Gottesdienst am Karfreitag, den 15.04.2022 in Lichtenau



Gottesdienst am Karfreitag, den 15.04 2022, um 10 Uhr in Lichtenau

mit Pfarrerin Ute Braun



Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)





Orgelvorspiel (leise/ernst)

Lied: Herzliebster Jesu (EG 81,1-3+5)

https://www.youtube.com/watch?v=XspqgdLjAVw


1) Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,

dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?

Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?

2) Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,

ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,

du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.

3) Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen?

Ach, meine Sünden haben dich geschlagen;

ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

5) Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt,

der Böse lebt, der wider Gott gehandelt;

der Mensch verdient den Tod und ist entgangen, Gott wird gefangen.

Votum und Gruß:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Der Herr sei mit euch…

und mit deinem Geist.

Psalm 22: EG 709.1

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Ehre sei dem Vater…

Eingangsgebet

Ewiger, erbarmender Gott,

du wirst verwundbar in Jesus Christus, deinem Sohn.

In seiner Ohnmacht bist du mit der Kraft deiner Liebe für uns da.

Führe uns durch seinen Tod zum Leben.

Darum bitten wir durch ihn, unseren Heiland und Erlöser,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert in Ewigkeit.

Amen

Evangelium: Matthäus 27,1-5.11-54

Am Morgen aber hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes einen Rat über Jesus, dass sie ihn töteten, und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten ihn dem Statthalter Pilatus.

Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging davon und erhängte sich.


Jesus aber wurde vor den Statthalter gebracht; und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus aber sprach: Du sagst es.

Und als er von den Hohenpriestern und Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts.

Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich vorbringen?

Und er antwortete ihm nicht auf ein einziges Wort, sodass sich der Statthalter sehr verwunderte.


Zum Fest aber hatte der Statthalter die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten. Sie hatten aber zu der Zeit einen bekannten Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas.

Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?

Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten.


Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.

Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, dass sie um Barabbas bitten, Jesus aber umbringen sollten. Da antwortete nun der Statthalter und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen von den beiden soll ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas!


Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich dann machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen! Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen!

Da aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu! Da antwortete alles Volk und sprach:

Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!

Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus ließ er geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt würde.


Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und versammelten um ihn die ganze Kohorte und zogen ihn aus und legten ihm einen roten Mantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!, und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit auf sein Haupt.

Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.

Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und da er’s schmeckte, wollte er nicht trinken.

Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum. Und sie saßen da und bewachten ihn. Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.


Da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!

Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Er ist der König von Israel, er steige nun herab vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.

Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.


Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia.

Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.


Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Lied: Das Kreuz ist aufgerichtet (EG 94,1-5 (Melodie: 521)

https://www.youtube.com/watch?v=4CFwNebR3MQ


1) Das Kreuz ist aufgerichtet, der große Streit geschlichtet.

Dass er das Heil der Welt in diesem Zeichen gründe,

gibt sich für ihre Sünde der Schöpfer selber zum Entgelt.

2) Er wollte, dass die Erde zum Stern des Kreuzes werde,

und der am Kreuz verblich, der sollte wiederbringen,

die sonst verlorengingen, dafür gab er zum Opfer sich.

3) Er schonte der Verräter, ließ sich als Missetäter

verdammen vor Gericht, schwieg still zu allem Hohne,

nahm an die Dornenkrone, die Schläge in sein Angesicht.

4) So hat es Gott gefallen, so gibt er sich uns allen.

Das Ja erscheint im Nein, der Sieg im Unterliegen,

der Segen im Versiegen, die Liebe will verborgen sein.

5) Wir sind nicht mehr die Knechte der alten Todesmächte

und ihrer Tyrannei. Der Sohn, der es erduldet,

hat uns am Kreuz entschuldet. Auch wir sind Söhne und sind frei.



Bild

© Vatican Media-Dicastery for the Communikation 2020;

Crucifix of the Church "San Marcello al Corso" in Rome.

© Hg.: Gottesdienst-Institut, Postfach 440445, D-90209 Nürnberg



Predigtgedanken zum Bild „Weinender Christus“

„Es war ein Freitag. Ein dunkler Tag, der schon zwei Wochen vor dem eigentlichen Karfreitag atmosphärisch die Themen der Karwoche vorwegnahm. In Deutschland mussten wir zuerst begreifen lernen, was ein völliger Lockdown bedeutet. Die Italiener waren uns mit dieser düsteren Erkenntnis seinerzeit schon einige Wochen voraus und mussten Fernsehbilder verkraften, wie Militärfahrzeuge Corona Verstorbene aus den Dörfern wegtransportierten… Eine klamme und eigenartige Weltuntergangsstimmung lag in der Luft, draußen auf dem Platz und drinnen in unzähligen Wohnungen.

