• Ute Braun

Gottesdienst an Pfingstsonntag, 23.05.2021

Aktualisiert: Mai 23



Gottesdienst an Pfingstsonntag, 23. Mai. 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Pfarrerin Ute Braun

(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

https://www.youtube.com/watch?v=Tn3p4bZnK8k

Eröffnung:

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangsspruch

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars! (Ehre sei dem Vater und dem Sohn…)

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott, junge und alte Menschen, einfache und kluge, erfolgreiche und enttäuschte hast du zusammengeführt als deine Gemeinde. Gib jedem und jeder von deinem guten Geist, damit wir dich, uns selbst und einander besser verstehen und gemeinsam an deiner Kirche bauen und als deine Zeugen in der Welt wirken. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Lesung: Genesis 11,1-9

Die Menschen hatten damals noch alle dieselbe Sprache und gebrauchten dieselben Wörter. Als sie nun von Osten aufbrachen, kamen sie in eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. Sie sagten zueinander: »Ans Werk! Wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie!« Sie wollten die Ziegel als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel.

Sie sagten: »Ans Werk! Wir bauen uns eine Stadt mit einem Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann wird unser Name in aller Welt berühmt. Dieses Bauwerk wird uns zusammenhalten, sodass wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden.«

Da kam der Herr vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten. Als er alles gesehen hatte, sagte er: »Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.«

Und dann sagte er: »Ans Werk! Wir steigen hinab und verwirren ihre Sprache, damit niemand mehr den anderen versteht!« So zerstreute der Herr sie über die ganze Erde und sie konnten die Stadt nicht weiterbauen. Darum heißt diese Stadt Babel, denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen verwirrt und von dort aus die Menschheit über die ganze Erde zerstreut.

Glaubensbekenntnis (EG 882)

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,

gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;

durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Lied: O komm du Geist der Wahrheit (EG 136,1+7)

https://www.youtube.com/watch?v=qjyjn1AkXsg

1) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

7) Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;

mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.

O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,

dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Predigtgedanken zu Genesis 11

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel – sie erscheint uns wie eine Gegengeschichte zum Pfingstfest, das wir heute feiern.

Beim Pfingstfest in Jerusalem saßen die Jünger zurückgezogen im Haus – fast ein wenig kleinlaut – ehe der Geist Gottes sie umbrauste und aus dem Haus führte. In Babel dagegen begegnen uns die Vorlauten, fast Größenwahnsinnigen, die einen Turm bauen wollen, der bis an den Himmel reicht.

In Babel kommt Gott herunter und schaut sich das Treiben an – und was er da sieht, gefällt ihm gar nicht – so erzählt es diese legendenhafte Geschichte. Hier wird nämlich gerade die Grundlage dafür gelegt, dass Menschen Allmachts-Fantasien entwickeln. Das kann nicht gut gehen. Und um dem entgegen zu wirken, verwirrt Gott die Sprachen. Keiner versteht mehr den anderen.

Am Pfingsttag kommt Gott auch herunter – in Gestalt des Heiligen Geistes. Und was er sieht, gefällt ihm wohl auch nicht. Denn seine Boten auf Erden sind ja so ängstlich! So wirbelt er geschwind alles durcheinander, erfüllt das Haus und die Menschen mit seinem Geist. Er macht sie mutig und unerschrocken… und als sie zu reden beginnen, versteht sie jeder – ganz unabhängig davon, welche Muttersprache er oder sie spricht!

In Babel ist das Ende der Geschichte, dass die Menschen sich zerstreuen, die Stadt verlassen. Der Turm, den sie bauen wollten, bleibt unvollendet.

Pfingsten in Jerusalem ist dagegen nicht das Ende der Geschichte sondern ein Anfang! Hier beginnt etwas Neues! Es kommen immer mehr Menschen dazu, 3000 allein an diesem Tag lassen sich taufen.

Sie bauten keinen Turm, der an den Himmel stieß. Nein, sie bauten eine Gemeinschaft, die vom Himmel erzählt!

