• Ute Braun

Gottesdienst an Kantate, 02.05.2021



Gottesdienst an Kantate, 2. Mai. 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Ute Braun

(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel: Lobe den Herren (EG 316)

https://www.youtube.com/watch?v=C3gY-uGezVw

Eröffnung:

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 98 (NL 947)

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN,

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

Eingangsgebet:

Herr Jesus Christus, du bist gekommen, um Frieden auf Erden zu bringen. So komm zu uns, auch in diesem Gottesdienst: Öffne unsere Ohren, dass wir dein Wort hören und die Sorgen der Menschen nicht überhören; öffne unsere Augen, dass wir deine Wunder sehen und die Not nicht übersehen, die uns begegnet; öffne unseren Mund zu Klage und Lob, dass wir dir singen in der Kraft des Heiligen Geistes.

Amen.

Lied: Du meine Seele singe (EG 302)

https://www.youtube.com/watch?v=LJSngj1pbFo

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;

ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

8) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;

der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,

ist's billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

Evangelium: Lukas 19,37-40

Als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen:

„Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Predigtgedanken zu Lukas 19,37-40

„Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn“ – Wer jetzt denkt: „Huch, diese Worte gehören doch in die Adventszeit oder vielleicht noch zum Palmsonntag?“, der liegt goldrichtig. Aber ich habe mich nicht verguckt und auch nicht aus Versehen, die falsche Bibelstelle aufgeschlagen. Der Text, den wir gerade gehört haben, ist tatsächlich Evangelium und Predigttext für den Sonntag Kantate heute. Kantate – Singt!

Und passend zu diesem Sonntag steht heute der Lobgesang der Jünger im Mittelpunkt.

Aber auch mir ging es so wie Ihnen, dass ich dachte: „Huch, der Text gehört doch zum Einzug in Jerusalem“. Und da ich doch schon sehr darüber gestolpert bin, habe ich die Verse davor und danach noch gelesen.

Tatsächlich: da wird die Passage erzählt, wie Jesus kurz vor Jerusalem seine Jünger ausschickt, um einen Esel zu holen, auf dem er in die Stadt reiten will.

Und es wird auch von den Kleidern erzählt, die auf dem Weg ausgebreitet werden, damit Jesus darüber reiten kann.

NUR: Im Lukasevangelium gibt es keine Palmzweige und keine Menschen am Straßenrand, die winken und jubeln, rufen und singen. Die Jünger Jesu sind es, die die Kleider auslegen. Sie sind es auch, die nun singen:

„Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn“

Ja, und noch mehr: mit lauter Stimme loben sie Gott, heißt es – singen und erzählen von den Wundern, die sie mit Jesus erlebt haben: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Menschen werden satt, Stürme werden zum Schweigen gebracht, Tote stehen auf.

Die Jünger haben so viel erlebt, dass es nur so aus ihnen heraussprudelt: „Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Der König – ja, davon sind sie fest überzeugt! Den, den sie hier zur Stadt Jerusalem begleiten, der soll ihr König sein. Ein Friedenskönig – ein gerechter König – ein gottgefälliger König. Ja, in ihm ist alles vereint, was sie sich wünschen: Frieden, Hilfe, Gerechtigkeit, Klarheit, Zugewandtheit, Barmherzigkeit und Glaube.

„Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Ob es besonders schön klang, wie und was die Jünger da gesungen haben, weiß ich nicht – ob es ein richtiger Gesang war oder eher ein Rufen und Jubeln und Schreien, wird auch nicht erzählt. Aber die Begeisterung sie klingt durch – auch bei diesen wenigen Zeilen.

Und sie stört nun den ein oder anderen, an dem sie vorüberziehen.

Ja, die Pharisäer, sie finden überhaupt nicht gut, was da passiert. Die Jünger machen doch einen ziemlich Wind hier mit eurem Rufen und Singen. Und was fällt ihnen eigentlich ein, so einen dahergelaufenen Wanderprediger zum König erheben zu wollen?

„Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ – oder hart formuliert: „Sorg dafür, dass sie die Klappe halten“

Und Jesus? – er lässt sich nicht erschüttern: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“

Er wird seinen Jüngern ganz sicher nicht den Mund verbieten – und wenn es andere tun, dann lässt sich der Lobpreis trotzdem nicht zum Schweigen bringen.

Es ist ein starkes Bild, das Lukas hier verwendet: die Steine werden schreien!

Lukas beschreibt, wie Jesus Jerusalem entgegen reitet: einer mächtigen Stadt auf dem Berg – mit einem prächtigen Tempel.

Er schreibt es zu einer Zeit, nach der die Stadt von Feinden gestürmt und der Tempel dem Erdboden gleich gemacht worden war. Nur noch Trümmer gibt es da, wo früher die Lobgesänge der Juden gen Himmel stiegen.

Es ist ein starkes Bild – gerade in dem Zusammenspiel mit dem geschichtlichen Hintergrund des Lukasevangeliums: Lukas lässt die Jünger singen – von Frieden und Gerechtigkeit – und vor Augen hat er die Spuren einer kriegerischen Zerstörung – da schreien die Steine von Gewalt, Leid und Unrecht.

Sie hatten den bei sich gehabt, der mit ihnen den Frieden bauen wollte. Sie hatten den bei sich gehabt, der ihnen Gott nahe bringen wollte und sie Barmherzigkeit lehrte – und sie hatten nichts daraus gemacht! Nichts daraus gelernt.

