Gottesdienst zum Palmsonntag, den 28.3.2021



Gottesdienst zum Palmsonntag, den 28.3.2021

um 10:00 Uhr in Lichtenau mit Prädikant Manfred Risch


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein.

(Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben)




Votum

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Hinführung zum Psalm

Palmsonntag-

Jesus zieht in Jerusalem ein.

Ein strahlender Empfang, lauter Jubel.

Und doch ist dieser Tag der Beginn der Leidenswoche,

die Jesus in die Tiefe des Todes führen wird.

Jesus kommt nicht, um sich feiern zu lassen.

Er kommt, um Menschen zu helfen -

Menschen wie dem Psalmbeter,

mit dessen Worten wir jetzt sprechen:

Psalm 69: EG Nr. 725

Gott, hilf mir!

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,

mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm,

dass ich nicht versinke,

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,

und aus den tiefen Wassern;

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge

und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;

wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,

denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

Gott, deine Hilfe schütze mich.

Tagesgebet

Jesus, umjubelt und dann fallengelassen,

stürmisch gefeiert und dann verstoßen,

so gehst du den Weg des Gehorsams.

Lass uns still werden vor dir

und deinen Frieden empfangen.

Amen

Lied: „Warum leiden so viele Menschen…“ NL: 208, 1+2

https://www.youtube.com/watch?v=DybeEymlfZU


1) Warum leiden so viele Menschen, und ihr Leben ist bedroht? Warum musste Jesus sterben einen bittren Kreuzestod? Die Olivenbäume weinen, Trauer legt sich auf mein Herz. Schaut und seht im Vorübergehen, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz.


2) Dunkel scheinen mir die Tage, und ich sehe oft kein Licht. Gott, erhöre meine Klage, sei uns nah, verlass uns nicht! Lass die Hoffnung in uns wachsen: Leben schafft sich wieder Raum. Und das Holz des Kreuzes Jesu wird für uns zum Lebensbaum.

Predigtgedanken zu Hebräer 11

Liebe Gemeinde,

„Es ist alles wieder in Ordnung. Sie müssen Ihre Ängste loslassen. Das ist jetzt nur eine Kopfsache. Vertrauen Sie Ihrem Fuß. Und lassen Sie den Mut nicht sinken. Laufen Sie einfach drauflos.“ Die Ärztin schaut Katja mit einem besonders freundlichen Lächeln an. Das soll wohl ermutigend wirken. Katja lächelt matt zurück, bedankt und verabschiedet sich. Sie nimmt ihre Gehhilfe und versucht mit besonders lockerem Schritt das Sprechzimmer zu verlassen. Doch sofort kriecht wieder die Angst in ihr hoch. Sie fängt an zu schwitzen. Kaum hat sie die Türe hinter sich geschlossen, muss sie durchatmen – und vor Verzweiflung weinen.

Nur eine Bordsteinkante hatte Katja übersehen und war hingefallen. Vor fünf Monaten war das. Sie hatte sich dabei den Mittelfußknochen gebrochen. Zunächst ein Gips und dann Krankengymnastik. Aus ärztlicher Sicht ist nun alles wieder in Ordnung. Nur hat Katja das Vertrauen in ihren Fuß verloren. Das soll jetzt rein psychisch sein.

Katja wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und macht sich auf den Weg aus dem Krankenhaus. Unsicher setzt sie ihren Fuß auf und beobachtet jeden seiner Schritte ängstlich. Immer wieder muss sie stehenbleiben. So verkrampft ist sie, und völlig außer Atem. Nur wenn sie steht, nimmt sie die Welt um sich wahr. Das macht ihr dann Angst, denn sie sieht, wie weit der Weg zur Straßenbahnhaltestelle noch ist. Dann schämt sie sich auch – vor sich selbst und vor den Passanten. Sie läuft mühsam weiter.

