Gottesdienst an Rogate, 09.05.2021



Gottesdienst an Rogate, 9. Mai. 2021

in der Evangelischen Kirche Lichtenau um 10:00 Uhr mit Vikarin Nadine Kempf

(Übertragung auch per ZOOM )


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Begrüßung Die einen nehmen Platz auf einer Bank. Andere knien. Manche falten die Hände, andere heben den Blick.

Beten – das geschieht in dieser Welt auf ganz vielfältige Weise.

Rogate – Betet! So heißt es an diesem Sonntag. So begrüße ich Sie ganz herzlich – zu Hause in Ihren Häusern und hier in der Kirche. Schön, dass Sie da sind, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Psalm 95 (Lutherübersetzung 2017)

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der HERR ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott,

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Gebet Gott, Schöpferin des Lebens. Ort, an dem wir Zuflucht finden. Du bist da. Groß und weit. Immer und überall können wir zu dir kommen, dürfen wir mit dir reden. Du hörst uns zu, schickst uns nicht weg. Dafür danken wir Dir. Wir bitten dich: Wenn wir uns vor dir verschließen, wenn wir verstummen, verlass uns nicht. Begleite uns im Schweigen und im Reden. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

Lied: Bist zu uns wie ein Vater, NL 8 https://www.youtube.com/watch?v=KT__5B-KRd8 1.) Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst. Der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist. 2.) Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehen. Auf der Erde, im Himmel sollen alle es sehn. [Refrain:] Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen. Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten… Amen. 3.) Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heute unser Brot. Und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot. 4.) Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst. Lass uns treu zu dir stehen, so wie du immer liebst. [Refrain:] Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen. Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten… Amen. 5,) Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort. Mach uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort. 6.) Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf. Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf. [Refrain:] Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen. Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten… Amen. Predigt zu Matthäus 6, 5-13

Liebe Gemeinde,

Sarah lebt in Israel, in Galiläa. Und gerade macht sie sich auf den Weg. Sie will da hin, wo alle sind. Hinauf auf den Berg. Endlich nähert sie sich der Menge. Und tatsächlich: Das da vorne müsste Jesus sein! Wieder blickt sie sich um. Ganz schön viele Menschen, die ihm gefolgt sind. Dabei ist er doch noch gar nicht so lange unterwegs.

Sie bleibt stehen. Beobachtet die Leute um sich herum. Alle lauschen gebannt. Manche runzeln die Stirn, andere nicken. Und Jesus – er steht wie ein Lehrer mittendrin. Er lässt sich von nichts abbringen. Zugewandt, aber klar und deutlich spricht er. Vom Ehebrechen hat er schon gesprochen und vom Spenden. Aber nicht langweilig oder so. Irgendwie schafft er es die Gebote der Tora mit neuen Ideen zu verknüpfen. Das interessiert sie.

(Pause!)

Plötzlich wird es still. Keiner sagt mehr was. Es scheint als käme Jesus an eine ganz besondere Stelle, vielleicht sogar auf den Höhepunkt seiner Rede. Und dann fängt er an und spricht:


Matthäusevangelium 6,5-13

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!Dein Name werde geheiligt.

10 Dein Reich komme.Dein Wille geschehewie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brotgib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld,wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Sarah muss an ihr zu Hause denken. An das Kämmerlein, von dem Jesus sprach. Dort, wo sie Eier und Getreide lagern, da soll man beten? Auf der anderen Seite... im Haus selbst findet man keine Ruhe. Da gibt es ja nur diesen einen großen Raum. Da wird gehämmert, gekocht, geschlafen. Und zwischendurch muss man sich um das Vieh kümmern, das mit im Haus ist. Stimmt schon, zu Hause ist immer was los. Außer... in dieser kleinen Vorratskammer. Da ist man ungestört. Da kann man mal kurz durchatmen.

