• Ute Braun

Kirche - Daheim (10. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche - Daheim! - Gottesdienst

am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 16.8.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Lied: Morgenlicht leuchtet (EG 455,1+2) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang. Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt. Dank für die Lieder, Dank für den Morgen, Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2) Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet. So lag auf erstem Gras erster Tau. Dank für die Spuren Gottes im Garten, grünende Frische, vollkommnes Blau.

(Audio Datei zum MITHÖREN)

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 104 in einer Übertragung von Peter Spangenberg (NL 951.2)

Lobe den HERRN, meine Seele!

Du begeisterst mich bis in den letzten Winkel meines Herzens, lieber Gott;

dein Name strahlt wie helles Licht, das ich bestaune.

Du umgibst dich mit dem schönsten Schmuck:

Mit deiner wunderbaren Schöpfung,

als hättest du dich in Sonnenstrahlen gekleidet.

Dein Himmel spannt sich über die Erde

wie ein großes Gemälde, das deine Wohnung einrahmt.

Die Wolken wirken auf mich wie Fahrzeuge,

windgetrieben und immer in Bewegung.

Die Elemente gehorchen den Gesetzen,

die du ihnen gegeben hast.

Die Erde dreht sich in ihrer Bahn, und ihre Pflanzen liegen wie ein bunter Gürtel zwischen den Meeren.

Der Regen netzt die trockene Krume, und alles wird grün.

Berg und Tal wechseln sich ab wie die Gezeiten.

Alles hat seinen Raum, und nichts setzt sich darüber hinweg.

Die Erde bringt Nahrung hervor für Tier und Mensch,

und Brot und Wein gibt es für uns, damit Leib und Seele sich stärken.

Die Vögel hoch in den Bäumen, das Wild in den Felsen, die Tiere auf dem Felde von den Größten bis zu den Kleinsten:

Sie alle leben ihr Leben wie du es bestimmt hast.

Mond und Sonne bewirken Nacht und Tag.

In deiner Schöpfung tun wir unseren Dienst.

Lieber Gott, was hast du alles geschaffen, unvorstellbar.

Du hast allem einen tiefen Sinn gegeben, und unsere Erde ist reich an Ertrag.

Wenn ich den Schiffen auf dem Meer nachträume:

Fische gibt es im Wasser zum Spiel mit den Wellen.

Alle Lebewesen warten auf deine gute Hand,

die Nahrung spendet und Leben für alle.

Wo du ausatmest, da können wir Luft holen,

und das Leben beginnt immer wieder neu.

Du begeisterst mich, lieber Gott. Wunderbar!

Eingangsgebet:

Guter Gott, wir feiern heute Gottesdienst. Hören von dir, singen und beten. Wir wollen heute aufmerksam sein für das, was du uns Besonderes schenkst – wollen mit offenen Augen in die Welt schauen – auf das Schöne achten, das uns umgibt.

Gerade im Sommer gibt es so Vieles zu entdecken – an Farben und Licht – an Pflanzen und Tieren – an Gerüchen und Geräuschen. Hab Dank für diese Vielfalt, die uns täglich umgibt. Sei nun auch bei uns und lass uns deine Nähe spüren.

Amen.

Lesung: Matthäus 6, 25-34

Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Lied: Geh aus mein Herz (EG 503,1+2) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2) Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

Predigtgedanken (Audio Datei zum MITHÖREN)

„Geh aus mein Herz und suche Freud“

Bekannt und beliebt ist dieses Lied von Paul Gerhard. Und es gehört auch in diese Jahreszeit. Zumindest heißt es so: „in dieser schönen Sommerzeit“, auch wenn die Beschreibungen in der zweiten Strophe bereits im Frühling passen: die Narzissen und Tulpen, sind ja eher Frühlingsblumen.

Aber egal: worauf es ankommt, ist die Beschreibung der Natur. Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere, die uns da begegnen. Der Reichtum der Schöpfung, die uns umgibt.

