• Ute Braun

Haus-Gottesdienst an Jubilate, den 25.4.2021



Haus-Gottesdienst an Jubilate, 25. April. 2021

mit Pfarrerin Ute Braun (Übertragung per ZOOM um 10:00 Uhr)


Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch ausdrucken und weitergeben.)




Orgelvorspiel: Gott ist gegenwärtig – EG 165

https://www.youtube.com/watch?v=V15OCmsGT6k

Eröffnung:

Wir feiern unseren Gottesdienst hier und dort in den Häusern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangsspruch

Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.

Der HERR denkt an uns und segnet uns.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet:

„In dir, Gott, leben, weben und sind wir“, so hören wir heute. Jede und jeder ist mit dir, Gott, verwoben. Deine Nähe durchzieht unser Leben wie ein roter Faden. Mal nehmen wir ihn wahr, mal läuft er verdeckt durch das Webmuster unseres Lebens. Hinter den Wundern deiner Schöpfung, zwischen den Rätseln unseres Lebens suchen wir dich. Und da, wo wir dich gefunden haben, wird unser Herz ruhig. Lass dich von uns finden, Gott, damit wir uns nicht verlieren in den Sorgen, Fragen, Nöten und Geschäftigkeiten unserer Zeit, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Lesung: Apostelgeschichte 17,16-34

Als aber Paulus in Athen auf Silas und Timotheus wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Denn er verkündigte das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung. Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Lied: Wir glauben Gott im höchsten Thron – EG 184

https://www.youtube.com/watch?v=im9C4KFoKE0

1) Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn, aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, allgebenedeit.

2) Wir glauben Gott, den Heilgen Geist, den Tröster, der uns unterweist, der fährt, wohin er will und mag, und stark macht, was daniederlag.

3) Den Vater, dessen Wink und Ruf das Licht aus Finsternissen schuf, den Sohn, der annimmt unsre Not, litt unser Kreuz, starb unsern Tod.

4) Der niederfuhr und auferstand, erhöht zu Gottes rechter Hand, und kommt am Tag, vorherbestimmt, da alle Welt ihr Urteil nimmt.

5) Den Geist, der heilig insgemein lässt Christen Christi Kirche sein, bis wir, von Sünd und Fehl befreit, ihn selber schaun in Ewigkeit. Amen.

Predigtgedanken zu Apostelgeschichte 17

„Für jede Lebenslage einen Gott“ –so mag es Paulus empfunden haben, als er in diesen Tagen durch Athen ging. Da gab es große und kleine Tempel, Skulpturen von Göttern und Göttinnen, alte Göttersagen, Opferriten, die unterschiedlichsten Priester und Tempeldienerinnen. Weit in die griechische und römische Antike geht die Vorstellung zurück, dass es ein ganzes Heer Götter gibt, die in unterschiedlicher Weise Einfluss haben auf die Welt und ihre Bewohner. Kämpferische Götter gibt es da, neidische und eifersüchtige, empfindsame und nachtragende. Eigenschaften, die uns Menschen eigen sind, finden sich in den antiken Göttervorstellungen ebenso wieder.

In dem Athen von Paulus finden sich davon immer noch Spuren und auch das Bedürfnis der Menschen, ja keinen der Götter zu verärgern. Zur Sicherheit gibt es sogar einen Altar für den „unbekannten Gott“. Keiner soll vergessen oder übersehen werden.

„Für jede Lebenslage einen Gott?“ – für Paulus ist das ein unmögliches Denken. Er wurde jüdisch erzogen – war selbst Schriftgelehrter. Er kannte nur den einen Gott des Alten Testamentes. Nach seiner Bekehrung zum Christentum hat sich sein Glaube ein wenig verändert – doch nach wie vor steht für ihn fest: es gibt nur einen Gott. Und das, was er da in Athen sieht, empört ihn: Du sollst keine anderen Götter haben, heißt es doch! Du sollst dir kein Bild von Gott machen! Und hier?

