Gottesdienst zum 2. Sonntag nach Epiphanias, 17.1.2021



Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias, 17.1.21

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Musikstück: Du bist der Weg (NL 122,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=50pH4Uxip1I


Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnesund des Heiligen Geistes. Amen.


Eingangsspruch (Psalm 105,1+2)

Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen;

verkündigt sein Tun unter den Völkern!

Singet ihm und spielet ihm, redet von allen seinen Wundern!


Eingangsgebet

Guter Gott,

wir kommen zu dir, mit allem, was uns beschäftigt.

Wir bringen schöne Gedanken mit – aber auch so manches, was usn schwer auf dem herzen liegt.

Wir bitten dich: Lass uns jetzt etwas von deiner Nähe spüren in Worten und Liedern.

Lass uns erkennen, wo du uns begleitest, führst und stärkst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.


Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ – so heißt die Jahreslosung für 2021. Das folgende Gleichnis umschreibt diese Worte Jesu mit einer bekannten Geschichte.


Schriftlesung: Lukas 15,11-32

»Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte: ›Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht!‹ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf. Nach ein paar Tagen machte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil zu Geld und zog weit weg in die Fremde. Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles. Als er nichts mehr hatte, brach in jenem Land eine große Hungersnot aus; da ging es ihm schlecht. Er hängte sich an einen Bürger des Landes, der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er war so hungrig, dass er auch mit dem Schweinefutter zufrieden gewesen wäre; aber er bekam nichts davon.Endlich ging er in sich und sagte: ›Mein Vater hat so viele Arbeiter, die bekommen alle mehr, als sie essen können, und ich komme hier um vor Hunger. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Nimm mich als einen deiner Arbeiter in Dienst!‹ So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.

Er war noch ein gutes Stück vom Haus entfernt, da sah ihn schon sein Vater kommen, und das Mitleid ergriff ihn. Er lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und überhäufte ihn mit Küssen.

›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden, ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu sein!‹

Aber der Vater rief seinen Dienern zu: ›Schnell, holt die besten Kleider für ihn, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm Schuhe! Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen! Denn mein Sohn hier war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen zu feiern.

Der ältere Sohn war noch auf dem Feld. Als er zurückkam und sich dem Haus näherte, hörte er das Singen und Tanzen. Er rief einen der Diener herbei und fragte ihn, was denn da los sei. Der sagte: ›Dein Bruder ist zurückgekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederhat.‹

Der ältere Sohn wurde zornig und wollte nicht ins Haus gehen. Da kam der Vater heraus und redete ihm gut zu. Aber der Sohn sagte zu ihm: ›Du weißt doch: All die Jahre habe ich wie ein Sklave für dich geschuftet, nie war ich dir ungehorsam. Was habe ich dafür bekommen? Mir hast du nie auch nur einen Ziegenbock gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. Aber der da, dein Sohn, hat dein Geld mit Huren durchgebracht; und jetzt kommt er nach Hause, da schlachtest du gleich das Mastkalb für ihn.‹

›Mein Sohn‹, sagte der Vater, ›du bist immer bei mir, und dir gehört alles, was ich habe. Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen! Denn dein Bruder war tot und ist wieder am Leben. Er war verloren und ist wiedergefunden.‹«


Musikstück: Wie ein Fest nach langer Trauer (EG 666,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=nAojuBUfPxU


1. Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht,

ein off'nes Tor in einer Mauer, für die Sonne auf gemacht.

Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein „Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss“.


Refrain: So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.

So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. (2x)


2. Wie ein Regen in der Wüste, frischer Tau auf dürrem Land.

Heimatklänge für Vermisste, alte Feinde Hand in Hand.

Wie ein Schlüssel im Gefängnis, wie in Seenot „Land in Sicht“,

wie ein Weg aus der Bedrängnis, wie ein strahlendes Gesicht.


Refrain: So ist Versöhnung


3. Wie ein Wort von toten Lippen, wie ein Blick der Hoffnung weckt, wie ein Licht auf steilen Klippen, wie ein Erdteil neu entdeckt. Wie der Frühling, wie der der Morgen, wie ein Lied,wie ein Gedicht, wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst, das wahre Licht.


Refrain: So ist Versöhnung

Gedanken zurJahreslosung 2021

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ –

Das bekannte Gleichnis vom „Barmherzigen Vater“ zeigt es ganz anschaulich, wie Jesus diese Worte meint:

Der Vater schließt seinen Sohn in die Arme. Er rechnet seine Fehler nicht auf, sondern freut sich einfach von Herzen und feiert ein großes Fest.

