Gottesdienst am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, den 7.11.2021 in Lichtenau



Gottesdienst am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, den 7.11 2021, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrer Norbert Unkrich



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)



Praeludium


Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Jeder Tag, den wir in Frieden und in Zufriedenheit bestehen dürfen, ist ein guter Tag, ein besonderes Geschenk. Wir alle brauchen umfassenden Frieden, Gottes Gnade und Treue, seine Gerechtigkeit und Zuwendung Tag für Tag. Jetzt im November - am nächsten Sonntag begehen wir den Volkstrauertag, der uns an die unzähligen Kriege, an die Kriegstoten und das Leid von Millionen Menschen erinnert... jetzt im November - in 14 Tagen begehen wir den Totensonntag, den Ewigkeits-sonntag, in der Hoffnung und in der Glaubensgewissheit, dass alle unsere Verstorbenen im Frieden Gottes ruhen dürfen, weil sie eingebettet sind in Gottes ewigem Sein... jetzt im November - in 3 Wochen feiern wir den 1. Advent, weil wir uns vorbereiten auf den wahren Friedenskönig, der die Menschen selig spricht, die zum Frieden bereit sind... jetzt im November ist das Thema Frieden allgegenwärtig. Und wir alle brauchen ihn, um leben und bestehen zu können. Lasst uns in diesem Gottesdienst Gott um seinen Frieden bitten.

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich; an der Orgel begrüße ich Frau Droll, und die Lesung übernimmt Frau Krüner

Lied: 425, 1-3 Gib uns Frieden jeden Tag

https://www.youtube.com/watch?v=9uxy4m2_ye4

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen Gottes,

des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

Amen.

Gott, der Herr des Friedens, sei mit Euch!

Und mit deinem Geiste!

Wechselpsalm: Psalm 85 (Kopie)


(Ein Psalm der Söhne Korach)

2 Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem

Lande und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;

3 der du die Missetat vormals vergeben hast deinem

Volk

und alle seine Sünde bedeckt hast;

4 der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:

5 hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns!

6 Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für?

7 Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann?

8 Herr, erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil!

9 Könnte ich doch hören, was Gott, der Herr, redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, damit sie nicht in Torheit geraten.

10 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ich fürchten,

dass in unserem Lande Ehre wohne;


11 dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

12 dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;

13 dass uns auch der Herr Gutes tue, und unser Land seine Frucht gebe;

14 dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.


177. 2 Ehr sei dem

Wir wollen beten:

Gott des Friedens! Auch jetzt, zu dieser Stunde, werden irgendwo auf dieser Erde Menschen verletzt und getötet: erschossen, erschlagen, hingerichtet. Im Krieg, auf der Straße, nach einem Überfall.

Auch jetzt, in dieser Stunde, planen Menschen irgendwo einen Mord, basteln an Bomben, rasen mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straßen.

Auch jetzt, während dieses Gottesdienstes, trauern irgendwo Menschen um ihre Angehörigen: auf der Straße verunglückt, im Streit erschlagen, an der Drogenspritze verendet.

Ach Gott, nehmen die Gewalt, die Ungerechtigkeit, der Unfriede denn nie ein Ende? Erweise dich als der Gott des Friedens und gebrauche uns als Menschen, die deinen Frieden leben und verkündigen. Erbarme dich über die Friedlosigkeit in uns und um uns.

Amen. Amen. Amen.

Lied:435 (2x) Dona nobis pacem

https://www.youtube.com/watch?v=D5zu68ih4D8



Liebe Gemeinde! Haben Sie Frieden? Leben Sie in Frieden? Lebt Ihre Familie, oder wer auch immer zu Ihnen gehört, in Frieden?


Lebe ich in Frieden? Wie sieht mein Leben zurzeit aus? (Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen, Beruf und Rentnerdasein, Ein- und Auskommen usw.). - Habe ich Frieden in meinem Körper, in meinem Geist, in meiner Seele? - - (Einige weitere kurze Beispiele)


Frieden im Kindergarten, in der Schule: Streit um Spielsachen; jeder will der Erste sein, der Beste! Wer gilt als Versager, Loser... Gerade über die Medien werden viele gemoppt, gequält und fertig gemacht!