Ein paar Tage vorher meldete der Vatikan fast lapidar: „Der Papst segnet die Welt!“ – Im Grunde ist das kein besonderer Vorgang.

Das tut der Papst jeden Tag. Aber die Ankündigung ließ Insider spätestens dann aufhorchen, als dieser Segen noch mit den Begriffen „Urbi et Orbi“ qualifiziert wurde. Dass der Papst explizit „die Stadt Rom und den Erdkreis“ dem Segen Gottes anempfiehlt, geschieht auf diese Weise normalerweise nur an Weihnachten und Ostern … oder eben wenn außergewöhnliche Situationen außergewöhnliche Maßnahmen erfordern.

… Der Petersplatz war leer! Damit hatten wir gerechnet. Kollektive Quarantäne war auch im Vatikan angesagt. Aber es war anders, als wir erwartet hatten. Es war eine besondere, irgendwie ‚feierliche‘ Leere. ...Es war eine Leere, die ohne Worte einlud, einfach zu schauen und ‚da zu bleiben‘, die Raum ließ für Ängste und alle Fragen, die sich die Stadt und die Welt und Unzählige vereinzelt in ihren vier Wänden an diesem Corona-Freitagabend stellten.


Der Himmel fiel aus allen Wolken. Beim ersten Kameraschnitt, der über den Bildschirm ging: Alles nass! In den Pfützen auf dem Petersplatz spiegelten sich unzählige Lampen. Und während aus den Wolken die Regentropfen wie die gesammelten Tränen der ganzen Menschheit unaufhörlich auf den Platz niederprasselten, war da ein weißer Punkt, ein Mensch, der sich davon berühren ließ, der sich allein und ohne Schirm Schritt für Schritt über den nassen Platz bewegte, ohne Gepäck und doch beladen mit den Sorgen, die die Menschheit in diesen Stunden verbanden. Wohin ging er?

Sein Ziel kannte er, weil er es einige Tage vorher schon einmal in seiner Not aufgesucht hatte: Es war das alte römische Pestkreuz aus der Kirche San Marcello al Corso, das jetzt am Eingang zur Peterskirche angebracht war und dort auf ihn und seine Last wartete.

Eindrucksvoll schafften es die Kamerakollegen, das Gesicht des Gekreuzigten immer wieder ins Bild zu setzen. Auf diesen Christus am Kreuz sollte die Welt an diesem Abend schauen. Er war da mitten in der Leere. Von seiner Dornenkrone tropfte ihm das Wasser auf Nase, Wangen, Kinn und Brust. Es hätten auch Schweiß, Tränen und Blut sein können.

„Ecce homo!“ – „Schau hin…!“ Was für ein Mensch!? Was für ein Gott!? Findest du dich wieder in deiner Not? Wenn hier kein Segen sich verbirgt, wo dann?

59 Minuten lang durften sich dann diese Bilder ihren Weg suchen und einsickern und durchtropfen bis zum Grundwasser der Seele … weit unter der Haut.“


So beschreibt Monsignore Erwin Albrecht, der ARD-Senderbeauftragte der Bayrischen Bischöfe, einen besonderen Moment. Das Bild, das die Kameras an diesem Abend nur zufällig eingefangen haben, halten Sie heute in Händen.


Als ich dieses Bild sah, hat es mich spontan berührt.

Ein weinender Christus.

Einer der Leiden kennt – und sich ihm stellt.

Der Gottverlassenheit erfährt – und aushält.

Der die Verwundbarkeit unseres Lebens am eigenen Leib erfahren hat – und die Verlorenheit der Welt spürte und sie zu wandeln versuchte.


Wir sind nicht mehr im Lockdown – aber was wir momentan weltpolitisch erfahren, ist mindesten genauso bedrückend und beängstigend, wenn nicht noch mehr.

Und daneben gibt es immer auch noch die ganz persönlichen Lebenserfahrungen, die schwer auf uns liegen.


