Kirche - Daheim (14. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche – Daheim!

Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern – für den 14. Sonntag nach Trinitatis, 13.09.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Kerze anzünden

Stille


Votum (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

„Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Die Worte des Wochenspruchs aus Psalm 103 stehen heute am Anfang unseres Gottesdienstes.

Schön, dass wir gemeinsam Gottesdienst feiern, in Freistett beim Hanauerland-Gottesdienst oder Zuhause. Im Gebet sind wir verbunden, um gemeinsam Gottes Wort zu hören, Gott zu loben und ihm zu danken.

Voller Lob und Dank schreibt auch der Psalmbeter in Psalm 146.

Psalm 146

1 Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! /

2 Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin. 3 Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. 4 Denn des Menschen Geist muss davon, / und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne. 5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott, 6 der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, / 7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der Herr macht die Gefangenen frei. 8 Der Herr macht die Blinden sehend. Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der Herr liebt die Gerechten. 9 Der Herr behütet die Fremdlinge / und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre. 10 Der Herr ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!


Gloria Patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.

Gebet

Herr, dreieiniger Gott, du schenkst uns so viel für das wir dankbar sein können. Ich denke an den Zauber deiner Schöpfung, an Momente der Erholung in den Ferien, Bewahrung vor Hunger und Krieg bei uns in Deutschland, ein Leben in einem freien Land ohne Korruption, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Und dennoch. Immer wieder vergessen wir, dir dafür zu danken. Dann verlieren wir den Blick dafür, wie gesegnet wir doch sind.

Herr, hilf, dass wir all diese Dinge nicht als Selbstverständlichkeiten ansehen. Hilf, dass wir uns nicht nur an den schweren Tagen zu dir wenden, sondern auch an den guten. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.

Heute beschäftigt sich die Predigt mit einem Text, den sie womöglich schon einmal gehört oder gelesen haben. Er steht im Lukasevangelium im 19. Kapitel.

Biblischer Text: Lukas 19,1-10

1 Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lied „Lobe den Herrn, meine Seele“ NL 68 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

[Refrain:]

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen.

Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht,

den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

[Refrain:]

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

[Refrain:]

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

[Refrain:]

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt. Den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

[Refrain:]

Predigt zu Lk 19,1-10 (Audio Datei zum MITHÖREN)

Liebe Gemeinde,

Zöllner. Ein Wort, das alles sagt? Zöllner ist gleich Betrüger, ist gleich jemand, der bei den Steuerabgaben zu viel verlangt. Oberzöllner ist gleich Teil der Obrigkeit. Oberzöllner ist gleich jemand, der sich selbst die Hände nicht mehr schmutzig machen muss. Zöllner, Oberzöllner – egal. Fakt ist, sie haben kein gutes Image.

Ich halte inne und denke nach über diesen Zachäus. Betrügen, um zu Überleben?! War das wirklich das Lebenskonzept, das Zachäus einmal angestrebt hatte? Vielleicht war er stolz, dass er es soweit geschafft hatte? Ein kleiner Mann, der sich alles leisten konnte. Teuren Wein, fein bestickte Kleider. Aber vielleicht hatte er auch Momente der Sehnsucht? Nach guter Gesellschaft, danach, jemandem etwas zu bedeuten, geliebt zu werden. Vielleicht hängt er fest in der Spirale seines Lebens. Will einerseits etwas ändern, aber andererseits auch nicht auf seinen Standard verzichten müssen.

Zurück zur Geschichte. Zachäus hört also, dass Jesus in die Stadt kommt. Keiner soll so gut die Tora auslegen, wie er. Das will er nicht verpassen. Er will mitreden können als Oberzöllner. Aber als kleiner Mann, keine Chance. Da geht er nur unter in der Menge. Der Maulbeerfeigenbaum – wie für ihn gemacht. Er klettert hinauf. Umgeben von dickem Blattgeäst. Hier wird man ihn nicht entdecken. Aber er kann das Geschehen beobachten und sich diesen Jesus mal ansehen. Perfekt.

Und dann kommt alles ganz anders.

Jetzt tritt Jesus auf, als Freund der Zöllner und Sünder (Lk 7,34). Ich stelle mir vor, wie er sich unter den Baum stellt. Den Kopf in den Nacken legt und zu Zachäus ruft: „Hey! Du kannst herunter kommen. Ich hab dich gefunden. Komm und lass uns zusammen was essen und in Ruhe reden, bei dir daheim.“

Eine Unterbrechung. Interessant, was da passiert. Die Situation hätte auch ganz anders ausgehen können. Jesus hat nämlich ein Problem mit dem Überfluss an Luxus, in dem die Reichen seiner Zeit baden. „Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.“ (Lk 6,24) sagt er in seiner Rede auf dem Feld. Zachäus ist einer von diesen Reichen.

