Gottesdienst zur gemeinsamen Pfarrstelle Scherzheim/ Lichtenau am 4. Sonntag nach Trinitatis 2022

Aktualisiert: 15. Juli



Gottesdienst zur gemeinsamen Pfarrstelle Scherzheim / Lichtenau

am 4. Sonntag nach Trinitatis, den 10.07.2022 um 10:00 Uhr in Scherzheim

mit Dekan Oliver Wehrstein, Pfarrerin Bettina Klink und Pfarrerin Ute Braun


Mitgestalltet von der Singgemeinschaft Scherzheim



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)



Orgelvorspiel mit Einzug


Oliver Wehrstein:

Votum: Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Gemeinde: Amen)

Gruß: Der Herr sei mit euch! (Gemeinde: Und mit deinem Geist!)


Begrüßung mit Anlass:

Liebe Gemeinde, sehr gerne feiere ich mit Ihnen als Dekan für die Region Kehl diesen Festgottesdienst. Heute darf ich Ute Braun als Pfarrerin für die Kirchengemeinde Scherzheim einführen. Damit umfasst Ihre Stelle Ihre Gemeinde zusammen mit Muckenschopf und die der Kirchengemeinde Lichtenau. Ute Braun wird hier in Scherzheim unterstützt durch Pfarrerin Bettina Klink, die in diesem Gottesdienst für die Fortsetzung Ihrer Aufgabe ebenfalls gesegnet wird. Außerdem wird heute sichtbar, dass die beiden Kirchengemeinderatsgremien von Lichtenau und Scherzheim sich auf einen gemeinsamen Weg gemacht haben, auch das ist sehr erfreulich.

So will ich diese erfreulichen Ereignisse heute mit einem Psalmwort aus Psalm 100 verbinden.


Eingangsspruch: Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden. Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen.

Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

(Gemeinde: Ehre sei dem Vater und dem Sohn)


Eingangsgebet:

Gnädiger, uns mit viel Herz zugewandter Gott, wir sind heute hier und freuen uns. Über Ute Braun, über Bettina Klink, über die Entwicklungen in der Gemeinde, über das, was im Miteinander möglich ist. Wir danken Dir auch für unser Leben, auch wenn es nicht immer rund läuft. Mit so vielem werden wir dennoch Tag für Tag beschenkt.

So bitte ich Dich, mach leichter was im Moment das Herz, das Gemüt schwer macht, schenke Freude und Dankbarkeit, die uns im Miteinander stärkt. Sei bei uns, jetzt in diesem Gottesdienst. Amen.


Lied: Lobe den Herren (317,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=JSSkG0oSwcI


Oliver Wehrstein:

Erläuterungen zur Stelle

Liebe Gemeinde, bereits vor einem Jahr wurde geregelt, dass die Kirchengemeinden Lichtenau und Scherzheim einer gemeinsamen Pfarrstelle zugeordnet werden. Dies geschah als eine frühzeitige Stellenkürzung, die im Rahmen der landeskirchlichen Stellenkürzungsplänen steht und die in den nächsten Jahren alle Kirchenbezirke betreffen werden.

Da aber beide Gemeinden zusammen nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Anzahl der Gemeindeglieder überdurchschnittlich groß sein werden, wurde zu dieser Pfarrstelle für die nächsten Jahre ein Teildeputat von Pfarrerin Bettina Klink zugeordnet. Sie wurde bereits im September 2020 in einem Gottesdienst hierfür in Helmlingen eingeführt.

Aber so richtig griffig war das Ganze noch nicht ganz. Wer ist nun für was die Ansprechpartnerin? Das haben wir in den letzten Monaten geklärt, denn natürlich brauchen Sie und die Hauptamtlichen Klarheit und Eindeutigkeit.

Und daher möchte ich Ihnen zunächst sagen: die leitende Pfarrerin für die Kirchengemeinde Lichtenau und Scherzheim ist Ute Braun. Sie leitet mit Herrn Fritz den Kirchengemeinderat Scherzheim. Die Aufgabe der Verwaltung liegt bei ihr, sie macht auch den Konfirmandenunterricht zusammen mit Lichtenau, begleitet die Angebote und die Mitarbeiter im Bereich Kinder- und Jugendarbeit. Sie ist erste Ansprechpartnerin für ungeklärte Fragen, Probleme oder Freuden.