Ja, es klingt wie eine Gegengeschichte – aber man kann es auch als Fortsetzung lesen – als Weiterführung. Wie einen „roten Faden“, der sich durch die Bibel zieht: vom Anfang des Alten bis mitten hinein in das Neue Testament…

Als die Menschen sich in Babel niederließen, sprachen sie alle eine Sprache. Sie bauten sich einen Ort auf, an dem sie sich wohlfühlten. Und dann kam die Angst: Was wenn wir uns verlieren? Was wenn wir uns zerstreuen?

Wir brauchen ein Bauwerk, das so hoch ist, dass man es auch noch von weit sehen kann. Es soll uns Orientierung sein, damit wir uns nicht in alle Welt zerstreuen.

Wir bleiben hier – wir werden immer größer – immer stärker – immer mächtiger…

Ist das gut – oder steckt darin nicht auch ein wenig das Risiko einer gleichgeschalteten Gemeinschaft? Ein Einheitsvolk, das gar nicht über den Tellerrand hinausschauen will?

Durch die Sprachenverwirrung fiel dann weg, was sie verbunden hat, und die Menschen gehen auseinander.

Ist das eine Strafe Gottes, wie es sich im ersten Moment liest, oder nicht auch eine Befreiung? Die Menschen werden aus diesem Einheitsvolk hinausgeführt in ihre Persönlichkeit und Individualität?! Sie gehen zwar auseinander – aber sie brechen auch auf in die Welt – in ein weites Leben.

Von Freiheit erzählt die Geschichte auch, wenn man sie auf dem geschichtlichen Hintergrund liest.

In Babel klingt Babylon an. Ein mächtiges Reich in der Zeit, als das Volk Israel ihre Geschichten aufschrieb. Ein Reich, das das Volk Israel immer wieder mit Kriegen überzog, unterdrückte, plünderte. Steckt nicht auch ein kleiner Seitenhieb gegen sie in der Geschichte?

Die Babylonischen Herrscher hatten ganz sicher Allmachts-Phantasien – und unterdrückten gerne das kleine und schwächere Nachbarvolk Israel. In dieser Geschichte wird nun aber erzählt, dass diese ach so mächtigen Herrscher für Gott doch nur winzig klein sind. Ihr Streben nach „höher, schneller, weiter“ scheitert. Gott lässt es scheitern – erzählt die Geschichte. Und fast schon lächelnd stellt man es sich vor: welche Macht hat ein Herrscher noch, wenn er sich nicht verständlich machen kann? Wenn seine Befehle nicht verstanden und so auch nicht ausgeführt werden?

So wird ein Mächtiger machtlos – und ein unterdrücktes Volk frei!

Und daneben steht dann unsere Pfingstgeschichte. Auch sie erzählt von Freiheit – der Freiheit, mutig den Glauben zu bekennen. Der Freiheit, sich verständlich machen zu können und verstanden zu werden.

In Jerusalem ist nachher ja kein „Einheitsvolk“ sondern eine große Gemeinschaft in aller Verschiedenheit. Da sind Menschen aus allen Herren Länder – sie sprechen alle ihre jeweilige Sprache. Sie bleiben individuell – und doch sind sie verbunden. Sie verstehen sich, werden erfüllt von demselben Geist, finden zum selben Glauben, werden zu einer Gemeinschaft durch die eine Taufe.

Für mich geht es in beiden Geschichten um das Miteinander von Menschen, um eine gelingende Gemeinschaft. Es wird erzählt, wie wichtig es ist, dass man einander versteht. Und das ist ganz unabhängig von der Sprache, der Kultur, der Herkunft. Verstehen kann man sich ja auch ohne Worte. Das zeigen uns Kinder, die verschiedene Sprachen sprechen und dennoch miteinander spielen und auf ihre Weise kommunizieren.

An Pfingsten feiern wir, dass uns ein Geist der Verständigung geschickt wurde. Dieser Geist befähigt uns, andere in aller Verschiedenheit zu respektieren. Dieser Geist ermutigt uns, nicht auf das trennende zu schauen sondern das Verbindende zu suchen. Es ist ein Geist der Liebe – der nicht übertrumpfen oder gar trennen will – sondern verbinden und versöhnen.

