Gottesdienst zum 4. Sonntag nach Epiphanias, 31.1.2021



Gottesdienst am 4. Sonntag nach Epiphanias, 31.1.21

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Vikarin Nadine Kempf


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)



Orgelvorspiel:

EG 69: Der Morgenstern ist aufgedrungen

https://www.youtube.com/watch?v=tm8n7hapKDI Votum

Gott über uns. Gott um uns. Gott in uns.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


"Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." (Jes 60,2)


Mit dem Wochenspruch begrüße ich Sie herzlich! Gute fünf Wochen ist es her. Um genau zu sein 38 Tage. Vor 38 Tagen also, so behaupte ich, brannte in jedem Haus mindestens eine Kerze. Auf dem Küchentisch oder am Baum. Lief man durch die Straßen, so zeigte sich ein Lichtermeer in manchen Häusern. 38 Tage ist es nun her, dass wir Weihnachten gefeiert haben. Das Fest, an dem die Herrlichkeit des Herrn erschienen ist – im Glanz eines zarten Kindes. Dieser Sonntag lädt uns ein: Noch einmal weihnachtlich innezuhalten.


Hören wir einige Verse aus Psalm 97. Ich lese aus der Basisbibel.

Psalm 97

1 Der Herr herrscht als König. Es juble die Erde! Es sollen sich freuen die vielen Inseln!

2 Dichte und dunkle Wolken umgeben ihn. Gerechtigkeit und Recht stützen seinen Thron.

4 Seine Blitze erleuchten den Erdkreis. Die Erde sieht es und bebt.

5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher über die ganze Welt.

6 Die Himmel erzählen von seiner Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.

11 Ein Licht strahlt auf über den Gerechten. Freude erfüllt die Herzen der Aufrechten.

12 Freut euch, ihr Gerechten, über den Herrn und preist seinen heiligen Namen.

Gloria Patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

Lebendiger Gott,

in Christus bist du Mensch geworden. Mensch und Bruder.

Für uns leuchtest du mit deinem Licht.

Licht, das wir zum Leben brauchen.

Doch manchmal überkommen uns dunkle Gedanken.

Dann sind wir blind und taub,

lassen dein Licht nicht an uns ran.

Dann gibt es Tage, da sind wir es selbst,

die das Leben anderen düster machen,

weil wir uns rücksichtslos und egoistisch verhalten.

Lebendiger Gott, Bruder und Freundin.

Hier sind wir vor dir mit unserem ganzen Leben.

Wir bitten dich: Durchdringe uns mit Licht. Lass uns sehen, wo es hell ist in unserem Leben. Vertreibe unsere düsteren Gedanken und kehre bei uns eins. Strahlend hell. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.

Biblischer Text: Matthäus 17

1 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich. Er führte sie auf einen hohen Berg, wo sie ganz für sich waren. 2 Da veränderte sich sein Aussehen vor ihren Augen: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden strahlend weiß wie Licht. 3 Da erschienen Mose und Elija vor ihnen und redeten mit Jesus. 4 Petrus sagte zu Jesus: »Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich drei Zelte aufschlagen:eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.« 5 Noch während Petrus redete, legte sich eine Wolke aus Licht über sie. Da erklang eine Stimme aus der Wolke: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Hört auf ihn!«

Lied EG 450 Morgenglanz der Ewigkeit https://www.youtube.com/watch?v=3ompKLYyVWk

1) Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschöpften Lichte, schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.


3) Gib, dass deiner Liebe Glut / unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut / bei entstandner Morgenröte, dass wir eh wir gar vergehn, / recht aufstehn.

Predigt 2. Petr 1,16-19


Liebe Gemeinde.


Es müssen große Worte sein. Worte, die eine Strahlkraft haben. Die in die trübe Stimmung hinein leuchten. Wegpusten die Unsicherheiten und Skepsis. Worte, die die Leute aufwecken aus den Lügengeschichten und wirren Reden ihrer Zeit. Macht, Ehre, Herrlichkeit hat er im Sinn. Er beugt sich vor, den Stift in seiner Hand. Er schreibt:


16 Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen. 17 Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit – aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.« 18 Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren. 19 So gewinnen die prophetischen Worte für uns noch an Zuverlässigkeit. Und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet. Denn diese Worte sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht.

