Gottesdienst am Totensonntag, 20.11.22



Gottesdienst am Totensonntag, 20. November 2022 um 10:00 Uhr

in Lichtenau mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Trachtenkapelle: (Ammerland)

(Jacob de Haan)


Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zu unserem Gottesdienst am heutigen Totensonntag / Ewigkeitssonntag begrüße ich Sie alle ganz herzlich! Unser besonderer Gruß und somit auch unsere Anteilnahme gelten denen, die in diesem Kirchenjahr einen lieben Menschen verloren haben. Die Namen der verstorbenen Gemeindeglieder werden wir nachher verlesen. Wir wollen aber auch an die denken, die keine Zukunft in ihrem Leben sehen, weil Vieles in ihrem Leben abgestorben ist. Und wir wünschen denen Frieden und Zuversicht, die sich durch Krieg, durch Unfälle, durch Naturkatastrophen und viele andere Ereignisse mit dem Tod konfrontiert sehen. All diesen Menschen und uns möge dieser Gottesdienst in der Hoffnung bestärken, die wir durch Jesus Christus für unser Leben und Sterben haben dürfen!

In diesem Gottesdienst wirken mit:

- die Trachtenkapelle Lichtenau,

- Leitung: Herr Rauber

- Herr Mink an der Orgel

- Frau Pip und Frau Nöltner vom Kirchengemeinderat - sowie Frau Simko.

Herzlichen Dank!


Lied: 450, 1+4+5

Morgenglanz der Ewigkeit

https://www.youtube.com/watch?v=EeaGjEqbcxg


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.


Gott, der Herr des Lebens und der Zeit, sei mit Euch!

Und mit deinem Geiste!


Wechselpsalm: 766 177.2 Ehr sei dem Vater


Wir wollen beten:

Göttlicher Vater, von allen Seiten sind wir von Vergänglichkeit und Tod umgeben. Wir haben Menschen verloren, von denen wir glaubten, ohne sie nicht leben zu können. Wir gehen auf unseren eigenen Tod zu und kommen diesem jeden Tag ein Stück näher. Pläne und Visionen sterben ab, Beziehungen lösen sich auf, Trauer und Zweifel beherrschen uns. Auch die Natur zeigt uns in dieser Jahreszeit, wie vergänglich alles ist.

Herr, lass uns trotz allem, was wir erleben und erleiden, nicht dem Tod und den Todesängsten verfallen. Lass uns vielmehr das Leben in dir finden. Hilf uns, so zu leben, dass wir sterben können, und so zu sterben, wie wir gelebt haben: Voller Dennoch-Vertrauen zu dir. Darum rufen wir: Herr, erbarme dich! (Kyrie)


Gott hat sich unser erbarmt. Darum heißt es im 2. Petrus: „Wir warten auf einen neuen Himmel und deine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt“. Ehre sei Gott in der Höhe! (Gloria)


Lied: 147, 3 Gloria sei dir gesungen

https://www.youtube.com/watch?v=GbQTul-GaCE


Gott, du kennst unsere verborgene Sehnsucht, dass sich Tränen in Lachen, Kummer in Freude und Tod in Leben verwandeln können und sollen. Du verheißt uns Befreiung. Lass uns darum glauben, was wir heute hören. Lass uns hoffen, was uns noch wie ein Traum erscheint. Denn was du versprichst, das hältst du in deinem Sohn Jesus Christus. Darum rühmen wir dich heute und alle Tage! Amen.


Lesung: Jesaja 65, 17-19 und 23-25 (Frau Pip)


Apostolisches Glaubensbekenntnis


Lied: 526, 1+2+4 Jesus, meine Zuversicht

https://www.youtube.com/watch?v=5WkaxuZbcXY


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.


Liebe Gemeinde!

Viele Menschen sind am heutigen Totensonntag mit ihren Gedanken bei den Menschen, die sie durch den Tod verloren haben. Viele Menschen besuchen heute den Ort, wo ihre Verstorbenen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die Erinnerung an alle, mit denen sie eine kürzere oder längere Wegstrecke gegangen sind, wird heute besonders wach. Trauer und Schmerz melden sich von Neuem.