Ja, Paulus ist empört – und dabei ist er eh schon schlecht gelaunt, denn sein Aufenthalt in Griechenland steht unter keinem guten Stern. In allen bisherigen Orten hatten sie Ärger bekommen – aus zweien waren sie schon vertrieben worden – und das, was er nun in dieser Metropole sieht, gibt ihm den Rest.

Er könnte jetzt loswettern – diskutieren – streiten – schimpfen. Das entspräche durchaus seinem Naturell. Doch dann besinnt er sich, denn er weiß noch etwas: die Griechen sind ein Volk der Philosophen. Sie sind wissbegierig und offen für Neues. Und das nutzt er als Zugang. Dort auf dem Areopag – dem Ort, wo schon zahlreiche andere Reden gehalten wurden, verkündet er seinen Glauben. Und er knüpft dabei an dem an, was er vorgefunden hat: dem Altar für den „unbekannten Gott“!

Klug macht das Paulus und ganz in der Tradition der griechischen Philosophen. Er holt seine Zuhörer da ab, wo sie sind. Er knüpft an an ihrem Glauben, an ihren Traditionen. An dem, was ihn mit ihnen verbindet.

Und als er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewonnen hat – hier und dort ein zustimmendes Kopfnicken sieht – fährt er fort. Legt seinen Glauben daneben – auch mit all dem, was den Athenern fremd ist. Er verkündet ihnen einen mächtigen Gott, der über allem steht. Dieser Gott braucht keinen Tempel und braucht auch keine Diener, die ihm Opfer bringen. Er verkündet Jesus Christus und seine Auferstehung.

Neu und fremd ist es, was Paulus da verkündet. Einige spotten – doch andere, andere horchen interessiert auf!

„Für jede Lebenslage einen Gott?“ – Für Paulus genügt der eine Gott, an den er glaubt, für jede Lebenslage. Dieser Gott – er ist alles in einem: er ist Schöpfer, er ist Richter, er ist Erlöser, er ist Wegbegleiter. Er ist allmächtig und ohnmächtig. Er ist in allem – und über allen – er ist alles in allem!

Seine Zuhörer sind fasziniert – Paulus schafft es, ihre Philosophie und seinen Glauben zusammen zu bekommen. Ihm gelingt es, ihnen Gott nahe zu bringen. Aus dem Reich der Götter – auf die Erde mitten in ihr Leben.

„Für jede Lebenslage einen Gott“

- vielleicht formulieren wir es nicht so, aber ich glaube, genau das ist schon eine Sehnsucht, die viele Menschen in sich tragen: Je nach Lebenssituation wünschen sie sich einen Retter, einen Schöpfer, einen Kämpfer – einen barmherzigen, einen allmächtigen oder ein kriegerischen Gott. Einen Gott, der von außen eingreift – einen Gott, der für Recht und Ordnung sorgt – einen Gott, der sanft von innen aufrichtet. Der zuhört, der versteht, der nahe ist, der mitgeht – der Ruhe und Frieden schenkt. Der die Seele beruhigt und jede Sehnsucht stillt.

Und die religiösen oder spirituellen Angebote heutzutage knüpfen ja genau an diesem Suchen und Sehnen der Menschen heute an. Europäisch, traditionell, spiritistisch, fernöstlich, naturreligiös, aufgeklärt – und wem das christliche nicht genügt, kann in der Fülle der Weltreligionen passende Glaubenselemente finden. Aber ist es das wirklich was wir suchen – so einen Patchwork-Glauben, wo wir uns zusammen basteln, was wir gerade suchen, brauchen, wünschen?