Paul Gerhard orientiert sich in seinem Lied am Psalm 104, den wir vorhin in einer Übertragung gehört haben, und der auch die Schöpfung besingt. Er lädt uns ein, unser Herz „spazieren zu führen“: an den Gärten entlang, über Wiesen und Feldern, zu Bächen und über Weinberge… und beinahe scheint es, als würde man mehrere Jahreszeiten durchstreifen. Vom Frühling mit seinen Tulpen – über den Sommer mit den jungen Tieren – bis hin in den Herbst, wenn Getreide und Wein reif zum Ernten sind.

Und Paul Gerhard nimmt nicht nur die Zeiten des Jahres in den Blick sondern auch die Zeiten des Lebens. Von den Momenten der Stille spricht er, aber auch von der Unruhe und dem Umgetrieben sein, vom inneren Wachsen und Reifen. Und einen Blick in die Ewigkeit wirft er auch – in den Paradiesgarten.

Auf den ersten Blick einfach ein schönes Lied, das die Schöpfung besingt. Ein bisschen romantisch, fast ein wenig oberflächlich. Auf den ersten Blick!

Auf den zweiten Blick sieht das aber ganz anders aus!

Paul Gerhard dichtet dieses Lied nur 5 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg. Er ist 46 Jahre alt und Pfarrer in Mittenwalde – einem Ort, vier Fußstunden südlich von Berlin.

In seinem Leben hat er schon viel Schweres erfahren. Als er 11 Jahre war, brach der 30jährige Krieg aus, der das Land in Schutt und Asche legte. Viele Menschen fielen dem Krieg oder schweren Krankheiten wie der Pest zum Opfer.

Paul Gerhards Vater starb als er 12 Jahre alt war. Seine Mutter als er 14 war. Und damit sind die Herausforderungen noch nicht zu Ende, denen er sich stellen muss.

Paul Gerhard ist also jemand, der Leid kennt. Er weiß, was Schmerz und Trauer ist. Sicher hat auch er manchmal an seinem Gott gezweifelt. Oder ist an seinem Glauben verzweifelt.

Zugleich hat er aber auch Bewahrung erfahren. Trotz der schwierigen persönlichen und äußeren Situation konnte er seinen Weg gehen. Er konnte eine Ausbildung machen, fand immer wieder Anstellungen, um sein Auskommen zu haben. Er bekam die Kraft und die richtigen Worte, um trauernde Menschen in seiner Gemeinde beizustehen. Und er verstand dabei mehr und mehr, dass Gott ein Gott ist, der auch im Leid nahe bleibt, der mitleidet und mitträgt.

All das ist ein Grund für Paul Gerhard seinen Gott zu besingen. Trotz aller schwerer Erfahrungen kann er solche vertrauensvollen Lieder dichten. Lieder, die uns auffordern uns zu freuen… an der Schöpfung - denn in ihr sieht er Zeichen von Gottes Güte… und noch mehr…

In den vielen Strophen klingt ganz viel von Paul Gerhards Glaube durch: er singt von Weizen, von Weinstöcken, von Hirten und Schafen. Das sind Bilder aus der Natur, aber es sind auch Bilder für Jesus Christus.

Er singt vom Staunen und der Freude über die Schöpfung, die einen Menschen so ausfüllt, dass sein Herz schier überläuft.

In vielem kann der Dichter – und auch wir – nur staunen… wie unglaublich vielfältig ist doch die Welt. Sie lässt sich nicht unterkriegen trotz allem, was an Dunklem und Schwerem in dieser Welt geschieht. Ja, selbst während dieser merkwürdigen Zeiten, die wir jetzt erleben und erlebt haben, war für viele die Natur oftmals das, was uns aushalten ließ – hoffen ließ – Lichtblicke schenkte. Von wie vielen Menschen habe ich gehört, dass sie sich in diesen Monaten regelrecht angewöhnt hatten, regelmäßig draußen unterwegs zu sein.

Paul Gerhard beobachtet zu seiner Zeit, wie zwischen Schutt und Asche sich die Schöpfung wieder Raum nimmt.