Liebe Gemeinde,

Wie ging das nochmal als Kind mit dem Laufen lernen, überlege ich mir. Wie hatten wir dazu den Mut, uns unsicher auf die wackeligen Beinchen zu stellen; dann mit ungelenkem Schritt loszulaufen und uns zu freuen an der neuen Weite der Welt? Wie ging das, immer wieder hinfallen und meist ohne großes Weinen wieder aufstehen?

Sicherlich lag es daran, dass das Laufen richtig Freude machte. Und wir schämten uns nicht, wenn die Erwachsenen lachten, als wir uns besonders drollig auf den Windelpopo setzten. Wir lachten oft mit. Wohl war es auch hilfreich, dass wir noch gar nicht an das denken konnten, was denn alles passieren könnte. Das übernahmen die Erwachsenen, die uns vor der Tischkante oder dem Treppenabgang aufhielten. Und wir nahmen es ihnen oft übel, uns nicht weiterlaufen zu lassen. So übermütig war unser Vertrauen in uns und in unsere Welt.

Wie geht das: Vertrauen haben, Verunsicherungen ablegen, sich nicht schämen, sondern mutig und zuversichtlich loslaufen?

Wie geht das mit dem Glauben? Und zwar mit einem solchen Glauben, wie ihn der Hebräerbrief beschreibt:

Predigttextes, Teil I: Hebräer 11, 1–2

1 Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht. 2 Unsere Vorfahren lebten diesen Glauben. Deshalb hat Gott sie als Vorbilder für uns hingestellt.

Ein Glaube wie Laufen lernen wird da beschrieben. Feststehen – auch mit wackeligen Beinen. Ohne Zweifel und Scham mutig loslaufen – überzeugt und begeistert davon, dass die Beine tragen und es gut und sinnvoll ist und wird.

Das gelingt mir manchmal und Ihnen sicherlich auch. Im ganzen letzten Jahr war das für uns alle schwierig. Da hat die Corona-Pandemie den Untergrund unsicher gemacht – gesellschaftlich und persönlich. Wird das denn nochmal gut? Was hat das denn für einen Sinn? Wird jetzt alles unsicher? Endet das im Chaos, im Nichts?

Katja würde sich gerne, ermattet und durchgeschwitzt wie sie ist, auf ihr Sofa fallen lassen. Jetzt wo sie endlich daheim ist. Doch sie muss sich vorsichtig hinsetzen.

Sie könnte unbedacht ihren Fuß irgendwo anstoßen.

Sie ist erleichtert, dass niemand von ihrer Familie zuhause ist. Ihr Blick geht auf ihr Handy und sie legt es schnell weg. Neun neue Nachrichten. Sicher wollen alle nachfragen, was die Ärztin gesagt hat. Katja ärgert sich über die Ärztin und ihre gut gemeinten Ratschläge und Aufmunterungen. Auch über ihre Familie und ihre Freundinnen ärgert sie sich. Alle wollen sie aufmuntern. Das ist lieb gemeint. Und es hat wochenlang geholfen, dass sich viele um sie gekümmert haben. Doch jetzt macht es Katja fast noch einsamer. Sie kommt nicht weiter. Ängstlich müht sie sich, kommt nicht von der Stelle und schämt sich sogar für ihre Angst.

Liebe Gemeinde,

Glaubensvorbilder und Glaubenszeugen gibt es viele in der Bibel. Auch viele mit Lebens- und Glaubenskrisen. Abraham zum Beispiel, dem Gott eine neue Heimat versprochen hat und der dann zeitlebens unter Fremden umherzog.