Frieden am Arbeitsplatz. Wobei Frieden sehr oft mit Zufriedenheit zusammenhängt: Erfahre ich in meiner beruflichen Tätigkeit Anerkennung, Wertschätzung - auch als Hausfrau? Werde ich gerecht bezahlt? Gerade im Dienstleistungssektor und Menschen in den unteren Einkommensschichten können da längst nicht alle zufrieden sein!


Frieden auf der Straße: Viele unterstreichen durch eine egoistische, aggressive und rücksichtslose Fahrweise ihre Denkweise, ihre Lebenseinstellung. Und wenn etwas passiert oder gerade noch glimpflich ausgeht, dann habe meistens der andere Schuld. Wer gesteht schon gerne eigenes Fehlverhalten ein?


Frieden in der Natur: Natürlich gilt in der Natur das Gesetz des Stärkeren; Fressen und Gefressen-Werden. Aber das ist zum Überleben einfach notwendig. Wobei in der Regel die Tiere nicht mehr fressen, als sie zum Leben brauchen. Wichtiger ist mir: Frieden mit der Natur! Die Natur wehrt sich durch die allzu große Ausbeutung und den Verbrauch aller Ressourcen, wie wir es besonders bei Natur-katastrophen sehen, die in ihrer Anzahl zunehmen. Doch wer denkt beim schnellen Einkauf, woher die Waren kommen? Wer schränkt sich der Natur zuliebe ein - nicht nur bei Lebensmitteln, eigentlich bei allen Konsumgütern?


Frieden in unserem Staat, in unserer Gesellschaft: Wie viele verbreiten Fake-News? Wie viele haben sich radikalisiert und ergötzen sich daran, den Staat oder einzelne Menschen zu beherrschen? Welch eine gravierende Verrohung und Menschenverachtung ist in unserer Gesellschaft festzustellen! Wie viele bereichern sich auf illegale Art und Weise, wie bei Cum-Cum und Cum-Ex geschehen, betrügen und bestehlen den Staat? Sogar bei der Beschaffung der Corona-Masken haben manche Politiker nicht genug kriegen können und horrende Summen eingesteckt. -

Ja, und die neue Regierung? Wird sie mehr Frieden und Gerechtigkeit erreichen?


Frieden in der großen Weltpolitik: Immer wieder entflammt ein neues Säbelrasseln; immer wieder wird leichtfertig mit Angriff, Rache und Vergeltung gedroht; immer wieder werden sogenannte „Bauernopfer“ gebracht, damit niemand an die, die im Hintergrund die Strippen ziehen,herankommt; immer wieder werden noch raffiniertere Waffen produziert und damit gute Geschäfte erzielt und generiert.


Frieden im Glauben : Wie ist mein Verhältnis zu Gott? Wie stark mein Gottvertrauen? Habe ich das Gefühl, Gott habe sich abgewandt von mir; er sei zornig über mich? Habe ich das Gefühl, Gott sei ohnmächtig angesichts aller persönlichen wie auch aller weltumspannenden Probleme? Angesichts des Unfriedens und der himmel-schreienden Ungerechtigkeiten, die uns die Luft zum Atmen rauben?


Alle genannten Beispiele machen deutlich, dass Frieden mehr ist als die Abwesenheit des Krieges, dass wir alle am tagtäglichen Frieden zu arbeiten haben, dass wir darauf angewiesen sind, welche friedlichen Zeiten uns geschenkt werden. Bereden wir dies mit Gott? Reden wir überhaupt noch mit Gott? Und wenn, was und wie reden wir mit ihm? Klagen wir? Machen wir ihm Vorwürfe? Bitten und bestürmen wir ihn um Beendigung des Unfriedens? Vertrauen wir ihm? - Liebe Gemeinde, ich bin zutiefst überzeugt davon, dass Friede - auch mein persönlicher Friede - von meiner ganz persönlichen Beziehung zu Gott abhängt!


