Kirche - Daheim


Kirche – Daheim! auch zum Anhören (mp3)

Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern –für den Sonntag Judika, 29.3.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie erdacht. Gerne dürfen Sie diesen auch ausdrucken und weitergeben).

Kerze anzünden

Stille

Gebet (angelehnt an Doris Joachim) und Votum

Gott,

ich bin hier (wir sind hier)

allein – daheim

Und doch sind wir miteinander verbunden

über unsere Dächer hinweg.

So feiere ich, so feiern wir

in deinem Namen Gottesdienst.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 43 (Lutherübersetzung 2017)

Schaffe mir Recht, Gott, /

und führe meine Sache wider das treulose Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Stille

Predigttext aus Hebräer 13, 12-14 (Lutherübersetzung 2017)

12 Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Stille

Impuls von Vikarin Nadine Kempf: Draußen vor dem Tor steht sie. Es ist mit einer Kette verriegelt. Ein Schild hängt dran: „Diese Sportanlage bleibt vorerst geschlossen.“ Fußballtraining fällt wohl erstmal aus. „So ein Mist!“ denkt sie und dreht um. Draußen vor dem Tor steht er. „Nur für Personal zugänglich“, liest er auf einem DinA4-Zettel an der Eingangstür. Dabei würde er so gern seine Eltern besuchen. Freilich mit Abstand, aber wenigstens, dass man sich mal sehen könnte. Keine Chance. Draußen vor dem Tor stehen sie. Die Hallen bleiben geschlossen. Der laufende Betrieb kommt zum Erliegen. Die Nerven liegen blank. Mit welchem Geld sollen sie ihre Familie ernähren, die Miete zahlen, Nebenkosten, Kredite, ... Draußen vor dem Tor stehen wir. Die Kirchentüren sind verschlossen. Im Schaukasten und auf der Homepage ist es zu lesen: „Gottesdienste fallen bis auf Weiteres aus.“ Verständlich – aber zu schade. Gerade jetzt wäre doch unsere Kirche als Zufluchtsort so wichtig. Draußen vor den Toren sind wir – räumlich und sozial. Draußen vor dem Tor steht er. Hier gehört er hin. Er hat es nicht mehr ausgehalten unter den Scheinheiligen im Tempel, in Jerusalem. Sein Platz ist draußen vor den Toren – bei den Schwachen, bei den Kranken, bei den Ausgegrenzten. Diesen Menschen will er nahe sein. Aus der Stadt heraus – vor die Tore, trägt er das Holz auf seinen Schultern. Uns Menschen zum Heil – trägt er das Holz auf seinen Schultern. Uns Menschen zum Heil – richtet er sein Kreuz auf. Ein Kreuz, das die Sünden der Menschen trägt, das be-last-bar ist. Ein Kreuz, das unsere Beziehung zu Gott rettet und uns miteinander versöhnt. Uns Menschen zum Heil – lässt er aus seiner Liebe Taten wachsen. Indem er zuhört und uns Menschen ermutigende Worte schenkt. Indem er mit allen (!) an einem Tisch sitzt und Brot und Wein teilt. Uns Menschen zum Heil – verkündigt er uns einen Gott, der lebendig ist, der den Tod überwindet. Uns Menschen zum Heil. Ja, Heilsames – das könnte ich, das könnte die Welt in diesen Tagen gut gebrauchen, denk ich. [Pause] Wirklich? Heilsames? Kann ich es nicht längt erfahren – hier und heute?! Da fallen mir die unzähligen, kreativen Aufrufe zur Solidarität ein: Ich denke an die Radioaktion letzte Woche, bei der ich Gänsehaut hatte. Über 180 Sender haben zur selben Zeit „You' ll never walk alone“[1] (von Gerry& The Pacemakers) gespielt, um ihre Zuhörer*innen auf diese Weise zu ermutigen. Ich denke an die Hinweis in Zeitungen, Amtsblättern und im Netz, die sich an ältere Mitmenschen richten mit dem Angebot, sich die Einkäufe nach Hause bringen zu lassen. Miteinander – füreinander. Oder die Regenbogen-Ausmal-Aktion. Kinder, die Regenbogenbilder in ihre Fenster kleben, um anderen Kindern zu zeigen: Auch wir bleiben daheim, ihr seid nicht allein.

Die Liste ist endlos. Egal um was es geht, die Botschaft ist klar: Getrennt miteinander verbunden – als Zeichen der Solidarität. Wohnt in all diesen Bewegungen nicht etwas Heilsames inne?! Es macht mir Mut, wenn ich daran denke, welche Wege die Menschen (wieder) finden, um sich gegenseitig Kraft zu geben: Durch ein gutes Gespräch am Telefon, eine humorvolle Postkarte, einen tröstenden Bibelvers oder ein Gebet füreinander. Es stärkt mich, wenn ich die Natur explodieren sehe, wie das Licht frühs und abends über den Feldern steht, wie Gottes Schöpfung ihren Zauber zeigt. Wohnt in all diesen Dingen nicht etwas Heilsames inne?! Liebe*r Leser*in, von ganzem Herzen hoffe ich, dass uns solche kleinen, heilsamen Dinge begegnen. Von ganzem Herzen wünsche ich uns, dass wir in diesen Tagen daran festhalten können: Jesus ist auf unserer Seite! Auf der Seite der Ausgeschlossenen, der Schwachen und Kranken. Von ganzem Herzen bete ich dafür, dass wir in diesen Tagen spüren, dass Jesus uns die Kraft gibt, die wir in diesen Zeiten brauchen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.


Stille

♫ Lied: EG 165, 1.6. Gott ist gegenwärtig

Fürbitt-Gebet

Gott, Quelle der Zuflucht, wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen vor verschlossenen Toren stehen. Ich/Wir denke/n an … (Hier können Sie selbst einfügen, an wen Sie denken.) Gott, Quelle des Lichtes, wir bitten dich für alle, die an den Umständen dieser Situation zerbrechen. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle der Kraft, wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen Sonderschichten übernehmen. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle der Weisheit, wir bitten dich für alle, die in Politik und Wirtschaft täglich um Entscheidungen ringen. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle der Zuversicht, wir bitten dich für alle, die erkrankt sind und in Quarantäne leben. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle der Hoffnung, wir bitten dich für alle, die existenzielle Sorgen und Nöte haben. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle des Trostes, wir bitten dich für alle, die um einen verstorbenen Menschen trauern. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle des Lebens, wir bitten dich für alle, die verstorben sind. Ich/Wir denke/n an … Gott, Quelle des Heils, wir rufen zu dir: (EG 172) Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung und ich dir danke, dass du mir hilfst. Stille


Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Stille

Segen

Der HERR segne uns und er behüte uns.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über uns

und gebe uns Frieden.

Amen.

Stille

Kerze auspusten (oder noch eine Weile angezündet lassen ☺)

[1]Übersetzt: „Du wirst nie alleine gehen“.

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