Da Scherzheim zu den bisherigen Aufgaben von Ute Braun in Lichtenau und Rheinmünster hinzukam, konnte wie bereits erwähnt Bettina Klink zur Unterstützung hinzugewonnen werden. Sie ist hier in Scherzheim für die Gottesdienste zuständig und auch für die Kasualien. Ein weiterer Schwerpunkt ist, dass Sie sich um die Senioren und die Altenseelsorge in Scherzheim kümmert.

Ein weiterer Schwerpunkt von ihr sind Gottesdienste und Seelsorge in den verschiedenen Pflegeheimen in Lichtenau und Rheinmünster.

Sollten Sie also unsicher sein, wer Ihre Ansprechpartnerin ist, dann würde ich es so sagen: Wegen Gottesdiensten, Kasualien und Senioren sprechen Sie Frau Klink an, bei allen anderen Fragen und Themen die geschäftsführende, leitende Pfarrerin Ute Braun.

Und genau für diese Aufgaben werde ich Ute Braun einführen und beide Pfarrerinnen für Ihre Bereiche segnen.

So lasst uns zuerst das Glaubensbekenntnis miteinander sprechen:


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


Chor: Ubi caritas

https://www.youtube.com/watch?v=LDYIn7DvzNI





Einführung Ute Braun

Wehrstein: Hört die Schriftlesung aus der Bibel, die sich Ute Braun für diesen Gottesdienst heute ausgesucht hat.


Lesung: 1.Könige 19,1-13a (Alexandra Schneider)

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.

Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? Er sprach: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth; denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen.

Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr ging vorüber. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.


Oliver Wehrstein: Einführungsfrage:

Liebe Ute, die Kirchengemeinde Scherzheim ist Dir nicht mehr neu, sie liegt Dir aber am Herzen und das freut mich sehr. Damit Du auch als leitende Pfarrerin dieser Herzensaufgabe nach gehen kannst, will ich dich jetzt auch offiziell in dieses Amt einführen.

Darum frage ich Dich: Bist Du bereit den Dienst als Pfarrerin auch in Scherzheim zu übernehmen und mit dem Kirchengemeinderat und allen, die in der Gemeinde Dienst tun, zusammenzuarbeiten? Und bist Du bereit Dein Amt so zu führen, wie Du es bei der Ordination versprochen hast, zur Ehre Gottes und zum Wohl der Kirche, so bezeuge es vor Gott und dieser Gemeinde mit Deinem: Ja, mit Gottes Hilfe. (Ja, mit Gottes Hilfe.)


Wehrstein: So werde ich Dich für Dein Amt, Deine Aufgaben segnen.

Gottes Geist sei in Dir und mit Dir. Er schenke Dir Liebe für dein Leben und deinen Dienst. Er sei Dir Kraft und Hilfe, in allem was Du tust. Er stärke Dich und Deine Seele.


Bettina Brugger (kath. Gemeindereferentin) und Steffen Woideck (KGR) segnen im Anschluss


Wehrstein: So segne und behüte Dich der barmherzige und in seiner Liebe allmächtige Gott. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.


Wehrstein: Liebe Gemeinde, Ihr Applaus möge Ute Braun stärken

(Applaus)


Anrede an Gemeinde (Wehrstein)

Aber nicht nur Ihr Applaus auch Ihr Ja zu ihr wird sie sicher weiter stärken und noch lange in Erinnerung bleiben. Darum bitte ich Sie aufzustehen.

Liebe Kirchengemeinderäte, liebe Mitarbeitenden, liebe anwesenden Gemeindeglieder seid ihr bereit Ute Braun als eure Pfarrerin anzunehmen, wollt ihr für sie beten und sie in seinem Dienst unterstützen und ermutigen. Versprecht ihr, mit ihm zusammen den Aufbau der Gemeinde voranzubringen, so antwortet Ja, mit Gottes Hilfe. (Ja, mit Gottes Hilfe.)


