• Ute Braun

Gottesdienst am Sonntag Oculi, den 07.3.2021



Gottesdienst am Sonntag Oculi, den 07.3.2021

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)




Orgelvorspiel

Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 34: EG 718.2

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten

und seine Ohren auf ihr Schreien.

Das Angesicht des HERRN steht wider alle,

die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR

und errettet sie aus all ihrer Not.

Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Eingangsgebet

Guter Gott,

aus der Enge des Lebens kommen wir zu dir. Wir warten auf dein Wort, damit es uns aufrichtet und stärkt. Manchmal fühlen wir uns kraftlos und müde. Führe uns heraus aus Finsternis und Angst in das Licht deiner Gegenwart. Lass uns spüren, dass du mit deinem guten Geist mitten unter uns bist. Und lass es auf diese Weise hell werden in unseren Herzen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Schriftlesung: Epheser 5,1-9

Nehmt also Gott zum Vorbild! Ihr seid doch seine geliebten Kinder! Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein.

Denkt daran, wie Christus uns geliebt und sein Leben für uns gegeben hat, als eine Opfergabe, an der Gott Gefallen hatte.

Weil ihr Gottes heiliges Volk seid, schickt es sich nicht, dass bei euch von Unzucht, Ausschweifung, Habgier auch nur gesprochen wird.

Es passt auch nicht zu euch, gemeine, dumme oder schlüpfrige Reden zu führen. Benutzt eure Zunge lieber, um Gott zu danken!

Ihr müsst wissen: Wer Unzucht treibt, ein ausschweifendes Leben führt oder von Habgier erfüllt ist – und Habgier ist eine Form von Götzendienst – für den ist kein Platz in der neuen Welt, in der Christus zusammen mit Gott herrschen wird.

Lasst euch nicht durch leeres Geschwätz verführen! Genau diese Dinge sind es, mit denen die Menschen, die Gott nicht gehorchen wollen, sich sein Strafgericht zuziehen.

Mit solchen Leuten dürft ihr nichts zu tun haben!

Auch ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid.

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Lied: Gott ist gegenwärtig (EG 165,1+6)

https://www.youtube.com/watch?v=Z4Cuvs11Eto

1) Gott ist gegenwärtig.

Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.

Gott ist in der Mitte.

Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.

Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder;

kommt, ergebt euch wieder.

6) Du durchdringest alles;

lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte.

Wie die zarten Blumen willig sich entfalten

und der Sonne stille halten,

lass mich so still und froh deine Strahlen fassen

und dich wirken lassen.

Predigtgedanken zu Epheser 5,1-9

Der Sonntag Oculi, den wir heute feiern, war in der alten Kirche einer der Sonntage, an denen die angehenden Täuflinge geprüft wurden. Die Taufe sollte in der Osternacht sein – und in den Sonntagen davor wurden die Kandidaten geprüft: ihr Wissen, ihr Glauben, ihr Lebenswandel.

Auch wenn wir heute diese Verbindung am Sonntag Oculi nicht mehr haben, finden wir in unserem Predigttext doch einige Begriffe und Bilder, die wir mit der Taufe verbinden können:

„Ihr seid Gottes geliebte Kinder“ heißt es da. „Ihr seid sein heiliges Volk“ – „Ihr wart Finsternis, jetzt seid ihr Licht“ – „Ihr seid mit dem Herrn verbunden“.

Und die Bräuche rund um die Taufe sind es auch, die uns helfen, diesen Predigttext besser zu verstehen. Bräuche wie sie besonders in der alten Kirche vorkamen, aber in Auszügen auch heute wieder oder noch begangen werden.

Wenn wir Menschen taufen, werden sie in besonderer Weise mit Gott, mit Jesus Christus verbunden. Ihr Name wird mit dem Namen Gottes verbunden, durch das Wasser wird das Alte, Gottesferne abgewaschen und das Neue hervorgeholt. Die Täuflinge werden sichtbar in Gottes Familie aufgenommen, dürfen sich Kinder Gottes nennen. Und sie erhalten dadurch Anteil an dem Kreuzesgeschehen Jesu. Die Taufkerze als Symbol für Jesus Christus soll sie daran erinnern, das Christus als das Licht der Welt nun ihr Licht und ihre Orientierung auf dem Weg sein soll.

„Ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht!“

Gerade der Wechsel vom Dunkel ins Licht, der in der Osternacht eine große Rolle spielt, führt es uns vor Augen, was der Text hier meint. In der alten Kirche, aber normalerweise auch in unserer Gemeinde hier, wird in der Osternacht dieser Übergang regelrecht inszeniert und dadurch für die Menschen erlebbar gemacht.

Wir Menschen stehen von uns aus im Dunkel. Wir sind verhaftet in unserer Schuld, in dem was uns wichtig ist, aber nicht unbedingt mit Gott zu tun hat. Wir sind von uns aus immer wieder versucht, Dinge zu tun, von denen wir – im Licht betrachtet – wissen, dass sie nicht in Ordnung sind. Jeder von uns trägt eine Fülle an Schattenseiten mit sich, die er oder sie auch nicht unbedingt im Licht zeigen will! So ist der Mensch – sagt die Bibel – ohne Gott! So ist der Mensch, wenn er auf sich allein angewiesen ist – sein Leben allein aus eigener Kraft führen möchte. Abgebildet wird das auf dem Weg durch die Osternacht: In der Osternacht beginnen wir im Dunkel – dort wo wir stehen ohne Gott, dort wo wir wären, wenn Gott uns verlassen würde. Im Dunkel der Nacht, der Schuld, des Todes! Abgebildet wird es auch in der Taufe der alten Kirche – der alte Mensch ist noch verhaftet in der Dunkelheit, sichtbar gemacht in dunklen Kleidern, die er trägt.

Doch dann geht der Weg weiter: in der Osternacht sichtbar gemacht in der Schöpfungsgeschichte: „Gott sprach es werde Licht, und es ward Licht.“ In der Ostergeschichte: durch ein Beben, das Wegrollen eines Steines, das Öffnen von Gräbern, dem Aufgang der Sonne.

Gott, so erzählen diese Geschichten, erwählt uns Menschen als seine Kinder – obwohl wir es eigentlich nicht verdient haben.

Auch das wird in der Osternacht sichtbar gemacht, in dem es immer heller wird – erst die Osterkerze, dann die Altarkerzen – dann die vielen Handkerzen und erst zum Schluss durch die Deckenleuchten.

Erst wenn der Osterjubel vom Sieg des Lebens singt, leuchtet die Kirche in vollem Licht. In der Taufe früher wurde genau das auch sichtbar gemacht, indem die Neugetauften in weiße Kleider gehüllt wurden – neue Menschen, lichte Menschen, Kinder Gottes!

„Ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht!“

Ihr seid Licht! Ihr seid es wirklich! Unser Predigttext legt genau diesen Weg zugrunde, wenn er das behauptet. Ihr seid Licht! – Nicht, weil wir selbst dazu irgendetwas beigetragen hätten. Nicht weil wir uns das in irgendeiner Weise verdient hätten. Nein! Sondern weil Gott diesen Weg durch das Dunkel ins Licht gegangen ist. Weil er in Christus durch den Tod ins Leben ging. Weil er den Weg von Karfreitag nach Ostern zurückgelegt hat! Und weil er uns in gewisser Weise auf diesem Weg mitgenommen hat.

Wenn wir an Jesus Christus glauben, wenn wir auf seinen Namen getauft werden, dann sind wir eng mit Christus verbunden. So eng als wären wir diesen Weg durch Dunkel ins Licht und durch den Tod ins Leben selbst mitgegangen! Durch unseren Glauben, den Gott uns schenkt, bekommen wir Anteil an diesem Weg und alles Leben was Gott uns dadurch ermöglicht. Durch unsere Taufe wird das an uns sichtbar: das Alte und Dunkle wird abgewaschen und getötet – das Neue und Lichte lebt auf!

Christus, das Licht der Welt – so wie ich es immer in den Tauffeiern bei der Entzündung der Taufkerze sage – erhellt unser Leben und macht uns selbst zu Licht.

„Ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht!“

Und das heißt für uns jetzt, wir können und sollen auch in diesem Licht leben – sollen durch und in unserem Leben, dieses Licht sichtbar werden lassen! „Lebt als Kinder des Lichts“, heißt es da! Und der Briefschreiber führt ja dann auch sehr eindrücklich auf, was da alles nicht mehr dazu passt: Unzucht, Ausschweifung, Habgier, gemeine Reden, leeres Geschwätz und vieles mehr.

Stattdessen soll „unser ganzes Leben von der Liebe bestimmt“ sein!

Ob uns das gelingt?

Zugegeben: das ist gar nicht so einfach! Auch die besten der Jünger Jesu scheitern auf ihrem Weg. Auch die vertrauensvollsten Propheten des Alten Testaments geraten ins Zweifeln. Auch die besten Könige Israels verfallen ihren eigenen Interessen. Und natürlich passiert es auch uns immer wieder, dass wir in die alten Verhaltensweisen zurückfallen. Dass wir Menschen verletzen, unsere Interessen über die der anderen stellen, nach eigenem Vorteil streben, auch mal böse über andere reden und manches mehr. Lauter Verhaltensweisen, die sich mit einem Leben, das von Liebe bestimmt sein soll, nicht vereinbaren lässt.

Ja, leider bleiben wir trotz Glauben, trotz Taufe in vielen Situationen Menschen mit Fehlern und Schattenseiten. Und jetzt?

Luther beschrieb genau diese Situation mit den Worten: wir sind Gerechte und Sünder zugleich. Durch Jesus und seine Kreuzestat sind wir gerecht – sind wir Gottes Kinder – und zugleich fallen wir immer wieder heraus, sind, was wir eben auch sind: Menschen mit Fehlern und Grenzen.

