Gottesdienst am Sonntag Lätare, den 14.3.2021



Gottesdienst am Sonntag Lätare, den 14.3.2021

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Vikarin Nadine Kempf


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

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Orgelvorspiel

EG 455 Morgenlicht leuchtet


Votum:

Gott über uns. Gott um uns. Gott in uns.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Begrüßung


Dieser Sonntag tanzt aus der Reihe. Lätare – freuet euch! Sich freuen? Mitten in der Passionszeit? Eine Unterbrechung, wie mir scheint. Ein Ausblick, auf das zarte Licht, das uns am Ostermorgen entgegen scheint und uns Vorbotin ist, für das Geheimnis der Auferstehung Jesu.


Psalm 84

Freuet euch! Wie das klingen kann, macht uns der Psalmbeter vor. Lesen Sie Worte aus Psalm 84.


2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! 3 Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. 4 Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. 5 Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. SELA.

6 Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! 7 Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. 8 Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. 9 Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! SELA. 10 Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten! 11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler. 12 Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; / der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. 13 Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Tagesgebet

Gott, eine kleine, freudige Aussicht inmitten der Passionszeit. Einmal durchatmen. Hab dank, dass du unser Leben unterbrichst. Sei uns nah, wenn uns Hast und Eile treiben. Mach uns Mut, uns auch im Alltag von dir unterbrechen zu lassen, innezuhalten, dir zugewandt. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

Lied: EG 396 Jesu, meine Freude

https://www.youtube.com/watch?v=NYcCgSruYLw

1) Jesu, meine Freude, / meines Herzens Weide, / Jesu, meine Zier, ach wie lang, ach lange / ist dem Herzen bange / und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, / außer dir soll mir auf Erden / nichts sonst Liebers werden.


2) Unter deinem Schirmen / bin ich vor den Stürmen / aller Feinde frei. Laß den Satan wettern, / laß die Welt erzittern, / mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, / ob gleich Sund und Hölle schrecken, / Jesus will mich decken.


6) Weicht, ihr Trauergeister! / denn mein Freudenmeister, / Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, / muß auch ihr Betrüben / lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, / dennoch bleibst du auch im Leide, / Jesu, meine Freude.

Predigt Joh 12,20-24

Liebe Gemeinde,


Sonntag. 22 Uhr. Ich greife zu meinem Handy. Öffne Whatsapp. Ich scrolle runter. Da ist er ja, Andi mein Kumpel. Ich tippe: „Hey Andi, boah, hast du grad den Tatort gesehn?“ - Er schreibt: „Servus. Ne. […] War er gut?“ - „Mega. Den musst du gesehen haben!“ - „Na dann, danke für den Tipp!“


„Den musst du gesehen haben! Das lohnt sich!“ Das haben sie jetzt schon so oft gehört! Alla hop. Sie packen ihre Sachen. Los geht’s.


20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.


Ja, mal wieder Passafest in Jerusalem. Dieses Mal wollen sie es miterleben! Sie wollen mittendrin sein. Sie wollen Gott anbeten. Wollen erleben, wie sich jüdischer Glaube anfühlt. Zugegeben, sie sind als Griechen eher Randfiguren. Manche nennen sie auch Heiden. Sie gehören eben nicht der jüdischen Religion an. Aber neugierig sind sie schon, was dieser Glaube so her gibt. Und dann gibt es auch noch diesen Wanderprediger: Jesus. Alle Welt läuft ihm schon nach (Joh 12,19). Sie sagen: Den muss man gesehen haben! Er scheint ein offener, toleranter Typ zu sein. Der schickt uns nicht gleich weg, auch, wenn wir Griechen sind, denken sie.


Alla hop. Sie packen ihre Sachen. Und ich? Zieh ich noch mit, eifrig, neugierig, aufgeweckt, um Gott anzubeten?


