Hanauerland Gottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, den 11.09.2022 in Scherzheim

Aktualisiert: 12. Sept.



Hanauerland Gottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, den 11. 09. 2022,

um 10:10 Uhr in Scherzheim mit Pfarrerin Ute Braun



Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)



Orgelvorspiel


Lied: Danke für diesen guten Morgen (EG 334,1-6)

https://www.youtube.com/watch?v=IMCeBIDHHhU


Begrüßung:

„Danke für jedes kleine Glück“… so haben wir gerade gesungen…

Manchmal sind es nur kleine Dinge, die uns besonders berühren, die uns das Herz aufgehen lassen, uns lächeln lassen.

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die eine Veränderung nach sich ziehen und was ganz Neues, Besonderes aufgehen lassen…

Um solche kleinen Dinge soll es heute in diesem Hanauerland-Gottesdienst am Ende der Sommerferien – am Übergang zu unserem Alltag, mit all seinen Herausforderungen.

Votum: Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)

Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)


Psalm 8 (in einer Übertragung von Peter Spangenberg)

Herr Gott, lieber Vater,

rund um die Erde und in allen Winkeln des Weltalls

kennt man dich und sieht deine Wunder.

Kinder, ja schon Säuglinge, sind Zeichen dafür,

wie du das Leben liebst, damit auch den Bösen und den Gierigen klar wird:

Nur bei dir ist das Leben in besten Händen.

Wenn ich nachts nach oben sehe und das Firmament bestaune, deinen riesigen Himmel mit Mond und Sternen,

mit Milchstraße und Sternschnuppen - alles stammt von dir!

Was bin ich dann schon? So klein! So winzig!

Ein Menschenkind! Und du denkst an mich?!

Du hältst mich auch in deiner Hand?

Ich soll dir dienen? Ich soll wirklich ein Zeichen von dir sein?

Ein kleiner Mensch soll mithelfen, deine Erde zu bewachen?

Mit allem, was dazugehört:

mit Schafen und Rindern, Ameisen und Elefanten,

Vögeln und Fischen, Moosen und Felsen,

Tälern und Bergen, mit den Meeren und den Erdteilen?!

Das ist wunderbar. Herrlich ist das!

Lieber Gott, du machst das Leben hell und gut,

und in der ganzen Welt sollen die Menschen davon singen.

(Ehre sei dem Vater und dem Sohn…)


Eingangsgebet:

Guter Gott,

am Ende der Sommerferien feiern wir diesen Gottesdienst zusammen.

Wollen nochmal innehalten – die kleinen Schätze und Wunder in den Blick nehmen, die wir entdecken konnten.

Wollen Kraft schöpfen für den Alltag mit seinen Herausforderungen, wo wir kleine Gesten und Zeichen oft übersehen.

Wollen uns aber auch bewusst machen, dass es oft nur Kleinigkeiten sind, die wir tun können, um etwas zu verändern – in unserem ganz persönlichen Leben und unserem Zusammenleben mit anderen.

Mach uns achtsam und aufmerksam für das Kleine und Besondere – darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

(Amen)


Geschichte von der Muschel (mit Muschel):

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die Geschichte von der Muschel.

Tief unten am Grunde des Meeres lebte einmal eine Muschel.

Sie lag einfach da, hatte ihre Schalen geöffnet und ließ das Wasser genießerisch über ihre Zunge fließen. Das gefiel ihr.

Eines Morgens aber spürte die Muschel plötzlich etwas Hartes, Spitzes.

Ein Steinchen hatte sich in ihr festgesetzt.

Es war sehr unangenehm.

Der kleine Stein drückte sie, er bedrückte sie.

Das durfte nicht so bleiben!

Schnellstens wollte sie den Eindringling loswerden.

Und sie streckte ihren Muskel, wie sie nur konnte.

Umsonst

Das Steinchen blieb liegen. Es tat der Muschel weh.

Damit es erträglicher war, begann die Muschel,

das Steinchen mit Speichel zu umkleiden.

Im Laufe der Zeit bildete sich daraus,

um das Steinchen herum, eine Perlmuttschicht.