Und weil es so ist, regte Martin Luther an, doch immer wieder unter unsere Taufe „zurück zu kriechen“, so nannte er das. Er meinte damit: dass wir uns immer wieder daran erinnern sollen oder daran erinnern lassen, dass wir getauft sind, dass wir Gottes Kinder sind. Wir sollen uns immer wieder neu zusagen lassen, dass wir durch unsere Taufe und unseren Glauben mit Christus verbunden sind und damit mit seinem Tod und seiner Auferstehung. Wir sollen uns immer wieder bewusst machen, dass wir, wenn wir uns allein auf uns verlassen, wieder im Dunkeln stehen.

Wir dürfen immer wieder neu üben als Kinder des Lichts zu leben

- auch das ermöglicht uns dieses „Unter die Taufe zurück kriechen“

„Unter die Taufe zurückkriechen“ – uns erinnern lassen.

Das können wir immer dann, wenn wir eine Taufe miterleben und uns daran erinnern lassen, dass wir auch getauft sind.

Das können wir dann, wenn wir unsere Taufkerze oder die Osterkerze betrachten als Zeichen dafür, dass Christus für uns gestorben ist, damit wir leben können.

Das können wir immer dann, wenn wir vor Gott bekennen, was in unserem Leben dunkel ist. Und wenn wir ihn darum bitten, Licht in unser Leben zu bringen, uns neu beginnen zu lassen.

Ja, im Grunde können wir es immer dann, wenn wir wie beim Beginn und am Ende jedes Gottesdienstes uns an den dreieinigen Gott erinnern lassen, auf dessen Namen wir getauft wurden: Im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

„Ihr gehörtet einst zur Finsternis, ja ihr wart selbst Finsternis, aber jetzt seid ihr Licht!“

Hören wir nicht auf zu üben, Licht zu sein. Beginnen wir immer wieder neu, als Kinder Gottes und als kleine Lichter in der Welt die Liebe zu leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Christus, das Licht der Welt (EG 410,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=Idy8XZmmt8Y

1) Christus, das Licht der Welt. Welch ein Grund zur Freude!

In unser Dunkel kam er als ein Bruder.

Wer ihm begegnet, der sieht auch den Vater.

Ehre sei Gott, dem Herrn!

2) Christus, das Heil der Welt. Welch ein Grund zur Freude!

Weil er uns lieb hat, lieben wir einander.

Er schenkt Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen.

Ehre sei Gott, dem Herrn!

3) Christus, der Herr der Welt. Welch ein Grund zur Freude!

Von uns verraten, starb er ganz verlassen.

Doch er vergab uns, und wir sind die Seinen.

Ehre sei Gott, dem Herrn!

4) Gebt Gott die Ehre. Hier ist Grund zur Freude!

Freut euch am Vater. Freuet euch am Sohne.

Freut euch am Geiste: denn wir sind gerettet.

Ehre sei Gott, dem Herrn!

Fürbitten

Christus, Licht der Welt,

du machst die Welt hell für uns – hilfst uns, selbst Licht zu sein!

Wir bitten dich um dein Licht für Menschen, die im Dunkeln leben – für Einsame und Traurige, für Kranke und Sterbende, für Alleingelassene und Trauernde.

Für die, die nach gangbaren Wegen suchen – und die, die Orientierung für ihr Leben brauchen. Mach es hell um sie.

Christus, Heil der Welt,

du liebst uns, schenkst uns Gemeinschaft mit Gott!

Wir bitten dich auch um ein gutes Miteinander in Familien, gerade in diesen anstrengenden Zeiten mit Homeschooling und Homeoffice.

Wir bitten dich für ein gelingendes Zusammenleben und -arbeiten von Eltern und Kindern, von Paaren, Geschwistern und Nachbarn.

Wir bitten dich auch um ein gutes Miteinander an unseren Arbeitsplätzen, in unserer Gemeinde und in unserer Kirche – aber auch in unserem Land und in unserer Gesellschaft.

Hilf uns, die anderen mit deinen liebenden Augen zu sehen.

Christus, Herr, der Welt, du vergibst uns.

Wir bitten dich für Menschen, an denen wir schuldig wurden oder denen wir etwas schuldig blieben – für Menschen, die uns verletzt haben absichtlich oder unbeabsichtigt.

Wir bitten dich auch für Menschen in Kriegs- und Krisengebieten –schenke du Frieden und Versöhnung.

Gott, du bist uns nahe gekommen in Christus – hast uns gerettet – und das Leben geschenkt als deine Kinder, darum beten wir nun vertrauensvoll zu dir:

Vater unser...

Lied: Ich sage ja (NL 158,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=6LW4rcrfzc8

1) Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.

Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,

zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,

und der auch mich in seinen Händen hält.

2) Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt

und aus dem Tod zum Leben auferstand

und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist

für uns zum Freund und Bruder worden ist.

3) Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,

zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,

zu wagen Frieden und Gerechtigkeit

in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

4) Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,

Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.

Ich sage Ja und Amen, weil gewiss:

Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.

Musikstück zum Ausgang



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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