• Ute Braun

Kirche - Daheim (15. Sonntag nach Trinitatis)


Gottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis, den 20.9.2020, in Lichtenau


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


AUDIO zum Mithören erleben Sie beim Besuch in der evangelischen Kirche zu Lichtenau.


Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 127 (NL 963)

Wenn der HERR nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,

so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht

und hernach lange sitzet

und esset euer Brot mit Sorgen;

denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Eingangsgebet:

Guter Gott, hier bin ich!

Was mich belastet, bewegt oder freut, das habe ich im Gepäck. Manches springt da von selbst heraus. Manches ist ganz tief unten verstaut.

Schau mich heute an mit meiner Freude, meinem Kummer, meinen Sorgen. Komm du mir nahe, darum bitte ich dich.

Komm auch dem Menschen neben mir nahe durch dein Wort und deinen Segen. Lehre mich und uns, leite uns gemeinsam in dieser Stunde und an diesem Tag durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Lied: Der mich atmen lässt (NL 119,1+2+4+8) AUDIO zum Mitsingen


1) Der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich leben lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich schweigen lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

2) Der mich warten lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich handeln lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich Mensch sein lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

4) Der mich glauben lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich hoffen lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich lieben lässt, bist Du, lebendiger Gott,

der mich atmen lässt, bist Du, lebendiger Gott.

8) Der mir Freude schenkt, bist Du, lebendiger Gott,

der mir Freiheit schenkt, bist Du, lebendiger Gott,

der mir Leben schenkt, bist Du, lebendiger Gott,

der mir Atem schenkt, bist Du, lebendiger Gott.

Lesung: 1.Mose 2,4b-9+15

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.


Predigtgedanken

Wir atmen – ein und aus.

Ganz selbstverständlich. Wir müssen gar nicht darauf achten. Es geschieht einfach.

Wir atmen – ein und aus – ganz regelmäßig – Tag für Tag und Nacht für Nacht. Selbst wenn wir schlafen und nichts anderes tun: unser Atem fließt weiter.

Manchmal stockt uns der Atem: wenn wir erschrecken. Wenn uns Angst die Kehle zuschnürt. Wenn uns etwas erschüttert.

Oft ist es nur ein kleiner Moment – ein Moment aber, den wir sehr bewusst wahrnehmen.

Manchmal atmen wir schwer: wenn wir uns anstrengen, wenn wir uns aufregen, wenn uns Sorgen beschweren.

Dann brauchen wir ein bisschen, um wieder zur Ruhe zu kommen – merken, dass unser Atem ruhiger wird.

Achten Sie manchmal auf ihren Atem? Spüren ihn in sich?

Mir hilft das manchmal, um zur Ruhe zu kommen.

Nichts anderes tun, als darauf zu achten, wie ich ein- und ausatme.

Wir atmen – ein und aus! Wir leben!

„Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“

Mit ganz wenigen Worten beschreibt die zweite Schöpfungsgeschichte, wie Gott den Menschen macht:

Er formt ihn – aus Erde. So wie wir ein Gefäß aus Ton töpfern. Einfach, schlicht, natürlich – doch auch zerbrechlich, vergänglich.

„Von Erde bist du genommen, zu Erde wirst du werden“, heißt es an anderer Stelle in der Bibel.

Das ist eine Seite unseres Menschseins, die wir gerne ausblenden: wie zerbrechlich und vergänglich unser Leben ist – wie gefährdet.

Aber in dem Vers der Schöpfungsgeschichte steckt noch mehr: auch die anderen Geschöpfe entstehen so wie wir – sind ebenso verletzlich, gefährdet, vergänglich.

Aber eines unterscheidet sie in dieser Erzählung: „Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“

Der Mensch, aus Erde geformt, trägt den Atem Gottes in sich – den Lebenshauch – erst so wird er ein lebendiges Wesen, erzählt diese Geschichte! Diese Vorstellung berührt mich:

Der Atem, der in mir fließt – so selbstverständlich – oft unbeachtet – ist ein Lebenshauch Gottes? Ja, wenn man so will, könnte man sagen: wir tragen diesen Lebensatem Gottes in uns, einen Hauch von Gott.

Das macht uns zu etwas Besonderem, erzählt die Bibel!

Und sie erzählt noch mehr:

Ich muss bei diesem Vers an die chinesische Bewegungsmeditation Qi Gong denken. In ihr arbeitet man mit der Vorstellung, dass mit dem Atem eine Lebensenergie in uns hineinfließt und uns ganz durchdringt. Manche stellen es sich als besondere Kraft vor, die sie erfüllt – eine Quelle, die sie zur Ruhe kommen lässt und stärkt. Ein Hauch Gottes?

Mit diesem inneren Bild schaue ich wieder in unseren Text: Gott bläst seinen Lebensatem in den Menschen – so wird er ein lebendiges Wesen. Die Kraft Gottes durchdringt den Menschen, macht ihn lebendig, erfüllt ihn, stärkt ihn.

Versuchen Sie es sich einfach mal vorzustellen:

Mit jedem Atemzug durchdringt Sie Gottes Kraft oder auch sein Geist. Er hilft Ihnen zur Ruhe zu kommen, er stärkt Sie, er tröstet Sie – je nachdem, was Sie gerade von Gott brauchen.

Er macht uns lebendig – oder man könnte auch sagen: er macht uns fähig zum Leben.

