• Ute Braun

Gottesdienst zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24.1.2021



Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias, 24.1.21

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Musikstück

https://www.youtube.com/watch?v=MHln0gpVTvI


Votum:

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Eingangsspruch:

Es werden kommen von Osten und von Westen,

von Norden und von Süden,

die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.


Eingangsgebet

Gott, deine Macht kennt keine Grenzen. Zu dir kommen wir, weil wir deine Kraft brauchen.

Schenk uns Mut, der unsre Ängste überwindet und unsre Träume zur Tat werden lässt. Lass uns die Kraft deines Geistes spüren, der uns lebendig macht und bereit, dem Leben zu dienen in deiner Welt - darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.


Schriftlesung: Ruth 1,1-19a

Es war die Zeit, als das Volk Israel noch von Richtern geführt wurde.

Weil im Land eine Hungersnot herrschte, verließ ein Mann aus Betlehem im Gebiet von Juda seine Heimatstadt und suchte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen Zuflucht im Land Moab.

Der Mann hieß Elimelech, die Frau Noomi; die Söhne waren Machlon und Kiljon. Die Familie gehörte zur Sippe Efrat, die in Betlehem in Juda lebte.

Während sie im Land Moab waren, starb Elimelech und Noomi blieb mit ihren beiden Söhnen allein zurück. Die Söhne heirateten zwei moabitische Frauen, Orpa und Rut. Aber zehn Jahre später starben auch Machlon und Kiljon, und ihre Mutter Noomi war nun ganz allein, ohne Mann und ohne Kinder.

Als sie erfuhr, dass der Herr seinem Volk geholfen hatte und es in Juda wieder zu essen gab, entschloss sie sich, das Land Moab zu verlassen und nach Juda zurückzukehren. Ihre Schwiegertöchter gingen mit. Unterwegs sagte sie zu den beiden: »Kehrt wieder um! Geht zurück, jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr vergelte euch alles Gute, das ihr an den Verstorbenen und an mir getan habt. Er gebe euch wieder einen Mann und lasse euch ein neues Zuhause finden.«

Noomi küsste die beiden zum Abschied. Doch sie weinten und sagten zu ihr: »Wir verlassen dich nicht! Wir gehen mit dir zu deinem Volk.«

Noomi wehrte ab: »Kehrt doch um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne zu erwarten, die eure Männer werden könnten? Geht, meine Töchter, kehrt um! Ich bin zu alt, um noch einmal zu heiraten. Und selbst wenn es möglich wäre und ich es noch heute tun würde und dann Söhne zur Welt brächte – wolltet ihr etwa warten, bis sie groß geworden sind? Wolltet ihr so lange allein bleiben und auf einen Mann warten? Nein, meine Töchter! Ich kann euch nicht zumuten, dass ihr das bittere Schicksal teilt, das der Herr mir bereitet hat.«

Da weinten Rut und Orpa noch mehr. Orpa küsste ihre Schwiegermutter und nahm Abschied; aber Rut blieb bei ihr. Noomi redete ihr zu: »Du siehst, deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen. Mach es wie sie, geh ihr nach!«

Aber Rut antwortete: »Dränge mich nicht, dich zu verlassen. Ich kehre nicht um, ich lasse dich nicht allein. Wohin du gehst, dorthin gehe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.

Wo du stirbst, da will auch ich sterben; dort will ich begraben werden. Der Zorn des Herrn soll mich treffen, wenn ich nicht Wort halte: Nur der Tod kann mich von dir trennen!«

Als Noomi sah, dass Rut so fest entschlossen war, gab sie es auf, sie zur Heimkehr zu überreden. So gingen die beiden miteinander bis nach Betlehem.


Lied: Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293,1+2)

https://www.youtube.com/watch?v=QKySzlR7URs

1) Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn,

ihr Völker allzumal,

dankt ihm zu aller Stunde, dass er euch auch erwählet hat

und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne.

2) Denn seine groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten,

sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten

und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;

drum singet Halleluja.