Ein Fischer fand eines Tages die Muschel.

Als er sie aufhob, spürte er:

In ihr muss etwas verborgen sein.

Behutsam öffnete er sie und – eine kostbare Perle kam zum Vorschein.

Jetzt erst begriff die Muschel:

Der kleine Stein, der sich in ihr festgesetzt und sie so sehr belastet hatte

– er war zu dieser wunderbaren Perle geworden!


Auch in der Bibel gibt es eine Geschichte – wie aus etwas kleinem – etwas Großes, Wunderbares werden kann.

So erzählt Jesus im Markusevangelium dieses Gleichnis:


»Wie geht es zu, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet?«, fragte Jesus. »Womit können wir das vergleichen? Es ist wie beim Senfkorn: Wenn es in die Erde gesät wird, ist es der kleinste Same, den es gibt. Aber ist es einmal gesät, so geht es auf und wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es treibt so große Zweige, dass die Vögel in seinem Schatten ihre Nester bauen.«

(Mk 4,30-32)


Lied: Du meine Seele singe (EG 302,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=flRJcyNh-WM


Ansprache:

Sie haben am Eingang eine kleine Muschel erhalten – keine Perle – nur eine Muschel.

Ich hab sie vor wenigen Wochen am Nordsee-Strand bei Sankt-Peter-Ordnung für heute – für Sie – gesammelt.


Für mich ist die Zeit am Meer, mit Wind und Wellen, der Inbegriff von Urlaub und Erholung.

Da kann man sich durchpusten lassen und dem Meer so manches mitgeben, was einen innerlich umtreibt.

Denn diese Dinge nimmt man ja auch mit in den Urlaub. Die alltäglichen Herausforderungen, die uns Kraft rauben und uns manchmal auch drücken und bedrücken, wie der kleine Stein die Muschel gedrückt hat in der Geschichte gerade.


Für andere sind vielleicht die Berge der passende Ort, um den Alltag hinter sich zu lassen.

Für eine gewisse Zeit erhebt man sich über alles.

Steht über den Dingen und kann mit Abstand auf das schauen, was war – und was einen vielleicht dann auch wieder erwartet, wenn man in die Niederungen zurückkehrt.


Und wieder anderen gelingt es auch, sich zu Hause zu erholen – wenn man Zeit hat für den Garten, ein schönes Buch, Freunde und Familie.


Im Urlaub – so habe ich das Gefühl – hat man aber auch Zeit, Dinge wahrzunehmen, die einem im Alltag eher verloren gehen.

Das beginnt mit Entdeckungen in der Natur – Staunen über Kunstwerke, fremde Länder und Kulturen – Freude an den Menschen, die zu unserem Leben gehören. Und dem Geschenk von Zeit, all das tun zu können, was wir gerne tun.


Ganz egal, wie und wo Sie Ihren Urlaub verbracht haben in den letzten Wochen und Monaten: wenn es Ihnen gelungen ist, den Alltag mal für eine Weile hinter sich zu lassen – dann war es ein guter und hoffentlich stärkender Urlaub, der Ihnen Kraft gibt, sich nun auch wieder den alltäglichen Herausforderungen zuzuwenden.

Denn die sind ja in der Regel nach wie vor da.


In der Geschichte von der Muschel wird das sehr bildhaft erzählt:

Die Muschel strengt sich an, diesen Stein loszuwerden, der sie da drückt und piekt. Aber es will einfach nicht gelingen.

Genauso ist es mit unseren Steinen, die uns so im Alltag auf der Seele liegen. Wir kriegen sie nicht einfach los, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen.

Die Konflikte am Arbeitsplatz – sie sind nach dem Urlaub nicht weg – Schmerzen, Krankheiten, Ängste und Sorgen, die uns umtreiben, die kriegen wir nicht einfach abgeschüttelt, auch wenn wir uns noch so sehr mühen.


Doch die Geschichte bleibt bei dem drückenden Steinchen nicht stehen.

In der Muschel verwandelt sich das kleine Steinchen in eine Perle – umhüllt von wunderbar schillerndem Perlmutt.

