Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 21.11.2021 in Lichtenau



Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 21.11 2021, um 10 Uhr auf dem Friedhof in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun und der Trachtenkapelle Lichtenau


Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Musikstück: Mountain Wind – Martin Scharnagl

https://www.youtube.com/watch?v=34yVf_ZU3dQ

Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 139 (NL 966.1)

Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht.


Eingangsgebet

Gott, du bist um mich – jeden Tag.

Wenn ich fröhlich und leicht meiner Wege gehe,

aber auch wenn mir jeder Schritt schwer fällt und ich mich müde und erschöpft fühle.

Du bist da, wenn ich stark, mutig und voller Energie bin.

Aber du weißt, dass es auch die anderen Tage gibt, wo ich mich am liebsten verkrieche, mich in mein Schneckenhaus zurückziehe.

Im zurückliegenden Jahr gab es all diese Zeiten und Gefühle, die zu einem Menschenleben gehören.

Und heute hier auf dem Friedhof werde ich besonders an die Momente erinnert, die schwer waren, die mich traurig machten, die mich auch heute noch bewegen und berühren.

Hier wird mir aber auch zugesagt, dass es keinen Ort und keine Zeit gibt, wo du nicht um mich bist.

Dass ich mich geborgen wissen darf, selbst wenn ich mich noch so allein fühle.

Hier an diesem Ort wird mir versprochen, dass deine Liebe bleibt und dass uns nicht einmal der Tod von dir trennen kann.

Lass und darin Trost finden, heute, hier – für uns selbst und für die Menschen, die wir verloren haben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Schriftlesung: (Offenbarung 21,1-5a)

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Lied: Morgenlicht leuchtet

https://www.youtube.com/watch?v=oK5Uj6wT1pk

1) Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang. Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt. Dank für die Lieder, Dank für den Morgen, Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2) Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet. So lag auf erstem Gras erster Tau. Dank für die Spuren Gottes im Garten, grünende Frische, vollkommnes Blau.

3) Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen, Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht! Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen! Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.




Predigtgedanken

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, dieser Vers aus dem Hebräerbrief ist vorne auf Ihrem Liedblatt zu lesen. Und dann ist da noch ein Schneckenhaus zu sehen. Die Schnecke ist wohl ausgezogen. Aber leer ist es dennoch nicht – es ist erfüllt von einem geheimnisvollen Leuchten.


Das Bild vom Schneckenhaus, es spricht mich an.

Manchmal ist mir einfach danach, mich zurückzuziehen in mein Schneckenhaus.

Besonders wenn es mir nicht gut geht, wenn mir gerade alles zu viel ist, wenn ich meine Ruhe brauche.

Vielleicht kennen Sie das ja auch oder haben es im letzten Jahr in manchen Situationen so empfunden.

An unserem Rückzugsorts hat dann auch die Trauer ihren Platz bekommen, die Tränen konnten fließen, ohne dass man sie hätte erklären müssen.


Das Schneckenhaus auf dem Bild es ist leer und verlassen. So wie der Platz im Haus, in der Wohnung oder am Esstisch, den sonst der Partner, die Partnerin, die Mutter, der Vater, die Oma oder der Opa eingenommen hatten.

Wir können das Leben nicht festhalten, wir können den anderen nicht festhalten, so gern wir es manchmal tun würden. Und wir können in die andere Wirklichkeit auch nichts mitnehmen.

Und doch ist das Schneckenhaus auf dem Bild ja nicht einfach leer. Da ist ein geheimnisvolles Leuchten, das es zu erfüllen scheint, nach außen dringt.

Ich überlege mir, was dieses Leuchten sein kann beim Abschied von einem Menschen?

Sind es die schönen Erinnerungen, die uns bleiben?

Die Dankbarkeit für gemeinsam gelebtes Leben?

Ist es der Trost, den andere uns schenken?

Oder ist es die Zusage, dass es mit unserem Tod nicht einfach vorbei ist. Dass wir aufgehoben sein werden, in einer anderen Wirklichkeit? Ist es also ein Leuchten, das in gewisser Weise aus der Ewigkeit herüber scheint?

Oder vielleicht ist es auch alles zusammen?


„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“.

Dieser Vers aus Hebräer 13, er erinnert mich an eine kleine Geschichte:

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. In der Tür fragt der Tourist erstaunt: „Und wo sind Ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“, erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ Der Bruder lächelt: „Wir auch.“


Ja, das vergessen wir oft oder verdrängen es auch gern ein bisschen: wir sind hier in der Welt nur auf der Durchreise.

Dabei lädt uns die Konfrontation mit dem Tod, das Bewusstsein, dass unser Leben endlich ist, dazu ein, unser Leben bewusster zu gestalten. Es zu genießen und jeden Tag, jeden Augenblick zu nutzen!


„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“.

Als Christen glauben wir, dass es nach unserem irdischen Leben nicht einfach aus und vorbei ist.

Wir sprechen von einem ewigen Leben bei Gott, von Auferstehung, von einem neuen verklärten Leib in Gottes Gegenwart.

Und noch viel mehr Bilder findet die Bibel dafür, um dieses ganz andere Leben nach unserem Tod zu beschreiben.