Predigtgedanken zu Rut 1

3 mal 14 Generationen waren es laut dem Matthäusevangelium von Abraham bis Jesus. Und in dem langen Stammbaum Jesu sind außer Maria vier Frauen aufgeführt. Sie alle waren Ausländerinnen. Etwas, das Matthäus sehr wichtig ist, um von Anfang an deutlich zu machen: Jesus, der Retter der Welt, ist nicht nur für alle Menschen aller Völker gekommen, sondern hat selbst Wurzeln in anderen Völkern und Kulturen.

Die Moabiterin Ruth, von der wir gerade in der Schriftlesung gehört haben, ist eine dieser Frauen im Stammbaum Jesu. Sie ist die Großmutter des Königs David – und er wiederum ist ja ein Vorfahre Jesu, der – wie wir aus der Weihnachtsgeschichte noch wissen – aus dem Stamm Davids war.


Aber nicht nur deswegen ist das kleine Buch Ruth wohl erwähnenswert und darf auch mal mit einer Predigt bedacht werden. Denn hier begegnen uns schon im 1.Kapitel zwei besondere Frauen mit einem eigenen Willen.

Da haben wir Noomi. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen verlässt sie ihre Heimat Bethlehem, in der gerade eine Hungersnot herrscht.

Quasi als Wirtschaftsflüchtlinge lassen sie sich in Moab nieder. Einem Land, das vom Volk Israel nicht gut angesehen war. Zweifelhafte Sitten wurden diesem Volk vorgeworfen und natürlich ein falscher Glaube.

Aber Noomi und ihre Familie lassen sich dort dennoch nieder und scheinen auch heimisch zu werden. Denn die beiden Söhne heiraten moabitische Frauen: Orpa und Ruth.

Doch bald schon wendet sich das Schicksal der Familie – erst stirbt der Ehemann, dann die Söhne. Und Noomi bleibt allein zurück mit ihren beiden Schwiegertöchtern. Es gibt keine männlichen Nachkommen, was für die drei Frauen in der damaligen Zeit bedeutet: sie sind schutzlos und ohne Unterhalt.

So entschließt sich Noomi zurückzukehren in ihre Heimat zu ihrer Ursprungsfamilie – und die beiden Schwiegertöchter begleiten sie. Sie sind nun Teil ihrer Familie – also gehen sie auch mit ihr. Doch Noomi ist sich bewusst, dass ihre Schwiegertöchter keine Zukunft haben, wenn sie bei ihr bleiben. Deshalb gibt sie sie frei. Sie sollen zurückkehren zu ihren Ursprungsfamilien – einen neuen Mann heiraten, Kinder haben, glücklich werden. Orpa nutzt diese Möglichkeit – aber Ruth bleibt bei ihrer Schwiegermutter.

Mit Worten, die so manches Ehepaar sich als Trauspruch ausgewählt hat, versichert Ruth ihrer Schwiegermutter ihre Treue: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“


Ja, Ruth ist die zweite willensstarke Frau in unserem Text. Sie bleibt bei ihrer Schwiegermutter, obwohl eigentlich alles dagegen spricht. Sie ist Ausländerin, sie hat einen anderen Glauben, es gibt für sie nicht viel Perspektiven auf eine eigene Familie. Was für sie spricht: sie hat sich all die Jahre treu um ihre Schwiegermutter gekümmert – und das wird ihr nun auch zu Gute gehalten von Noomis Volk.

Und noch einmal wendet sich das Blatt für die Familie: Ein ferner Verwandter von Noomi sorgt dafür, dass die beiden Frauen mit Nahrung versorgt sind und nimmt schließlich auch Ruth zu seiner Frau. Ein Happy End am Ende einer Geschichte mit so vielen „Schicksalsschlägen“. Schicksalsschläge, die an den Frauen auch nicht spurlos vorüber gehen! Noomi formuliert es bei ihrer Rückkehr nach Bethlehem so: „nennt mich nicht mehr Noomi – sondern Mara, die Bittere“. Ja, sie hat viel ertragen, viel durchlitten: ihren Mann und ihre beiden Söhne beerdigt – das ist weit mehr als ein einzelner Mensch ertragen will und ertragen kann. Für Noomi auch ein Grund ihren Glauben zu hinterfragen und an Gott zu zweifeln.