Und da wird uns heute ein Wort Gottes zugerufen, das wie ein helles Licht in diesen dunklen und Trauer beladenen Tag hineinleuchten möchte. Dieser gewaltige Hoffnungstext zeichnet mit kräftigen Pinselstrichen einen neuen Himmel und eine neue Erde: Weinen und klagen haben ein Ende; die Arbeit hat wieder einen Sinn; die Generationen leben friedlich beieinander; Menschen haben ein erfülltes Leben; Friede herrscht sogar zwischen Wolf und Schaf. Alles ist stimmig. Und mit Gott stimmt es auch. Menschen können sich an ihn wenden; er hört und antwortet. So wird es sein. Gott selbst schafft diese neue Welt! - Viele Menschen werden sich am heutigen Ewigkeitssonntag über diese Hoffnungsbilder freuen und denken: Ach, lieber Gott! Wie schön wäre das! - -


Andere, vielleicht die meisten, werden ratlos vor diesen Hoffnungsbildern stehen. Vielleicht pilgern sie heute am Totensonntag zum ersten Mal zum Friedhof oder zum Friedwald und spüren überdeutlich, wie sehr ihnen dieser Mensch fehlt, der dort liegt bzw. Dessen Asche dort beigesetzt ist. Und auch für andere ist es schwer, Tag für Tag, Nacht für Nacht die Last des Alleinseins zu tragen. Viele dunkle und zweifelnde Gedanken gehen ihnen durch den Kopf. - Traurige Gedanken bewegen auch die, die sich nicht zu einem Friedhof begeben müssen. Sehr viele junge Menschen sind entmutigt, weil sie keine Zukunft sehen. Andere haben sich hoffnungslos in Schulden verrannt. Viele fürchten sich vor Unglücksfällen und Krankheiten. Und der Krieg in der Ukraine hat seine Fühler zu uns allen gestreckt. - Ist es nicht bedrückend, wenn Menschen kaum noch etwas Gutes erwarten, wenn die Hoffnung begraben ist?


Darum dieses heutige Mut machende Wort als Gegenbild. Es ruft Dir und mir zu: „Hebe Deinen Blick! Bleibe nicht mit Dir und Deinen Leid geprägten Erinnerungen allein! Siehe, der Gott, der Dir Dein Leben geschenkt hat, will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen!“ - Ja, so will dieses prophetische Wort helfen und trösten. Es will unseren Blick weg lenken von unserer Trauer und Ausweglosigkeit hin auf ihn, den Gott des Himmels und der Erde, den Herrn der Zeit und der Ewigkeit. Denn dieser Gott und Schöpfer hat bis zum heutigen Tag nicht aufgehört, neues Leben zu schaffen und neue Wege zu gehen! Darum haben wir mehr zu erwarten als den Tod! Darum dürfen wir auf das Leben hoffen!


Das alles jedoch ist nicht so leicht zu glauben. Wer erlebt hat, wie ein lieber Mensch leiden und sterben musste, geplagt von Schmerzen und Unruhe, der erleidet nicht nur seine ganze Hilflosigkeit der Krankheit gegenüber, sondern auch seine Ohnmacht dem Tod gegenüber. Oder wer im fortgeschrittenen Alter erfahren muss, dass niemand ihn mehr gebrauchen kann, weil er für andere nur noch eine Belastung darstellt, könnte der nicht am Leben irre werden? Wer in den täglichen Nachrichten feststellen muss, dass immer neue Kriege und Krisen aufbrechen, wird der nicht irgendwann resignieren? - Ja, sehr viele Lebenserfahrungen scheinen gegen das Versprechen Gottes zu stehen, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen. Statt dessen haben wir das Gefühl: Statt besser wird es immer noch schlimmer!


Und dennoch spricht unsere Bibel davon, dass der Allmächtige nicht am 7. Schöpfungstag mit seinem Neuschaffen aufgehört hat. Gerade die Evangelien, die von Jesus Christus berichten, verkünden immer wieder von dem Leben, das Gott nach wie vor schafft: Durch die Kraft Gottes konnte Jesus Kranke heilen. Durch die Vollmacht Gottes konnte Jesus für Menschen da sein, deren Leben total verfahren und sinnlos war. Im Gleichnis vom Vater, der seinen Sohn wieder aufgenommen hat, lässt Jesus diesen Vater sagen: „Er, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden“. - In allem sagt Jesus: So ist Gott! Gott will, dass niemand verloren geht! Den Gott will das Leben für alle und Gemeinschaft mit allen!


Und genau in diesem Gottvertrauen bekam Jesus die Kraft, den Weg bis ans Kreuz zu gehen. Jesus hat dabei nicht nur unsere Sünde, sondern auch unseren Tod auf sich genommen und wurde am Ostersonntagmorgen der erste, den der Tod nicht behalten durfte! - Natürlich war auch dies für seine Jünger schwer zu glauben. Die Bibel spricht von einem weiten Weg, bis die zweifelnden Jünger schließlich das Bekenntnis aussprechen konnten: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ - Genauso steht auch bei uns der Zweifel vor unserer Glaubensgewissheit. Bei jedem von uns muss dieser Glaube stets von Neuem auferstehen!


Weil Jesus dies für uns erwirkt hat, gilt für uns auch das andere Wort, das einst der Prophet Jesaja seinem geschundenen Volk zurufen durfte. Seine Landsleute - endlich aus der Babylonischen Gefangenschaft in das völlig zerstörte Jerusalem zurückgekehrt - waren total entmutigt und verzweifelt: Wie sollte man in einer solchen Stadt leben können? - Und diesen Menschen durfte der Prophet eine neue Zukunft ansagen: „Siehe, spricht der Herr, ich will neues Leben schaffen: einen neuen Himmel und eine neue Erde! Lasst euch nicht von der Vergangenheit und der Vergänglichkeit beherrschen! Ihr dürft Hoffnung haben! Freude soll wieder in euer Leben einziehen, und euer Klagen und Weinen wird aufhören!“ - Ja, die Hoffnungsbilder des Jesaja sprengen den Rahmen jeglicher Wirklichkeit: Keiner soll zu früh sterben. Der Tod wird Menschen nicht mehr auseinander reißen. Kein Mensch soll gewaltsam umkommen. Jeder darf den Ertrag seiner Arbeit genießen. Niemand muss dem anderen etwas wegnehmen. Niemand muss sich bedroht fühlen oder muss das Gefühl haben, er käme zu kurz. - Und die Hoffnungs- und Friedensbilder gehen noch weiter und umfassen die ganze Schöpfung: Wolf und Schaf sollen beieinander weiden, und der Löwe wird Stroh fressen statt Tiere zu reißen.


In der Zwischenzeit haben sehr viele Menschen begriffen, dass Vieles davon kein paradiesischer Traum ist, sondern reine Notwendigkeit! Denn ein umfassender Weltfriede ist heutzutage bei 8 Milliarden Menschen nicht mehr denkbar, wenn er nicht Gottes ganze Schöpfung mit einschließt: Menschen, Tiere, Pflanzen; die Erde, die Luft, das Wasser; aber auch die Rohstoffe und die Umwelt. Es ist nur unser Egoismus und unsere Gier, gepaart mit Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit, nach immer mehr, was das Leben in der Schöpfung Gottes zerstört!