„Sei barmherzig“ könnte dann auch der versteckte Appell an den anderen Sohn gewesen sein, der etwas eingeschnappt ist, als er nach Hause kommt. „Für den Rumtreiber macht er ein großes Fest – und was ist mit mir, wo ich doch die ganze Zeit brav zu Hause geblieben bin?“ so denkt der Sohn bei sich – Und sein Vater sagt ihm in anderen Worten: „Sei nicht sauer, freu dich mit uns, feier mit uns – hab ein Herz für deinen Bruder…sei barmherzig!“


„Barmherzig“ – ein ganz altes Wort, das wir im alltäglichen Sprachgebrauch eigentlich kaum mehr benutzen. Wenn man es herleiten will, gibt es mehrere Möglichkeiten: Ein Herz für den Armen haben, finde ich da im Duden. Oder auch eine Wortzusammensetzung: aus „barm“, was soviel wie Schoß heißt und „Herz“. Im Hebräischen kommt es von einem Wor, das den „Mutterleib“ beschreibt. Und im Griechischen, in welcher Sprache unsere Vers ursprünglich aufgeschrieben ist, klingt mit, dass man sich anrühren lässt, Mitleid hat mit dem anderen…

Und wenn Sie die Karte zur Hand nehmen, die Sie am Eingang bekommen haben, finden Sie darauf viele Synonyme für das alte Wort, die auf ihre Weise erklären, was damit alles gemeint ist. (https://jahreslosung.net/jahreslosung-2021-motiv-eva-jung/ )


„Barmherzig“ – wenn man das Wort mit diesen vielen Bedeutungen und Sprachwurzeln hört, dann ist es eigentlich ich wunderschönes Wort. Ein wunderschönes Wort für Gottes Wesen, wie es Jesus in seinen Worten umschreibtt. Gott, der ein „Herz“ für uns Armen hat. Ja noch mehr, dem wir so nah sind, als hätte er uns selbst in seinem Mutterleib getragen und geboren. Gott, der uns verbunden ist wie Vater UND Mutter.

Ein Gott, der sich anrühren lässt – Mitleid hat – empathisch ist, sich einfühlt… und welche Begriffe noch alles auf der Karte aufgeführt sind.

Wie gesagt: eigentlich ein wunderschönes Wort – eine wunderschöne, tröstliche Umschreibung von Gottes Wesen.

Aber der Vers sagt ja noch mehr: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“!

WIR sollen barmherzig sein WIE der Vater. WIR sollen mit dem Herzen beim „Armen“ sein – ihm nahe sein, wie unseren Kindern – uns anrühren lassen – für den anderen Gutes tun.

Als Jesus diese Worte spricht, verbindet er sie mit einigen Verhaltensregeln für seine Zuhörer. Er verbindet sie mit seinen Worten von der Feindesliebe. Aber auch mit dem Aufruf, Gutes zu tun, zu vergeben, nicht zu richten und vieles mehr. (Lk 6)


„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“

In einer Arbeitshilfe für Reli fand ich zu der diesjährigen Losung folgende Idee: man bastelt ein Herz, das man so am Regal oder am Schreibtisch anbringt, dass man immer wieder drauf schaut und auch die eigene Hand dagegen halten kann. Dieses Herz soll einen immer wieder daran erinnern, dass wir in diesem Jahr besonders auf die Barmherzigkeit achten sollen. Ein Herz haben sollen, für die, die uns brauchen. Für die, die uns Mühe machen. Für die, die wir im Inneren auch manchmal verwünschen.


Und diese Bastelidee hat mich angeregt, für Sie diese kleinen Steine mit einem Herzen zu bemalen. Groß genug, dass man sie sieht, wenn man sie auf dem Schreibtisch oder der Fensterbank liegen hat. Manche aber auch klein genug, dass sie grade in die Hosentasche passen.

Sie sollen – oder dürfen – eine kleine Erinenrungshilfe für Sie sein.





„Seid barmherzig…“

Wie oft sind wir unbarmherzig – besonders den Menschen gegenüber, die uns verletzen oder uns anders das Leben schwer machen. Dann kann der Blick auf diesen Stein uns vielleicht ermuntern, dem anderen zu vergeben – oder zumindest zu versuchen, ihn mal mit anderen „barmherzigeren“ Augen zu sehen.

Oder: Wie oft sind wir uns selbst gegenüber „unbarmherzig“?

Sie kennen das alle, dass man sich innerlich ausschimpft, weil man mal wieder zu langsam, zu schnell, zu gutmütig, zu streng, zu spitzzüngig, zu hart, zu lieb war… Wir sind uns selbst gegenüber der härteste Kritiker – ja wirklich oft auch ein „unbarmherziger“ Kritiker. Da hilft es vielleicht, wenn man von Zeit zu Zeit den Stein zur Hand nimmt und ein bisschen nachsichtiger mit sich selber ist.

Seid barmherzig heißt aber ja noch viel mehr: „mit dem Herzen beim anderen sein – mit dem Herzen beim Armen zu sein“…

Und damit ist nicht nur der „Arme“ gemeint, der darauf angewiesen ist, dass ich ihn finanziell unterstütze oder über eine Spende bei der Tafel dafür sorge, dass er etwas zu essen und zu trinken bekommt. Nein, damit ist jeder Mensch gemeint, der es braucht, dass der andere ihn wahrnimmt – für ihn da ist – ihn sieht – ihm hilft.