Miriam lässt sich auf den Stuhl fallen. Die Arme hängen rechts und links runter. Reglos sitzt sie da. Keine Ahnung was sie denken soll. Die einen sagen es so, die anderen wieder ganz anders. Hin und her gerissen ist sie. Sie will ja daran glauben. Also, dass das stimmt. Dass Jesus wiederkommt. Aber [sie seufzt] warum tut er's dann nicht? Es sind jetzt knapp 200 Jahre vergangen. 200 Jahre ist es her, dass Jesus hier in Jerusalem durch die Straßen zog, dass er am Kreuz auf Golgatha starb. 200 Jahre ist es her, dass er den Jüngerinnen und Jüngern wieder erschien und ihnen zusagte: „Der Menschensohn wird wiederkommen in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln.“ (Mt 25,31). Irgendwie hat sie das Gefühl, dass die Leuchtkraft verblast ist. Der Glanz seiner Herrlichkeit – verwischt.


Ich kann dich gut verstehen, Miriam. Wer hätte das gedacht, dass wir heute das Jahr 2021 schreiben. Noch immer warten wir darauf, dass Jesus wiederkommt. Von dem Glanz seiner Herrlichkeit ganz zu schweigen. In diesen Tagen und Wochen ist es einfach nur noch grau. Keiner kann es mehr hören. Ich muss das Wort gar nicht mal aussprechen und doch wissen alle, wovon ich rede. So sehr hat sich dieser Mist in unsere Haut gefressen.

Auf der Strecke bleiben Menschen, bei denen es auch davor schon tiefgrau war: Menschen auf der Flucht, in Kriegs- und Hungersgebieten. Menschen, die an den Folgen des Klimawandels leiden. Echt Miriam, manchmal geht es mir wie dir. Dass ich mich frage: Wann kommt an diese Orte ein Stück von Gottes Herrlichkeit, von seiner Leuchtkraft?!


Zurück nach Jerusalem: Das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Er muss was unternehmen. Okay, vielleicht ist es nicht ganz richtig, dass er sich als Petrus ausgibt, als den Apostel, der Jesus als Sohn Gottes erkannte. (16,16f.) Aber: Irgendwie muss er sich ja Autorität verschaffen. Es geht ihm einfach darum, dass sie ernst nehmen, was die Apostel erlebt haben. Und sich daran festhalten – nicht an den Reden irgendwelcher Quatschköpfe oder Laberbacken. Er sucht nach Worten, die was zum Leuchten bringen. Und was wäre da nicht passender als von der Verklärung Jesu zu erzählen?(Mt.17) Von dem Moment geballter Leuchtkraft, in dem die Apostel erlebt haben: So hell und klar ist Gott. Strahlend weiß wie Licht. Der Moment, in dem die Apostel gesehen, gehört, gespürt haben: Jesus ist Gottes Sohn!

Er sieht sich beauftragt, hoffnungsglühend, die Menschen wach zu rütteln. Zu erinnern: Mit Jesus Christus ist es licht geworden auf und in der Welt. Die Apostel haben es erlebt und aufgeschrieben. Darum: Haltet an ihren Worten fest. Diese Worte bringen eure grauen Tage zum Leuchten.

Schön und gut, denke ich. Aber lieber Schreiber des Zweiten Petrusbriefes: Was bekommen wir, Jüngerinnen und Jünger, heute zu sehen, zu hören, zu spüren – von Gottes Klarheit und Herrlichkeit?

Ich mach mich auf den Weg, krame in alten Begegnungen, suche weiter, befrage Menschen um mich herum. Versuche den Berggipfel der Klarheit und Herrlichkeit zu erklimmen.

