Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis, 01.08.2021



Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Nadine Kempf und Ute Braun


(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)

Gruß: Der Herr sei mit euch… (…und mit deinem Geist)

Begrüßung:

August. Urlaubszeit. Im Sandkasten sitzen oder am Meer. Mit Händen und Schaufeln Burgen bauen. Bis sie am nächsten Morgen weg sind. Vom Winde verweht. Vom Wasser davon getragen. Am nächsten Morgen: Steine sammeln. Ein Fundament legen. Türme bauen. Auch mit Sand. Steine, Felsen, Sand und Häuser. Hand anlegen. Talente einsetzen. Verantwortung tragen. Darum geht es an diesem Sonntag, der neunte nach Trinitatis.

Schön, dass Sie alle da sind, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Beten wir im Wechsel Worte aus Psalm 63.

Psalm: Ps 63 (NK und UB)

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

mein Leib verlangt nach dir

aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

Denn deine Güte ist besser als Leben;

meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

Denn du bist mein Helfer,

und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

(Ehre sei dem Vater und dem Sohn…)

Eingangsgebet:

Gott, du bist mein Helfer,

wie verwundbar unser Leben ist, haben wir in den letzten Wochen vor Augen geführt bekommen.

Das macht uns demütig. Wie wenig haben wir doch in der Hand, was uns widerfährt. Und wieviel Bewahrung haben wir schon erfahren, ohne dass uns das bewusst wurde.

Du, Gott, bist unser Helfer. Du bist unser Halt in Not.

Du bist es aber auch, der uns beauftragt, uns losschickt hin zu anderen, die Hilfe brauchen. Lass uns diesen Auftrag nicht überhören. Lass uns Verantwortung übernehmen, die du uns überträgst in Jesus Christus, deinem Sohn, unserem Bruder. Amen.

Lied: Die Erde ist des Herrn (EG 659)

https://www.youtube.com/watch?v=qKlFts8lu8Y

1) Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

2) Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

3) Geh auf den andern zu. Zum Ich gehört ein Du, um wir zu sagen. Leg deine Rüstung ab. Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

4) Verlier nicht die Geduld. Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke. Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Schriftlesung: Matthäus 7,24-27

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Predigtgedanken:

NK:

Ein helles, wüstes, sandiges braun, das uns umgibt. Ocker. Vereinzelt grüne Flecken in der Ferne. Büsche müssten das sein. Und wir? Nehmen Platz auf diesem Berg in Galiläa. Dem Berg der Seligpreisungen. Zu unseren Füßen der See Genezareth. Umrahmt von grünen Streifen, fruchtbaren Tälern. Dort ist es grüner als hier auf dem Berg. Und da sitzen wir auf kargen Hügeln. Felsige Landschaft. Sie prägt das Bild in Israel.

Jedoch. Einen Felsen, den der Schreiber wohl auch im Kopf haben wird, ist der Fels in Jerusalem. Der, auf dem der Tempel stand. Der jetzt in Schutt und Asche liegt. Zerstört und geplündert durch die römische Macht. Schutt und Asche auf einem Felsen, der doch besteht. Und dieses Bild greift der Schreiber auf. Matthäus. Am Ende der Bergpredigt in der Rede Jesu. Wir haben es gehört:

UB: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute“…

Sehr eindrücklich sind die Worte Jesu. Mh, überlege ich, was sind das wohl für Stürme, die zu seiner Zeit an den Häusern und dem Glauben der Menschen gerüttelt haben?

Jesus hat da auf diesem Berg Menschen vor sich sitzen, die unter den Besatzern leiden. So viel Ungerechtigkeit geschieht unter römischer Herrschaft – und die Schere zwischen arm und reich, geht immer weiter auseinander. Der Friede in ihrem Land ist ein wackeliger Friede – gewährt von feindlichen Truppen mitten unter ihnen.

Und neben diesen äußeren Unruhen, die auf die Menschen einstürmen, tragen viele von ihnen noch ihre ganz eigenen inneren Stürme mit sich: Ängste, Sorgen, Zweifel – all das was wir heute auch kennen!

Und für den Schreiber Matthäus kommt noch etwas hinzu: 50 Jahre nach Jesu Tod scheint sich immer noch nicht viel verändert zu haben für seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Sie erleben Anfeindungen und Unruhen. Die politische und auch die persönliche Lebenssituation der Menschen ist weiter angespannt. Wollte Christus nicht längst wieder gekommen sein und alles zum Guten gewendet haben? Wo bleibt er denn? Der Geduldsfaden, dünn ist er geworden. Die Motivation, voll und ganz Nachfolge zu leben, flacht ab.

Tja, und heute? Was für Stürme rütteln da?

Wir können diesen Text heute gar nicht lesen, ohne dass die aktuellen Bilder aus Nordrheinwestfalen und Rheinlandpfalz vor unseren Augen aufsteigen: da schwemmt es Häuser einfach weg. Der Untergrund bricht ein, Häuser versinken und mit ihnen alles, was die Menschen besessen haben.

Wie verwundbar ist doch unser Leben. Wie wenig haben wir es in der Hand, das unser „Lebenshaus“ stabil bleibt und allen Stürmen Stand hält.