Und wie dieses Leben aussieht, das erzählt die zweite Schöpfungsgeschichte auch:

Gott pflanzte einen Garten – ein kleines Paradies, in dem der Mensch sich wohlfühlen soll. Einen Nutzgarten mit Bäumen und allerhand anderen Pflanzen, die der Menschen zum Leben braucht. Und er setzt den Menschen mitten in diesen Garten und gibt ihm einen Auftrag: er soll ihn bebauen und bewahren.

Ja, dieses kleine Paradies ist nicht nur zum Ausspannen und zum Füße hochlegen gedacht, sondern es ist auch ein Arbeitsplatz, eine Aufgabe, eine Verantwortung.

Der Mensch ist für diesen Garten und alle, die mit ihm darin leben, verantwortlich.

Und das hat sich bis heute nicht geändert – auch wenn wir nicht im Garten Eden zwischen den 4 schönen Flüssen leben:

Wir haben eine Aufgabe, eine Verantwortung in dem Garten, in den Gott UNS gesetzt hat. In unserer Welt, in unserem Wohnort in Lichtenau oder Rheinmünster oder auch anderswo.

Wir sollen unseren Lebensort bebauen und bewahren – das heißt wir sollen darin nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten – aber diesen Ort auch bewahren und schützen mit unserer ganzen Lebenskraft.

Wenn wir uns in unserer Welt umschauen, dann wissen wir, dass das keine leichte Aufgabe ist, keine kleine Verantwortung. So viele Menschen leben mit uns hier auf dieser Erde – so viele Geschöpfe, die wir zu schützen haben. Und so ein großer Garten, der uns mit allem, was darauf wächst und uns als weiter Kosmos umgibt, signalisiert, dass wir endlich die Verantwortung übernehmen müssen, die uns übertragen wurde: zwischenmenschlich, ökologisch, gerecht.

Da kann einem schon die Puste ausgehen oder der Atem stocken: wie sollen wir das denn schaffen?

Und die Versuchung ist groß, sich ein eigenes kleines Paradies zu schaffen, die Füße hochzulegen und die Arbeit draußen anderen zu überlassen.

Aber da ist immer noch dieser Atem Gottes in uns, der uns zu etwas Besonderem macht. Zu Geschöpfen, die eigentlich wissen, wie bedroht und zerbrechlich alles ist. Zu Menschen, die mit diesem Atem Gottes auch die Verantwortung spüren, dass sie eine Aufgabe zu erfüllen haben.

Wir atmen – ein und aus. Wir leben! Aber nicht allein.

Wir haben die um uns, auf die wir achten, für die wir sorgen, die wir schützen müssen – weil sie gerade zu schwach sind, sich selbst zu helfen. Und wir wissen um die Generationen nach uns, für die wir unsere Welt im besten Sinne „bewahren“ müssen.

Aber wir haben auch die um uns, die die Verantwortung spüren und mit denen wir gemeinsam die Kraft einsetzen können, die uns erfüllt.

Und wir haben den Atem Gottes in uns, der uns lebendig macht, uns stärkt, tröstet, bereit macht zum Leben.

Wie lange brauchen wir denn noch, um ihn in uns zu spüren?

Wir atmen – ein und aus. Ganz unbewusst! Aber muss es denn so bleiben?

Warum achten wir nicht viel mehr auf diesen Atem Gottes? Auf diese Lebensenergie aus Gott, die uns fähig macht zu handeln – überall dort, wo unser jeweiliger Platz ist in diesem großen schönen Garten!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.


Lied: Gott gab uns Atem (EG 432,1-3) AUDIO zum Mitsingen


1) Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2) Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3) Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Schlussgebet:


Gott,

du erfüllst uns mit deinem Lebenshauch, mit deiner Kraft und Lebensenergie. Sie will uns erfüllen, damit wir spüren, dass wir nicht allein sind, sondern dass du selbst in uns wirkst:

So bitten wir dich heute für alle, die diese Kraft aus dir brauchen:

Wir bitten um Trost für die Trauernden, um Hilfe für die Einsamen, um Heimat für die Vertriebenen, um Perspektiven für die Hoffnungslosen, um Halt für die Hilflosen, um Entlastung für die voller Sorgen und Angst.

Wir bitten um deinen lebendig machenden Geist, der uns erkennen lässt, welche Verantwortung wir haben:

Für unsere Welt, mit allen Geschöpfen und Pflanzen, die darauf leben – und für viele Generationen nach uns.

Für ein friedliches Miteinander – über Grenzen von Ländern, Kulturen und Religionen hinweg.

Für einen menschlichen Umgang mit allen in Not bitten wir – damit wir bereit werden, Brot und Heimat zu teilen, mit allen, denen das Leben das Letzte abfordert.

Wir bitten um deinen Lebenskraft für uns selbst – die uns antreibt, wenn wir die Füße hochlegen wollen und die Verantwortung auf andere schieben – die uns aufrichtet, wenn uns selbst die Kraft ausgeht – die uns tröstet und zur Ruhe kommen lässt, wenn unsere Kehle eng und das Atmen schwer wird.

Lass sie uns bewusst wahrnehmen – deine Kraft, die uns mit jedem Atemzug erfüllt und durchdringt.


Und gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel…

Lied: Du bist der Atem der Ewigkeit (NL 23,1+3+6-8) AUDIO zum Mitsingen


1) Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

3) Du bist die Klage in Angst in Not, du bist die Kraft, unser täglich Brot. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

6) Du bist das Kreuz, das die Welt erlöst, du bist der Halt, der uns Mut einflößt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

7) Du bist die Hand, die uns schützend nimmt, du bist das Korn, das dem Tod entspringt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

8) Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

Segen

Es segne und behüte euch der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.



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