Was Paulus verkündet und was wir Christen heute noch glauben, ist doch, dass unser Gott ein ganz persönlicher Gott ist. Ein Gott, der uns nahekam, in seinem Sohn. Ein Gott der Leiden kennt, der nicht in der Ferne bleibt sondern mitgeht, an jeden Ort, in jede Lebenssituation. Ein Gott, in dem wir Ruhe finden für unsere Seele, aus dem wir Kraft schöpfen können, mit dem wir auch kämpfen können für unsere Welt und Menschen in Not. Zu dem wir beten können, von dem wir Orientierung haben, der für uns Leben und Sinn bereit hält.

Ein Gott, der zutiefst menschlich wurde, um uns Menschen dort zu begegnen, wo wir sind: mitten in unserem Leben!

Ich weiß nicht, wie Sie es empfinden: aber mir genügt dieser eine Gott, an den ich glaube, völlig! Für mich ist er ein Gott für jede Lebenslage! Amen.

Lied: Unser Gott hat uns geschaffen (NL 198,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=na-o23GkhD4

1)Unser Gott hat uns geschaffen, Mann und Frau, sich selbst zum Bild. Und Gott schuf die eine Erde, Pflanzen, Tiere, zahm und wild. Dann hat Gott zu treuen Händen uns die Erde anvertraut, sie im Segen, durch Gefahren zu bebauen zu bewahren. Dazu braucht Gott dich und mich, daran glaube ich.

2) Unser Gott ist Mensch geworden, kam als Kind in diese Welt, dass die Liebe frisch erblühe, Hoffnung unsere Nacht erhält. Doch der Weg des Gottessohnes führt durch Leid, durch Kreuz und Tod, bis er, der so preisgegeben, auferstand in neues Leben und nun wirkt durch dich und mich, daran glaube ich.

3) Unser Gott will, dass wir leben, Kraft dazu schenkt Gottes Geist, der uns jeden Tag beflügelt und uns jenen Tag verheißt, an dem Tod und Tränen enden, Schmerz und Trauer nicht mehr sind. Doch zuvor wird er uns lehren, unser Brot so zu mehren, dass es reicht für dich und mich, daran glaube ich.

Schlussgebet:

Gott,

so viele Menschen sind auf der Suche: nach Orientierung und Halt, nach Sinn und Lebensinhalt, nach Perspektiven und Antworten. Für sie bitten wir dich um Zeichen auf dem Weg, um Worte, die tragen, um Aussichten, Hoffnungszeichen und ganz konkrete Hilfe.

So viele Menschen, Gott, sehnen sich nach etwas, das ihr Leben bereichert, das sie erfüllt, ihnen inneren Frieden bringt, ihre Seele zur Ruhe kommen lässt.

Für sie bitten wir dich um die Erfahrung von Stille, in der sie dir begegnen, um innere Gewissheit, neue Zugänge zu einem persönlichen Glauben, Gemeinschaft mit anderen.

Gott, immer wieder sind wir aufgerufen, Position zu beziehen – für unsere Überzeugungen und unseren Glauben, für eine gerechte Welt und ein faires Miteinander. Wir wissen darum, dass wir gemeinsam Verantwortung in dieser Welt übernehmen müssen – über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinweg. So bitten wir dich um einen offenen und wertschätzenden Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften, um ein starkes Bewusstsein dafür, was uns gemeinsam aufgegeben ist und um ein Ziel, das uns verbindet.

Und in allem, wo unsere Kraft zu klein, unser Glaube zu gering und unsere Hoffnung zu schwach ist, bitten wir dich um deine Stärke.

Gemeinsam beten wir zu dir: Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns (NL 116,1-3)

https://www.youtube.com/watch?v=W0XEh2B06JI

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1) Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

2) Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

3) Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Nachspiel:Großer Gott - EG 331

https://www.youtube.com/watch?v=fslA7oOTJHI





All unsere Gottesdienste – teilweise auch zum Anhören - und weitere Impulse finden Sie auch auf unserer Homepage: https://www.ev-kirchengemeinde-lichtenau-baden.com/unsere-gottesdienste




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