Gottesdienst am Sonntag Septuagesimae, den 13.02.2022 in Scherzheim

Aktualisiert: 14. Feb.



Gottesdienst am Sonntag Septuagesimae, den 13.02 2022,

um 10 Uhr in Scherzheim mit Pfarrerin Ute Braun



Dieser Gottesdienst wird auch per Zoom übertragen:

https://eu01web.zoom.us/j/65245801800?pwd=VTdpTUdrKzRPeGwrM2hjVFhXN2I4QT09

Meeting-ID: 652 4580 1800

Kenncode: 898321


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)



Orgelvorspiel


Lied: Lobet den Herren, alle die ihn ehren (EG 447,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=0JYuE0e32ug

1) Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

2) Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!

3) Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)

Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)

Eingangsspruch:

Wir liegen vor dir im Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Ehre sei dem Vater...

Eingangsgebet:

Gott, Geber aller guten Gaben,

wir danken dir, dass du uns vieles gelingen lässt. Wir freuen uns über unsere Begabungen und Stärken, sind stolz auf das, was wir erreichen. Lass uns aber auch achtsam sein für die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Gaben, die die Menschen um uns herum besitzen. Lass uns so erkennen, dass alle unsere Güter aus deiner Güte kommen, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. (Amen)

Evangelium: Matthäus 20,1-16

Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was Recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Hauptlied: Er weckt mich alle Morgen(EG 452,1+2+5)

https://www.youtube.com/watch?v=G5RVjv-08eY

1) Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.

Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,

dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.

Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

2) Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf.

Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als Sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so, wie ein Jünger hört.

5) Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht,

verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht;

will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag.

Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Predigtgedanken zu Jeremia 9,22-23

22) So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

23) Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Ein merkwürdiger kleiner Text ist das. Es sind einfache Worte – aber irgendwie kommen sie beim ersten Hören so moralisch daher, dass es wohl ein zweites Hören braucht, um den Worten etwas mehr auf die Spur zu kommen.

Was will der Text? Dass ich bescheiden bin, mir nicht selbst auf die Schulter klopfe, wenn mir etwas gelungen ist?

Darf ich denn nicht stolz darauf sein, was ich mir erarbeitet habe? Darf ich mich nicht auch freuen, wenn mich jemand lobt – seien es die Lehrer in der Schule, die Kollegen am Arbeitsplatz, die Freunde, die Eltern? Brauchen wir dieses Lob nicht sogar, um uns weiter zu entwickeln? Und ist dieses „stolz sein auf sich selbst“ nicht auch ein Ausdruck eines durchaus gesunden, stabilen Selbstbewusstseins?

Um Jeremias Worte richtig zu verstehen – und nicht allein auf dieser „moralischen Ebene“ stecken zu bleiben, müssen wir ein bisschen eintauchen in die Zeit und Situation des Jeremia.

Jeremia lebt in Israel noch vor der Wegführung ins Exil. Die Unterdrückung durch die Feinde ist schon spürbar. Die enge Verbindung zu Gott, wie sie unter den Königen David und Salomo noch gegeben war, hat unter den nachfolgenden Königen deutlich an Bedeutung verloren.

Man verlässt sich mehr und mehr auf sein eigenes Können, seine eigene Kraft, auf menschliche Macht und Einfluss. Die einfachen Bürger ebenso wie das Königshaus.

Jeremia tritt hier als Gerichtsprophet auf, der das Königshaus und auch sein Volk immer wieder zur Umkehr bringen will.

Er verheißt den Untergang ihres Staates, die Zerstörung von Hauptstadt und Tempel, das Ende ihrer menschlichen Macht, Freiheit und Möglichkeiten. Und er macht sich damit alles andere als beliebt.

Seine Worte sind drastisch. Gerade im Vers vor unserem Predigttext heißt es: „Die Leichen der Menschen werden herumliegen wie Dünger auf dem Feld und wie abgeschnittene Ähren hinter dem Schnitter, und da ist niemand, der sie sammelt“ (Jer 9,21)

Da ist mit den menschlichen Fähigkeiten und Stärken nicht mehr viel auszurichten.

Ein Blick in unsere heutige Zeit: Unsere Herausforderungen heute sind andere als die zur Zeit Jeremias – wir haben uns viel Wissen angeeignet, haben im Staatenbund eine mächtige Rolle, wir gehören zu den reichen Ländern unserer Erde – und wenn wir unser Leben im Vergleich zu anderen in der Welt anschauen, dann geht es uns überdurchschnittlich gut. Gerade aber die aktuelle Zeit zeigt uns auch, wie begrenzt unser Wissen ist, wie verletzlich unsere Macht und vermeintliche Sicherheit. Wie eng das wiederum verzahnt ist mit unserem Einkommen und unserem wirtschaftlichen Status, wurde uns in den letzten zwei Jahren auch immer wieder vor Augen geführt.

Uns geht es immer noch gut – sehr gut sogar im Vergleich zu anderen – aber doch merken wir auch, dass unser menschliches Wissen, unser Stärke, unser Reichtum begrenzt ist. Reicht es aus, uns allein darauf zu verlassen?

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.