Und da sollen sie also hingehen, wenn sie beten wollen. Verrückte Vorstellung, aber irgendwie auch eine schöne. Fern von Trubel, fern von Geschäftigkeit. Jesus meint, es geht nicht um Sehen oder Gesehen werden. Es geht auch nicht darum, möglichst oft oder viel zu beten. Es geht darum, Gott sein Herz hinzuhalten. Sein Verborgenes. Mit Gott sein Leben zu teilen. Er sagt, dort wo die Menschen sich Gott zuwenden, dort sieht er in das Verborgene.

Beten im Kämmerlein. Haben Sie das schon probiert? Ich auf jeden Fall noch nicht. Aber ich bin an dieser Stelle hängen geblieben und habe mich gefragt: Wann und wo bete ich, beten wir? Und wie? Was ist beten für uns, für Sie?

Ich habe mich umgehört. Hier bei uns in der Gemeinde.

Manche sagen: „Beten, das ist: Gott erzählen, wie es mir geht oder auch mal ein Zwiegespräch führen.“ - „Beten das ist ein Stoßgebet in den Himmel schicken, vor einer Prüfung oder einer Klassenarbeit.“, sagen andere. „Beten, das ist Gott danken für das Wachsen und Gedeihen.“

„Und wo beten Sie?“, habe ich gefragt.

„Das geht am Besten beim Auf-die-Arbeit-fahren oder beim Spazierengehen.“ habe ich gehört. „Ich bete am Liebsten, wenn ich irgendwo warten muss. An der Kasse im Supermarkt z.B.“ - „Beten, das kann ich am Besten am Abend im Bett.“ erzählen mir Andere.

„Beten, das ist Ballast loswerden.“

„Beten ist auch Stille.“

Für mich gehört Beten zum Alltag dazu. Und da rede ich oft mit Gott. „Hallo. Ich bin's.“ Ich stelle mir vor, dass er auf meinem Sofa sitzt, mich ansieht – liebevoll, interessiert. Und dann erzähl ich ihm, was mich bewegt. Wie sehr ich meine Freund:innen vermisse, meine Familie. Was ich heute alles geschafft habe oder auch nicht. Und er hört zu. Er urteilt nicht. Er bleibt und trägt das mit, was mir auf der Seele brennt.

Manchmal passiert es auch: Da sing ich ihm ein Lied. Eines, das im Radio läuft. Weil ich denke, da freut er sich und weil auch das Alltag ist, den ich mit Gott teilen möchte.

Beten - es trägt mich durch den Alltag. Ich teile mein Leben mit Gott, ich halte ihm mein Herz hin, das, was mich bewegt – das ist Gebet für mich.

(Pause!)

Gebet ist für mich aber auch gemeinsames Beten, mit- und füreinander. Das Vater Unser ist für mich so ein gemeinsames Gebet.

Vielleicht haben Sie vorhin bei der Lesung innerlich mitsprechen müssen. Einfach, weil die Worte so vertraut sind. Sie durchziehen unser Leben wie ein roter Faden. Wir beten sie bei der Taufe, zur Konfirmation, bei Hochzeiten, am Grab.

Das Vater Unser ist ein Gebet, das uns trägt, das wir sprechen können, wenn uns die Worte fehlen. Vielleicht weil der Kummer zu groß geworden ist.

Es ist aber auch ein Gebet, das wir in schönen Momenten sprechen, voller Zuversicht und Vertrauen, vielleicht mit einem Strahlen im Gesicht.

Das Vater Unser – es umfasst unser Leben in seiner Fülle und es ist ein Gebet, das uns mit Christ:innen verbindet, hier und anderswo.

Gerade in den letzten Monaten hat mir das oft Kraft gegeben, zu wissen, dass in ganz vielen Häusern immer wieder diese Worte erklingen. Am Abend, in der Früh, wenn Sie zu Hause per Zoom mitsprechen. Ich weiß, gerade dürfen wir es im Gottesdienst nur leise mitsprechen und doch: Wir sprechen es – gemeinsam.

Das Vater Unser, es verbindet uns. Ja, es ist wie eine Melodie in meinem Herzen. Ich im selben Takt mit anderen Gläubigen, mit Ihnen, mit Gott.