Der Psalm 85, der wir vorhin bereits miteinander gelesen hatten, ist für das intensive Reden mit Gott ein vorbild-liches Beispiel: Das möchte ich unterstreichen mit kurzen Aussagen zu den einzelnen Versen:


Gott handelt unterschiedlich. Es stimmt nicht, dass er zu allem schweigt und uns einfach gewähren lässt. Manchmal dürfen wir gute Zeiten erleben, in denen wir die Nähe Gottes und seine gnädige Zuwendung spüren. Manchmal jedoch trifft uns der Zorn Gottes, weil er genug hat mit unserem grundsätzlichen Gottlosen Leben.


(Verse 3+4): Der Beter denkt an die Zeit der Wüsten-wanderung - 40 Jahre lang bekam das Volk Gottes neben Bewahrung auch den Zorn Gottes zu spüren. Aber am Ende waren sie im „Gelobten Land“ angekommen dank seiner göttlichen Gnade und Treue.

(Vers 2): Der Beter denkt in einem zweiten Beispiel an die Babylonische Gefangenschaft“, als die Babylonier Israel besiegten, und als die Oberschicht des Volkes nach Babylon verschleppt wurde, und daran, dass nach 50 Jahren das Volk wieder zurückkehren und die Stadt Jerusalem zusammen mit dem Tempel wieder aufbauen durfte. - Daran erinnert der Beter Gott und vergleicht ihn mit einem Vater, der über sein Kind nicht endlos böse sein kann, auch wenn es ihn gewaltig geärgert hatte (Vers 6).


Nach dieser Erinnerung und diesem Appell bestürmt der Beter Gott. (Vers 5): Damit kommt er zum Ziel seines Gebetes: Gott möge sich von seinem Zorn abwenden, er möge ablassen von seiner Ungnade, er möge seinem auserwählten Volk helfend beistehen. Ja, noch mehr: Gott möge (Vers 7) so eingreifen, dass seine Menschen sich erquicken können, weil sie sich über das Verhalten Gottes freuen. - Und der Beter unterstreicht sein Anliegen, indem er ihn auf seine Gnade anspricht (Vers 8): Gott möge doch seine durch Unfrieden, Ungerechtigkeit und auch durch den Zorn Gottes erkrankten Menschen heilen!


Warum betet er überhaupt? Er erhofft sich Antworten von Gott. (Vers 9): Intensiv wartet er darauf, dass Gott mit ihm und zu ihm spricht. Und was soll Gott reden und verkündigen? Gott möge doch seinem Volk umfassenden Frieden zusprechen. Denn Menschen, die in Unfrieden leben, begehen schneller als andere Menschen Dummheiten und Torheiten. Das ist bei Vielen - auch heutzutage - abzulesen!

Gleichzeitig weiß der Beter (Vers 10) - wie auch einige andere, die im Glauben und Gottvertrauen treu sind, dass Gottes Hilfe nahe ist - so nahe eben wie ein Gebet Schließlich ist dieser Gott nicht nur der Gott Israels, sondern darüber hinaus der Schöpfer und der Allmächtige! Und diesem Gott soll Ehre zuteil werden. Auch dadurch, dass bei seinen Menschen Güte und Treue sich begegnen, dass bei ihnen Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Vers 11). Nur wenn Gott solche Gerechtigkeit vom Himmel regnen lässt, kann bei seinen Menschen Treue, Glaubenstreue, entstehen und wachsen (Vers 12).


Unser Beter ist davon überzeugt, dass dann, wenn Gott, der Herr, Gutes tut, dass dann die Menschen auch gottgewollte Früchte bringen (Verse 13 und 14). Solche Früchte sind: Frieden und Versöhnung, Solidarität und Empathie, Gerechtigkeit und Gutes tun; aber auch Glaube, Liebe, Hoffnung


Beten wir? Wann beten wir? Was und wie beten wir, wenn wir beten? Bestürmen wir Gott, wie es der unbekannte Mensch in Psalm 85 getan hat? Was ist dabei unser ernsthaftes und wirkliches Gebetsanliegen? Gott will gebeten werden - intensiv und ehrlich! Und: Gott kann Vieles zum Besseren wenden - auch Krieg und Unfrieden, Ungerechtigkeit und Untreue - gleichgültig, ob in uns, ob in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, ob weltweit. Der Beter in Psalm 85 zeigt uns, dass das Beten kein hohles Geschwätz ist, vielmehr dass wir alle mit allen unseren Anliegen zum Herzen Gottes sprechen dürfen - jeden Tag! Amen.