Er befähigt uns, das weiterzuführen, was Christus begonnen hat. Amen.

Lied: Strahlen brechen viele (EG 268,1+3+5)

https://www.youtube.com/watch?v=K7SbP3BSn_4

1) Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus. Strahlen brechen viele aus einem Licht – und wir sind eins durch ihn.

3) Gaben gibt es viele, Liebe vereint. Liebe schenkt uns Christus. Gaben gibt es viele, Liebe vereint – und wir sind eins durch ihn.

5) Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. Wir sind Glieder Christi. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib – und wir sind eins durch ihn.

Überleitung zum Abendmahl (Präfation):

Herr, du schenkst uns deinen Geist, der uns hilft einander zu verstehen und zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen.

Im Abendmahl können wir diese Gemeinschaft schmecken, greifen und sehen – wie froh sind wir, dass wir nach so langer Zeit wieder hier zusammen Abendmahl feiern.

Darum ist es recht, wahrhaft würdig und heilsam, dir guter Gott voller Freude zu danken. Mit deinem Geist bist du unter uns gegenwärtig. Du stärkst uns durch die Gaben von Brot und Traubensaft und schenkst uns in deinem Mahl Zuversicht und Frieden.

(Darum preisen wir dich und singen mit allen im Himmel und auf Erden ohne Ende: (Heilig, Heilig...))

Gemeinsam beten wir zu dir:

Vaterunser

Jeder hat Anteil an dieser Gemeinschaft – so wie jeder von uns Anteil hat an Brot und Saft – an Tod und Auferstehung Jesu.

Einsetzungsworte:

Unser Herr Jesus Christus

in der Nacht, da er verraten ward,

nahm er das Brot, dankte und brach’s

und gab’s den Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset,

das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Solches tut zu meinem Gedächtnis.

(Brot essen)

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl,

dankte, gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus.

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,

das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

(Saft trinken)

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Geht hin im Frieden des Herrn. Amen.

Schlussgebet:

Herr, unser Gott, aus der Verschiedenheit unseres Lebens hast du uns zusammen gerufen und uns durch dieses Mahl verbunden in der Gemeinschaft deines Sohnes. Dafür danken wir dir. Es ist schön, unsere Gemeinschaft endlich wieder so erleben zu können.

Wir bitten dich: Lass den Geist der Liebe und des Verstehens unser Miteinander erfüllen.

Lass diesen Geist wirken in unseren Kirchen, dass wir die Ökumene weiter leben und gestalten; in unserer Gemeinde, wo neue Menschen hinzu kommen und spüren sollen, dass sie willkommen sind.

Wir bitten um deinen Geist der Liebe und des Verstehens für alle, die in Unfriede leben; die Hass empfinden oder erfahren; für die Krisengebieten in der Welt – besonders in Israel und Palästina. Aber auch für alle, die einander nicht verstehen oder sich überhaupt nichts mehr zu sagen haben.

Wir alle brauchen Gemeinschaft – das lehrt uns die Pandemiezeit in besonderer Weise – lass sie uns gestalten, auch jetzt schon, damit Menschen sich aufgehoben fühlen und nicht allein gelassen sind.

Und dein Friede, Gott, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Im Frieden dein (EG 222,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=WQ31vr1Kvi0

1) Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Maßen, hast mein Gesicht das sel'ge Licht, den Heiland, schauen lassen.

2) Mir armem Gast bereitet hast das reiche Mahl der Gnaden.

Das Lebensbrot stillt Hungers Not, heilt meiner Seele Schaden. Ob solchem Gut jauchzt Sinn und Mut mit alln, die du geladen.

3) O Herr, verleih, dass Lieb und Treu in dir uns all verbinden,

dass Hand und Mund zu jeder Stund dein Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz bereit' an deinem Tisch wir finden.

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(Amen, Amen, Amen)

Orgelnachspiel

https://www.youtube.com/watch?v=7YCCbgBIaNg





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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