Für Leser und Leserinnen der Geschichte ist sie eine Frau, in der man sich wiederfinden kann mit allen Zweifeln und Fragen – mit dem Schmerz und der Bitterkeit. Mit all den Gefühlen, die zutiefst menschlich sind, wenn wir Leiden erfahren.

Ruth dagegen ist die Person in der Geschichte, die für Aufbruch und Neubeginn steht. Die für Treue steht aber auch für Mut. Welchen Mut verlangte es von ihr, dass sie mit ihrer Schwiegermutter in ein fremdes Land ging. Sie kannte dort niemanden – selbst der Glaube dort war ihr fremd.

Doch die Treue zu ihrer Schwiegermutter ließ sie diesen Aufbruch und Neubeginn wagen.

Und wieviel Mut brauchte es später, dass sie unter lauter Fremden auf die Felder geht und Getreide sammelt, um für sich und Noomi zu sorgen. Es ist ein Recht, das Witwen zugestanden wurde: die Ähren aufzusammeln, die bei der Ernte liegen geblieben sind – aber es war auch ein Risiko, wenn man als alleinstehende Frau unter Fremden war. Auch hier, war es ihre Treue für ihre Schwiegermutter, die sie das wagen ließ: sie wollte für ihre Schwiegermutter sorgen – auch hier in der Fremde.

In Ruth und ihrer weiteren Geschichte begegnet uns eine Frau, die ihr Schicksal trägt – ohne daran zu zerbrechen. Die nicht aufgibt, sondern aufbricht und nochmal neu beginnt. Ganz neu. Ein Gedanke, der vielleicht auch für manchen von uns ein wichtiger Gedanke ist, um immer mal wieder zu überprüfen: wo braucht es vielleicht auch in meinem Leben einen Aufbruch, einen Neubeginn? Und wo braucht es für mein Handeln ein bisschen mehr Mut?


Und schließlich findet man in dem Miteinander dieser beiden Frauen etwas, das wohl auch für unser heutiges Zusammenleben bedenkenswert ist: die beiden Frauen sind einander verbunden. Ihr unterschiedlicher Glaube spielt nie eine Rolle – sie stehen füreinander ein.

Aber zugleich erdrücken sie den anderen auch nicht mit irgendwelchen Erwartungen: sie lassen einander frei – in jeder Hinsicht. Das was sie füreinander tun, kommt aus freien Stücken – und teilweise gegen jede Erwartung.


Ob Ruth wirklich eine Urahnin von Jesus war, wie es Matthäus in seinem Evangelium aufnimmt, wissen wir nicht wirklich. Vieles in der Geschichte klingt ja auch eher wie eine Legende. Was sie aber verkörpert, das ist durchaus etwas, dass sich auch in Jesu Leben widerspiegelt: Treue und Mut, Aufbruch und Neubeginn. Und den Menschen die Freiheit zum Leben schenken, die sie brauchen, um selbst Aufbrüche zu wagen und mutig zu handeln.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Lied: Lass uns in deinem Namen, Herr (NL 172,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=2gX_9orxUXk

1. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.

2. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben.

3. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.

Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.


Fürbitten

Gott, in Jesus Christus hast du uns gezeigt, dass deine Liebe allen Menschen gilt – über alle Grenzen hinweg.

So bitten wir dich: Für die Völker der Erde in Nord und Süd, in Ost und West: dass sie einander Vertrauen schenken; dass sie sich miteinander auf den Weg machen und mit vereinten Kräften dem Wohl der Menschen dienen.

Für die christlichen Kirchen: dass sie ihren Platz an der Seite der Ärmsten wissen und sich ohne Furcht und ohne Ansehen der Person überall für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Für die vielen Menschen, die ständig auf der Suche sind nach Glück und Sinn für ihr Leben: dass sie auch etwas von dem Licht sehen, dass durch Jesus in die Welt gekommen ist.

Für uns, die wir Christi Namen tragen: dass uns keine Zeit zu kostbar und kein Weg zu weit ist, wenn andere Menschen uns brauchen.


Vaterunser…


Lied: Vertraut den neuen Wegen (EG 395,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=SCRTdbH1VOM

1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

2. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

3. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.


Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.


Musikstück zum Ausgang

https://www.youtube.com/watch?v=6zCt6cBiiiI



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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