• Ute Braun

Gottesdienst am Sonntag Sexagesimae, den 7.2.2021



Gottesdienst am Sonntag Sexagesimae, den 7.2.2021

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Musikstück

https://www.youtube.com/watch?v=_8nAhEjqUj8

Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 119: (NL 959.2)

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, du säst dein Wort als Samen in unsere Welt.

Du vertraust darauf, dass es Wurzeln schlägt, sprosst und Frucht bringt. Wir danken dir. Höre nicht auf zu säen, damit unsere Welt durchdrungen wird von deiner Liebe. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schriftlesung: Lukas 8,4-15

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.

Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.

Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.

Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.

Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Lied: Herr, dein Wort die edle Gabe (EG 198,1+2)

https://www.youtube.com/watch?v=22-XUIE_Qjo


1) Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir;

denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für.

Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?

Mir ist's nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.


2) Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn,

dass ich mög in deinem Namen fest bei deinem Worte stehn.

Lass mich eifrig sein beflissen, dir zu dienen früh und spat

und zugleich zu deinen Füßen sitzen, wie Maria tat.

Predigtgedanken zu Lukas 8,4-15

Ruhig und klar und voller Zuversicht klingen die Worte am Ende dieses Gleichnisses nach: „Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.“

Und die Menschen hören es. Sie hören diese Worte und spüren die Zuversicht. Manche Last wird leichter: Hundertfache Frucht geht auf.

Auch wenn manches vergeblich erscheint und auch wenn man auf manches schaut, das verdorrt.

Man kann sie sich gut vorstellen: die große Menschenmenge, die Jesus überallhin gefolgt ist. Menschen, die auf der Suche sind, nach ein wenig Unterstützung. Nach etwas, das ihnen Mut macht, das ihnen hilft, ihre alltäglichen Lasten zu tragen. Kranke sind dabei mit der Hoffnung auf Heilung. Traurige und Einsame sind da und hoffen auf Trost und Gemeinschaft. Ratlose und Zweifelnde sind dabei auf der Suche nach etwas, das ihnen in ihrem Leben weiterhilft. Jeder und jede einzelne bringt die eigene Geschichte, die eigenen Fragen und Wünsche mit sich. Vieles haben sie schon von Jesus gehört – seine Taten machen im ganzen Land die Runde und seine Worte werden überall weitererzählt. Und nun sitzen sie hier am See und warten darauf, ihn selbst zu hören und zu erleben.

Ob er wirklich ein Prophet ist, einer der von Gott gesandt ist? Begegnet ihnen hier in den Worten und Taten vielleicht Gott selbst?

Und Jesus erzählt ihnen eine kleine Geschichte, ein Gleichnis. Es ist ein vertrautes Bild, das er ihnen vor Augen zeichnet.

Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.

Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s.

Die Leute wissen, wovon er spricht. So ist das bei der Feldarbeit damals: Zuerst wird der Samen reichlich ausgestreut und danach wird das Land umgepflügt. Auf dem Land wächst also noch reichlich Unkraut, das dem Samen den Raum zum Wachsen nimmt und erst beim Pflügen erkennt man, wo felsiger Boden ist und die Erdschicht zu dünn, damit etwas darauf wachsen kann.

Vieles von der Arbeit, die der Sämann da macht, stellt sich im Nachhinein als vergeblich heraus. Sonne, Vögel und Unkraut erschweren seine Arbeit.

Und bei den Zuhörern entstehen eigene Bilder im Kopf. Ihre persönlichen Geschichten verbinden sich mit dem gehörten Gleichnis.

Situationen, in denen sie vergeblich gearbeitet haben, fallen ihnen ein. Zeiten, in denen sie sich ausgetrocknet fühlen, wie in einer Dürrezeit. Erlebnisse, die ihnen den Halt nehmen. Begegnungen, die ihnen die Kraft und den Raum zum Leben rauben.

So vieles erscheint ihnen vergeblich in ihrem Leben. Immer wieder gibt es Rückschläge, Ereignisse, die alles zum Wanken bringen, die alles umwerfen, was bisher galt.

All diese Erfahrungen machen es schwer, einfach weiterzuleben und weiterzuarbeiten als wäre nichts gewesen. Und viele dieser Erfahrungen und Gefühle haben die Zuhörer tief in sich verborgen.

Mit seinen wenigen Sätzen erreicht Jesus die Menschen und ihre Gefühle.

Ja, so geht es zu im Leben. Nicht immer gerecht. Oft schmerzhaft und erschütternd. Schön reden und weg reden kann man es nicht. Jesu Worte nehmen diese Lebenswirklichkeit in den Blick. Doch sie bleiben nicht dabei stehen, sondern gehen weiter, führen den Blick in eine andere Richtung:

„Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.“

Ruhig und klar, voller Zuversicht klingen diese Worte Jesu. Und die Zuhörer hören diese Worte, spüren die Zuversicht, die Hoffnung, die daraus spricht. Frucht geht auf, hundertfach. Wenn das so ist... – Hundertfache Frucht, auch wenn im Moment alles vergeblich erscheint? Auch wenn man sich im Moment wie ausgetrocknet und leer fühlt?

Jesus versucht mit seinen Worten den Blick der Menschen zu wenden, ihn weiterzuführen. Er will ihren Blick, der starr auf das gerichtet ist, was ihnen Mühe macht, der im Moment nur das sieht, was vergeblich erscheint, weiterlenken, auf das, was als Hoffnung und Zuversicht trotz allem aufleuchtet.

Es gibt etwas, sagt er, das Hoffnung macht. Es gibt etwas, das wächst, das aufgeht und Frucht bringt – trotz allem – sagt Jesus. Auch wenn ihr jetzt nur vor Augen habt, was nicht gelingt, was das Leben schwer macht und euch zum Wanken bringt – vertraut darauf, dass es auch etwas gibt, das gut ist und auch Gutes für euch bedeutet. Und das nicht nur dreifach – sondern hundertfach.

Jesus will das Vertrauen der Menschen wieder wecken, das Vertrauen darauf, dass das Leben nicht einfach vergeblich und schwer ist, sondern dass es Kostbarkeiten und Reichtümer enthält, die das Schwere weit übertreffen... Seht doch, hört doch – bei dem Sämann fällt doch auch nicht alles auf felsigen Boden oder unter Dornen – bei ihm fällt einiges auf Gutes Land – und die Frucht, die dort aufgeht, übersteigt allen Samen, der zuvor verloren ging.

Auch wenn das Bild vom Sämann für die Menschen eindrücklich und nachvollziehbar ist, ist es doch schwer zu verstehen, wie sich diese gute Seite im Leben der Menschen niederschlagen soll – und sicherlich ist es noch schwerer anzunehmen, wenn man sich gerade niedergedrückt, ausgetrocknet und ohne festen Grund unter den Füßen fühlt.

Das weiß Jesus auch, das will er auch überhaupt nicht leugnen oder übergehen. Er möchte durch seine Worte aber dennoch das Vertrauen und die Hoffnung in den Menschen wachhalten, dass es nicht nur Schweres und Vergebliches im Leben gibt – auch wenn es in manchen Zeiten so aussehen mag. Er will vor Augen führen, dass es gute Erfahrungen gibt und geben wird, die alles andere übertreffen können.

Und bei diesem Gedanken hilft noch ein Aspekt der Gleichniserzählung: Bis der Samen auf dem guten Land aufgeht, braucht es Zeit. Zeit und Geduld.

Und diese Zeit kann und soll man sich auch nehmen. Es ist erlaubt und es ist auch nötig, das anzuschauen, was in unserem Leben schwer ist und Mühe macht. Es ist wichtig, dass Ereignisse, die uns traurig machen, uns auch eine Zeitlang begleiten. Wir uns auch die Zeit lassen, um Verlorenes zu betrauern.

Und es ist genauso nötig aufmerksam das anzuschauen, was uns die Kraft zum Leben rauben will. Was uns manchmal die Luft nimmt oder uns zum Wanken bringt. Es ist wichtig diese Dinge anzusehen, Erfahrungen aus der Vergangenheit, die wir in uns vergraben haben aufzuspüren, damit wir uns dagegen stellen können und lernen mit ihnen umzugehen.

Jesus weiß, dass die Worte, die er sagt, die Geschichte die er erzählt, noch nicht alle ansprechen wird. Nicht jeder, der es hört, kann es aufnehmen. Aber er weiß, dass seine Worte wie Samen in die Menschen fallen und dort Boden finden, auf dem sie wachsen können. Auch da gibt es Boden, in jedem einzelnen von uns, der es schwer macht, dass dort etwas Wurzeln schlagen kann und aufgehen wird. Aber es gibt auch Boden in uns – vielleicht nur ganz tief in uns – wo solche Worte hinfallen, mit der Zeit Wurzeln schlagen und langsam aufgehen, wachsen und schließlich Frucht bringen. Und irgendwann spüren wir: dort ist eine Zuversicht in uns gewachsen. Da nimmt Hoffnung Gestalt an, die uns Kraft gibt zum Leben und die uns befreien kann von dem, was uns Mühe macht.

„Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.“

Dieses Vertrauen will Jesus mit seinen Worten in uns säen – wohl wissend, dass wir zunächst nur das vor Augen haben, was augenscheinlich ist.

Versuchen wir doch uns daran festzuhalten: an diesen Worten, an der Hoffnung, die sie uns vermitteln wollen. Und vor allem: halten wir uns fest an dem, der uns diese Worte zuspricht, und der das Seine dazutut, damit Samen aufgehen können und Frucht bringen. Amen.

Lied: Tut mir auf die schöne Pforte (EG 166,1+4+5)

https://www.youtube.com/watch?v=l1ZpCzH_1Qs


1) Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;

ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!

Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.


4) Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt.

Gib mir Licht in dem Verstande und, was mir wird vorgestellt,

präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn.


5) Stärk in mir den schwachen Glauben, lass dein teures Kleinod mir

nimmer aus dem Herzen rauben, halte mir dein Wort stets für,

dass es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt.

(Gedenken an Verstorbene)

Fürbitten

Guter Gott,

dein Wort will uns Mut machen, Kraft geben zum Leben. Doch der Abschied von einem Menschen, Trauer und Schmerz machen es manchmal schwer, dein Wort zu hören:

Darum bitten wir dich heute um alle Trauernden: sei ihnen nahe!

Um alle, die gerade Abschied und Schmerz durchleben: schenk Ihnen die Kraft, die Sie brauchen um die vielfältigen Gefühle auszuhalten, und die Zeit, die nötig ist, um loszulassen und neu zu beginnen.

Gott,

Menschen sind auf der Suche, nach Leben. Sie suchen nach Worten, die ihnen Orientierung geben, die ihnen Mut machen und ihnen neue Perspektiven öffnen.

Darum bitten wir dich, sprich mit deinem Wort Menschen an, die auf der Suche sind, sprich Mut denen zu, die nicht mehr weiterleben wollen, die verzweifelt sind und keine Zukunft mehr erwarten.

Menschen erleben Zeiten der Dürre. Krankheiten; Ängste und Sorgen graben ihnen das Wasser ab, belastende Erfahrungen ersticken ihre Hoffnung – sie fühlen sich ausgetrocknet und alleingelassen.

Darum bitten wir dich, wecke mit deinem Wort ihre Lebensgeister; gib denen neue Kraft, die ausgelaugt sind und steh den Einsamen zur Seite.

Menschen gebrauchen Worte wie Waffen, sie verletzen und spielen ihre Macht aus – ihre Versprechungen sind oft nur hohle Worte.

Darum bitten wir dich, lehre uns durch dein Wort achtsam miteinander umzugehen und unsere Worte zu bedenken und abzuwägen; gib denen Kraft, die das Wort erheben gegen Machtspiele und Ungerechtigkeit.

Menschen sehnen sich nach deinem lebensspendenden Wort. In der Stille, Gott, nennen wir dir Namen, zeigen dir Gesichter


–STILLE

In Jesus Christus bringst du uns dein Wort nahe, mit seinen Worten fassen wir unser Bitten zusammen

Vater unser...

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (NL 147)

https://www.youtube.com/watch?v=kV0Tc9PpjKs


Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Musikstück zum Ausgang

https://www.youtube.com/watch?v=fKV2z-EebQw



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




13 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen