Kirche - Daheim (11. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche – Daheim!

Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

für den 11. Sonntag nach Trinitatis, 23.08.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: Votum und Wochenspruch

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen

Geistes. Amen.

Der Wochenspruch für die heute beginnende Woche steht im 1.

Petrusbrief 5, 5: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den

Demütigen gibt er Gnade“.

Psalm 145:

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

und deinen Namen loben immer und ewiglich.

Ich will dich täglich loben

und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

Der Herr hält alle, die da fallen,

und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen

und gnädig in allen seinen Werken.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,

allen, die ihn mit Ernst anrufen.

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,

und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Der Herr behütet alle, die ihn lieben,

und wird vertilgen alle Gottlosen.

Mein Mund soll des Herrn Lob verkündigen,

und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen

immer und ewiglich!

Göttlicher Vater, wir stehen immer wieder in der Gefahr, uns mit anderen Menschen zu vergleichen, denn wir möchten vor anderen und vor dir gut dastehen.

Doch nicht unsere Selbstgerechtigkeit, sondern allein deine Gnade und Wahrheit tragen uns und unser Leben. Dafür danken wir dir.

Schenke es uns, dass wir diese Botschaft immer wieder hören, verstehen und annehmen. Und stärke dadurch unser Grundverstrauen zu dir sowie unsere Gemeinschaft untereinander, damit wir einander so annehmen, wie dein Sohn uns angenommen hat.

Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch 299, 1-3


1. Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffne; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?

2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, des muss dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben.

3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen; auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort; das ist mein Trost und treuer Hort, des will ich allzeit harren.


Lesung/Predigttext: Lukas 18, 9-14

„Er (Jesus) sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu

sein, und verachteten die anderen, dies Gleichnis:

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten,

der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer

stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht

bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder

auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und

gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner

aber stand von ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben

zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott,

sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerecht-

fertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst

erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst

erniedrigt, der wird erhöht werden“.

Liebe Gemeinde,

die beiden Männer in unserer heutigen Geschichte sind in unserer Vorstellung schnell zu zwei ganz bestimmten Menschentypen vereinfacht, ja verfälscht. Was stellen wir uns unter einem Pharisäer vor? In unserer oftmals vorschnellen Denkweise einen eitlen, hochnäsigen, angeberischen Menschen, der seine Frömmigkeit zur Schau trägt: „Was bin ich doch für ein gottgehorsamer Mensch! Ich gehe jeden Tag in den Tempel! Ich gebe den 10. Teil meines Einkommens als Opfer! Ich faste zweimal in der Woche, obwohl nur einmal vorgeschrieben ist! Ich mache einen großen Bogen um die Menschen, die vor Gott nicht bestehen können, damit ihr Schatten mich nicht trifft! Ich habe eine weiße Weste! Ja, auf mich kann Gott stolz sein!“ - Diese Vorstellung haben viele Menschen von einem Pharisäer: Ein religiöser Angeber und Heuchler. In Wirklichkeit verdient ein solch strenggläubiger Jude unseren Respekt: Denn er ist ein Mensch, der die religiösen Gebote und die Gottesdienste ernst nimmt, der sich seinen Glauben auch etwas kosten lässt. Ein Pharisäer zurzeit Jesu, der ja nicht den Lebensstandard von uns heute besitzt, übt freiwillig Verzicht. Um seines Glaubens willen bringt er alle diese Opfer. Ich denke, Gott ist ihm wichtiger als z. B. das Geld in seiner Tasche. Wahrlich ein tadelloser Mensch. Doch warum wird er hier von Jesus getadelt?

