Gottesdienst zum Christfest, 25.12.2020



Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern -

Christfest 25.12.2020

Von Vikarin Nadine Kempf


Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht.

Sie haben hier die Möglichkeit mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)

Dieser Gottesdienst enthällt Tonaufnahmen der Texte.


Tonwiedergabe


Votum

Gott über uns. Gott um uns. Gott in uns.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


„Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Joh 1,14a)


Mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium grüße ich Sie recht herzlich. Gott hat aus Worten Taten wachsen lassen. Er ist als Mensch zu uns gekommen, leibhaftig, zum Anfassen nah. Ein Mensch aus Fleisch und Blut wie wir. Und doch: ganz anders. Mit einer Herrlichkeit, die uns nur staunen lässt. Und so feiern wir heute Gottes Ankunft in der Welt. Fühlen wir uns verbunden im Geiste und in jedem Licht, das wir zur Weihnacht anzünden.


Der Psalmbeter ist in Feierstimmung und will uns mit hineinnehmen. Hören wir einige Verse aus Psalm 96.


Psalm 96

1 Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! 2 Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 3 Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! 7 Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht! 8 Bringet dar dem Herrn die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! 9 Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! 10 Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. 11 Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; 12 das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde 13 vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.


Gloria Patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.


Gebet

Herr, unser Gott, kaum zu glauben.

Du bist wirklich Mensch geworden, wie wir.

Ein König auf Erden, der Gerechtigkeit bringt,

der Heil bringt in diese Welt.

Geschenke, Jubeln und Jauchzen – das wäre angebracht.

Aber das, Herr, fällt uns einfach schwer dieses Jahr.

Wir vermissen das gemeinsame Singen, das unseren Jubel zum Ausdruck bringen würde.

Wir vermissen die geselligen Runden, wie du sie mit deinen Jüngern geteilt hast.

Wir vermissen menschliche Nähe, wie sie dir Maria und Josef in der Stunde deiner Geburt geschenkt haben.

Unsere Sehnsüchte sind groß. Unsere Herzen schwer.

So rufen wir zu dir und bitten dich: Stille unsere Sehnsüchte. Lass etwas von dem Glanz deiner Herrlichkeit in unsere Weihnacht scheinen. Komm in unsere Mitte, wenn wir Kerzen anzünden, wenn wir aneinander denken, und mach uns mutig, dir in diesem Jahr ganz neu zu begegnen. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.



Lied EG 45, 1.3-4 „Herbei o ihr Gläub'gen“

https://www.youtube.com/watch?v=ikHuovRGEt0

1) Herbei, o ihr Gläub'gen, fröhlich triumphieret, o kommet, o kommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!


3) Kommt, singet dem Herren, singt, ihr Engelchöre! Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen: "Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden!" O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!


4) Ja, dir, der du heute Mensch für uns geboren, Herr Jesu, sei Ehre und Preis und Ruhm, dir, fleischgewordnes Wort des ewgen Vaters! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!



Tonwiedergabe


Biblischer Text: Jes 52,7-10

7 Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! 8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt. 9 Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10 Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.


Predigtgedanken


Liebe Gemeinde,


unerwartet. Ohne dass ich damit rechne, klingelt es an meiner Haustür. „Die Post. Ein Päckchen für Sie!“ Neugierig flitze ich die Stufen hinunter an die Haustür. Ich öffne die Tür. Ehe ich mich versehen kann, steht das Päckchen schon vor meinen Füßen. Die Postbotin hat bereits kehrt gemacht. Sie dreht sich noch einmal um und ruft mir zu: „Schönen Tag noch!“ Ich bücke mich. „Oh danke!“ rufe ich zurück. „Das gleiche auch für Sie!“ Ich nehme das Päckchen auf den Arm. Ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Ein Päckchen für mich – einfach so. Von Freunden. Ich tapse die Treppen nach oben zurück – verwandelt und fröhlich. Unerwartet eine Freudenbotin an meiner Tür.


Unerwartet, aber willkommen, treten die Freudenboten an den Berg heran. Jesaja schreibt, dass sie dem Volk Israel etwas verkündigen, womit es längst nicht mehr gerechnet hat: Gott ist zurückgekommen! Ein Stück weit ist etwas heil geworden in Jerusalem. All die Jahre des Exils, der Unterdrückung und der Gefangenschaft sind mit dieser Botschaft auf einmal wie weggeblasen. Gott ist zurückgekehrt nach Jerusalem, nach Zion.