Jetzt in diesen Wochen und Monaten ist das besonders wichtig. Wieviele Menschen geraten in Not – nicht nur wirtschaftlich – sondern auch seelisch. Da gibt es die, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Angst in den Griff bekommen sollen. Es gibt die, die einfach grenzenlos überfordert sind mit Homeoffice und Homeschooling. Es gibt, die ganz konkret jemanden brauchen, der ihnen den Weg zum Einkaufen abnimmt oder ihnen den Impftermin übers Internet bucht. Und es gibt die vielen vielen Einsamen, die sich so darüber freuen würden, wenn mal jemand bei ihnen anruft, eine Karte schreibt, an der Haustür klingelt und sich durchs Fenster mit ihnen unterhält…

Ich bin mir sicher: wenn Sie drüber nachdenken, fällt ihnen allen mindestens ein Mensch in ihrer Umgebung ein, für den oder die Sie einfach da sein könnten – oder denen Sie mal ein bisschen Herz, Wärme, Freude, Zeit … schenken könnten!


„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“

Ich glaube, in diesem kleinen Satz steckt ganz viel drin, was wir als Anregung nehmen können, um dieses Jahr für uns alle zu einem besseren Jahr werden zu lassen. Und vielleicht kann dieser Stein uns ja an jedem Morgen oder auch nur einmal in der Woche daran erinnern, dass wir doch „barmherzig“ sein wollten, mit uns und mit dem anderen! Amen.


Lied: Das ist das Wunder (Lied zur Jahreslosung, ejw)

https://www.youtube.com/watch?v=lvTtgvaFTlI


1. Barmherzig sein heißt Zeit verschenken, zusammen lachen, Neues denken. Wer geht und fragt nach, lädt die Einsamen ein,

in Gemeinschaft zu sein?


2. Barmherzig sein heißt Schweres tragen, zusammen weinen, Schweigen wagen. Was lindert die Not? Jedes Wort ist zu viel. Ich umarme dich still.

Refrain: Seid barmherzig, denn euer Vater im Himmel ist es auch. Schaut euch um und seht, dass ihr einander braucht.

Seine Liebe macht die Gedanken und Herzen wieder weit.

Das ist das Wunder der Barmherzigkeit.


3. Barmherzig sein heißt Brücken bauen, verzeihen und sich neu vertrauen. Wer geht nun den Schritt? Das allein braucht schon Mut. Doch Versöhnung tut gut.


4. Barmherzig sein heißt wachsam bleiben und Menschenfeindlichkeit vertreiben. Wer tritt dafür ein? Jeder, der etwas sieht und Barmherzigkeit liebt.

Refrain: Seid barmherzig

Fürbitten

„Barmherzig sein heißt Zeit verschenken, zusammen lachen, Neues denken.“

Gott wir bitten dich, hilf uns, dass wir die Einsamen sehen – dass wir sie besuchen, anrufen, einladen, für sie da sind. Dass wir gerade jetzt für die Menschen da sind, die sich überfordert und alleingelassen fühlen.


„Barmherzig sein heißt Schweres tragen, zusammen weinen, Schweigen wagen.“ Gott, wir bitten dich für alle, die gerade Schweres zu tragen haben. Für die Trauernden und Traurigen, für die Kranken und Sterbenden. Für Ärzte und Pflegende. Für die vielen Erkrankten in den Pflegeheimen in unserer Gemeinde – aber auch für alle in den Krankenhäusern und auf den Instensivstationen.


„Barmherzig sein heißt Brücken bauen, verzeihen und sich neu vertrauen.“

Wir bitten dich Gott für Länder und Völker, die im Krieg leben oder von anderen erschüttert werden. Wir bitten für alle, die zu Hause Konflikte erleben und auch häusliche Gewalt erfahren. Lass uns da aufmerksam sein und helfend einschreiten.


„Barmherzig sein heißt wachsam bleiben und Menschenfeindlichkeit vertreiben.“

Gott lass uns endlich in dem anderen einfach nur dein geliebtes Kind sehen – ganz egal, welchen Glauben er hat, welche Sprache er spricht und aus welchem Land er kommt. Und mach uns mutig all den Verschwörungstheoretikern und Menschenverachtenden zu widersprechen.


Und alles, was uns selbst bewegt, nehmen wir mit hinein in das gebet deines Sohnes: - Vater unser…


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Lied Von guten Mächten (EG 65,1+2+5+6)

https://www.youtube.com/watch?v=3C8v9icR6yA (klassisch)

https://www.youtube.com/watch?v=rK2ZBx6Ws3U (anders…)


1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.


Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen


5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen


6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,

all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Refrain: Von guten Mächten wunderbar geborgen

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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