Zuvor jedoch ein paar Worte über die Zöllner: Der Zöllner in unserer Geschichte beeindruckt uns durch seine Demut und Offenheit. Stehen die Zöllner nicht immer hoch im Kurs bei Jesus? Kann er mit ihrer Hilfe den Pharisäern nicht immer eins auswischen? Aber ein damaliger Zöllner ist nicht so, wie er meist in unserer Phantasie lebt. Unter einem Zöllner haben wir uns einen geldgierigen, skrupellosen Menschen vorzustellen, der Geschäfte mit dem damaligen Volksfeind Nr. 1, den Römern, macht. Einem Zöllner ist die klingende Münze viel näher als die Not eines anderen Menschen. Kein Wunder, dass solch ein Betrüger von allen anderen Juden gemieden wird, dass er keine Freunde hat. Auch kein Wunder, dass er sehr oft in der Bibel in einem Atemzug mit den Sündern genannt wird. - Doch warum wird ausgerechnet dieser von Jesus in den Himmel gelobt?

Also: Mir persönlich ist ein ehrlicher Mensch lieber als ein hinterlistiger Betrüger! Ich kann verstehen, dass die Juden einem Zöllner gegenüber nur Verachtung empfanden. Darum noch einmal die Frage: Wie kommt es, dass nach dem Urteil Jesu der Zöllner gerechtfertigt nach Hause geht, der Pharisäer jedoch nicht?

Beide sind in den Tempel gegangen. Für den Pharisäer war dies eine Selbstverständlichkeit, für den Zöllner beileibe nicht. Beide haben sich unter die Augen Gottes gestellt. Sie messen sich an den Geboten Gottes und wollen so ihren Standort vor Gott bestimmen. Dagegen ist nichts einzuwenden - ganz im Gegenteil! Es wäre gut, wenn alle, die sich gläubig nennen, ihr Leben, ihr Verhalten, ihre Gefühle und Gedanken an dem Maßstab des göttlichen Willens messen würden! Vielleicht käme dann der eine unter uns zu der Erkenntnis: Mir kann nur noch das Erbarmen Gottes helfen: „Herr, erbarme dich! Gott sei mir Sünder gnädig!“ - Und vielleicht käme ein anderer zu der Schlussfolgerung: Das göttliche Erbarmen hat mir geholfen, das zu werden, was ich heute bin! „Gott, ich danke dir!“

Doch beim Messen mit dem Maßstab des göttlichen Willens passiert dem Pharisäer etwas, was alles verdirbt: Er misst sich nicht allein an den Geboten Gottes (da könnte er recht gut dastehen!), er misst sich auch an seinen Mitmenschen, hier eben an diesem Zöllner: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner!“ - Der Pharisäer misst sich nicht nur nach oben, sondern auch zur Seite hin. Er sucht nicht nur seinen Platz, er weist auch anderen ihren Platz zu. Und dabei legt er bei den anderen den gleichen Maßstab an, den er sich auferlegt hat! Und dadurch ergeben sich verhängnisvolle Trennungen: „Was bin ich doch für ein anständiger Mensch! Gäbe es lauter solche wie mich, dann stünden die Kirche und der Staat ganz anders da! Dann würden die Plätze in der Kirche nicht ausreichen. Dann bräuchten wir keine Polizei! Auf mich kann man sich halt verlassen! Mit den anderen ist ja nichts anzufangen!“