Lied: 430, 1-4 Gib Frieden, Herr

https://www.youtube.com/watch?v=C0FNAXMuUZ8


Lasst uns beten: Gott, du hörst uns, wenn wir zu dir sprechen. Auch, wenn wir unsere Klagen vor dich bringen und dich mit unseren Anliegen bestürmen.

Du kennst die Friedlosigkeit, die Freudlosigkeit, die Unzufriedenheit, die Hoffnungslosigkeit in uns.

Du weißt, was uns fehlt und bedrückt. Gewähre uns deinen Frieden und mache uns zu Friedensbringern in deinem Sinne. Du kennst den Unfrieden, der sich schnell ausbreiten kann, wenn Menschen zusammen sind: Im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz, in den Vereinen und politischen Gremien. Du weißt von dem Unfrieden, der auf unseren Straßen herrscht; von dem Egoismus, andere Menschen in irgend-einer Art und Weise zu beherrschen und zu besiegen. Auch dich bekümmert der Unfrieden in unserer Gesellschaft, die allgemeine Verrohung, die Aggressivität und die Radikalität, dazu das Betrügen und Ausnutzen von Gesetzeslücken. Du leidest darunter, dass wir Krieg führen gegen die Natur, dass wir unsere Erde maßlos ausbeuten, dass wir wenig unternehmen gegen die fortschreitende Klima-veränderungen, die das Überleben auf diesem Planeten erschweren. Wir legen dir die Gebiete und Völker ans Herz, in denen gegenwärtig Kriege geführt, Menschen abgeschlachtet, vergewaltigt, vertrieben, versklavt werden. Bringe du die Verantwortlichen zur Vernunft, damit Konflikte nicht mit Waffengewalt, sondern mit politischer Diplomatie geklärt werden.


Gott sei nicht zornig über uns gerade auch, wenn wir rückfällig und nachlässig werden in unserem Gottvertrauen, in unserer Nächstenliebe, in unserer Friedensbereitschaft. Sei uns gnädig und sende uns allen immer wieder deinen göttlichen Geist, damit er uns auf den Weg führt hin zu dem Frieden, den nur du geben kannst.



Göttlicher Vater, Herr des Lebens, wir mussten bei der Trauerfeier am vergangenen Mittwoch Abschied nehmen von Frau Anneliese Sofie Giner, geb. König, die du im Alter von 91 Jahren heim in deine Ewigkeit gerufen hast. Wir haben uns dabei ihren Lebensweg wie auch ihre Lebenseinstellung vergegenwärtigt, sind dankbar für ihr Leben und getröstet über ihr friedliches Einschlafen. Wir haben uns an ihren Konfirmandenspruch erinnert, der uns auffordert, die Liebe zu dir nicht schleifen zu lassen und deine Gebote zu halten. Und wir haben uns vergewissert, dass allein unser Glaube der Sieg ist, der die Welt und alles Vergängliche überwindet. - So bitten wir dich: Nimm unsere Schwester auf in deine Ewigkeit. Halte sie fest in deinen väterlichen Händen. Und stärke unser Gottvertrauen, damit wir bestehen können, wenn die Zeiten uns Schweres abverlangen.

Halte auch uns die Tür auf, die uns zum Heil in dir führt.

Und miteinander und füreinander beten wir, wie uns der Herr zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel...

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun. Amen.

Abkündigungen

Lied: 667, 1-4 Selig seid ihr

https://www.youtube.com/watch?v=6dYeOKu_jok

Segen mit 3fachem Amen


Postludium



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





6 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen