• Ute Braun

Johanni


Hallo zusammen!

Was wir am 24.Dezember feiern, das wisst ihr natürlich alle. Aber wisst ihr auch, was wir genau 6 Monate vorher feiern, am 24. Juni?

Da feiern wir den Johannistag, „Johanni“ – oder manche nennen diesen Tag auch „Sommerweihnacht“, was ich auch eine sehr schöne Bezeichnung finde! 6 Monate vor der Winterweihnacht gibt es also noch eine Sommerweihnacht. Schön, oder?

Was es mit diesem Tag auf sich hat, das erzähle ich euch heute.

An diesem Tag feiern wir den Geburtstag von Johannes dem Täufer. Von ihm hat dieser Tag seinen Namen, so wie manch anderes, was rund um diesen Tag blüht, geerntet oder auch veranstaltet wird.

So seht ihr mich oben auf dem Bild in einem Johannisstrauch sitzen. Der Strauch sieht ein bisschen so ähnlich aus wie das Johanniskraut, das man auch als Medizin kaufen kann. Beide Pflanzen blühen um diese Zeit!

Und auf diesem Bild hier sitze ich in einem Strauch voll roter Johannisbeeren, die man jetzt ernten kann, um daraus Marmelade zu kochen oder Kuchen zu backen.

Ein ganz besonderer Brauch an diesem Tag ist das Johannisfeuer.

Oft wird so ein Johannisfeuer oben auf einem Berg entzündet bei Einbruch der Dunkelheit. Die Menschen kommen dort zusammen, tanzen und sind fröhlich. In manchen Gegenden gibt es sogar den Brauch über das Feuer zu springen.

In diesem Jahr konnten diese Feste rund um das Johannisfeuer leider nicht so einfach stattfinden, weil man derzeit auch da auf vieles achten muss, damit die Menschen nur mit Abstand einander begegnen. Es war deshalb gar nicht so einfach für mich, euch ein Bild von einem

Johannisfeuer zu besorgen. Aber dann habe ich entdeckt, dass in Ettenheim, einem Ort gar nicht so arg weit weg von uns, ein Johannisfeuer entzündet wurde. Und ich hab mich gefreut, dass mir die Verantwortlichen von dort Bilder geschickt haben, die ich verwenden darf!

Ihr seht selbst, was das für ein großes mächtiges Feuer ist. Das ist viel größer als ein normales Lagerfeuer, das ihr vielleicht schon mal erlebt habt.

Der Brauch des Johannisfeuers geht auf die Feste zur Sommersonnwende zurück, die in vielen Ländern gefeiert wird und die auch in diesen Tagen stattfindet.

Was die Sommersonnwende ist?

Na, ihr habt bestimmt gemerkt, dass es im Moment sehr lange hell ist. Wenn ihr morgens aufsteht, ist es schon hell, und wenn ihr abends ins Bett geht, ist es auch noch hell. Zumindest wenn ihr rechtzeitig ins Bett geht und nicht so lange wach bleibt wie ich…

Das liegt eben daran, dass die Sonne schon früh aufgeht und erst spät untergeht.

Um den Johannistag herum ist dann der längste Tag und die kürzeste Nacht.

Nach Johannis ändert sich das wieder. Die Tage werden immer ein bisschen kürzer und die Nächte länger. Bis wir dann um Weihnachten herum die Wintersonnwende haben, also den kürzesten Tag und die längste Nacht!

Wer aber ist nun dieser Johannes der Täufer? Habt ihr schon mal von ihm gehört?

Seine Geschichte ist ganz eng mit Jesus verknüpft und deswegen ist dieser Johannes auch für uns heute noch so wichtig.

Lasst mich euch ein bisschen von diesem Johannes erzählen:

Seine Eltern hießen Elisabeth und Zacharias. Sie waren schon ganz lange miteinander verheiratet und hatten einander auch sehr lieb. Nur leider hatten sie keine Kinder. Und nun waren sie schon so alt, dass sie gar nicht mehr damit rechneten.