Blumen wachsen und blühen. Bäume treiben aus und tragen Früchte.

Paul Gerhard staunt - und in ihm wächst ein Vertrauen ganz anderer Art: wenn es doch hier auf unserer Erde schon so schön eingerichtet ist – wir so viel Schönes geschenkt bekommen haben, wieviel schöner muss es doch in Gottes Welt sein – in seinem Paradiesgarten?

Wenn Gott uns hier und dort – in so einen schönen Garten setzt, wie können wir dann dran zweifeln, dass er es nicht rund um gut mit uns meint – und er auch in schweren Zeiten bei uns bleibt und uns helfen will?

Wenn Gott Pflanzen und Tiere bewahrt – wachsen und gedeihen lässt – wieso mache ich mir dann Sorgen, dass er mich vergessen haben könnte? Und hier klingen Paul Gerhards Strophen ganz ähnlich wie die Worte Jesu im Evangelium vorhin.

„Geh aus mein Herz und suche Freud“… Paul Gerhard lädt uns ein, unser Herz spazieren zu führen und wieder das Staunen zu entdecken! Denn ein offener Blick und ein offenes Herz für das Schöne um uns verändert auch die Sicht auf eigene Sorgen und eigenen Kummer.

So erlebe ich es zumindest manchmal: wenn es mir nicht so gut geht, dann versuche ich manchmal ganz bewusst mich umzuschauen in der Natur. Auf Kleinigkeiten zu achten: eine Biene, die Nektar aus einer hübschen Blüte sammelt. Ein kleiner Käfer, der kopfüber an einem Grashalm entlang krabbelt. Ein Tautropfen an einem Blatt. Ein Sonnenstrahl, der sich in diesem Tautropfen bricht und ihn glitzern lässt. Sonnenlicht, das durch die Wolkendecke bricht und richtige Streifen an den Himmel malt und vieles mehr… Und je mehr ich auf solche Kleinigkeiten schaue, umso mehr rücken meine eigenen Sorgen in den Hintergrund. Zum einen, weil es mich von meinen eigenen Gedanken ein wenig ablenkt, zum anderen aber auch, weil ich durch diese vielen kleinen Besonderheiten und Schönheiten eine Ahnung davon bekomme, wie groß Gott doch sein muss und wie lieb er uns haben muss, dass er uns in so einen schönen Garten gesetzt hat.

Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich? Probieren Sie es doch, wenn Sie mögen, einfach mal aus!

Einfach mal nur schauen – ganz Auge sein – und Ohr und Nase. Staunen über das, was Sie umgibt. Vergessen, was grad so wichtig schien oder Ihnen gerade auf der Seele liegt - und eine Ahnung davon bekommen, wie gut es Gott mit uns meint.

Amen.


Lied: Geh aus mein Herz (EG 503,7+8) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


7) Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte, das menschliche Gemüte.

8) Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Lieber Gott,

dich suchen wir im Licht der Sonne, die durch die Dunkelheiten und Traurigkeiten unseres Lebens scheint.

Dich erahnen wir, wenn wir einen Blick bekommen für die kleinen Wunder in der Schöpfung.

Dich können wir spüren, wenn unsere unruhigen Gedanken zur Ruhe kommen und wir ganz bei uns sind – und ganz bei dir.

Wir bitten dich, sei bei allen, die gerade Schweres tragen. Sei bei den Trauernden und Traurigen.

Schenke Ruhe den Getriebenen. Öffne den Blick für die kleinen und großen Wunder, die uns täglich umgeben.

Sei und bleibe du bei uns und lass uns deine heilende, Mut machende und tröstende Kraft spüren. Sei du uns Licht auf unserem Lebensweg.

Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Segen

Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Lied: Mögen sich die Wege (NL 71,1+2) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben, und bis wir uns wieder sehn, und bis wir uns wieder sehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

2) Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, Regen sanft auf deine Felder fallen, und bis wir uns wieder sehn…



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