Segnung Bettina Klink

Oliver Wehrstein:

Jetzt bitte ich Sie, liebe Frau Klink zum mir zu kommen:

Liebe Frau Klink, Sie wurden in einem Gottesdienst bereits als Pfarrerin für Ihre Aufgabe eingeführt. Sehr gerne üben Sie Ihre Aufgabe aus. Und so möchte ich Sie fragen, ob Sie weiterhin für die Kirchengemeinde Scherzheim Gottesdienste und Kasualien feiern und sich um die Senioren kümmern wollen, sind Sie bereit diese Aufgaben weiterhin im Sinne der Gemeinde und mit der Unterstützung Gottes auszuüben, so antworten Sie bitte mit Ja, mit Gottes Hilfe. (Ja, mit Gottes Hilfe)


Für diese Bestätigung Ihrer Aufgabe möchte ich Ihnen zur Bekräftigung auch Gottes Segen zusprechen (Frei gesprochener Segen)


Auch Sie, liebe Gemeinde, bitte ich, Frau Klink weiter zu unterstützen und dies durch einen wohltuenden Applaus zu bestärken, (Applaus der Gemeinde)


Chor: Donna nobis

https://www.youtube.com/watch?v=OSdGW_HBrLE




Ansprache zu 1. Könige 19,1-13a – Ute Braun

Manche Wege sind steinig -und führen uns an unsere absolute Belastungsgrenze.


So hat es Elia erfahren, wie wir vorhin in der Schriftlesung gehört haben.

Er hat für seinen Glauben und seine Überzeugungen gekämpft, sich mit Regierung und Staatsreligion überworfen und sich damit starke Feinde gemacht. Dennoch hat er weitergekämpft. Keinen Millimeter rückte er ab von dem, was er glaubte und wofür er eintrat.

Doch nun ist seine Kraft erschöpft. Er kann nicht mehr.


Wofür sind wir bereit uns so zu engagieren? Wofür brennen wir so, dass wir an unsere Belastungsgrenze gehen, Auseinandersetzungen in Kauf nehmen und auch riskieren, dass wir anecken und nicht von allen gemocht? Wofür setzen Sie sich in dieser Weise ein?


Ich habe die Scherzheimer Kirchengemeinderäte während der langen Vakanzzeit so engagiert kennengelernt.

Eine lange Zeit mussten Sie die Gemeinde hier weitgehend allein begleiten. Sie mussten Entscheidungen treffen, von denen Sie wussten, dass sie weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen würden und dass Sie damit auch auf Widerstand stoßen. Im Ort, in der Gemeinde, aber auch im Kirchenbezirk.

Immer wieder haben Sie abgewogen, was ist das Beste für Ihre Gemeinde? Wie sichern wir eine gute Versorgung, ein verlässliches Gottesdienstangebot, Seelsorge vor Ort, Angebote für Kinder und Jugendliche. Und wie bekommen wir auch finanziell eine stabile Rücklage. Und das alles auch noch unter Corona-Bedingungen.

Ja, Sie waren im besten Sinne „kämpferisch“, um das bestmögliche für Ihre Gemeinde rauszuholen.


Auch unser Zusammenrücken kostete Kraft. Wie können zwei Gemeinden gut zusammenarbeiten? Wie geht das mit zwei Pfarrerinnen, die auch ihre eigene Persönlichkeit und Arbeitsweisen einbringen. Was ist möglich? Was ist leistbar? Wer kann sich wie einbringen, was muss doch gelassen werden?

Da gab es (gefühlt) unendlich viele Gespräche.


Es ist genug – sagt Elia…

…er legt sich unter den Ginster und will überhaupt nichts mehr. Schlafen, sterben, egal – es ist genug…

„Es ist genug, mir reichts!“ mag der eine oder die andere von Ihnen, von uns in den letzten Jahren oder Monaten gedacht haben…

…und unter manche Wut und Enttäuschung mischte sich auch bei dem einen oder der anderen die Erschöpfung: ich kann nicht mehr.

Wer weiß – vielleicht hätten wir uns auch unter einen Ginster gelegt und gestreikt, wäre da einer auf diesem steinigen Weg gewachsen.


„Steh auf und iss…“

Ein Engel kommt zu Elia, stellt ihm Brot hin und Wasser. Er nährt ihn – ganz konkret mit Lebensmitteln, aber auch mit Zuspruch!

„Steh auf und iss…“

Immer wieder kommt der Engel und stärkt auf diese Weise Elia in seiner Krise. Er lässt ihn nicht ins Loch fallen. Er sieht ihn und sorgt für ihn…


Was brauchen wir, wenn wir „am Ende sind“…

Was brauchen Sie dann?