21 Die Griechen traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen.


Sie wollen ihn sehen, die Griechen. Aber nicht etwa aus zweiter Reihe. Und mal angenommen, es hätte damals schon Insta oder Facebook gegeben, dann hätte ihnen das auch nicht gereicht, mal eben über einen Post von Jesus zu klicken. Nein, sehen heißt hier – begegnen. Also suchen sie sich einen, der vermitteln kann: „Man Philippus – kannst du nicht mal deine connections spielen lassen? Du bist doch einer seiner Jünger!“


Sie wollen ihn sehen, die Griechen. Ja das wäre cool, denk ich. Wenn ich ihm begegnen könnte. Mal von Angesicht zu Angesicht.

Da fällt mir ein: In Seelsorge habe ich gelernt, für eine gelingende Begegnung gehören immer zwei. Und sie ist beziehungsstiftend, wenn sich beide in der Begegnung aufeinander zubewegen. Interessiert, wertschätzend.

Da muss ich mich fairerweise fragen: Wann nehme ich mir die Zeit, mit Gott in Beziehung zu treten, zu beten, in der Bibel zu lesen, mit anderen über ihren Glauben zu reden? Und wo drängt sich viel zu oft mein Alltag dazwischen. Blinkende Handys, hier noch eine Mail, 1000-e Reize, die mich ablenken?

Die Griechen jedenfalls haben sich nicht ablenken lassen: Zielstrebig bitten sie Philippus: Herr, wir wollen Jesus sehen.


22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus.


Ein bisschen wie Flüsterpost. Die Spannung steigt. Die Anfrage wird weiter gegeben: Von Philippus zu Andreas zu Jesus.


Wären wir jetzt am Anfang des Johannesevangeliums würde uns der Verfasser wahrscheinlich schildern, wie Jesus auf die Flüsterpostfrage mit einem einladenden Lächeln reagieren würde: „Klar, kein Problem! Schickt sie zu mir und wir unterhalten uns.“

Aber wir sind in der Mitte des Johannesevangeliums angelangt. Die Zeit, in der Jesus herum gezogen ist, ist jetzt rum. Das Blatt wendet sich.


23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.


Puh. Was ist denn jetzt los? Was hat das denn mit der Frage der Griechen zu tun?

Ein bisschen fühlt es sich an, wie wenn ich meine Freundin frage: Wann sollen wir uns treffen? Und sie antwortet: Auf der Hornisgrinde. Hat sie mir nicht zugehört?

Vielleicht ging es den Jünger:innen oder den Menschen, die um Jesus herumstanden ja ähnlich. Dass sie sich wundern, was das bitte für eine Antwort ist.

Doch...ganz langsam fällt der Groschen. Sie erinnern sich: an die Hochzeit in Kana (2,4), an die Male im Tempel (7,30; 8,20) – da hat Jesus immer wieder gesagt: „Was wollt ihr? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“

Und jetzt: etwas hat sich verändert. Auf einmal sagt Jesus: „Die Stunde ist da, dass ich, der Sohn, der, der Mensch geworden ist, der Gottes Leuchtkraft auf Erden sein durfte, nun selbst ein letztes Mal von dieser Leuchtkraft umgeben sein werden, um dann wieder bei Gott zu sein.“ „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“

Und dann setzt Jesus noch einen drauf:


24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.


Jesus steht vor der Menge. Unter ihnen auch einige Bauern. Mit einem Bild aus ihrem Alltag lenkt er ihre Gedanken auf die Zeit, die ihm nun bevorsteht.

Ein einzelnes Weizenkorn also. Winzig. Eingebettet in Erde. Ohne Licht. Dennoch, die Wärme spürt es. Wasser braucht es. Nährstoffe saugt es aus dem Boden. Fängt an zu verfaulen, bis der Keim die Schalen durchbringt und sich nach oben kämpft. Gestorben, um zu leben. Und zu wachsen. Und Frucht zu bringen, reichlicher denn je.