Es könnte ja sein, dass dieser Vergleich sogar stimmt! Es könnte ja sein, dass tatsächlich ein großer Unterschied ist zwischen einer kirchlichen Kerngemeinde und vielen Menschen, die eine persönliche Verbindung zu Gott rigoros ablehnen. Aber: Bei solchen Vergleichen geht das Erbarmen Gottes, das jeden von uns zu dem gemacht hat, was wir sind, und das uns die Fähigkeit gibt, einigermaßen als anständige Menschen zu leben, bei solchen Vergleichen geht dieses Erbarmen Gottes in Fäulnis über. Verächtliche Eitelkeit gewinnt die Oberhand. Und solche Eitelkeit traut Gott nicht zu, mit dem anderen, mit jedem anderen! ebenfalls seine ganz persönliche Geschichte der Barmherzigkeit zu haben! Wer so vergleichend denkt, der sperrt andere aus der Barmherzigkeit Gottes aus: „Gott kann doch nur mir gnädig sein! Bei dem anderen ist sowieso Hopfen und Malz verloren!“ Und schon hat sich eine menschenunwürdige Verachtung, ein Graben zwischen mir und anderen, breit gemacht. Man hebt sich hoch und sieht den anderen tief unten - verstrickt im Schlamm seines gottlosen Lebens. Und anstatt ihn heraus zu ziehen, was unsere Christenpflicht wäre, wendet man sich ab: „Wer bin ich denn, dass ich mir seinetwegen die Hände schmutzig mache!“ - Ja, wer sich selbst erhöht, wird eitel und unbarmherzig.

Bei dem Zöllner war es anders: er blickt nicht neben sich auf die anderen. Die haben ja auch Dreck an ihrem Stecken, auch wenn sie nach außen hin noch so glänzen. Aber wenn man vor Gott steht, wenn man vor Gott in letzter Einsamkeit steht, dann sind einem viele andere Wahrheiten gleichgültig. Man hat etwas anderes zu denken. Wenn man sich nur nach oben misst, dann wird die Sache ehrlich. Gott allein ist für den Zöllner der Maßstab. Und dabei hat er sehr schnell festgestellt, dass er fern von ihm ist: „Was kann ich schon vorweisen, damit Gott mir gnädig wäre?“ Und weil er dies einsieht, deshalb ist Gott ihm ganz nahe. Gerade darum spricht Jesus das Wort: „Ich bin gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist!“ - Wer sich nach oben misst, wird immer merken, wie tief unten er steht, wie sehr er das Erbarmen Gottes nötig hat: „Gott, sei mir Sünder gnädig! Gott, du musst mich annehmen. Wie die anderen über mich denken, das ist völlig belanglos!“ - Nur in dieser Haltung können wir Gott das sein lassen, was er vor allem sein will: Der Vater der Barmherzigkeit!

Stellen wir uns vor, Gott hätte den Zöllner nicht freigesprochen, Gott hätte geurteilt, wie wir urteilen: Über uns läge ein totaler Leistungszwang! In allem müssten wir vor Gott bestehen! Wir hätten nur zu gehorchen und den religiösen Gesetzesvorschriften nachzukommen. Und trotz aller Anstrengung könnten wir Gott nicht zufrieden stellen, weil es keine vollkommenen Menschen gibt! Dann hätten wir keinen gnädigen Gott, sondern einen gnadenlos fordernden. - Was jedoch andererseits nicht heißt, wir könnten tun und lassen, was wir wollten, Gott würde uns ja eh gnädig sein! - Wenn wir wissen, was gut ist und was Gott von uns erwartet, dann haben wir dies auch zu tun! Wenn wir aber versuchen, Gott wohlgefällig zu leben, es jedoch in unserer Unvollkommenheit nicht fertig bringen, da dürfen wir auf jeden Fall auf das Erbarmen Gottes setzen! Um diese Einstellung und Haltung geht es!

Während das Gebet des Pharisäers ein Unschuldsgebet ist, eigentlich einem Rechenschaftsbericht gleicht, während der Pharisäer von Gott nichts erwartet (er erklärt sich ja selbst für gerecht), zielt das ehrliche Bekenntnis des Zöllners allein auf die vergebende Annahme durch Gott. Er kann, ja er muss noch etwas von Gott erwarten, auch wenn dies völlig unmöglich erscheint. Aber bei Gott ist nichts unmöglich! Und deshalb geht von diesem einsichtigen Gebet eine befreiende Wirkung aus. Ähnliches dürfen wir Gott in unserem Leben zutrauen: In unserer Blickrichtung auf ihn dürfen auch wir hoffen, dass er sich uns in seiner Liebe und Güte zuwendet. Denn es gibt keinen Menschen, der nicht aus dem Erbarmen Gottes lebt!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch: Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun!

Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch 355, 1+2+4

  1. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

  2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein; Gott hat mich mit sich selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her, warum geschieht’s? Erbarmung ist’s und weiter nichts.

  3. Dies lass ich kein Geschöpf mir rauben, dies soll mein einzig Rühmen sein; auf dies Erbarmen will ich glauben, auf dieses bet ich auch allein, auf dieses duld ich in der Not, auf dieses hoff ich noch im Tod.

Schlussgebet:

Göttlicher Vater, wir beten zu dir für alle Menschen, die selbstsüchtig und hochmütig sind, dass sie dich als Quelle ihres Lebens und ihrer Fähigkeiten erkennen und sich vor dir demütigen.

Für alle, die an ihrer Schuld und Unzulänglichkeit leiden, dass sie erkennen, dass du dich gerade ihnen in Gnade zuwendest, um sie anzunehmen und stark und mutig zu machen.

Für alle, die im Schatten des Todes leben, dass sie die Botschaft von der Auferstehung hören und begreifen und für sich selbst annehmen.

Für alle, die durch ihre Arbeit und ihren Egoismus in der Gefahr stehen, anderen zu schaden und sie zu übervorteilen, dass sie sich an den Weg Gottes und an seine Gebote halten.

Für alle, die fest im Leben der Kirche stehen, dass sie Gott dafür danken und nicht auf andere hinabsehen.

Für alle, die herausgehobene Positionen im öffentlichen Leben innehaben, dass sie sich vor Gott im Dienst der anderen wissen.

Für die Christinnen/Christen in der Welt, dass sie die Botschaft von der Vergebung leben und weitersagen, dass durch erfahrene und gewährte Vergebung Menschen untereinander zu Geschwistern werden.

Für alle, die in den Kirchengemeinden mitarbeiten, dass sie die Botschaft von der Vergebung zuerst für sich selbst annehmen und sie dann im Vertrauen auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes weitersagen.

Für unsere Welt, dass sie frei wird von Hass und Krieg, von Ungerechtigkeit und Hochmut; dass diese Welt zu Gottes guter Welt wird, in der alle Menschen als Gottes angenommene und geliebte Kinder leben können.

Du, göttlicher Vater, sprichst uns gerecht, wenn wir unsere Schuld vor dir bekennen. Du willst nicht unsere Verurteilung sondern unser Leben. Schenke uns ewiges Leben – uns und deiner ganzen Welt!

Vater unser im Himmel…

Lied: Evang. Gesangbuch 618, 1-4

  1. Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan. Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du kannst ihm so wie du bist nahn.

Kehrvers:

Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann. Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer. Kommt betet den Ewigen an.

  1. Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint. Er liebst dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, ist näher, als je du gemeint. Kehrvers

  2. Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, ein Wünschen, das nie du gekannt, dass jeder wie du Gottes Kind möchte sein, vom Vater zum Erben ernannt. Kehrvers

  3. In Jesus gehörst du zur ewigen Welt, zum Glaubensgehorsam befreit. Er hat dich in seine Gemeinde gestellt und macht dich zum Dienen bereit. Kehrvers

Segen:

Die Gnade Gottes, ohne die Du nicht leben kannst, begleite Dich auf Deinem Weg bei Tag und bei Nacht.

Die Liebe Gottes, die Dich väterlich umfängt, lasse Dich aufatmen, wenn Dich Dein Leben einengt.

Der Segen Gottes, die Quelle seiner Wohltaten, fülle Geist, Seele und Leib mit dem, was Du zu Deinem Leben brauchst.

Der Friede Gottes, der in Jesus Christus zu uns kam, durchdringe Dein Denken, Reden und Handeln, so dass Du zu Gottes Ehre leben kannst.

So segne und behüte Dich Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.


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