Dafür braucht sie aber Zeit – viel Zeit.


Im Blick auf die Steinchen, die uns in unserem Alltag drücken, hilft Zeit manchmal auch, eine Auszeit, Urlaubszeit…. Wir bekommen Abstand. Sehen und erleben Anderes, entdecken Schönes oder nehmen es einfach wieder ganz bewusst und neu wahr.


Dann fragen wir uns vielleicht sogar zwischendrin ganz automatisch: Ist es das wert, sich über manchen Ärger bei der Arbeit so aufzuregen? Kostet es mich nicht viel zu viel Kraft und Lebensfreude?

Würde es mir nicht viel besser gehen, wenn ich diese Gelassenheit vom Urlaub am Meer oder im Gebirge auch in solchen Konfliktsituationen anwende?

Und so beginnt sich da langsam etwas zu verwandeln, zu verändern.


Bei den anderen Steinchen, die ich so mit mir trage – die ich vielleicht auch mit in den Urlaub nehme, weil sie zu mir gehören – wie die Ängste und Sorgen, Krankheiten und andere Lasten, da ist es nicht so einfach.

Sie verwandeln sich nicht einfach mit Abstand – und es wäre zynisch von außen zu sagen: sie werden dann auch irgendwann zur Perle, machen uns reicher an Erfahrungen.


Nein, so will ich es nicht sagen und so einfach ist es auch nicht.

Aber mit einem anderen Gleichnis über einen anderen kleinen Gegenstand komme ich da ein bisschen weiter.


Das Gleichnis vom Senfkorn, das Jesus erzählt.

Ein winzig kleines Senfkorn – es wächst heran zu einem großen Baum, in dem dann die Vögel wohnen.

Ein schönes Bild.

Jesus verwendet dieses Bild vom Senfkorn für das Reich Gottes - aber auch für den persönlichen Glauben.

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann könnt ihr Berge versetzen und Bäume ausreißen, sagt er an anderer Stelle.


Manche Lasten – kleine wie große kriegen wir nicht los – aber wir können üben, mit ihnen umzugehen.

Unser Glaube ist da eine große Hilfe.

Wir können in Gottes Hand legen, was kommt.

Können ihn um die Kraft bitten, mit dem umzugehen, was uns an Herausforderungen gestellt ist.

Müssen nicht allein stark sein – dürfen auch mal klein und schwach sein.

Können so vielleicht auch ein Stück gelassener sein.

Für mich ist es immer wieder sehr bewegend, wenn ich ältere Menschen treffe, die schon viel, wirklich viel in ihrem Leben getragen und auch ertragen haben – und nun mit einem Lächeln sagen können: „Wie es weitergeht, das überlasse ich meinem Herrgott.“

Solche Aussagen kann man nur treffen, wenn man schon viel mit seinem Gott erlebt hat, wenn man beim Zurückschauen sagen kann: „da hat er mir geholfen, hier hat er mich bewahrt, dort mir Kraft gegeben.

Diese Last habe ich damals als unerträglich empfunden – doch dann hat sie sich irgendwie verändert, gewandelt. Ich kann eigentlich gar nicht mehr sagen wie – aber es war so.

Jetzt beim Zurückschauen, kann ich es erkennen.“

Solche Glaubenserfahrungen sind ein echter Schatz, eine kostbare Perle.


Unseren Glauben, manchmal nur so klein wie ein Senfkorn – ich würde ihn gerne vergleichen mit dieser Perlmutt-Schicht aus der Muschel-Geschichte, die sich langsam über unsere Herausforderungen und Lasten legt und sie erträglicher für uns macht.

Ja, manche davon lassen uns später vielleicht sogar sagen: das hat mich stärker gemacht – meinen Glauben vertieft – mein Vertrauen gestärkt.


Für mich ist der Urlaub mit Sonne, Meer und Muscheln, mit Wind und farbintensiven Sonnenauf- und -untergängen immer auch eine gewisse Glaubensstärkung.

Da nehme ich nochmal viel bewusster wahr, was für eine Welt uns umgibt – so wie wir es vorhin auch im Psalm gebetet haben.