Manchmal brauchen wir auch den Rückzug, wie ihn Elia für sich sucht. Pause. Nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nichts mehr müssen…

Aber das genügt meist nicht, um wieder ganz zu Kräften zu kommen.

Wir brauchen daneben auch Menschen, die uns ernst nehmen – uns zuhören, uns die Hand reichen, uns nähren ganz konkret aber auch im übertragenen Sinn.

Das kann jemand sein, der uns Mut macht. Der uns sagt: „du schaffst das!“

Aber vor allem brauchen wir dann Menschen, die mittragen, die mitgehen – die sagen: „zusammen schaffen wir das“…

Das ist etwas, das ich in den letzten Monaten erlebt habe, seit mir die Kirchengemeinde Scherzheim „zugeordnet“ wurde, wie es so schön heißt.

Da war ganz viel Bereitschaft da – bei den Scherzheimern UND bei den Lichtenauern. Ganz offen gingen Sie aufeinander zu, überlegten: welche Wege können wir zusammen gehen, was können wir zusammen neu und auch anders denken. Stecken nicht auch Möglichkeiten in dieser Zusammenführung?

Wie kann das gehen, dieses „Gemeinsame“?


Wenn die einen ein bisschen reduzieren – dann ist für die anderen Zeit und Kraft da…

Wenn man zusammen tagt, dann kann man sich gegenseitig unterstützen in Ideen und Wahrnehmungen aber auch tatsächlich im Personaleinsatz…

So haben Sie es gemeinsam beschlossen, unsere Gottesdienste mal hier und mal dort zu feiern – als Kirchengemeinderäte in beiden Gemeinden Dienst zu tun – ganz egal, wo es ist – wer Zeit und Lust hat, macht es…

Auch der Frust wurde gemeinsam getragen – die Fragen, die Enttäuschungen, die Unsicherheiten…


„Steh auf und iss“ – gemeinsam gegessen haben wir auch schon – und das Abendmahl zusammen gefeiert und viele Stunden getagt und dabei auch oft gelacht. Und das hat mich sehr zuversichtlich gestimmt, dass ein gemeinsamer Weg hier möglich ist – auch wenn er ganz anders ist, als Sie und ich das wohl mal gedacht haben.


Elia geht – 40 Tage und 40 Nächte…

Nochmal eine Dürrestrecke… durch die Wüste – dem Berg Horeb entgegen. Aber er geht diesen Weg gestärkt durch die Speise und den Zuspruch des Engels…

Leicht war auch dieser Weg nicht – ebenso wenig wie unser gemeinsamer Weg es ist – da muss nach wie vor viel entschieden werden. Das Pfarrhaus in Scherzheim wird verkauft, das Pfarramt ist nun ein gemeinsames, das neue Gebiet, das uns anvertraut ist von Muckenschopf bis Söllingen, es ist riesig und mit 3000 Gemeindegliedern und 5 Senioreneinrichtungen auch mit vielen Menschen bewohnt, für die wir da sein wollen.

Wer ist für was Ansprechpartner, was bleibt uns, was müssen wir aufgeben, geht überhaupt noch was? Ausgesprochen und unausgesprochen waren das Fragen von Verantwortlichen aber auch Gemeindegliedern in Scherzheim und in Lichtenau…

Ja, auch der erste gemeinsame Wegabschnitt war steinig und mühsam … aber wir sind in gegangen, gehen ihn noch – gestärkt auch durch das Miteinander, durch die Begabungen der einzelnen in unserer Runde…


Als Elia oben am Berg ankommt ist er noch nicht wirklich bereit für das, was da kommt.

Er zieht sich zurück in eine Höhle – so als würde die Erschöpfung noch einmal durchschlagen.

„Was machst du hier, Elia?“

Gott spricht ihn an, hört ihn, sieht ihn…

…und Elia redet sich alles von der Seele: Erschöpfung und Frust, Angst und Sorge, seinen Eifer für die Sache Gottes aber auch seinen Schmerz…

Die Erfahrung kennen wir auch: manchmal muss es einfach raus. Da müssen wir erzählen, wie es in uns aussieht – unserem Frust Luft verschaffen, unsere Erschöpfung zum Ausdruck bringen.