Es ist spät geworden. Die meisten Menschen sind schon nach Hause gegangen. Aber Sarah sitzt noch hier, auf dem Berg. Sie ist tief versunken in ihren Gedanken. Sie genießt die Ruhe um sich. Sie stellt sich vor, wie Gott bei ihr sitzt und sie anlächelt. Ermutigend.

Es ist ungewohnt. Nur er und sie.

Auf einmal hat sie wieder diese Worte im Ohr: „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel“.

Unser Vater. Eine schöne Vorstellung. Gott wie ein Vater oder eine Mutter. Doch, das findet sie gut. Ja, vielleicht wird es Zeit, mal was Neues auszuprobieren. Langsam fängt sie an zu sprechen: Unser Vater im Himmel....


Amen.

Lied: Wenn die Last der Welt mir zu schaffen macht EG 645 https://www.youtube.com/watch?v=ViJVQXKKSG0 1. Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet. Wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht, hört er dein Gebet.

[Refrain]

Er hört dein Gebet, hört auf dein Gebet.

Er versteht was sein Kind bewegt, Gott hört dein Gebet.

2. Wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst, hört er dein Gebet. Wenn du ängstlich bist und dich selbst verneinst, hört er dein Gebet.

[Refrain]



Fürbitt-Gebet Gott, so vieles ereignet sich auf dieser Welt Tag für Tag. So vieles, das wir dir im Gebet anvertrauen wollen.

Gott, wir bitten dich für alle, die keine Ruhe mehr finden. Die gehetzt sind und getrieben von den Anforderungen des Alltags. Für alle, die sich nach Stille sehnen.

Sei du ihre Pause zum wieder Auftanken.

Gott, wir bitten dich für alle, denen es die Kehle zuschnürt. Weil sie schlimme Nachrichten erhalten. Weil sie Menschen verlieren, die sie lieben. Wir bitten dich für alle, die trauern, die Schmerzen leiden, die sich einsam fühlen.

Mach ihr Herz frei von Sorgen und Angst.

Gott, heute feiert Sophie Scholl ihren 100. Geburtstag. Sie kämpfte gegen Hass und Menschenverachtung.

Wir bitten dich für alle, die auch heute noch ihre Stimmen erheben gegen die Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Die sich einsetzen für mehr Frieden und weniger Leid.

Schenke Durchhaltevermögen und Kraft.

Gott, wir bitten dich für alle, die nach Worten suchen und keine finden. Für alle, die aufgehört haben, mit dir zu reden, die dich nicht mehr spüren können.

Lass sie nicht los. Umgib sie mit deiner Nähe.

Gott, so Vieles mehr könnten wir dir sagen.

Alles Gesagte und alles Ungesagte legen wir ab bei dir.

Miteinander verbunden beten wir gemeinsam:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Friedensgruß (Phil 4,7)

„Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Amen.

Abkündigungen Lied: NL 118 Der Herr segne dich, behüte dich

https://www.youtube.com/watch?v=ZefckF5a_6I

Der Herr segne Dich, behüte Dich, Lasse sein Angesicht leuchten über Dir Und der Herr sei Dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht über Dich Und erfülle Dein Herz mit seinem Licht, Tiefer Friede begleite Dich. Ob Du ausgehst oder heimkommst, Ob Du wach bist oder schläfst, Sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob Du in das Tal hinabschaust, Oder Berge vor Dir steh'n, Mögest Du den nächsten Schritt in seinem Segen geh'n.

Der Herr segne Dich, behüte Dich Lasse sein Angesicht leuchten über Dir Und der Herr sei Dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht über Dich Und erfülle Dein Herz mit seinem Licht, Tiefer Friede begleite Dich. Ob die Menschen die Du liebst, Dies erwiedern oder nicht, Sei ein Segen durch die Gnade Deines Herrn. Ob die Träume die Du träumtest, Noch verheissungsvoll besteh'n, Oder längst schon nicht mehr für Dich wie ein Traum ausseh'n. Friede mit dir Friede mit dir Friede mit dir

Wochenspruch In der kommenden Woche begleiten uns Worte aus Psalm 66: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“

Segen

Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen.


Orgelnachspiel





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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