Und Sara, der Gott viele Nachkommen versprochen hatte und die viel zu lange keine Kinder bekommen konnte. Auf diese und viele andere weist der Hebräerbrief hin:

Predigttextes Teil II: Hebräer 12, 1–3

1 Da wir nun so viele Zeugen des Glaubens um uns haben, lasst uns alles ablegen, was uns in dem Wettkampf behindert, den wir begonnen haben – auch die Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. 2 Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Er hat uns den Glauben geschenkt und wird ihn bewahren, bis wir am Ziel sind. Weil große Freude auf ihn wartete, erduldete Jesus den Tod am Kreuz und trug die Schande, die damit verbunden war. Jetzt hat er als Sieger den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen. 3 Vergesst nicht, wie viel Hass und Anfeindung er von gottlosen Menschen ertragen musste, damit auch ihr in Zeiten der Verfolgung nicht den Mut verliert und aufgebt.

Wochenlang ist Katja zu ihren Terminen beim Physiotherapeuten gelaufen, hat aber für den Rückweg ein Taxi genommen. Heute wollte sie endlich mal was wagen. Doch sie schafft den Rückweg nicht. Gott sei Dank liegt diese Kirche auf dem Weg, mit barrierefreiem Zugang. Sie setzt sich verkrampft und durchgeschwitzt gleich außen in die letzte Bank. Es ist so ruhig in dieser Kirche. An der Wand neben ihr ist ein Relief angebracht – dem eine Reihe von Reliefs die ganze Wand entlang folgen.

„Ein Kreuzweg“, fällt Katja ein. Da liegt einer, Jesus natürlich, hingefallen und zusammengebrochen unter einem Kreuz.

„Na, mein Freund? Hoffentlich nicht den Mittelfußknochen gebrochen!“, denkt Katja flapsig und muss doch gleich weinen.

Auf eine seltsame Art ist Jesus in diesem Moment für Katja ein „Freund“. Und das tut ihr gut. Als sie aufblickt und nach vorne schaut an die Wand hinter dem Altar sieht sie den „Freund“ wieder – groß in einem farbigen Mosaik mit viel goldenen Steinchen. Er scheint glücklich, steht über den Wolken im Himmel und bereitet die Arme aus. „Mein Freund, meinst du wirklich das wird auch bei mir wieder?“, spricht Katja laut in die stille Kirche.

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir Palmsonntag und rufen – aus der Distanz – mit der Festgemeinde am Wegesrand in Jerusalem Jesus als den König, den Retter, den Heiland aus. Dabei mag der junge Esel, auf dem Jesus in Jerusalem einzieht, unter dem Niveau eines Heilsbringers sein. Doch der Esel ist ein Vorbote. Er verweist schon darauf, dass es ganz anders kommen wird. Ganz abgründig: Mit Dornenkrone und Stolpern, mit Verspottung und Kreuzigung, mit Dunkelheit und Tod.Und erst dann: Auferstehung, Leben und Ewigkeit.

„Weil ich zu einer fleißigen Kirchgängerin geworden bin“, sagt Katja schmunzelnd zu ihrer Freundin, mit der sie lange den Kontakt gemieden hat. Diese hatte sie gefragt, wie es gekommen sei, dass Katja wieder so mutig und lebenslustig geworden ist.

Nun schaut die Freundin sehr verwundert. „Und weil ich da in der Kirche einen Freund getroffen habe.“ Und Katja erzählt: „Immer wieder auf dem Rückweg von der Physiotherapie machte ich Rast in dieser Kirche. In der hatte ich dann schon meinen Platz. Da war ein Relief von Jesus, der hingefallen war mit dem Kreuz und am Boden lag. Ich nannte Jesus von Anfang an „Freund“. Doch mein „Freund“ war auch vorne in der Kirche – so nach seiner Auferstehung, groß und golden im Himmel stehend. Zwischen den zwei Bildern von meinem „Freund“ hatte ich einen guten Platz gefunden. Da habe ich viel Schweres zwischen den Kirchenbänken liegen lassen können. Frag mich nicht, wie das ging. Oft habe ich an die Menschen gedacht, die auch schon viel hier abgelegt haben. Mich hat es auch überrascht als ich gespürt habe: Ich habe es Jesus irgendwann geglaubt; wohl wegen der Sache mit seinem Kreuz und dem Hinfallen. Ich kann ihm vertrauen. Es wird auch langsam besser mit dem Fuß. Vielleicht wird es aber auch nie mehr ganz gut. Das macht mir immer noch Angst. Sie ist nicht weggewischt. Aber ich kann mittlerweile mit dieser Angst umgehen und leben. Jesus ist ja wohl auch mit Angst in den Himmel gekommen:

Lege ab was dich beschwert. Laufe mit Geduld und sieh auf zu mir. Denke an mich, der ich so viel Widerspruch erduldet habe. Werde nicht matt und lass den Mut nicht sinken.“

Amen.

Lied: „Eines Tages kam einer…“ NL: 34, 1-7

https://www.youtube.com/watch?v=nP8ZdwY8u2g


1) Eines Tages kam einer, der hatte eine Klarheit in seiner Stimme,

eine Wärme in seinen Worten, eine Kraft in seiner Botschaft.

2) Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen,

eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.

3) Eines Tages kam einer, der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern, eine Kraft in seinem Wesen, eine Offenheit in seinem Herzen.

4) Eines Tages kam einer, der hatte eine Liebe in seinen Gesten,

eine Güte in seinen Blicken, eine Nähe in seinen Umarmungen.

5) Eines Tages kam einer, der hatte einen Vater in den Gebeten,

einen Helfer in seinen Ängsten, einen Gott in seinen Schreien.

6) Eines Tages kam einer, der hatte einen Geist in seinen Taten,

eine Treue in seinen Leiden, einen Sinn in seinem Sterben.

7) Eines Tages kam einer, der hatte einen Schatz in seinem Himmel,

ein Leben in seinem Tode, eine Auferstehung in seinem Grabe.

Fürbittengebet

Jesus Christus,

du hättest vor Schmerzen und Tod fliehen können. Aber du hast dich für uns entschieden. Du kommst zu uns, aber wir haben keine Palmzweige. Unsere Hände sind leer. Wir halten dir nur unsere Bitten hin.

Wir bitten dich für unsere Kinder. Wir halten dir ihre Ängste und ihre Verzweiflung hin. Wir halten dir ihre Müdigkeit und ihre Sehnsucht hin. Komm und erbarme dich.

Wir bitten dich für die Menschen, deren Entscheidungen über das Leben vieler bestimmen. Wir halten dir ihre Ratlosigkeit hin. Wir halten dir ihre Überforderung hin. Komm und erbarme dich.

Wir bitten dich für die Kranken, für die, denen keine Medizin mehr helfen kann, für die, die einsam sterben, für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen. Komm zu ihnen mit deiner Liebe.

Wir bitten dich für die Menschen, die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten, in Feuerwachen und Arztpraxen, in Kitas, Schulen und Supermärkten. Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.

Wir halten dir unsere Herzen hin und danken dir für den Glauben. Wir danken dir, weil wir zu dir und zueinander gehören. Wir danken dir für die Zeichen der Liebe und Verbundenheit, für die freundlichen Worte, für die Musik. Wir wollten dir entgegengehen und hineinziehen in deine Stadt. Und wir erleben es: Du gehst mit uns durch diese Zeit. Heute, in diesen Tagen der Passion, und jeden neuen Tag.

Amen.


Gebet des Herrn

Vater unser..

Lied: „Stern auf den ich schaue…“ EG: 407, 1-3

https://www.youtube.com/watch?v=TFVaX4YQI4c


1) Stern, auf den ich schaue, Fels, auf dem ich steh,

Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh,

Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,

Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

2) Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her?

Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer?

Ohne dich, zerstieben würden mir im Nu

Glauben, Hoffen, Lieben, alles, Herr, bist du.

3) Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin,

bis die Glocken schallen und daheim ich bin.

Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu:

nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du!

Wochenspruch

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh 3, 14b-15)

Segen

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich beschützt. Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich begleitet.

Der Herr segne euch und behüte euch. / Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. / Der Herr hebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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