An einem Tag nun war Zacharias im Tempel, um seine Arbeit zu machen. Zacharias war nämlich ein Priester.

Auf einmal erschien ihm ein Engel. Und dieser Engel sagte Zacharias, dass er und seine Frau Elisabeth einen Sohn bekommen sollten. Dieses Kind würde zu einem wichtigen Mann heranwachsen, der die Menschen auf

den kommenden Retter vorbereiten sollte.

Zacharias konnte das gar nicht glauben. Sie sollten ein Kind bekommen? Jetzt wo sie so alt waren?

Und weil der Engel merkte, dass Zacharias das nicht glauben konnte, gab er ihm ein Zeichen: Von diesem Moment an bis zur Geburt seines Sohnes sollte Zacharias nicht mehr reden können. Und so geschah es auch. Zacharias verschlug es im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache.

Und alles geschah so, wie es der Engel vorhergesagt hatte. Elisabeth wurde schwanger.

Als sie im 6 Monat war, bekam sie Besuch von ihrer Verwandten Maria, die gerade erfahren hatte, dass auch sie ein Kind bekommen sollte.

Ja, genau: DIE Maria. Die Mutter von Jesus.

Als Elisabeth die Stimme von Maria hörte, spürte sie wie das Kind in ihrem Bauch vor Freude hüpfte. Da wusste Elisabeth, dass ihr Kind und das Kind von Maria ganz eng zusammen gehören.

3 Monate später kam der kleine Junge zur Welt. Und die Leute in der Nachbarschaft fragten ganz aufgeregt, wie das Kind denn heißen soll? Vielleicht Zacharias wie der Papa?

Da nahm der Priester Zacharias eine Tafel zur Hand und schrieb darauf: „Er soll Johannes heißen“. Und kaum hatte er diese Tafel den anderen gezeigt, konnte er wieder reden.

Sofort stimmte er ein Loblied an. Denn Zacharias hatte jetzt verstanden, dass sein Johannes dazu auf die Welt gekommen war, um die Menschen für den Retter vorzubereiten, auf den sie alle schon ganz lange warteten. Den Retter, den 6 Monate später Maria zur Welt bringen würde.

Aber Zacharias wusste auch, dass das ein schwerer Auftrag sein würde, den sein Sohn da erfüllen musste. Und dass sich mit dem Kommen des Retters vieles in der Welt verändern würde.

Aber er hoffte darauf, dass mit dem Retter dann auch Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einziehen würde und dass es für alle Menschen, die im Moment in Angst und Not lebten, heller und hoffnungsvoller werden sollte.

Und wenn sein Sohn dazu beitragen könnte, diesen Weg des Retters vorzubereiten, dann wollte er als Papa ihn dafür gut vorbereiten.

So wuchs der kleine Johannes zu einem Mann heran.

Und als er erwachsen war, zog er sich in die Wüste zurück, ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig und trug einen kratzigen Kamelhaarmantel.

Das war ihm wichtig, so einfach und zurückgezogen zu leben.

Bald darauf begann er dann aber von dem kommenden Retter zu erzählen. Und Johannes war in seinen Worten auch sehr direkt.

Er sagte den Menschen, wenn sie sich falsch verhielten. Sogar den Fürsten im Land traute er sich zu sagen, wenn sie falsch handelten.

Damit machte sich Johannes, wie ihr euch sicher denken könnt, nicht nur Freunde!

Doch Johannes ließ sich nicht davon abbringen. Menschen, die zu ihm kamen, und sich auf den Retter vorbereiten wollten, denen sagte er: „Ändert euer Leben, teilt mit den Armen Kleidung und Essen, fügt niemandem Schaden zu.“ Und er taufte auch viele Menschen im Fluss Jordan als Zeichen dafür, dass sie neu anfangen durften.

In diesem Jordan taufte er dann sogar Jesus, der auch zu ihm kam. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch ein anderes Mal erzähle.

