• Ute Braun

Jeanette und der kleine Drache

Hallo Kinder!

Erinnert ihr euch noch an Jeanette aus dem Elsass?

Sie hat uns mal wieder geschrieben und von einer wundersamen Begegnung erzählt!

Aber lest selbst!

Viele Grüße,

Euer Wolli

Lieber Wolli..

Stell Dir vor, was mir vor ein paar Tagen oder viel mehr Nächten passiert ist:

Wir durften ja hier in Frankreich bis vor ein paar Wochen fast nie die Wohnung verlassen und als das endlich wieder möglich war, haben wir uns alle natürlich riesig gefreut.

Gleich am ersten Tag waren wir lange spazieren und tollten ausgiebig im Park herum. Seit dem letzten Mal war das Gras mächtig gewachsen und die Blumen blühten so schön, das war richtig toll.

Jedenfalls fiel ich abends total müde vom Toben in mein kuscheliges Bett. Als ich gerade das Licht ausgemacht hatte, hörte ich ein ganz zartes Klopfen an meinem Fenster und erschrak ziemlich. Nach einer Weile klopfte es noch einmal.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und schlich ans Fenster...

Draußen saß doch tatsächlich ein kleiner grüner Drache auf der Fensterbank und schaute mich flehend mit großen Augen an. "Kannst Du mir vielleicht helfen? Ich schaffe das nicht alleine". Ganz leise öffnete ich das Fenster. Eigentlich darf ich das nicht, wenn es schon dunkel ist. Meine Hausmama ist da sehr streng, aber der kleine Wicht tat mir so leid.

"Ich hatte einen Brief dabei von dem kleinen Jungen, bei dem ich wohne" sagte er zu mir.

"Der Brief ist für seine kranke Oma, die er doch so lange nicht besuchen konnte und da hat er ihr einfach einen Brief geschrieben. Als ich über den hohen Baum in Eurem Garten geflogen bin, habe ich wohl einen Moment nicht aufgepasst und da ist er mir in den Baumwipfel gefallen. Aber die Äste sind dort so dicht. Ich habe Angst, dass ich mir meine Flügel verletze und dann kann ich doch nicht mehr fliegen.

Wie soll denn da der Brief ankommen?" Verzweifelt sah er mich an. Also kletterte ich leise aus dem Fenster und wir schlichen zu dem Baum, der wirklich ziemlich hoch ist. Ich versuchte, daran hoch zu klettern, rutschte aber natürlich mit meinen Hufen immer wieder ab. Eine Kuh ist nun mal nicht dafür geschaffen, um auf einen Baum zu klettern. Ratlos saßen wir da.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch aus dem Busch neben uns und heraus kam Milou, unsere Katze. Sie hatte wieder einmal schlechte Laune, vermutlich hatte sie noch kein Abendessen gefunden und sie schaute den kleinen Drachen sehr interessiert an, ob er sich vielleicht dafür eignen würde.

Ich erzählte ihr von unserem Problem und bat sie, uns zu helfen. Für sie war so ein Baum schließlich ein Klacks.

Aber Milou hatte wie gesagt schlechte Laune. Sie ließ sich erst ein bisschen bitten, wie Katzen das so gerne tun, ließ sich aber dann doch dazu überreden, auf den Baum zu klettern. Vorsichtig stieg sie bis ganz nach oben und brachte tatsächlich den Brief mit nach unten. Es war ihm nichts passiert. Überglücklich nahm ihn der kleine Drache in Empfang und bedankte sich überschwänglich bei uns, bevor er sich mit einem leisen Zischen und dem Versprechen, uns auf dem Rückweg wieder zu besuchen, in die Luft erhob und davon flog.

Milou begab sich wieder in ihr Gebüsch und ich mich endlich in mein Bett, glücklich, dass wir helfen konnten

Mit dem Gedanken, wie schön es doch ist, Freunde zu haben, die in der Not für einen da sind, schlief ich ein.

Ist Dir so etwas auch schon einmal passiert?



Liebe Grüße nach Lichtenau an Dich und Deine Freunde!

Deine Jeanette

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