Diese Welt um mich erzählt von Gottes Größe und von so vielem Wunderbarem, was uns anvertraut ist.

Sie macht mich auch ein wenig demütig – was für ein kleines Sandkorn bin ich doch im Vergleich zu Meer, Gebirge und Firmament?

Und doch, sagt der Psalm, sind wir Gott wichtig, wir kleinen Sandkörner. Er achtet auf uns – hat uns als sein Gegenüber gewählt. Auch wenn wir ihn mit unserer Widerspenstigkeit und unserem Bedürfnis, alles allein und selbstbestimmt zu regeln, sicher oft ebenso pieken und drücken, wie der Stein in der Geschichte…

Er vertraut uns seine Welt an – mit allem Wunderbarem und Staunenswertem - sei es noch so groß oder noch so klein. Einerseits. Und andererseits sind wir ihm nicht zu klein und auch nicht zu widerspenstig, dass er nicht jeden Tag aufs Neue mit uns unterwegs sein will.


Die Muschel, die Sie in Händen halten – auch wenn sie keine Perle enthält, ist auch sie ein Gleichnis.

Mit ihrer rauen Oberfläche steht sie für unser Leben, das eben nie glatt und eben verläuft.

Vielleicht ist auch noch ein wenig Nordseesand daran. Er steht für all das, was uns manchmal bremst, aber auch für den Boden, der unseren Füßen Halt gibt.

Und das Innere, das manchmal auch ein wenig perlmuttfarben schimmert, es steht für das, was uns im Inneren ausmacht. Für das, was uns zu Gottes Ebenbildern macht, wenig geringer als er selbst, wie es der Psalm formuliert.

Und wenn wir die Muschel in der Hand halten – dann erzählt sie uns davon, dass wir auch gehalten sind, von dem Gott, der uns durch dieses Leben begleitet, uns Halt gibt und trägt – zu jeder Zeit, in Urlaub und Alltag – in Leichtigkeit und mit allen Herausforderungen.

Ich wünsche uns, dass wir das immer wieder erleben, ja spüren können. Und dass so unser Glaube immer weiterwächst – stark wie ein Baum – und kostbar wie eine Perle. Amen.


Predigtlied: Kleines Senfkorn Hoffnung (Kreuzungen 256,1-5)

https://www.youtube.com/watch?v=O_Htsgsa8mE



Fürbittengebet:

Gott,

manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns die Augen öffnen, für die Welt, die uns umgibt und die Schätze, die du uns anvertraut hast. Hab Dank dafür!

Wir bitten dich, dass du uns immer wieder Momente schenkst, in denen wir aufmerksam werden für solche kleinen Zeichen auf unserem Weg. Im Urlaub aber auch im Alltag in den kleinen Auszeiten und Pausen zwischendrin.


Dir vertrauen wir auch an, was uns drückt und piekt – was uns im Alltag belastet und bedrückt.

Umgib uns da mit deiner Liebe, die uns tragen hilft, gelassener werden lässt und uns Wege und Möglichkeiten zeigt auch mit dem Schweren umzugehen.


In manchen bedrückenden Situationen fällt uns der Glaube schwer.

Da bitten wir dich, dass du unseren Kleinglauben immer wieder in nährendem Boden Wurzeln fassen lässt – dass er fester wird, stärker wird bis er irgendwann auch wieder Früchte trägt.


Du hilfst uns auch, das Schwere, das uns drückt, mit der Zeit zu verwandeln.

So bitten wir dich, verbinde mit deiner Liebe, was uns schmerzt.

Verwandle mit deiner Barmherzigkeit, was uns nicht zur Ruhe kommen lässt.

Umhülle das Schwere, das in uns sitzt, mit deinem Trost.


Und alles, was uns ganz persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich:

-STILLE-


Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Abkündigungen


Schlusslied: Gottes Segen behüte dich nun (NL 146)

https://www.youtube.com/watch?v=HV4TcucjY_g


Segen

Der Herr segne euch und behüte euch,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig

der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

(Amen, Amen, Amen)


Orgelnachspiel



All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste





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