Wo wir einen Wissensvorsprung haben und bei uns schon die österlichen Glocken läuten, da bleibt es bei den Jünger:innen still. Ostern kennen sie noch nicht. Dennoch. Begriffen werden sie es trotzdem haben: Jesus spricht hier von seinem Tod!

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.


Auch wenn die Menge wahrscheinlich noch verwirrt da steht...Jesus lässt sie sehen. Lässt uns sehen. Schenkt uns ein Bild, dass wir verstehen können, was an Ostern passiert. Jesus stirbt, aber dabei bleibt es nicht. Er kehrt zurück von den Toten und trifft als Lebendiger in Emmäus auf die Jüngerschaft. Das bringt sie dazu, weiterzuerzählen, was sie erlebt haben. In alle Welt zu streuen, was Jesus für ein genialer Typ war. Damit ist der Keim des Christentums gesetzt. Seine Früchte - das sind wir, seine Gemeinde.


Aber es ist noch ein zweites, dass Grund zur Freude gibt: Sein Sterben bringt uns Leben. Ewiglich. Der Tod hat nicht das letzte Wort! Auch, wenn es scheiße weh tut, einen Menschen zu verlieren, den man geliebt hat, so weiß ich diesen Menschen gehalten und getragen in Gottes Händen. Ich vertraue darauf, dass er und sie nicht verloren ist. Dass Gott ihm und ihr neues Leben schenkt in Fülle und auf ewig.


Noch sind wir auf dem Weg der Passion. Gehen auf Verrat, Folter, Schreie zu. Blut, Spott, Verzweiflung, Angst. Aber dieser Sonntag schenkt uns eine Unterbrechung. Er lenkt den Blick auf meine Hoffnung: Gott macht es möglich, dass aus dem Tod, Leben wächst. Darum, Herr, will ich mich aufmachen und dich sehen. Und dir begegnen! Darum Herr, will ich mich heute freuen.


Amen.

Lied EG 98 Korn, das in die Erde

https://www.youtube.com/watch?v=AIP3G93rTnc

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt. Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn – Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Fürbitten

Guter Gott, heute gedenken wir des Verstorbenen Reiner Schauerhammer. Er verstarb am 1.März.2021 im Alter von 79 Jahren. Das Wort, das Familie und Freunde auf dem Weg des Abschiednehmens begleitet, stammt aus Johannes 12,24. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Herr, wir bitten dich für alle, die um Reiner Schauerhammer trauern. Für seine Frau, seine Tochter, Enkel und Urenkel, Freunde und Nachbarn. Gib Ihnen Halt. Lass sie darauf vertrauen, dass Reiner Schauerhammer bei dir geborgen ist.


Guter Gott, nimm in den Blick: Blinde, Hasserfüllte, Schuftende, Glückliche, Verzweifelte, Depressive, Christ:innen weltweit, Pflegende, Einsame, Politiker:innen, Laute, Leise, Schüler:innen, Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Suchende, Findende, Aktive, Gelangweilte, Neugierige, Eltern, Kinder, Konfis, uns.


Nimm sie in den Blick und unterbrich sie.

Dass sie sehen können, worauf es im Leben ankommt. Durchleuchte sie, dass sie sehen können, wie du sie im Leben umgibst. Leite sie, dass sie sehen können, dass sie nicht alleine sind.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Lied: NL 30 Durch das Dunkel hindurch

https://www.youtube.com/watch?v=vQwmfQdTZh4

1. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. so hell soll auch die Erde sein, steht auf, steht auf, steht auf, so hell soll auch die Erde sein, steht auf! 2. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf, steht auf, steht auf, das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf! 3. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf, steht auf, steht auf, der Weg wird unsere Zukunft sein, steht auf! 4. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf, steht auf, steht auf, das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf!


Segen

Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen.

Orgelnachspiel

https://www.youtube.com/watch?v=IawvHcCdjWo

NL 74 Schalom, Schalom, der Herr segne uns



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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