Jesaja ist euphorisiert. So wie er schreibt, überschüttet er uns mit Worten, die voll des Positiven sind: „Frieden, Gutes, Heil, laute Stimmen, die rühmen; fröhlich, getröstet, erlöst, offenbart, das Heil unseres Gottes.“

In die Trümmer hinein rufen die Freudenboten diese Gute Nachricht. Nicht wie beim Propheten Sacharja, der uns noch am 1. Advent in Aussicht gestellt hat: Siehe, dein König kommt zu dir!

Nein. Die Freudenboten bei Jesaja verkündigen: Gott ist da! Back to Jerusalem. Es ist keine Aussicht, sondern eine Tatsache. Und sie verwandelt etwas. Frieden kehrt zurück, Hoffnung und Heil.


Unerwartet und überraschend verkündigen die Freudenboten Gottes Ankunft in der Krippe. Gestern an Weihnachten haben wir gefeiert, dass Jesus, das Christuskind, der Immanuel, der Retter der Welt geboren wurde. Dass Gott angekommen ist, auf und in dieser Welt.


Freudenboten, Jubel, Trubel, Heiterkeit. Ist das nicht alles etwas übertrieben? Mir fallen so viele Gründe ein, warum Jubeln in diesem Jahr wirklich nicht angesagt ist. Und: Hat Jesaja nicht selbst von Trümmerhaufen gesprochen? Er macht sich doch lächerlich...könnte man meinen. Aber nein! Weil Jesaja weiß: Gott hat sein Volk schon einmal erlöst. Mit Mose als Anführer hat er sein Volk aus der Sklaverei befreit. Was Gott einmal getan hat, kann er auch ein zweites Mal tun. Davon ist Jesaja überzeugt und mit dieser Überzeugung lässt er seinen Landsleuten die Freudenbotschaft überbringen: Gott, der König, ist zurückgekehrt! Er wird die Tränen abwischen. Er wird euch erlösen aus der babylonischen Gefangenschaft! Jubelt und freut euch!


Weihnachten 2020. Freudenboten, Jubel, Trubel, Heiterkeit wegen einem Kind im Stall? Ist das nicht etwas übertrieben? Klar, wenn wir mit dem Kind in der Krippe nur ein gewöhnliches Kind im Futtertrog sehen, dann ist daran eher nichts besonders. Aber lassen wir uns mal ernstlich darauf ein, dass Gott in einem Kind wiederkehrt in diese Welt. Sehen wir in dem Christuskind einmal den Mann, der Frieden bringt, der uns Menschen bedingungslos liebt, uns innerlich und äußerlich gesund macht – dann ist dieses Kind im Stall ohne „wenn und aber“, schlicht und einfach Grund zur Freude.


Ja, unerwartet, aber willkommen sind sie, diese Freudenbotschaften. Für die Israeliten, für die Menschen in der Krippe, für uns. Sie verkündigen etwas Gutes. Und sie versetzten in Jubel.


Ich muss gestehen, ich habe überlegt, wie schaffe ich es, dass Sie jetzt bitte alle – auf Knopfdruck – das Jubeln anfangen. Hände hoch und vielleicht auf die Wohnzimmertische steigen? Aber dann dachte ich, schwierig. Weil erstens: Hätte ich Angst, dass Ihnen etwas passiert. Und zweitens: Ist Jubel so nicht planbar. Beim Jubeln ist man mitgerissen von etwas. Jubel kommt und ist einfach da. Unerwartet. Und weil das weder bei Ihnen noch bei mir auf Knopfdruck funktioniert, habe ich überlegt: Wann habe ich dieses Jahr gejubelt?

So richtig, von Herzen:


Das war, als meine Freundin verkündet hat, dass sie sich verlobt hat. Als ich erfahren habe, dass mein „jüngerer“ Cousin Papa wird. Als mein Bruder eine wichtige Prüfung geschafft hat. Als eine Freundin den Krebs in ihrer Brust besiegen konnte. Da habe ich gejubelt und mit lauter Stimme durch das Telefon gegrölt.