Nach ein paar Tagen, staune ich nicht schlecht. So viele Leuchtkraftmomente, so viel Herrlichkeit Gottes in meinem, unseren Leben. Hören Sie selbst:

Die Sonne. Es hatte aufgehört zu schneien. Allmählich verschwand die dicke Wolkenschicht. Ruhig blickte sie auf die verschneiten Felder. Weiß – wo sie auch hinsah. Plötzlich: Glitzer, Funkeln, überall. Sie hatte es geschafft. Wieder einmal. Kämpfend. Unermüdlich. Die Wolkenränder durchbrechend. Gleißend schob sie sich Strahl um Strahl durch die Luft. Flutend. In diesen Winzlingen von Schneekristallen brach sich ihr Licht. Glänzend, Zauberhaft. Das war ihr Art, den Menschen zu zeigen: So wunderbar groß ist Gottes Herrlichkeit auf Erden.


1969. Berlin, Charité. Die Herrlichkeit Gottes auf der Neugeborenenstation. Meine Großtante war dort Kinderkrankenschwester. Mit Leidenschaft und Hingabe. So nah am Leben, das viel zu früh zur Welt kam. Gebannt, mit Gänsehaut saß ich da, wenn sie erzählte: „Ach Nadine, was war das für ein Gefühl, wenn wir wieder ein kleines Würmchen durchgebracht hatten. Das kann ich dir gar nicht beschreiben, wie froh ich da war. Weißt du, es gab Frühchen, da hatte keiner geglaubt, dass sie durchkommen. Und dann haben sie es doch geschafft. Da wusste ich, das war nicht unser Verdienst.“ Dann machte sie eine kleine Pause und sagte leise, ehrfürchtig: „Da hatte der da oben seine Finger im Spiel.“


Leuchtkraftmomente. Sie gibt es. Sie leuchten in ungewissen Zeiten. Entgegen all der Irrlehren und Verschwörungstheorien. Damals und heute. Gottes Herrlichkeit leuchtet und sie hinterlässt Spuren in unserem Leben. Wir bekommen ein „Geschmäckle“ davon, wie es einmal sein wird, wenn er wiederkommt. Wenn unsere Endlichkeit in Gottes Ewigkeit mündet. Und bis es soweit ist, tragen uns Worte des Lichts, Momente des Staunens durch die Zeit des Wartens.


Ich überlege. 31.Januar 2021. Letzter Tag im Januar. Abschluss der Weihnachtszeit. Ja! In diesem Jahr lasse ich einen Stern draußen; der kommt nicht in die Kisten mit all der Weihnachtsdeko. Einen Stern hänge ich in meinem Wohnzimmer auf. Damit er mich jeden Tag daran erinnert: Gott strahlt mit seinem Licht in meine dunkle Welt. Bis dass er kommt.

Amen.

Lied NL 11, Christus dein Licht.

https://www.youtube.com/watch?v=W02D1VzQX5Q


Christus dein Licht, Verklärt unsre Schatten, Lasse nicht zu, Dass das Dunkel zu uns spricht. Christus dein Licht, Erstrahlt auf der Erde, Und er sagt Uns auch ihr seid das Licht.


Fürbitt-Gebet

Gott, Klarheit der Welt. Wir bitten dich um Licht in den Herzen und Köpfen der Mächtigen, damit Besonnenheit ihre Entscheidungen bestimmt, damit Klugheit ihr Handeln regiert.

Gott, Trösterin der Welt. Wir bitten dich um Licht in den Kliniken und an den Betten der Sterbenden, damit die Pflegenden gesund bleiben, damit Kranken genesen, damit Trost die Trauernden erreicht.

Gott, Fürsprecher der Welt. Wir bitten dich um Licht an den Orten des Grauens und der Angst, damit es Hoffnung und Neuanfänge gibt, damit Frieden einkehrt, damit Schutz die Zitternden umgibt.

Gott, Begleiterin im Alltag. Wir bitten dich um Licht in unserer Gemeinde, in den Herzen aller, die es gerade schwer haben, damit Mut die Kraftlosen erreicht.

Gemeinsam beten wir:


Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied EG 66, Jesus ist kommen Grund ewiger Freude https://www.youtube.com/watch?v=725o1-OznYg

1) Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet's den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

2) Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.


8) Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben. Hochgelobt sei der erbarmende Gott, der uns den Ursprung des Segens gegeben; dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod. Selig, die ihm sich beständig ergeben! Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Segen

Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen.


All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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