Ganz anders – aber weltweit und unmittelbar - haben wir das alle in den vergangenen 1 ½ Jahren erlebt. Wie heftig hat die Pandemie mit all den Regelungen an unserem gewohnten Leben gerüttelt. Regelungen, die es gab, um die Ausweitung einzudämmen.

Viele Krisen, persönliche Sorgen, Ängste bestürmen uns immer wieder. Was brauche ich, damit es mir gut geht – damit ich gut leben und arbeiten kann? Worauf baue ich. Oder anders gefragt: Wie stabil kann und muss dieser Fels sein, von dem in unserem Text heute die Rede ist? „Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.“

NK: Ja, stimmt, Frau Braun. Es rüttelte und es stürmte, aber wir bauten doch. Bauten mit und in der Pandemie so gut es eben ging. Weil unser Fels Gott ist. Der besteht.

Und wir bauten an einer Homepage für neue Vernetzung. Rezepte und Impulse sind hier zu finden, neben allgemeinen Infos und unseren Gottesdiensten. Wir bekamen Kästen gebaut für Lesegottesdienste. Wagten neue Formate mit Kamera und Bild. Zur Übertragung nach Hause. Feiern draußen in Gottes Schöpfung. Offene Kirche gab es zwischendrin für das stille Gebet. Blumenschmuck, das ganze Jahr über, als Hoffnungsträgerinnen auf dem Altar.

Blumen waren bei der Blumenstrauß-Lebensstrauß-Aktion von Bedeutung. Dein buntes Leben, dein bunter Strauß.

Für die Kinder gab es jede Woche Geschichten von Wolli, dem Schaf. Konfi lief digital, in kleineren Gruppen oder mit Stationenlauf.

Zu Weihnachten wurden Engel gebastelt und in den Kasten gelegt oder die Fenster am Gemeindehaus bemalt. Simon, der Hirte erzählte seine Geschichte. Zu Ostern wurde der Familiengottesdienst gedreht und auf youtube gestellt. Eier wurden gefärbt, Tüten gebastelt.

Verbunden mit unseren katholischen Schwestern und Brüdern feierten wir einen Stationen-Pfingst-GD mit dem Rad abzufahren oder den Weltgebetstag der Frauen. Sammelten Spenden für die Tafel in Bühl. Und Grüße, Karten, Bilder, die wir den Heimen brachten.

Und es rüttelte und es stürmte und wir bauten. Bauten mit und in der Pandemie – oft mit viel Phantasie - so gut es eben ging. Weil unser Fels Gott ist. Der besteht.

UB: Mh. Jetzt haben wir viel über das Haus auf dem Felsen geredet. An dem wir gebaut haben. Ich denke, jetzt braucht es noch einen Blick auf den Felsen. Was genau ist eigentlich dieser Fels, auf dem bei Matthäus das Haus gebaut wird? „Wer diese meine Rede hört und tut sie“ heißt es da – also ist es bei Matthäus das Wort Jesu, seine Weisungen und Gebote?

Aber reicht das denn als ein stabiler Fels: dass ich tue, was in Gottes Wort von mir gefordert wird?

Für mich ist dieser Fels eigentlich viel mehr als das, was ich selbst tun kann oder befolgen muss.

Für mich ist dieser Fels Vertrauen – Glaube – ja, eigentlich Gott selbst.

Wenn die Lebensstürme so richtig an mir rütteln, dann brauche ich etwas, das stärker ist als das, was ich „tun“ kann. Dann brauche ich etwas Stabileres als ein Wort, das ich befolgen soll.

Auch für mich ist ein Teil dieses Felsen Gottes Wort – aber vielmehr als seine Gebote sind es seine Zusagen an mich. Sein „Ich bin mit dir!“ – sein „Fürchte dich nicht, ich helfe dir“.

Das Vertrauen darauf, dass er mir Halt gibt, wenn das Wasser über mir zusammen schlägt. Die Gewissheit, dass ich bei ihm Zuflucht finde, wenn die Stürme hereinbrechen und alles, was mir so sicher vorkam, durcheinander gerüttelt wird.

Und wie ist das bei Ihnen, Frau Kempf? Was ist der Fels für Sie?

NK:

Mein Fels ist Christus. Er ist mein Fundament.

Für mich heißt das, egal was an mir rüttelt, welche Stürme, welche Zweifel, Krisen, Ängste. Mein Fundament bleibt bestehen. Gott bleibt bestehen. Es ist ein tiefes, festes Gefühl in mir, das mir Gewissheit gibt: Du musst das hier nicht alleine machen. Gott ist da!