Fassungslosigkeit, Trauer und Schmerz klingen aus diesen Worten. Gefühle, die Lukas in den folgenden Versen aufnimmt, wenn Jesus über Jerusalem weint: „Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde dich belagern und von allen Seiten bedrängen und werden dich dem Erdboden gleichmachen und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.“

„Die Steine werden schreien…“ – kein Lobgesang – kein Jubel. Sondern Klagelieder sind es, die die Steine anstimmen – Trauergesänge und Wehklagen – über sinnlose Gewalt und Zerstörung.

„Die schreienden Steine“ – sie stecken bis heute in der Klagemauer in Jerusalem – Reste des damaligen Jerusalemer Tempels – bis heute ein wichtiger Ort für Klagen, Gebete, dem Ruf nach Frieden und Gerechtigkeit!

„Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn“ – Und: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“

Das sind die beiden Gefühlsebenen, zwischen denen sich unser Text heute bewegt – und zwischen denen auch wir uns wohl bewegen.

Schon seit Monaten dürfen wir in unseren Gottesdiensten nicht mehr singen – und Gebete nur mitmurmeln. Und erst letztens sagte wieder jemand zu mir: „ach, wäre das schön, wenn wir endlich wieder singen dürften.“

Und interessant: am liebsten dann solche Klassiker wie „Lobet den Herren“ und „Großer Gott“! Loblieder, die man laut singen kann – die irgendwie alle können, jung - alt, evangelisch - katholisch – treue Kirchgänger oder auch seltenere Besucher…

Ja, viele sehnen sich danach, endlich wieder einzustimmen in das „Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn“ – aber wir sind nach wie vor zum Schweigen verpflichtet (zumindest im Innenraum)…

„Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“ – ob diese Worte heute auch gelten? Das fände ich schön: die Kirchenmauern singen uns zu, was sie über Jahrhunderte an Lobgesängen aufgenommen haben!

Die bunten Fenster übernehmen die Zweitstimme – hell und strahlend, wie das Sonnenlicht, das in bunten Streifen Muster an die Wände malt…

Der Wind singt in den Bäumen – Hummeln und Bienen summen leise mit… Der Bach plätschert und gluckst und die Wellen klatschen dazu, so beschrieb es der Psalm vorhin… Ein richtiger Chor mit Orchesterbegleitung kommt da zusammen.

„Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“ – wenn ich die Worte auf diesem Hintergrund noch einmal höre, klingen sie plötzlich ganz anders – ja tröstlich:

Das Lob Gottes lässt sich nicht unterdrücken und auch nicht verbieten! Es klingt weiter! In den Menschen – und um sie herum. In den Steinen und Gebäuden. In der Schöpfung zu Wasser und zu Land. Auf der Erde und im Himmel.

Sie alle singen gemeinsam von dem Frieden, den unsere Erde braucht und den Gott in diese Welt gebracht hat – der dessen Worte und Taten wir weitertragen, weitersagen und anderen zusingen sollen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn“.

Amen

Lied: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (NL 121,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=rXgghDV2tDU

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

und die Erde verändert ihr altes Gesicht.

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

und die Erde lebt auf und wird licht.

1) Ein Tag erzählt’s dem andern. Selbst Nacht für Nacht wird klug. Kaum hörbar die Stimme, die weltweit wandert.

Aber Schweigen ist oft schon genug.

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

2) Ein Zelt baut sich die Sonne, aus Wolken eine Bahn.

Kaum fassbar die Freude, belebende Wonne

und die Klarheit greift Finsternis an.

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

3) Ein Wort, von Gott gegeben, tut Herz und Seele gut. Kaum denkbar die Güte, von der wir leben, gegen alle Angst macht sie uns Mut.

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

4) Ein Herz in Gott geborgen, befolgt auch sein Gebot. Kaum sichtbar die Hoffnung in schweren Sorgen und doch hilft sie uns mindern die Not.

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

Schlussgebet:

Gott,

wir möchten nicht mehr schweigen – sondern singen und jubeln, danken und uns freuen, weil du uns nahe bist auch in dieser Zeit.

Wir brauchen die alten Lobgesänge und die neuen Klänge, die uns verbinden mit den vielen Generationen vor und nach uns, die gemeinsam mit uns im Glauben unterwegs sind – mit allen Zweifeln und Fragen und Sehnsüchten.

Wir wollen aber auch offen sein, für das Klingen der Steine und Gebäude, dem Singen der Schöpfung um uns herum – denn diese Klänge sagen uns zu, dass du uns umgibst – überall und zu jeder Zeit.

Aber auch den Schmerz und die Trauer wollen wir nicht tot schweigen, sondern als Klage vor doch bringen. So bitten wir für Länder und Gebiete, in denen Kriege Lebensorte zerstören. Für Menschen, die in Unfrieden leben mit anderen oder mit sich selbst.

Wir bitten für alle, die verstummen angesichts des Leids, das sie umgibt. Für Kranke, Sterbende, Leidende bitten wir – aber auch für alle, die ihnen zur Seite stehen oder um sie trauern.

Und alle, die uns sonst noch am Herzen liegen – die Zuspruch und Trost brauchen – oder die gerade voller Freude singen und jubeln können – nennen wir dir in der Stille…

- STILLE -

Gemeinsam beten wir zu dir: Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Wie lieblich ist der Maien (EG 501,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=vKvNrzFqJiM

1) Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2) Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.

3) Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Nachspiel:Ich sing dir mein Lied (NL 56)

https://www.youtube.com/watch?v=wpcmu6aufkc





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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