Christus selbst hat all dies, was der Prophet mit seinen Bildworten auszumalen versuchte, in 2 Worte zusammengefasst: „Gottes Reich“. Wir als Getaufte sollen Gott darum bitten, dass dieses göttliche Reich komme. Dass er das Reich der Schuld und des Todes, das Reich der Ängste und der Trauer, das Reich des Zweifels und der Verzweiflung zerstöre! Und wenn wir inständig darum beten, fängt die Hoffnung an, unser Leben zu bestimmen. Denn wer um die Ankunft des Reiches Gottes beten kann, der ist nicht mehr von den vielfältigen Mächten des Todes gefangen. Der fängt selbst an, etwas gegen diese Mächte zu unternehmen. Der findet Worte des Trostes und Worte, die aufrichten. Der setzt Zeichen des Friedens und arbeitet mit seinen Möglichkeit mit an diesem göttlichen Reich!


Als Jesus auf diese Welt kam, hat Gott angefangen, sein Reich ansatzweise zu verwirklichen. Noch spricht Vieles dagegen. Noch spüren wir die ganze geballte Macht des Todes. Aber das Leben und Wirken Jesu, dazu sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung und die Ankündigung seiner Wiederkunft geben uns die berechtigte Hoffnung, dass Gott trotz aller bösen Mächte zu seinem Ziel kommt! Dass er die ganze Welt und jeden einzelnen Menschen in seinem Sinne vollendet! Diese Zuversicht dürfen wir uns zusprechen gerade an solchen Tagen wie heute! Durch Jesus Christus haben wir das Leben vor uns, die ewige Gemeinschaft in Gott! Und selbst, wenn wir vor unserem eigenen Tod stehen, sind wir nicht am Ende! Denn Gott hört nicht auf, in uns und durch uns neues Leben zu schaffen! Diese Zusage Gottes ist ein helles Licht in unserer Dunkelheit! Amen.


Lied: 115, 5+6 Jesus lebt, ich bin gewiss

https://www.youtube.com/watch?v=ZwUfHXorLcs


Lasset uns beten:

Heiliger Gott, wir danken dir, dass du alles neu machen wirst. Du wirst abwischen alle Tränen. Der Tod wird nicht mehr herrschen. Kein Leid und Klagen, auch kein Schmerz wird uns mehr quälen. Das Dunkle und Böse muss deinem Licht weichen. - Wir sagen Dank, dass du uns nicht dem mächtigen Tod überlässt; dass wir Freude haben dürfen, wenn wir an deinem Tisch das Abendmahl feiern. Dann sind alle Trennungen aufgehoben. Dann haben wir auf ewige Zeiten Frieden. - In dieser Zuversicht wollen wir heute an unsere verstorbenen Schwestern und Brüder denken. Amen.


Trachtenkapelle: Sound of Silence (Simon & Garfunkel)


Ich verlese jetzt die Namen unserer seit dem letzten Totensonntag verstorbenen Gemeindeglieder. Frau Pip und Frau Nöltner zünden für jeden eine Kerze an. Angehörige können gerne am Ende dieses Gottesdienstes eine Kerze mit nach Hause nehmen.

Namen verlesen





Trachtenkapelle: Nothing‘s Gonna Change My Love For You

(Michael Masser und Gerry Goffin)


Herr der Zeit und der Ewigkeit, nimm alle unsere verstorbenen Geschwister auf in deinen Frieden. Schenke ihnen das ewige Leben und lass sie geborgen sein an deinem Herzen. Tröste die Angehörigen und alle Trauernden. Stärke ihren und auch unseren Glauben an Jesus Christus, der den Tod überwunden hat, und lehre uns alle bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden und zum Leben nach deinem Willen kommen. Amen.

Und miteinander und füreinander beten wir weiter mit den Worten Jesu Christi: Vater unser im Himmel…


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun. Amen.


Ab- und Ankündigungen


Lied: 532, 1-3 Nun sich das Herz

https://www.youtube.com/watch?v=Hj9LKaMQgyw


Der Wochenspruch aus Lukas 12, 35:

„Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen!“


Gott segne unsere Trauer, die von der Kraft der Erinnerung lebt.

Gott segne unsere Schritte hinaus in das Leben.

Gott segne die Zeichen des Lebens, damit sie uns ewiges Leben lehren.


So segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 3fache Amen


Orgel: Postludium





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage:

https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste


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