Dann brauchen wir es, dass wir einfach nochmal alles erzählen können, was war, was ist, was wir uns gewünscht hatten, wofür wir gekämpft haben, was wir erträumt hatten…

…schon das Erzählen tut gut – aber richtig gut geht es uns erst, wenn wir spüren: der andere versteht, sieht und hört uns wirklich…

Es gelingt nicht immer, dass wir auf offene Ohren und Herzen stoßen – aber manchmal dann doch – und ich glaube auch dafür haben wir uns in den letzten Monaten Zeit und Raum gegeben: einander zuzuhören, was uns Sorgen macht, was uns umtreibt, und was wir an alten Päckchen und Verletzungen noch mitbringen.

Erst dann, wenn wir wirklich gesehen und gehört wurden, können wir uns wieder aufrichten und unsere Höhle verlassen…


So tritt Elia schließlich vor die Höhle.

Er begegnet Gott. In einem sanften stillen Sausen - in der Ruhe nach dem Sturm…


Erst wenn wir in der Ruhe ankommen, ist erfüllende Gottesbegegnung möglich. Wenn sich der Sturm in uns und um uns legt. Wenn wir wieder offen sind für Gott und das, was er mit uns vorhat.

Das ist unser Auftrag -als Verantwortliche in der Kirchengemeinde – aber auch als Christengemeinschaft: die Ruhe zu schaffen, damit Gottesbegegnung gelingen kann in unseren beiden Gemeinden…

Und es war auch ein Bedürfnis aus den beiden Kirchengemeinderäten – wir wünschen uns jetzt einfach ein „zur Ruhe kommen“, damit wir wieder mehr das tun können, was uns in unseren Gemeinden am Herzen liegt und Freude macht.


In den letzten Monaten haben wir erste Schritte auf diesem Weg gemacht, Räume geöffnet für Begegnung untereinander aber auch mit Gott.

Manches haben wir uns bewahrt. Nach wie vor gibt es in beiden Gemeinden Angebote für unsere Senioren und Seniorinnen. Und das ist auch gut so, dass es gerade für die Älteren, die nicht mehr große Wege zurücklegen wollen und können, den vertrauten Rahmen weiterhin gibt.

Aber daneben gibt es auch schon viel Gemeinsames. Unsere gemeinsamen Gottesdienste, sie werden gut angenommen – von Lichtenauern und Scherzheimern.

Der erste gemeinsame Konfi-Jahrgang war schon zusammen unterwegs. Hat sich unsere Gotteshäuser zu eigen gemacht – durch Gottesdienste aber auch durch ihre Übernachtung einmal in der einen und einmal in der anderen Kirche. Für die Jugendlichen spielte es irgendwann keine Rolle mehr, wer aus welchem Ort kam – sie knüpften Freundschaften über Orts- und Gemeindegrenzen hinweg, die auch jetzt noch nach der Konfirmation weiterwirken.

Unser Familienkreis, der sich um Familiengottesdienste und Kindertage kümmert, hat sich neu zusammengefunden. Und auch hier planen und gestalten Mitarbeiterinnen aus beiden Gemeinden, aus Rheinmünster, Lichtenau und Scherzheim das Angebot für Kinder und Familien zusammen.

Und ein ganz neues Pflänzchen ist unser Eltern-Kind-Treff. Lauter kleine Entdecker kamen da zusammen von 0-3 Jahren. Und auch hier begegneten sich Kinder und Eltern aus beiden Gemeinden.

Diese kleinen Schritte, sie sind es, die mich zuversichtlich und hoffnungsvoll auf unseren gemeinsamen neuen Weg schauen lassen.

Wir wollen weiterhin Räume und Angebote eröffnen, wo Menschen einander aber auch Gott begegnen können – wo sie hinkommen dürfen, so wie es ihnen gerade geht. Wo sie Menschen treffen, die sie hören und sehen – sie ernst nehmen mit dem, was sie umtreibt. Wo sie Seelsorge erfahren – Sorge für ihre Seele, damit sich auch dort wieder Raum öffnet und Gottes Begegnung erfahrbar wird. Heilend, stärkend, ermutigend.


Ich hoffe, dass der Sturm sich nun um uns weitgehend gelegt hat. Natürlich werden wir auch weiterhin Herausforderungen begegnen, denen wir uns stellen müssen – da wird der Strukturprozess der Landeskirche schon das seine dazu beitragen Aber ich glaube auch, dass wir schon einen ganz großen Schritt zusammen geschafft haben. Wir liegen nicht mehr erschöpft unter dem Ginster und auch die Höhle haben wir verlassen. Wir stehen auf dem Berg und Gottes Geist umweht uns, erfüllt uns mit dem, was wir hier für unseren Dienst und unser Zusammenleben in den beiden Gemeinden brauchen. So können wir von Gott gestärkt weitergehen auf unserem gemeinsamen Weg. Und ich bin gewiss, er selbst geht ihn mit. Amen.


Lied: Gemeinsam auf dem Weg (NL 140,1-4)

https://www.youtube.com/watch?v=H1gPqawQliE


Worte der Vorsitzenden (Christian Fritz, Rolf Müller)


Fürbitten (Bettina Klink, Nina Kruener, Annemarie Wahl):

Lasst uns beten und aufnehmen, wo wir gerade stehen.

Wir wollen die einzelnen Bitten unterbrechen mit dem Liedruf „Geh mit uns auf unserm Weg“ (NL 41)

Wir bleiben zu diesem Gebet sitzen und erheben uns zum Vaterunser."


Guter Gott,

Es gibt Momente, Tage und Wochen, da fühle ich mich einsam.

Weil ich einen lieben Menschen vermisse, der nicht da sein kann.

Weil ich eine Entscheidung treffen muss, die mir nicht leichtfällt und die mir keiner abnehmen kann.

Weil ich mich gestritten habe oder unverstanden fühle.

Guter Gott,

geh mit mir in diesen Momenten.

Gib mir das Vertrauen, dass meine Lieben in dir gehalten sind.

Gib mir den Mut, einen Weg einzuschlagen und die Gelassenheit, ihn auch wieder zu verlassen, wenn er nicht weiterführt.

Gib mir Geduld und die Kraft, zu Verzeihen oder um Verzeihung zu bitten.

Wir rufen zu dir:

„Geh mit uns auf unserm Weg...“ (NL 41)

https://www.youtube.com/watch?v=dFdrkGiURGs


Guter Gott,

Es gibt Momente, Tage und Wochen, da fühle ich mich schwach und hilflos.

Weil Stunden und Tage verrinnen und ich sie nicht festhalten kann.

Weil Unfriede und Krieg, Gier und Hass immer wieder um sich greifen und mir Angst machen.

Weil ich mich frage, wie ich all die Aufgaben, die sich mir stellen, schaffen soll.

Guter Gott,

geh mit mir in diesen Momenten.

Bewahre du meine Stunden und Tage in deinem Herzen.

Zeige mir und allen Menschen Wege zur Verständigung und zum Frieden.

Hilf mir, den Überblick zu behalten.

Hilf uns zu einem guten Miteinander.

Gib uns Ideen für den gemeinsamen Weg.

Schenke uns Toleranz für holprige Schritte.

Wir rufen zu dir:

„Geh mit uns auf unserm Weg...“ (NL 41)

https://www.youtube.com/watch?v=dFdrkGiURGs


Guter Gott,

Es gibt Momente, Tage und Wochen, da bin ich einfach glücklich.

Weil eine schöne Begegnung mich gefreut und erfüllt hat.

Weil ein Liebes-Wort mich berührt.

Weil ich grundlos vergnügt mich an Kleinigkeiten freue und dankbar bin für viele Momente.

Guter Gott,

geh auch in diesen Momenten mit mir.

Freue dich mit mir und lächle über dein glückliches Kind.

Bewahre mir dein großes Liebeswort im Herzen.

Lass mich ruhig und zufrieden werden in deiner Nähe.

Wir rufen zu dir:

„Geh mit uns auf unserm Weg...“ (NL 41)

https://www.youtube.com/watch?v=dFdrkGiURGs


Stille


Überleitung „Vaterunser“ (Wehrstein)

Vaterunser


Segenslied: Vertraut den neuen Wegen (EG 395,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=sgOBS5ggZZQ


Abkündigungen/Einladung zum Sektempfang (Steffen Woideck)


Segen (Oliver Wehrstein)

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

(Gemeinde: Amen, Amen, Amen)


Chor: Spirit of brotherhood

https://www.youtube.com/watch?v=wyPv1kk380I






All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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