Und: Ich jubel über sämtliche Privilegien, die mir und uns gegeben sind: Dass wir hier in Deutschland seit 75 Jahren in Frieden leben. Dass wir fließend Wasser haben. Dass wir in Fülle zu Essen haben. Über jede und jeden in meiner Familie, der oder die gesund ist. Und nicht zu vergessen: Der Jubelmoment, als es an meiner Tür geklingelt hat und die Postbotin zu meiner Freudenbotin wurde.

Vielleicht erinnern Sie sich auch an etwas, dass Sie in diesem Jahr mitgerissen hat, was Sie zum Jubeln gebracht hat? Oder Sie denken an Momente, wo Sie zu Freudenbotinnen und -boten wurden.


Was uns auch einfallen mag oder auch nicht, für uns alle gilt an diesem Christfest 2020: Treten wir an die Krippe heran. Werfen wir ernstlich einen Blick in den Stall. Sehen und hören wir, was uns die Freudenboten verkündigen: Sieh nur! Er ist da. Gott, der Retter und Erlöser. Hier liegt er, klein und zart und voll des Friedens – euer Grund zu Jubeln.


Amen.



Lied EG 36, 1-2.12 „Fröhlich soll mein Herze springen“


https://www.youtube.com/watch?v=qGjYS3eap2Q&list=RDqGjYS3eap2Q&start_radio=1&t=0


1) Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!


2) Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbind't sich mit unserm Blute.

12) Ich will dich mit Fleiß bewahren; ich will dir leben hier, dir will ich hinfahren; mit dir will ich endlich schweben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben.


Tonwiedergabe

Fürbitt-Gebet


Wir beten:

Gott, du bist zurückgekehrt. Zurück nach Zion. Zurück in den Stall. Wir bitten dich, kehre zurück in die Herzen der Menschen, für die du fremd geworden bist. Komm ihnen nahe, dass sie dich spüren können. Kehre zurück zu den Menschen, die Waffen, Gewalt und Unterdrückung als einzige Lösung sehen. Gib deinen Frieden in ihre Herzen.

Wir rufen zu dir: Herr erhöre uns.

Gott, Freudenboten haben deine Ankunft verkündigt. So viele Menschen sehnen sich nach einer solchen Guten Nachricht. Sie leiden an Krankheit, Hunger oder an den Folgen von Naturkatastrophen. Wir bitten dich, sende zu diesen Menschen deinen Geist, der sie aufatmen lässt, der ihnen Hoffnung gibt.

Wir rufen zu dir: Herr erhöre uns.

Gott, Erlöser der Welt, so viele Menschen fühlen sich überlastet und überfordert auf der Arbeit oder zu Hause. Wir bitten dich, mach sie frei von Zweifeln, Sorgen und Ansprüchen. Komm in ihr Leben mit deinem Heil.

Wir rufen zu dir: Herr erhöre uns.

Gott, Tröster dieser Welt. Wir bitten dich für all die Menschen, die sich an dieser Weihnacht einsam und alleine fühlen. Für die es nicht richtig Weihnachten werden will. Für all die Menschen, denen die Kraft ausgeht, bei denen es dunkel und düster ist. Berühre sie mit dem Glanz deiner Herrlichkeit.

Wir rufen zu dir: Herr erhöre uns.

Worum wir dich sonst noch bitten, was uns sonst noch auf der Seele liegt, das bringen wir in der Stille vor dich: Stille. Gemeinsam beten wir:


Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Segen

Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen.



Lied „Silber und Gold“ (Rolf Zuckowski)

https://www.youtube.com/watch?v=KO58ES7M30s

Wir wünschen euch in dieser Zeit ein Lied in jedem Haus Das in euch selbst erklingen soll und in die Welt hinaus Mit Worten voller Zuversicht an die ihr glauben wollt

Und ein Leuchten wie Silber und Gold Silber und Gold Und ein Leuchten wie Silber und Gold


Vergeßt für ein paar Stunden nun was euch bedrängen mag Es folgt auf jede Dunkelheit gewiß ein neuer Tag In dieser Nacht seht ihr den Stern, dem ihr vertrauen sollt

Und ein Leuchten wie Silber und Gold Silber und Gold Und ein Leuchten wie Silber und Gold


Und wem das Glück gegeben ist, zu glauben wie ein Kind Der findet eine Antwort da, wo sonst nur Fragen sind Der in das Dunkel Licht gebracht, hat all das so gewollt Und ein Leuchten wie Silber und Gold Silber und Gold Und ein Leuchten wie Silber und Gold




All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - finden Sie auf: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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