Ich schau auf dieses Kreuz und in mir klingt das Evangelium nach, das wir gerade gehört haben.

Das sind die gellenden Rufe derjenigen, die Jesus anklagen und seine Kreuzigung fordern.

Da ist das laute Spotten und Lachen der Soldaten, als sie Jesus geißeln, verhöhnen und seine Kleider verlosen.

Ein politisches System, das einen Schwächeren als Gefahr ansieht und auslöschen will. Und dafür Lügen in Kauf nimmt und unverhältnismäßige Gewalt anwendet. Erinnert Sie das an was?


Da ist die Häme der Menschen, die an der Kreuzigungsstätte vorbei gehen und sensationslüstern jede kleinste Äußerung und Regung aufschnappen und kommentieren.

Sie erinnern mich an die Flut der Medien, Kommentare, Fake-News, Verschwörungserzähler und andere öffentliche Personen, die das Leid kaum zu berühren scheint, das sie direkt vor Augen haben. Sind sie wirklich so hart und kalt?


Und auf der anderen Seite ist da der Verurteilte: Jesus – der schweigt, als er befragt und angeklagt wird.

Jesus, der er-trägt, was man mit ihm macht.

Der still erduldet – und schließlich stirbt – verlassen, allein.

Und er verkörpert damit das Leiden so vieler Ungehörter und Ungesehener. Die Opfer von Gewalt wurden – an Kriegsschauplätzen und in Krisenherden – aber auch hinter verschlossenen Türen n ihrer eigenen Wohnung – vielleicht nur wenige Straßen von uns entfernt.


Voller Schmerz sind auch die Jünger:

Judas, der erkennt, was er angerichtet hat, es nicht mehr ungeschehen machen kann und an dieser Schuld zerbricht.

Die Jünger, die aus Angst geflohen sind.

Und die Frauen, die in der Ferne stehen und nicht wissen, wohin in ihrer Trauer.

Wo gehen wir hin mit unserer Angst, mit unserem Schmerz, mit unserer Trauer und mit unserer Schuld?


Und dann ist da die Schöpfung – die mitleidet und den Schmerz zu teilen scheint. Bildhaft beschreibt es Matthäus mit der Sonnenfinsternis über mehrere Stunden und dem gewaltigen Erdbeben bei Jesu Tod.


Ein weinender Christus – in diesem Bild steckt für mich all das Leid, das es in unserer Welt gibt.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Christus auf der Karte, er weint nicht nur mit uns und mit unserer Erde, sondern auch über uns.

Es sind die stillen Tränen, die Sie vielleicht auch schon geweint haben. Tränen, die aus den Tiefen der Seele kommen und ganz still fließen. Sie kommen von so tief in uns drin, dass wir sie noch nicht mal mit Worten fassen können.

Aber in ihnen liegt der ganze Schmerz, das ganze Leid, die volle Trauer.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wenn schon der Christus, Gott in seinem Leiden nicht spüren kann, wie sollen wir es dann können?


„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ – so sagt der Hauptmann unter dem Kreuz.

Gottes Sohn trägt alles Leid, allen Schmerz, alle Verlassenheit und alle Trauer. Er trägt sie mit uns und für uns – ja in gewisser Weise, trägt er uns, mit unserem Leid, mit unserem Schmerz, mit unserer Angst und unserer Trauer.

Das Kreuz – hier auf dem Bild – es wurde damals in Italien bewusst aus der angestammten Kirche hin zum Petersplatz gebracht.

Ein Zeichen dafür, dass Gott da ist – auch im Leiden.

Die Menschen gingen dort hin – mit ihrer Trauer, mit ihrem Schmerz, mit ihrer Klage.

Denn wir brauchen dann einen Ort dafür, wenn es uns so geht. Einen Ort zum Abgeben, zum Beten, zum Hoffen.


Ich schau auf diesen Bildausschnitt – sehe die Träne, die an der Nase herunter läuft – und bin froh, dass ich in diesem Fall weiß, wie die Geschichte weitergegangen ist

– dass die Sonnenfinsternis vorüber ging

– dass das Erdbeben Tore, Türen und Gräber geöffnet hat

– dass der Tod nicht das letzte war und der Schmerz und die Trauer sich in Hoffnung und Neuanfang gewandelt haben.