Eines dieser Bilder kam vorhin in der Lesung vor: Dort wurde von der himmlischen Stadt erzählt, dem neuen Jerusalem.

Sie kommt vom Himmel herunter, ist reich geschmückt. Mit Edelstein-besetzten Mauern, Toren aus Perlen, Straßen aus Gold. Sie ist hell und strahlend und leuchtend.

Was diese Stadt aber noch viel mehr zu einem besonderen Ort macht, ist, dass dort Gott selbst gegenwärtig ist. Er wohnt bei den Menschen. Dort gibt es kein Leiden und keine Tränen mehr. Gott trocknet sie selbst! Es gibt keinen Schmerz mehr und keinen Tod.

Sagen Sie selbst: ist das nicht eine schöne Vorstellung: ein Ort, der rundum friedlich ist und wo ich mit Gott Tür an Tür wohne.

Und es ist auch eine tröstliche Vorstellung.

Vielen Menschen hilft es zumindest ein bisschen, einen Menschen loszulassen, der krank war, Schmerzen hatte, gelitten hat, wenn sie glauben können, dass er nun davon befreit ist.

Die Vorstellung von dieser zukünftigen, heilen Stadt – der hellen anderen Wirklichkeit in Gottes Nähe, kann aber auch bei jedem anderen Abschied helfen und sei er noch so schwer.

Mir zumindest geht es so. Mir hilft die Vorstellung, die Zusage, dass der Mensch, den ich hier loslassen musste, an einem anderen Ort gut aufgehoben ist. Dass dieser Mensch, der mir hier fehlt, in einer anderen Wirklichkeit lebt.


„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“.

Wir sind auf der Durchreise – und die Menschen an unserer Seite sind es auch.

Hier auf dem Friedhof und heute am Ewigkeitssonntag denken wir an die Menschen, die wir loslassen mussten, die in gewisser Weise schon weiter gereist sind. Und es darf so sein, wenn der Schmerz nochmal hochsteigt, die Trauer sich Bahn bricht…

… aber danach dürfen wir dann auch wieder weitergehen - in unser Leben. Mit dem, was trotz allem gut daran ist, mit dem, was uns Freude macht, und mit den Menschen, die wir um uns haben und die mit uns gemeinsam unsere Lebensreise gestalten wollen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied Von guten Mächten

https://www.youtube.com/watch?v=kOoi85uqhnU

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. So will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht. Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet

So lass uns hören jenen vollen Klang

Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet

All deiner Kinder hohen Lobgesang.

Gedenken der Verstorbenen

Unsere Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind.

Heute hören wir noch einmal den Klang ihrer Namen.

Mit ihren Namen verbinden sich Erinnerungen, Gefühle, gemeinsam erlebtes Leben.

Wir zünden für jeden verstorbenen Menschen, den wir nennen, eine Kerze an. Und wir entzünden am Schluss eine weitere Kerze für alle, um die wir trauern und die heute nicht ausdrücklich mehr genannt werden.

Wir zünden die Kerzen an der Osterkerze an: Zeichen dafür, dass wir im Leben und im Tod mit Jesus Christus und seiner Auferstehung verbunden sind.

So spricht der Herr: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Verlesen der Namen

Paulus schreibt: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.

Musikstück: Yesterday

https://www.youtube.com/watch?v=Zh27GjHyUbA

Fürbitten

Gott des Lebens,

du versprichst uns, die Tränen zu trocknen.

Wir bitten dich heute für alle, die in diesem Jahr von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten.

Fange ihre Tränen auf. Schenke ihnen Menschen, mit denen sie ihre Trauer teilen können. Stärke ihre Hoffnung, dass du am Ende alle Tränen abwischen wirst.


Wir bitten dich für Menschen, deren Leben bedroht ist. Für Kranke ohne Aussicht auf Heilung, für Menschen auf der Flucht, für Sterbende.

Dir bringen wir auch die Menschen auf den Intensivstationen und in Krankenhäusern, die Kranken in unserer Gemeinde und in unseren Ortschaften und die Menschen, die sich um sie sorgen.

Sei bei allen, die dich brauchen, und gib uns allen den Mut, miteinander Tränen zu weinen, und die Kraft, Sprachlosigkeit auszuhalten.


Wir bitten dich auch für alle, die Leidenden beistehen:

Ärztinnen und Pfleger, Familienangehörige und Seelsorger, Therapeuten und Bestatter.

Wir bitten dich um Kraft und langen Atem, um die Bereitschaft mit auszuhalten und um Orte zum Kraft schöpfen.


Wir bitten dich für uns alle, wenn uns das Leben mal wieder schwer wird – wir uns verkriechen wollen oder uns an einen anderen Ort wünschen. Komm du uns dann nahe – mit deinem Trost und Segen – mit deinem Zuspruch und deiner Stärkung!

Und alles, was uns noch ganz persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich:

Vater unser

Musikstück: Lead me home - James L. Hosay

https://www.youtube.com/watch?v=jyVzIILXJxw

Segen

Es segne und behüte euch der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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