Ich habe diese Bild vor Augen. Da gibt es bei Bühlertal diesen einen Aussichtspunkt mitten im Schwarzwald: Sickenwalder Horn. Ganz in der Nähe der Gerterlbacher Wasserfälle. Die letzten Meter krabbelt man auf einen Felsen. Und dann steht man da. Steh ich da. Beide Füße auf festem Grund. Über mir der Himmel. Zum greifen nah. Ich ganz frei. Der Blick in die Ferne. Und dann breite ich die Arme aus und weiß, Gott ist da. Groß und weit. Auf seinem Grund kann ich mein Haus bauen, ein Haus mit anderen, die glauben. Ein Haus das einlädt, zu reden, zu lachen, zu spielen, dazu sein, Mensch zu sein, geliebt zu werden, grenzenlos. Ein Haus, das angebaut werden kann oder neu verputzt mit neuen Ideen, mal mit anderen Schwerpunkten. Und wie auch immer dieses Haus aussehen wird. Es steht auf gutem Grund. Christus. Der, der mir vergibt. Der, der mir Licht ist in dunklen Zeiten. Der, der das Leben ist und die Auferstehung. Mit diesem Fundament ist mir, ist uns alles gegeben, was wir zum Leben brauchen.


UB: Eine Besonderheit aber hat dieser Felsen doch! Der Fels, auf dem wir unser Lebens- Glaubenshaus oder auch unser Gemeindehaus bauen – er ist ein „mobiler Felsen“.

Mobil, weil Gott Fels war für die ersten Christinnen und Christen bei Matthäus, die trotz Fragen und Zweifel weiter am Glaubenshaus gebaut haben. Mobil, weil Gott sich uns als Fels, als Fundament immer und überall zur Verfügung stellt. Ob für Frau Kempf in Lahr oder für uns hier in Lichtenau.

NK: Mobil ja, und doch: Ganz gleich, wo und wie wir bauen, der Fels bleibt einer: Unser dreieiniger Gott.

Amen.

Lied: Komm bau ein Haus, das uns beschützt

https://www.youtube.com/watch?v=_aOQKNwS9P8

Kehrvers: Komm, bau ein Haus, das uns beschützt, pflanz einen Baum, der Schatten wirft, und beschreibe den Himmel, der uns blüht, und beschreibe den Himmel, der uns blüht.

1) Lad viele Tiere ein ins Haus und füttre sie bei unserm Baum, lass sie dort munter spielen, wo keiner sie in Kreise sperrt, lass sie dort lange spielen, wo der Himmel blüht.

Kehrvers: Komm, bau ein Haus…

2) Lad viele Kinder ein ins Haus, versammle sie bei unserm Baum, lass sie dort fröhlich tanzen, wo keiner ihre Kreise stört, lass sie dort lange tanzen, wo der Himmel blüht.

Kehrvers: Komm, bau ein Haus…

3) Lad viele Alte ein ins Haus, bewirte sie bei unserm Baum,

lass sie dort frei erzählen, von Kreisen, die ihr Leben zog,

lass sie dort lang erzählen, wo der Himmel blüht.

Kehrvers: Komm, bau ein Haus…

4) Komm, wohn mit mir in diesem Haus, begieß mit mir diesen Baum, dann wird die Freude wachsen, weil unser Leben Kreise zieht, dann wird die Freude wachsen, wo der Himmel blüht.

Fürbittengebet:


Treuer Gott, du Ursprung und Ziel, wir leben nicht aus unserer Kraft. Wir sind angewiesen auf Hilfe. Wir brauchen Schutz und ein gutes Fundament.


Um Hilfe bitten wir für die Opfer der Flut. Um bleibende Hilfsbereitschaft. Um Solidarität, die auch für den Neuanfang bleibt. Um Atem und Kraft für alle Hilfskräfte. Um mutiges Handeln der politisch Verantwortlichen. Um Liebe zu deiner Schöpfung, die du uns anvertraut hast. Du Ursprung und Ziel, wir leben nicht aus unserer Kraft. Erbarme dich.


Um Schutz bitten wir für die Menschen in Afghanistan, für die bedrohten Frauen und Mädchen, für die zurückgelassenen Ortskräfte. Um Frieden für diese von Krieg verwundete Region. Um Gerechtigkeit für die Hungernden. Um eine Zukunft ohne Gewalt. Du Ursprung und Ziel, wir leben nicht aus unserer Kraft. Erbarme dich.


Um Heilung bitten wir für die Kranken in unserer Mitte, für Infizierte, Verletzte und Genesene. Um gute Versorgung für die, die gepflegt werden und langen Atem für die Pflegenden. Um ein Ende von Krankheit und Schmerz. Um Bewahrung für die, die aufbrechen, die heimkehren und die, die zuhause bleiben. Du Ursprung und Ziel, wir leben nicht aus unserer Kraft. Erbarme dich.

Vater unser im Himmel.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Abkündigungen

Verabschiedung

Segnung von Nadine Kempf

Lied: EG 395, 1-3 Vertraut den neuen Wegen

https://www.youtube.com/watch?v=TvTVh_698Lc


1. Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt. / Seit leuchtend Gottes Bogen / am hohen Himmel stand, / sind Menschen ausgezogen / in das gelobte Land.

2. Vertraut den neuen Wegen / und wandert in die Zeit! / Gott will, dass ihr ein Segen / für seine Erde seid. / Der uns in frühen Zeiten / das Leben eingehaucht, / der wird uns dahin leiten, / wo er uns will und braucht.

3. Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei euch gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen

Orgelnachspiel


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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