Ich hoffe, dass auch die Leiden, die wir erfahren im eigenen Leben oder in dem anderer, nicht das Letzte bleibt – sondern dass auch sie sich wandeln hin zum Hoffnungsvollen und Lebendigen.

Und bis es soweit ist, bin ich dankbar immer wieder zu diesem Christus gehen zu können, der Schmerzen kennt, sich berühren lässt und weinen kann – und mir damit zeigt, dass ich nicht verlassen bin, schon gar nicht von Gott.

Amen.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1+2+6+9)

https://www.youtube.com/watch?v=fJihMSWwUE4


1) O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,

o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt,

sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

2) Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut

das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit,

wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht,

dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht'?

6) Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht;

von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;

wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß,

alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.

9) Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,

wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;

wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

Abendmahlsgebet mit Einsetzungsworte

Barmherzig bist du, unser Gott,

und unermesslich groß ist deine Liebe,

in der du deinen Sohn für uns dahin gegeben hast.

Er war ganz eins mit dir

Und war doch ganz eins mit uns.

Er, unser Heiland und Erlöser,

war gehorsam bis zum Tod.

Das Dunkel der Verlassenheit nahm er auf sich,

um uns hineinzuführen in dein Licht.


Unser Herr Jesus Christus

in der Nacht, da er verraten ward,

nahm er das Brot, dankte und brach’s

und gab’s den Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset,

das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Solches tut zu meinem Gedächtnis.


Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl,

dankte, gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus.

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,

das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.


Wir danken dir, unser Gott,

denn in Christus hat sich deine Liebe in die Welt hinein gesenkt,

sie hat Sünde und Tod überwunden.

Sein Kreuz verbindet Himmel und Erde:

Er führt uns zu dir,

sein Tod erschließt uns das Leben.

Wir bitten: schenke uns deinen Frieden,

wirke Versöhnung,

tröste, verbinde, heile.

Sende deinen Geist,

dass deine Liebe alles durchdringe und verwandle.

Gemeinsam beten wir:

Vaterunser

Sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt verkündigt ihr den Tod unseres Herrn bis er wiederkommt.

Christe du Lamm Gottes

Zuspruch:

Christus spricht uns zu:

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.


Christi Leib für dich gegeben (Brot)

Christi Blut für dich vergossen (Saft)


Fürwahr er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.

Das stärke und bewahre euch im Glauben zum ewigen Leben!

Amen.

Fürbitten

Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr,

wir sehen auf dein Kreuz.

Du gehst den Weg der Hingabe und des Leidens.

Du verzichtest auf alle Macht.

Du lässt dich hineinziehen in das Elend der Welt.

Höre unsere Bitten.


Wir sehen dein Kreuz,

und erkennen die Bosheit und den Unfrieden dieser Welt.

Hilf uns, eigenes Leid anzunehmen und fremdes Leid mitzutragen.

Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir:


G Herr, erbarme dich!


Wir sehen dein Kreuz,

und erkennen die Willkür der Mächtigen.

Hilf uns, für diejenigen einzutreten, die beim Streben nach Macht und Erfolg beiseite geschoben werden.

Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir:


G Herr, erbarme dich!


Wir sehen dein Kreuz,

und erkennen wie hart und gnadenlos Menschen

miteinander umgehen.

Schenke uns Barmherzigkeit, auch für die Menschen,

die uns unbequem sind.

Bewahre uns vor Selbstgerechtigkeit.

Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir:


G Herr, erbarme dich!


Wir sehen dein Kreuz,

und erkennen, dass menschliche Anmaßung blind macht

für Gottes Wege.

Zeige uns, wo wir falschen Zielen nachlaufen.

Schenke uns Mut zur Umkehr.

Öffne uns die Augen für das Geheimnis des Glaubens.

Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir:


G Herr, erbarme dich!


Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, lass uns aufbrechen, wohin deine Liebe uns weist.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.


G Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Nun gehören unsre Herzen (EG 93,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=jUSEt4OMY8U


1) Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,

der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,

das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,

das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

2) Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.

Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,

als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,

als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

3) Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,

ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah,

dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;

und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

Abkündigungen

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen, Amen, Amen

Orgelnachspiel (leise/ernst)



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage:

https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste



© Vatican Media-Dicastery for the Communikation 2020;

Crucifix of the Church "San Marcello al Corso" in Rome.

© Hg.: Gottesdienst-Institut, Postfach 440445, D-90209 Nürnberg


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