Wichtig aber im Leben von Johannes ist noch, dass er sich mit seiner direkten Art eben auch mit dem Landesfürsten anlegte. Und der war dann so sauer auf Johannes, dass er ihn ins Gefängnis werfen ließ.

In der Zeit seiner Gefangenschaft hörte Johannes über einige Freunde davon, wie Jesus draußen durch das Land zog und den Menschen von Gott erzählte.

Er war hin und hergerissen. War dieser Jesus nun der Retter, auf den er die Menschen hatte vorbereiten sollen oder nicht?

Er wollte es gerne glauben – aber in seiner dunklen Gefängniszelle überkamen ihn auch immer wieder Zweifel. So schickt er seine Freunde irgendwann zu Jesus und ließ ihn fragen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Und Jesus ließ ihm antworten: „Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Botschaft Gottes verkündet!“

Und da wusste Johannes, dass alles so gekommen war, wie er gehofft hatte. Jetzt konnte er auch getrost im Gefängnis bleiben. Denn draußen hatte nun Jesus die Aufgabe übernommen, für die er in die Welt gekommen war. Ja, Jesus sollte groß werden, und mehr und mehr Menschen erreichen – und wenn er, Johannes, vielleicht bald vom Landesfürsten zum Tod verurteilt würde, dann würde das, wofür er eingesetzt hatte, trotzdem weitergehen. Davon war Johannes überzeugt!

Ja, soviel mal aus dem Leben von Johannes dem Täufer!

In den Erzählungen über Johannes und Jesus spielt das Licht eine ganz wichtige Rolle.

Jesus sollte das Licht für die Menschen sein. Das Licht der Welt. Und Johannes wollte auf dieses Licht hinweisen und fing mit seinen kleinen Möglichkeiten schon an, alles Dunkle aus dem Leben der Menschen zu vertreiben. Und das Licht, das Jesus in die Welt bringen sollte, wollte er noch zusätzlich verstärken, in dem er die Menschen immer wieder auf Jesus hinwies.

Dieser Gedanke, dass das Licht verstärkt werden soll, spielt auch am Johannistag eine große Rolle: zum Beispiel durch das Feuer, das bei Einbruch der Dunkelheit entzündet wird. Oder durch fröhliches Tanzen, das es in den Menschenherzen heller machen soll. Und in manchen Gegenden gibt es auch den Brauch, dass man all das symbolisch ins Johannisfeuer werfen darf, was einen belastet.

Und auch in unserer Bastelei heute geht es darum das Licht zu verstärken. Nein wir zünden kein Feuer gemeinsam an – das dürft ihr mit euren Familien machen, wenn ihr wollt. Ich wollte heute mit euch ein Kaleidoskop bauen.

In einem Kaleidoskop sind Spiegel drin, die das Licht auffangen und immer weiter spiegeln und es so verstärken.

Aber natürlich fangen die Spiegel nicht nur Licht ein sondern alles, was ihr euch damit anschaut – und so erscheint euch die Welt dann ganz wundersam bunt, in lauter geheimnisvollen Mustern und Farbzusammenstellungen.

Zwei Bilder zeige ich euch mal: so sehe ich aus, wenn man mich durchs Kaleidoskop anschaut!

Und auf dem unteren Bild seht ihr bunte Wollknäuel durchs Kaleidoskop betrachtet.

So wünsche ich euch viel Spaß beim Basteln, beim Welt Erkunden und beim Licht Verstärken.


„Licht“ könnt ihr übrigens auch sein – nämlich für andere: Wenn ihr ihnen helft, für sie da seid, ihnen Gutes tut. Dann handelt ihr so, wie sich das Johannes von den Menschen gewünscht hat und wie es


Jesus selbst gelebt hat und uns aufgetragen hat.

In diesem Sinne macht‘s gut, ihr alle, und leuchtet schön!


Euer Wolli

Zur Bastelanleitung geht es HIER!


Bildquelle mit Erlaubnis von Antonia Bäumler

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