählt, was mit diesen Resten geschah).


„Sammelt die übrigen Brocken!“ So steht es groß über einer Tür an der Kirchlichen Hochschule in Bethel auf Initiative des Gründers der Bethelschen Anstalten Friedrich von Bodelschwingh. Hierhin kann man Kleidung, Geschirr, Bücher, Briefmarken schicken - und viele der an Epilepsie erkrankten Menschen, die dort wohnen und betreut werden, haben dadurch Arbeit und Lebenssinn!


Und die Menschen am Rande der Wüste, dort am Ostufer, sind begeistert. Sie ahnen, dass Gott ihnen in Jesus ganz nahe kommt. Ob dieser Zimmermann der Prophet ist, der in die Welt kommen soll? Sie sind so begeistert, dass sie Jesus zum König ausrufen wollen. Doch bevor sie ihn ergreifen können, ist Jesus weg. „Er entwich wieder auf den Berg, er allein“.


Die Menschenmenge hatte nicht begriffen, was Jesus ihnen in Wirklichkeit zeigen wollte, nämlich seine Liebe, seine Nähe, Gott mitten unter uns. Sie haben nur das essbare Brot gesehen und gegessen und ihren akuten Hunger gestillt. Doch sie werden wieder Hunger haben. Genauso wie wir, die wir uns Vieles leisten können. Auch unser Hunger bleibt. Unser Hunger nach Liebe und Verständnis, nach Zuwendung und Gemeinschaft. Genau das will Jesus den Menschen damals und uns heute schenken. Jesus gibt mehr als das tägliche Manna, das das Volk nach dem Auszug aus Ägypten zum Überleben täglich vorfand. Deutlich macht Jesus dies, dass er das Brot wie auch die Fische (ganz ähnlich wie beim Abendmahl) nimmt und dankt und gibt. Gottes Welt will in unsere alltägliche Welt brechen: Ein Stück Himmel auf Erden! Martin Luther hat sich so ausgedrückt: „Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der da von der Erde bis an den Himmel reicht!“


Wir dürfen Gott nicht in die Schublade der Wirtschaftlichkeit stecken so, als ob ich davon profitieren könnte und es sich für mich lohnte, wenn ich an Gott glaube. Vielmehr will Gott uns immer wieder beschenken und seine Gemeinschaft mit uns bestärken. Er ist das Brot, das den wahren Hunger stillt. Er ist der Wein, der die Krüge füllt. Er ist das Leben! Das hat Jesus in diesem Zeichen der Brotvermehrung sagen wollen: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht mehr hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten!“ - Unvorstellbar und doch wahr. Auch für uns! Amen.

Lied: 352, 1-4 Alles ist an Gottes Segen

https://www.youtube.com/watch?v=el2oK3cM3p8


Lasset uns beten:

Himmlischer Vater, wir danken dir, dass du uns unser tägliches Brot gibst. Jeden Tag lädst du uns an einen reich gedeckten Tisch. Du gibst uns aber nicht nur Nahrung für unseren Leib, sondern du schenkst uns auch Nahrung für unsere Seele. Deine Worte und dein Geist sowie Brot und Wein wollen uns auf dem Weg zu dir stärken.

Vielen von uns geht es gut. Wir haben keinen Mangel an irdischen Gütern. Das ist ein großes Geschenk. Aber es liegt verborgen auch die Gefahr darin, dass wir dich, den Geber aller Gaben, vergessen und zugleich immer mehr haben wollen, was wir nicht unbedingt brauchen. Diesen Hunger nach irdischen Gütern wirst du nicht stillen. Aber du erwartest von uns, dass wir zufrieden sind mit dem, was wir haben, und dass wir mit denen teilen, denen das Lebensnotwendige mangelt.

Herr, wir bitten dich, öffne unser verschlossenes Herz und löse unsere Hände von dem, was wir verkrampft festhalten. Du hast auf dieser Erde den Tisch für alle gedeckt. Gib, dass unsere Politiker und alle Verantwortlichen immer daran arbeiten, dass alle Menschen menschenwürdige Lebensverhältnisse erhalten. Es darf nach deinem Willen auch nicht sein, dass wir auf Kosten der Armen immer reicher werden. So gib jedem, der dir vertraut, alles, was er nötig hat. Und befähige uns untereinander zu einer Gemeinschaft, die sich an deine Worte hält, die in Brot und Wein deine Nähe erfährt, die dich im Gebet anruft und deinen Namen heiligt.

(Fürbitte?)

Und miteinander und füreinander beten wir, wie Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen. Er regiere Eure Gedanken. Er bestimme Euer Tun. Amen.

Lied: 8, 1-6 (NG) Bist zu uns wie ein Vater

https://www.youtube.com/watch?v=KT__5B-KRd8


Abkündigungen (Frau Vogel)

Wochenspruch: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“. (Eph. 2,19)

Segen

Postludium




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage:

https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




1 Ansicht0 Kommentare