Die Szene hätte also auch so laufen können: Jesus tritt an den Baum, tadelt Zachäus, stellt ihn bloß vor der Menge. Nach dem Motto „Glaubst du etwa, du kannst dich vor mir verstecken? Da hast du dich geirrt! Du glaubst wohl, du kommst damit durch, mit deiner Abzockerei? Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt! (Lk 18,25)“

Aber nein. Obwohl oder vielleicht gerade weil Zachäus ein Reicher ist, sucht Jesus mit ihm die Begegnung, eben als Freund der Zöllner und Sünder. Jesus überrascht. Er gibt Zachäus eine Chance, dem, der Fehler gemacht hat.

In dieser Baumszene passiert scheinbar nicht viel und doch kommt einiges ins Rollen. „Steig herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Dieser eine Satz, er bewegt etwas in Zachäus. Von jetzt auf nachher. Es ist Gottes Zuwendung, die ihn durchfährt. Ein Stück weit zumindest. Es wird ganz warm um sein Herz. Gott hat ihn berührt mit Heil und Liebe. Ich stelle mir vor, wie er im Baum sitzt. Schockmoment. Er ist entdeckt. Seine Augen weit aufgerissen, er hält die Luft an. Dann, schlagartig ändern sich seine Gesichtszüge. Sie werden weich. Mit einem breiten, freundlichen Grinsen sitzt er im Baum. Dankbar. Dankbar, dass Jesus ihn angesprochen hat. Plötzlich hört er sich sagen: „Ja, okay. Komm mit.“

Jesus und Zachäus. Eine Begegnung, die etwas ins Rollen bringt. Nachdenken, Umdenken, Neudenken ist angesagt. Im Haus wird die Szene fortgesetzt, jetzt auf Augenhöhe.

Zachäus gesteht sich ein: „Mein Verhalten war ungerecht, menschenverachtend, falsch. Dass Jesus trotzdem mein Gast ist, ehrt mich sehr. Jetzt bin ich am Zug.“ Hinter all seiner Abgeschlagenheit blitzt sein Gewissen durch. Es tut ihm Leid. Er denkt nach. Was kann er ändern? Die Hälfte seines Vermögens geht an die Armen. Vierfach wird er das Erpresste zurückgeben. Zwar ist er damit längst nicht so radikal, wie z.B. der Zöllner Levi, der alles verkauft und zurücklässt und Jesus nachfolgt. Aber ein Anfang ist gemacht.

Ich staune immer wieder, wenn mir Geschichten wie diese über den Weg laufen. Geschrieben und verfasst vor mehr als 1000 Jahren und doch top aktuell.

Die Typen Menschen, die in der Geschichte vorkommen, sie gibt es auch heute. Menschen, die betrügen und Menschen, die sich diesen Menschen zuwenden.

Ich denke an die Seelsorgerinnen und Seelsorger hier in der Ortenau, die im Gefängnis arbeiten. Sie suchen das Gespräch mit Menschen, die eine Straftat begangen haben. Manche von ihnen haben vielleicht ähnlich wie Zachäus andere über's Ohr gezogen z.B. durch Betrug mit Kleinanzeigen im Internet oder anderes. Und genau zu den Menschen kommen die Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sie laden sich ein bei den Menschen. Ähnlich wie bei Jesus. Sie bringen Wertschätzung und Gottes Wort in die Zellen. Geben Hoffnung und eine Perspektive, dass Gott verzeiht und vergibt, wenn ich mir Fehler eingestehe und versuche, mich zu bessern.

In einer der großen Bekenntnissschriften der evangelischen Kirche, dem Augsburger Bekenntnis von 1530, da heißt es an einer Stelle – etwas freier formuliert: „Wer getauft ist und Buße tut, dem werden seine Sünden von Gott vergeben. Buße tun, das heißt, „etwas bereuen“; sagen, dass es mir Leid tut, eingestehen, dass ich nicht im Sinne Jesus gehandelt habe. Und das heißt, am Glauben festhalten und darauf vertrauen, dass Gott uns Gnade zuspricht und unsere Fehler verzeiht. Und dann steht da eben noch, dass aus dieser Reue Besserung folgen soll.“

Das ist nur einer von vielen Leitsätzen, nach denen wir als evangelische Kirche, als Christinnen und Christen, leben und handeln sollen.