Der Prophet Jeremia eröffnet seinem Volk nun in dieser hoffnungslosen Situation eine Perspektive.

Politisch gibt es nichts mehr zu hoffen und schon gar nichts zu rühmen, sagt er. Was den Menschen und seine Fähigkeiten betrifft, ist nichts mehr möglich, außer sich wieder auf Gott zu besinnen, zu ihm umzukehren: „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden, spricht der HERR

Die weitere Geschichte zeigt, wie Recht Jeremia mit seinen Worten hat: Der Staat Israel kommt noch zu seinen Lebzeiten unter die Räder. Alle menschliche Weisheit, Stärke und Finanzkraft scheitern kläglich gegenüber der Übermacht Babylons. Die einst stolze Stadt Jerusalem wird dem Erdboden gleichgemacht, das Land geplündert, ein großer Teil der Bevölkerung ins Exil verschleppt. Das Einzige, was Israel dort in seiner tiefen Not hilft, ist der Rettungsanker, den ihm der Prophet Jeremia hingehalten hat: Buße tun, umkehren zu Gott, ihn allein rühmen. Denn Gott allein schenkt seinem Volk eine Identität, die im Lauf der Zeit bestehen bleibt. Ja, sogar bis in unsere Zeit hinein.

Ein merkwürdiger Trost?

Glaube gegen Sicherheit und Heimat?

Für das Volk Israel wurde der Glaube im Exil ihr Halt über viele Jahre hinweg. Er verband sie zu einem Volk – auch in diesem fremden Land. Er ließ sie hoffen – dass sich das Blatt wieder wenden würde. Ihr Glaube wurde tatsächlich für sie Heimat. Denn für sie wurde Gott gerade in dieser Zeit die unverrückbare Konstante. Er wurde für sie der, auf den sie sich jederzeit und unerschütterlich verlassen konnten.

Ihr sicherer Hort und Halt. Sie vertrauten darauf, dass er es sein wird, der ihnen barmherzig begegnet und Recht und Gerechtigkeit wieder aufrichtet.

Und schon klingen Jeremias Worte gar nicht mehr moralisch sondern vielmehr tröstlich.

Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne.

Und zwischen den Zeilen klingt mit: „Kennst du mich, deinen Gott? Habe ich eine Bedeutung für dich? Dann kannst du dich glücklich schätzen, dann darfst du dich rühmen, denn du hast einen wahren Schatz, den dir niemanden nehmen kann.“

Für Jeremia war der Glaube an seinen Gott Halt in all den Herausforderungen, die sein hartes Leben als Prophet Gottes mit sich brachten. Und er wurde nicht müde, seinem Volk das immer wieder nahe zu bringen.

Was er heute wohl sagen würde, wenn er hier in unserem „christlichen Abendland“ des 21. Jahrhunderts auftreten würde?

Welche Rolle in unserem Leben spielt Gott? Wieviel Raum geben wir ihm in unserem Leben, Entscheiden, Handeln – als Einzelperson aber auch als Gesellschaft? Und was trägt es für uns aus – auch in Zeiten, wo wir zu spüren bekommen, dass unsere menschlichen Fähigkeiten, unsere Macht, unser Wissen halt einfach begrenzt sind…

Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin.

Ich für mich möchte mich gerne an dem Anker festhalten, den Jeremia über die Zeiten hinweg auch uns reicht:

Wir haben einen Gott, der uns barmherzig begegnet – auch wenn wir uns immer wieder überschätzen und meinen, ohne ihn auskommen zu können.

Einen Gott, der nach wie vor Gerechtigkeit und Recht für seine Menschen will – und uns braucht, um das auch in unserer Welt zu leben.

Einen Gott, der unser Halt sein will – jederzeit – aber besonders in den Zeiten, wo wir zu spüren bekommen wie klein und wenig machtvoll wir doch eigentlich sind.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Predigtlied: Ist Gott für mich, so trete (EG 351,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=wY7nGTwHbo0

1) Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

2) Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

3) Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, dass ich finde das ewge, wahre Gut.

An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.

Fürbittengebet:

Herr, wir liegen vor dir im Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Lass uns erkennen, dass alles, was wir an Gaben und Fähigkeiten haben aus deiner Hand kommt.

So bitten wir dich um Weisheit für alle, die diese Welt regieren und gestalten, damit sie besser und gerechter wird.

Wir bitten für die Starken an den Hebeln der Macht, dass sie gutes Recht schaffen und sich so dafür einsetzen, dass alle in Frieden und Sicherheit leben können.

Wir bitten um einen gnädigen, weiten Blick für die, die etwas übrig haben – dass sie die sehen, die noch etwas brauchen, so dass aus geteiltem Wohlstand, ein Schatz für alle wird.

Wir bitten für uns alle, wenn wir mal wieder meinen, alles allein schaffen zu können – dass wir erkennen, dass du es doch bist, der uns stärken und halten will.

Vater unser im Himmel...

Schlusslied: Schenke mir Gott (NL 190,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=bXGJharyzbo

1) Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt.

Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. (2x)

2) Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt.

Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz…

3) Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag.

Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag!

Ref.: Schenke mir, Gott, ein Herz...

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

(Amen, Amen, Amen)

Orgelnachspiel




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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