Wenn ich zurück an Zachäus denke, dann glaube ich, ist genau das geschehen. Die Begegnung mit Jesus hat ihn verändert und sie hat dazu geführt, dass er sich bessern will. Ja, biblische Geschichten wie diese, sie bringen mich zum Nachdenken. Auch ich bin nicht perfekt. Habe meine Ecken und Kanten wie Zachäus. Aber, dass sich bei ihm etwas geändert hat, gibt mir Hoffnung. Auch bei mir kann sich etwas ändern, indem ich mich ansprechen lasse von Gottes Wort, von seiner Botschaft, von seinem Heil. Indem ich versuche, mein Leben in seinem Sinne zu leben. Ich muss nicht radikal alles verkaufen wie der Zöllner Levi. Aber ich kann einen Anfang machen. Über mein Verhalten nachdenken. Fehler eingestehen. Umdenken, Neudenken und mutig sein, das nächste Mal anders, besser und gerechter zu handeln.

Amen.

Lied „Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn“ EG 333, 1-6 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1) Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn Er ist freundlich und Seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich, sie währet ewiglich.

2) Lobet den Herrn! Ja, lobe den Herrn, auch meine Seele; vergiß es nicht, was Er dir Guts getan, was Er dir Guts getan, was Er dir Guts getan.

3) Sein ist die Macht! Allmächtig ist Gott, Sein Tun ist weise, und Seine Huld ist jeden Morgen neu, ist jeden Morgen neu, ist jeden Morgen neu.

4) Groß ist der Herr! Ja, groß ist der Herr, Sein Nam´ ist heilig, und alle Welt ist Seiner Ehre voll, ist Seiner Ehre voll, ist Seiner Ehre voll.

5) Betet Ihn an! Anbetung dem Herrn! Mit hoher Ehrfurcht werd auch von uns Sein Name stets genannt, Sein Name stets genannt, Sein Name stets genannt.

6) Singet dem Herrn! Lobsinget dem Herrn in frohen Chören;

denn Er vernimmt auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang.

Fürbitt-Gebet (Audio Datei zum MITHÖREN)

Jesus Christus, wenn du keine Hoffnung gibst, wo sollen wir sie dann suchen? Wenn du nicht vorbeikommst, nach wem sollen wir sonst Ausschau halten?

Komm, Jesus Christus, sprich zu denen, die sich nach Hoffnung verzehren. Verwandele mit deiner Gegenwart die Orte ohne Trost: Moria, die ungezählten Lager, in denen Flüchtlinge zu überleben versuchen, die Foltergefängnisse der Diktatoren, die Hütten der Verarmten und Hungernden. Komm und kehre dort ein, wo unser Trost nicht ankommt. Kyrie eleison.

Komm, Jesus Christus, sprich zu denen, deren Schmerzen nicht enden. Heile durch deine Gegenwart die Leidenden: die Kranken, denen unsere Medizin nicht hilft, die Infizierten und alle, die sie pflegen, die Einsamen und die Trauernden. Komm und kehre dort ein, wo wir nicht heilen können. Kyrie eleison.

Komm, Jesus Christus, sprich zu denen, die in dieser Welt Einfluss haben. Bekehre durch deine Gegenwart alle, die sich ihrer Macht sicher sind: die Herrscher, die, die über Waffen verfügen, diejenigen, die über andere urteilen und die, auf deren Meinung gehört wird. Komm und kehre dort ein, wo unser Glaube keine Rolle spielt.

Kyrie eleison.

Komm, Jesus Christus, und kehre in unseren Häusern ein, bei denen, die dir vertrauen und auf dich hoffen, und bei denen, die dich suchen. Sprich zu deiner Gemeinde - hier und überall,

heute und alle Zeit.

All diese Menschen und auch uns selbst befehlen wir dir an und schließen sie und uns ein in dein Gebet:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied „Nun danket alle Gott“ EG 321 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1) Nun danket alle Gott / mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut / an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib / und Kindesbeinen an unzählig viel zugut / bis hierher hat getan.

2) Der ewigreiche Gott / woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz / und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad / erhalten fort und fort und uns aus aller Not / erlösen hier und dort.

3) Lob, Ehr und Preis sei Gott / dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist / im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein'gen Gott, / wie es im Anfang war und ist und bleiben wird / so jetzt und immerdar.


Segen (Audio Datei zum MITHÖREN)

Der HERR segne dich und er behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

Amen. Kerze auspusten (oder noch eine Weile angezündet lassen ☺)



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